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Raunchy

Storie von: arne, am 24.11.2014 ]

Die Meister des „Futuristic Hybrid Metal“ melden sich zurück – und wie! Mit der Veröffentlichung des famosen „Vices.Virtues.Visions“ endet eine vierjährige Durchstrecke ohne neues Album. Melo-Death, Synthie-Pop und mehr werden nun wieder selbstbewusst und konsequent in Hymnen-Form gebracht, auf dass ein Ohrwurm den anderen jagt. Mike Semesky (Intervals, ex-The HAARP Machine) gibt sein Debüt als Frontmann, so dass RAUNCHY nunmehr als transatlantisch besetzte Band antreten.

 
Nach der Veröffentlichung von „A Discord Electric“ ist es zuletzt ruhiger um das Sextett geblieben, doch Phasen mit und ohne Aktivität ziehen sich durch die bisherige Karriere der Gruppe. Darauf, dass die Musiker zurück kehren, kann man sich aber stets verlassen: „Gerade gestern habe ich darüber nachgedacht, wie lange mich die Band inzwischen schon begleitet und ein wesentlicher Teil meines Lebens ist“, äußert Gitarrist Lars Christensen am Telefon. „Auf das, was wir bislang erreicht haben, bin ich unsagbar stolz – auf jeden Song, jedes Album, einfach auf alles. Wie sich unser Stil über die Zeit entwickelt hat, fühlt sich toll an. Ich bin froh, Teil dieser Geschichte zu sein und überzeugt davon, dass es uns auch weiterhin gelingen wird, gute Musik zu erschaffen. Unsere Motivation ist genauso stark wie vor zwanzig Jahren. Es gibt so viele besondere Momente, die wir schon erlebt haben und noch erleben wollen. Allein schon die Tatsache, dass wir noch immer zusammen sind, spricht für sich. Wir haben jetzt wieder einen neuen Sänger, doch die übrigen fünf Leute sind weiterhin dieselben. Wir stammen aus derselben Gegend, sind zusammen aufgewachsen und seit so vielen Jahren eine Gruppe. Seit mehr als zwanzig Jahren teilen wir all die Erlebnisse, die das Band-Dasein mit sich bringt. Das ist unser Privileg.“

Zum Ansatz von RAUNCHY gilt es zu wissen, dass die Musiker fast schon von Anfang an einen realistischen Blick auf ihre Band-Aktivitäten haben und mit dem zufrieden sind, was sich ergibt: „Zu den markanten Eckpunkten unserer Karriere zählt natürlich das Signing auf Nuclear Blast mit „Confusion Bay“. Schon damals wussten wir, dass sich die Dinge gut für uns entwickeln würden. So kam es ja dann auch, denn später ging es auf Lifeforce nahtlos weiter und wir konnten immer unsere Platten heraus bringen. Anfangs konnten wir kaum glauben, dass jemand außerhalb Dänemarks Interesse an uns zeigt. Als wir am Debüt gearbeitet haben, sollte dieses ja nur auf einem kleinen dänischen Label erscheinen. Dass es später nochmals über Nuclear Blast kommen würde, hätten wir uns nie zu träumen gewagt. Im ersten Überschwang dachten wir, wir könnten die nächsten Metallica werden, doch das ist nicht passiert, wie wir wissen. Zum damaligen Zeitpunkt haben wir alle noch studiert und hatten viel Zeit für die Band. Heute gehen wir normalen, guten Jobs nach. Schon zu einem frühen Zeitpunkt wussten wir, dass wir keine professionelle Band-Karriere anstreben, sondern die Musik immer ein zeitintensives, ernsthaftes Hobby sein würde. Da das innerhalb der Band Konsens war, konnten wir uns ohne Druck auf die kreative Arbeit konzentrieren. Mit Festivals und Touren haben wir es nicht übertrieben. Im Kontext der Band haben wir immer geschaut, was machbar ist und was nicht. Dieses Vorgehen haben wir bis heute nicht bereut, denn wie es auch laufen kann, sehen wir in unserem Umfeld bei Mnemic, mit denen wir eng befreundet sind. Sie haben eine Zeit lang alles auf eine Karte gesetzt und unglaublich viel getourt. Relativ schnell gelangten sie an einen Punkt, an dem es nicht mehr weiter ging und die Band nicht mehr größer geworden ist. Die Folge war, dass sich intern Spannungen auftaten und die Basis zum Weitermachen infrage stand. Ohne eine grundlegende Verständigung und gemeinsame Ziele geht es eben nicht. Bei RAUNCHY wissen wir das und nehmen aufeinander, unsere Bedürfnisse und Möglichkeiten Rücksicht. So stellen wir sicher, dass wir alle weiter machen können und gemeinsam Spaß haben. Für die Band geben wir natürlich trotzdem alles.“

Der Gitarrist bekräftigt das Gesagte auf Nachfrage: „Ja, wir haben uns zu einem frühen Zeitpunkt darauf festgelegt, was wir wollen und wie weit wir bereit sind, zu gehen. Als „Confusion Bay“ erschienen ist, sind wir kurzzeitig auch sehr viel getourt, doch das haben wir nicht lange durchgehalten. Hätten wir durchgezogen, könnten wir heute vielleicht so groß sein wie In Flames. Wer kann das schon sagen, haha. Doch für uns stand fest, dass es für uns die oberste Priorität ist, gute Alben zu veröffentlichen und unseren Platz im Leben zu finden. Mit dem Touren wollten und wollen wir es nicht übertreiben. Musik ist ein wichtiger Teil unserer Leben und wir sind überzeugt davon,


tolle Songs zu bieten zu haben. Mit RAUNCHY wollen wir es so weit bringen, wie möglich. Das jedoch nur im Rahmen unserer Möglichkeiten. Seit Jesper, unser anderer Gitarrist, und unser Keyboarder und Sänger Jeppe Väter sind, konkurriert die Band mehr denn je mit dem Privatleben. Dass wir weiter machen wollen, steht aber außer Frage – und sei es nur im Proberaum.“

Vor dem Hintergrund dieser Einstellung sollte es auch funktionieren, dass RAUNCHY nunmehr mit einem amerikanischen Frontmann antreten. Sein Einstieg kam eher zufällig zustande, wie der Gitarrist erzählt: „Die letzte Zeit mit Kasper war schwierig. Immer wieder ist es vorgekommen, dass er kurzfristig lange geplante Touren oder Shows abgesagt hat. Das schaut man sich eine Zeit lang an, doch dann muss man die Sache durchsprechen und schauen, woran es liegt. Die Leute fingen schon an, uns als Band mit immer neuen Aushilfs-Sängern anzusehen. So konnte es nicht weitergehen. Das Ergebnis ist bekannt, doch böses Blut hat es zwischen uns nicht gegeben. Es hat zeitlich einfach nicht mehr zusammen gepasst. Als wir Kasper vor die Wahl stellten, entweder wieder richtig mitzumachen oder sich zurück zu ziehen, ist er ausgestiegen. Das war okay, denn so wussten wir, woran wir sind. Wir fünf haben uns dann getroffen und überlegt, wie es weiter gehen soll. Wir fühlten, dass noch viel Musik in uns ist, also stand es außer Frage, aufzugeben. Mike kannten wir da schon eine ganze Weile. Er hat uns als Fan immer wieder geschrieben, Merchandise bestellt und sich nach dem Stand der Dinge erkundigt. Wir wussten natürlich, dass er der Sänger von The HAARP Machine ist, deren letztes Album wir alle super finden. Irgendwer kam dann auf die Idee, ihm Demo-Songs zu schicken. Zwei Wochen später kam das Material zurück und wir waren geplättet. Im Gegensatz zu Kasper ist er ein Sänger. Nicht, dass wir bewusst danach gesucht hätten, doch es fühlte sich sofort richtig an. Anschließend haben wir uns ausgetauscht, wie es weiter gehen könnte. Eine richtige Vorstellung davon, wie es praktisch funktionieren soll, hatten wir nicht. Versuchen wollten wir es aber auf jeden Fall. Drei Wochen nach Kaspers Ausstieg standen wir mit einem idealen Ersatz da. Wir konnten es selbst nicht glauben. Um uns persönlich kennen zu lernen, haben wir ihm ein Flug-Ticket gekauft und ihn zu uns nach Dänemark eingeladen. Er lebt weiterhin in Baltimore, wird aber alle Shows und Touren mit uns spielen. Wir haben bereits eine Zehn-Tage-Tour absolviert und es hat bestens funktioniert. Natürlich erfordert es noch größere Koordination, doch so viel anders ist es gar nicht. Sechs Leute unter einen Hut zu bekommen, ist immer schwierig.“

Mit „Vices.Virtues.Visions“ glückt RAUNCHY ein starkes Comeback, wobei auch von einem Neustart zu sprechen ist: „Wir werden sehen, was passiert. Es gibt sicherlich Leute, die uns vergessen haben“, mutmaßt Lars Christensen. „Vier Jahre ohne neues Album sind eine lange Zeit. Ganz unabhängig davon: wir verstehen die neue Platte als frischen Start für RAUNCHY. Allein schon deshalb, weil wir mit einem neuen Sänger antreten. Die Musik klingt natürlich weiterhin nach uns. Dennoch passiert viel Neues. Wenn ich die Songs höre, empfinde ich sie in vielerlei Hinsicht als progressiv. Von Beginn an spürt man die besondere Note, auch wenn man nicht alle unsere Absichten schon beim ersten Hören versteht. Doch irgendwann macht es dann Click, davon bin ich überzeugt. Hört man die Alben von Mastodon, hat man zunächst ja auch nur eine Vorstellung davon, was sie ausdrücken wollen. Es benötigt Zeit, um nachzuvollziehen, welche Ansichten den Tracks zugrunde liegen. Manchmal braucht es zwanzig Durchläufe, bis es so weit ist. Bei uns ist es nicht ganz so schwierig. Es finden sich ja auch wieder die poppig-melodischen Songs, die typisch für uns sind.“ Elemente aus dem Melo-Death, Alternative-Rock und Industrial-Metal, Rave-Sounds, sonstige Elektronik und eine satte Pop-Kante formen auf „Vices.Virtues.Visions“ einen Sound, der gleichsam hart wie eingängig ausfällt und sich in Form intensiver Hymnen mit Wiedererkennungswert präsentiert. RAUNCHY melden sich so verspielt, entdeckungsfreudig und scheuklappenfrei zurück, wie man es sich erhofft hat.

 
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