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Downfall Of Gaia

Interview von: arne mit Dominik und Peter, am: 29.11.2014 ]

Der Kampf gegen die Uhr währt eine ganze Stunde und wird von den Musikern vehement ausgefochten. DOWNFALL OF GAIA thematisieren auf ihrem neuen Longplayer die Zeit und das Leben des modernen Menschen als ihre Geisel. Das Konzept versetzt das Quartett gehörig in Wallung. „Aeon Unveils The Thrones Of Decay“ kommt um einiges unbequemer, heftiger und brachialer als sein Vorgänger. Die melodischen bis epischen Avancen von „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ sind verschwunden. Stattdessen klingen die sieben neuen Stücke allesamt rudimentär und aufwühlend. Das gilt selbst für die sphärischen Momente, die einen Gegenpol zur jähen und direkten Aggressivität schaffen.

 

Musicscan: Im letzten Jahr sind das Material von Epos und die Stücke der Split mit In The Hearts Of Emperors auf einer CD neu aufgelegt worden. Seid Ihr als Band involviert gewesen und habt das Rerelease befürwortet? Ist das Interesse an Euren früheren Sachen mit der ersten Metal Blade-Scheibe gestiegen? Wie war es, sich (vielleicht) wieder intensiver mit den früheren Songs zu beschäftigen bzw. von Hörer auf sie angesprochen zu werden?

Downfall Of Gaia: Dominik: Das Interesse ist auf jeden Fall gestiegen. Das war auch der Grund für eben dieses re-release und halt eben auch ganz einfach, weil es die früheren Platten „nur“ auf Vinyl gab und viele Leute immer wieder nach einer CD-Version gefragt haben. Wirklich intensiver haben wir uns in dem Zusammenhang auch gar nicht mit den Songs beschäftigt. Es kam schon öfters mal vor, dass man auf bestimmte Songs von der „Epos“ angesprochen wurde, welche wir auch gar nicht mehr live spielen. Aber das war voll ok. Ich muss zugeben, ich habe die erste Platte schon ewig nicht mehr gehört, aber irgendwann haben wir mal wieder reingehört und dachten uns „Ach – so war das also!“.

Downfall Of Gaia: Peter: Wir hatten schon immer heiß mit unseren „ehemaligen“ Labels über ein CD-Release gesprochen, da von beider Seiten Interesse bestand. Nach dem Wechsel zu Metal Blade, bot sich eine Art Discography CD der pre-Metal Blade Ära ganz gut an. Auch wenn die Demo Werke es nicht auf die Discography geschafft haben.

Musicscan: Wenn Ihr die frühen Sachen und jetzt Aeon... nebeneinander stellt und die Entwicklung reflektiert: was hat die Veränderungen getrieben, seid Ihr zufrieden, was überrascht Euch vielleicht, wie bewertet Ihr insgesamt die bisherige Zeit als Band?

Downfall Of Gaia: Dominik: Ich würde einfach mal behaupten, dass alles war ein ganz normaler Entwicklungsprozess. Die Ansprüche an uns selbst sind von Platte zu Platte gestiegen und außerdem waren wir musikalisch untereinander immer offen und das ganze ist dann, wie von selbst, in das jeweilige Songwriting mit eingeflossen. Ein recht organischer Prozess, wenn man so will. Ein recht organischer Prozess aber auch mit vielen Hochs und Tiefs, die sich über die Jahre so angesammelt haben. Wir waren bestimmt schon öfters mal an dem Punkt, an dem wir dachten, jetzt ist es vorbei. Irgendwie ging es dann aber doch immer weiter und alles in allem will ich an der ganzen Nummer nichts missen müßen. Wenn ich mir alleine schon vorstelle, welche verrückten Orte und Leute wir durch die Band schon kennenlernen durften und wo wir schon überall sein durften, dann möchte ich mich auf keinen Fall beschweren!

Downfall Of Gaia: Peter: Da wir nun inzwischen unseren vierten Drummer haben, gab es irgendwie auch immer neue und abgeschlossene Kapitel mit der Band. Das hat auch dazu geführt, dass wir uns immer wieder neu die Frage gestellt haben wo wir hinwollen und wofür wir uns die ganze Mühe geben. Insofern wußten wir meistens immer genau, was wir wollten und sind nie wirklich sinnlos umher getrieben. Deswegen bin ich auf jeden Fall auch sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Musicscan: Was hat Euch rückblickend die Kooperation mit Metal Blade gebracht? Profitiert eine Band wie die Eure stark davon, auf so ein etabliertes Metal Label zu kommen? Grundsätzlich würde ich das angesichts Eures Stils weniger erwarten… Oder verhält es sich anders?

Downfall Of Gaia: Dominik: Wir bekommen auf jeden Fall eine höhere Aufmerksamkeit und eben diese hat uns im gleichen Atemzug auch diverse neue Türen geöffnet. Von daher würde ich schon sagen, dass uns dieser Schritt weiter gebracht hat und wir zumindest in eingen Bereichen davon profitieren können.

Musicscan: So ähnlich, aber doch mit anderer Stoßrichtung: Als das Metal Blade Signing bekannt wurde, ist hier und da diskutiert worden, ob eine DIY-geprägte Band wie die Eure mit einem solch etablierten Metal-Label zusammen passt. Welche Erfahrungen habt Ihr bislang gemacht? Was funktioniert, was nicht? Würdet Ihr den Schritt wieder gehen? Welche Erwartungen verbindet Ihr mit der Zusammenarbeit in Zusammenhang mit Aeon Unveils The Thrones Of Decay?

Downfall Of Gaia: Peter: Wir würden den Schritt auf jeden Fall wieder machen. Wir sind sehr froh darüber, dass wir auch mit unserer neuen Platte „Aeon Unveils The Thrones Of Decay“ wieder mit Metal Blade zusammenarbeiten. Wir hoffen das dieses zweite Release auf Metal Blade unseren Stand auf diesem Label festigt und wir gut auf das Fundament der Suffocating aufbauen können. Es besteht natürlich bei einem Wechsel auf solch ein Label eine viel höhere Aufmerksamkeit für die Band und irgendwie hat man selber auch einen höheren Anspruch an sich selber, um dieser höheren Aufmerksamkeit gerecht zu werden. Was ich auch sehr interessant und positiv finde ist, dass wir nun ein wesentlich breit gefächertes Publikum haben. Durch das Signing sind wir für eine größere und breitere Masse zugänglich geworden. Unsere DIY Einstellung haben wir dabei natürlich nie verloren, wir drucken selber unseren Merch, haben keinen Manager oder Produzenten und entscheiden jeden Punkt bei einem Plattenrelease selber. Dies funktioniert sehr gut im Einklang mit der Zusammenarbeit mit Metal Blade. Mir fällt gerade auch nicht wirklich viel ein was nicht funktionieren würde.

Musicscan: Mit Suffocating In The Swarm Of Cranes seid Ihr eine längere Zeit in Nordamerika getourt. Welche Eindrücke, welches Feedback gibt es von dort zu vermelden? Grundsätzlich würde ich vermuten, dass Ihr ob Eures Stils dort besser ankommt als hierzulande. Verhält es sich so?

Downfall Of Gaia: Peter: Wir haben in Europa zur Zeit noch einen wesentlich höheren Anklang, als in den USA. In den Staaten zu touren ist sehr hart, da die Deals oft sehr schlecht sind, verglichen mit europäischen Verhältnissen. Die meisten Promoter sind hier nicht wirklich daran interessiert, der Band einen guten Aufenthalt in ihrem Club zu gewähren. Auch die Besucherzahlen sind nicht wirklich vergleichbar mit europäischen Shows. Abgesehen davon hatten wir nur positive Rückmeldung. Wir wollen 2015 wieder in den USA touren und hoffen, dass der Anklang mit dem neuen Release gewachsen ist.

Musicscan: Mit Michael Kadnar seid Ihr damals ja bereits getourt, auch wenn er mit seiner anderen Band dabei war. Wie hat es sich letztlich genau ergeben, dass er nun Teil des Line-Ups geworden ist? Und wie regelt Ihr das mit Touren? Kann er meistens oder immer dabei sein oder gibt es Ersatz-Drummer, die bei Bedarf einspringen können?

Downfall Of Gaia: Peter: Damals auf der US Tour hatten wir uns schon sehr mit Mike angefreundet und hatten somit danach regen Kontakt. Als Hannes Ende 2013 die Band verlassen hatte, hat sich Mike direkt angeboten. Nach kurzer Zeit hin und her überlegen, wollten wir uns auf das Abenteuer einlassen, da er inzwischen ein sehr guter Freund geworden ist, als auch hinter dem Schlagzeug einer Maschine gleicht. Eine Bedingung für uns war dabei, das er jede Tour mitspielen kann, denn wir wollen nicht mit Ersatzdrummern spielen. Dies funktioniert auch recht gut und auch bei zukünftigen Planungen steht dem nichts im Weg. Schade ist hierbei natürlich, dass wir keine einzelnen Dates oder kleine Mini-Wochenend-Pakete mehr spielen können.

Musicscan: Für Suffocating In The Swarm Of Cranes dürfte es mehr Reviews und Interviews als bei den Veröffentlichungen davor gegeben haben. So insgesamt: fühlt Ihr Euch und Euren Ansatz rückblickend verstanden oder klafft da vielleicht eine Lücke zwischen der Wahrnehmung und dem, was Ihr auszudrücken sucht?

Downfall Of Gaia: Dominik: Im großen und ganzen ist die reine „Interpretationssache“ total subjektiv. Wir haben schon die verrücktesten „Deutungen“ unserer Texte und Alben gehört und finden das aber auch total in Ordnung. In erster Linie machen wir die Musik und das drumherum für uns persönlich, lassen hingegen aber auch absichtlich genügend Spielraum für eine eigene Auslegung der ganzen Geschichte. Von daher würde ich nicht sagen, wir fühlen uns „unverstanden“. Das passt schon alles so, wie es ist.

Musicscan: Mit Aeon Unveils The Thrones Of Decay legt Ihr nun ein grimmiges, unbequemes Werk vor. Woher resultiert die barsche Attitüde – war sie geplant oder kam sie zufällig zustande? Es wird zweifellos Hörer geben, die im Umgang mit dem neuen Album Probleme haben, auch wenn sie Suffocating… vielleicht mochten. Ist das bewusste Provokation? ;-)

Downfall Of Gaia: Dominik: Keine bewusste Provokation in dem Sinne. Aber wir wollten schon einen Schritt nach vorne. Das die neue Platte, aus genau dem Grund, bei einigen Leuten nicht sonderlich gut ankommen wird, ist uns auch bewusst. Wir wollten uns aber schon ganz bewusst auf schnelle und aggressive Stücke konzentrieren. Wollten nicht nochmal das gleiche machen, wie auf „Suffocating In The Swarm Of Cranes“. „Suffocating...“ spielt ziemlich oft mit lang aufbauenden Intros und ein Song hat Zeit gebraucht, um in Fahrt zu kommen. Genau das wollten wir auf der neuen Platte ändern und uns auf das konzentrieren, was uns halt auch live am meisten Spaß macht. Das sind dann schon eher die aggressiven Passagen. Das ganze natürlich atmosphärisch verpackt!

Musicscan: Wie seid Ihr auf den thematischen Kern rund um die Zeit gekommen? Interessanterweise braucht es bei der Rezeption durchaus Zeit, sich hinein zu hören und auf Eure Absichten zu schließen. Habt Ihr diese Sub-Ebene einkalkuliert und adressiert oder ist das „nur“ eine Folge der leicht anderen Ausrichtung der Platte?

Downfall Of Gaia: Dominik: Die Themen unserer Platten entstehen eigentlich immer durch gewisse momentane Umstände. Das Thema Zeit, in all seinen unaufhaltsamen Formen, hat mich zu dem Zeitpunkt einfach interessiert und mich beschäftigt. Da nun die Texte aus meiner Feder stammen, kam das eine zum anderen. Auch wenn ich mit meinen 30 Jahren noch relativ jung bin, habe ich zu der Zeit einfach viele Dinge rückblickend betrachtet, mich mit mir selber, meiner Umwelt und dem voranschreiten der tickenden Uhr beschäftigt. Habe beobachtet, wie sich die Dinge über die Jahre um mich und auch in mir geändert haben und so kam das alles eigentlich zustande. Die einen mögen es für total überzogen halten, sich um sowas Gedanken zu machen, die anderen vielleicht diesen Gedankenzirkus ganz gut kennen. Der Mensch ist doch schon immer darauf erpicht gewesen, alles um sich herum kontrollieren zu können, was sich in Hinblick auf die Zeit eher schwierig gestaltet. Du kannst sie zwar totschlagen und meinetwegen auch füllen, ablaufen tut sie uns allen aber trotzdem und jeder muss halt irgendwie mit Zerfall und Verlust zurechtkommen.

Downfall Of Gaia: Peter: Hand in Hand mit den Texten waren auch definitiv einige vertrackte Passagen geplant und eben halt zum Thema geschrieben. Auch das progressivere Vorgehen auf der Platte war durchaus geplant. Uns ist dadurch bewusst, dass die Platte nicht so leicht zu schlucken ist, wie der Vorgänger. 100% geplant zum Thema war dies aber nicht, allerdings passt es tatsächlich sehr gut zur Thematik, da hast du recht.

Musicscan: Woran habt Ihr beim Schreiben und Spielen mehr Spaß: an den eruptiven, heftigen Passagen oder den atmosphärischen? Und wie stellt Ihr beim Songwriting sicher, dass Ihr einerseits zu einer ausgewogenen Balance und wirkungsvollen Kontrasten findet und andererseits in sich stimmige Songs mit einer sich aufbauenden Spannungskurve erschafft?

Downfall Of Gaia: Dominik: Ich würde sagen, die gesunde Mischung machts. Heftig, drückende Passagen in Kombination mit atmosphärischen Ausbrüchen liegen uns persönlich wohl am besten. Das ganze spiegelt sich dann auch im Songwriting wieder. Auch wenn es ziemlich lange dauert, bis wir mit einem Song zufrieden sind, glaube ich, wir gehen die ganze Sache gar nicht so verkopft an und lassen es einfach fließen.

Musicscan: Wie verhält es sich mit Bauchgefühl/Instinkt vs. Planung/bewusstes Vorgehen: was besitzt bei Euch welchen Stellenwert und wie fließt beides ins Songwriting ein? Vom Hören her würde ich vermuten, dass vieles instinktiv passiert, jedoch nicht alles…

Downfall Of Gaia: Peter: Dominik und ich bereiten die Songs oft schon komplett vor. Hier machen wir uns dann auch Gedanken darüber, was passieren soll, wie welche Passagen und Stimmungen zu den einzelnen Songs und der Thematik passen und welchen Aufbau der Song besitzen soll. Wenn wir uns dann mit der ganzen Band zum finalen Songwriting treffen, zählt eigentlich nur noch das Bauchgefühl. Teilweise werden Songs dann auch noch einmal auseinander genommen und neu zusammengebastelt oder erweitert.

 
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