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Embalming Theatre

Storie von: arne, am 20.11.2014 ]

Grindcore erfährt in Wellen immer mal wieder mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung, doch insgesamt ist von einer tief im Underground verwurzelten Spielart zu sprechen. Konstanz ist an der Tagesordnung. Bands und Hörer sind häufig lange Zeit dabei und sorgen gemeinsam dafür, dass die Szene funktioniert. Die Schweizer EMBALMING THEATRE bestehen bereits seit 15 Jahren und ziehen mit der 8 Inch „No Grind For Old Men“ Bilanz.

 
Je ein Stück ist jedem Jahr gewidmet, in dem die Old School-Grinder aktiv waren: „Du hast Recht, es gab ziemliche Wellen und Grindcore erlebte quasi einen zweiten Frühling“, bestätigt Sänger Marco. „Geschadet hat uns das sicher nicht, aber wir haben die letzten 15 Jahre eher wie in einem steten und gleichmäßigen Fluss erlebt. Wenn weniger Anfragen kamen, wurden wir halt aktiver. Unseren Stellenwert kann ich nicht benennen. Es scheint aber, dass man uns so langsam kennt in der Szene. Man weiß zumindest, dass wir die mit den vielen Platten sind. Immer wieder hört man von Übersättigung. Das ist sicher auch jetzt wieder der Fall. Aber da passiert jeweils eine natürliche Auslese und der Underground reguliert sich recht gut selber.“

Als Lehre aus eineinhalb Dekaden formuliert der Frontmann zudem ohne zu zögern: „Nicht missen möchte ich den Umstand, dass im Grindcore noch wirklicher Underground existiert. Erfolgreiche Kollegen im Death Metal klagen zwischendurch auch mal wegen Vertragsbedingungen und immer wieder wegen Geld. Wir haben für alle unsere Veröffentlichungen keinen einzigen Vertrag gesehen und das ist auch gut so. Was mir als Grafiker und Maler heute nicht so gefällt, ist die Download-Gesellschaft. Da geht die Liebe zum Produkt verloren. Die Haptik verkümmert. Deshalb legen wir auch mehr Wert auf Vinyl-Veröffentlichungen als auf CD-Releases.“

…und an Singles, Splits, etc. von EMBALMING THEATRE gibt es unglaublich viele, wie Marco lachend zustimmen muss: „Ich würde jedenfalls keine Wette abschließen, dass wir die Diskographie fehlerfrei aufzählen könnten! Allerdings ist es einfach, die drei wichtigsten zu benennen. Da wäre zunächst die erste Split-7“ mit Agathocles. Als Band ohne Demo oder sonst irgendwas eine erste Veröffentlichung auf Vinyl mit einer Tausenderauflage selber zu veröffentlichen, ist schon mutig. Umso überraschter waren wir, wie heftig der Name Agathocles wirkte. Alle Scheiben waren schon weg, bevor wir sie überhaupt aus dem Presswerk erhalten haben. Die nächste Station war unser Debüt-Album „Sweet Chainsaw Melodies“ auf Razorback Records. Billy hat uns mit seinem Label und mit aktiver Hilfe auf dem Album einen riesigen Schritt nach vorne gebracht. Das haben wir wirklich gespürt. Als dritte wichtige Station ist das dritte Album „Unamused Rancid Flesh“ auf Power-It-Up zu nennen. Tom unterstützt uns wie kein Anderer! Er kommt mit Ideen und ist sehr offen für Vorschläge unsererseits. Die Grundidee, das Konzept für die BEAST-Serie stammt beispielsweise von ihm. Mittlerweile haben wir einen Großteil der letzten Veröffentlichungen bei ihm rausgebracht. Daher hier mal ein fettes Dankesch


ön von unserer Seite. Für mich persönlich sind drei andere Scheiben auch sehr wichtig, weil ich diese mit Bands teilen kann, die ich musikalisch und persönlich sehr schätze. Das sind die mit Dead, Maggot Shoes und Exulceration.“

Das Jubiläums-Release „No Grind For Old Men“ ist den Schweizern aber ebenfalls wichtig: „Das Konzept hinter der 8“ war es, zu jedem Jahr seit der Gründung eine der wahren Begebenheiten, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, musikalisch umzusetzen“, erzählt Marco. „Wir hätten Material für hunderte von Texten im Archiv. Vorgabe war es aber, mindestens 15 neue Tracks zu komponieren. Und es hat tatsächlich geklappt, dass das erste Lied auf der Platte 1999 passierte. 14 Songs später sind wir in textlicher Hinsicht auch 14 Jahre später dran. Die Texte wurden erst nachträglich zugeordnet und die Schwierigkeit war, dass die Aneinanderreihung in dieser spezifischen Vorgabe auch stimmig fürs Ohr sein musste. Wir haben es uns mit diesem Rahmen sicher nicht einfacher gemacht, aber wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Weitere Erwartungen haben wir an die Songs nicht gestellt. Es musste halt brettern!“

Gesagt, getan! EMBALMING THEATRE fackeln nicht lange und zelebrieren ihren Old School-igen Grindcore geradezu. Das bissige Wesen ist aber auch Format-bedingt: „Eine mögliche Erklärung dafür, dass alles einen Zacken direkter klingt, sind die Vorgaben“, verrät der Shouter. „Das eine waren die Texte. Zudem gab es aber noch eine rein technische Vorgabe, die es einzuhalten galt. Beim Komponieren mussten wir darauf achten, dass die Songs kürzer und prägnanter werden. Denn die Ansagen vom Presswerk sind ganz klar: 20 Minuten für beide Seiten sind die gesamte Spielzeit. Mehr geht nicht. 15 Lieder hätten vor ein paar Jahren vermutlich einen Drittel mehr Spielzeit ergeben. Schließlich waren auf unserem letzten Album auch nur 14 Tracks drauf. Das muss die Erklärung sein, warum alles einen Tick kompakter ausgefallen ist als sonst.“

Da es die Schweizer ohnehin simpel und effektiv halten, fiel ihnen das nicht allzu schwer: „Zu komplizierte Riffs zu spielen, klingt nach Geltungsdrang. Keiner bei uns verspürt den Drang, sich zu profilieren. Gerne lassen sich die Gitarristen gegenseitig den Vorrang, wenn es darum geht, einen Teil alleine zu spielen. Wenn jemand Freude daran hat, 150 Breaks in einem Song zu verwursten und gerne demonstrieren möchte, dass sich die Gitarrenstunden bezahlt machen, so können die das gerne tun. Ist aber definitiv nix für uns. Für unsere Rezeptur tun’s zwei oder drei Riffs pro Song auch.“ Und der Spaß kommt dabei hörbar auch nicht zu kurz. Das hält jung!

 
 Links:
  embalmingtheatre.ch
 
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