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Rings Of Saturn

Storie von: arne, am 12.11.2014 ]

Den thematischen Unterbau von „Lugal Ki En“ liefert ein abgedrehtes Sci-Fi-Konzept, nach dem Aliens zunächst die Menschheit unterwerfen und anschließend Krieg gegen Engel und Dämonen führen, um auch die kosmische Sphäre zu beherrschen. Musikalisch geht es bei RINGS OF SATURN nicht minder abgedreht und extrem zu. Das Quartett aus der Bay Area blastet und frickelt sich zwischen Deathcore und Tech-Death durch anspruchsvolle, beinharte Songs, die sich bei genauerem Hinsehen als unverhofft nachvollziehbar und songdienlich entpuppen.

 
Ihren abgedrehten Aliencore-Ansatz verfolgen die Musiker schon seit ihrer Gründung, wie Kreativkopf und Gitarrist Lucas Mann im Gespräch rekapituliert: „Wirklich aktiv ist unsere Band erst seit 2010, als wir von Unique Leader Records unter Vertrag genommen worden sind und unser erstes Album „Embryonic Anomaly“ veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit haben wir auch unsere erste Tour in Nordamerika gespielt, die unter dem Titel „The Slaughter Survivors“ stand. Das hat mir gefallen und sich eingeprägt. Davor sind RINGS OF SATURN mehr oder weniger nur mein Projekt gewesen, das ich thematisch auf den Sounds und Plots der „Deadspace“-Video-Spiel-Reihe aufgebaut hatte – Weltall, Aliens, Gore, Sci-Fi, etc. Auch heute noch dreht es sich bei uns um diese Konzepte, auch wenn wir nicht mehr nur ausschließlich darauf festgelegt sind und inzwischen auch historische Überlieferungen und Legenden über Außerirdische und überirdische Wesen und Götter, die die Menschheit erschaffen haben sollen, integrieren.“

Interessanterweise genießen Musik und Konzepte für das kalifornische Outlet in etwa dieselbe Bedeutung: „Zunächst habe ich ganz klassisch die konventionelle Musik-Theorie kennen gelernt und studiert“, so der Gitarrist. „Diese Kenntnisse haben mir dabei geholfen, einen eigenen Stil zu entwickeln und mich ausgiebig auch mit den nicht-musikalischen Aspekten beschäftigen zu können. Das Handwerkliche stellte zu keiner Zeit ein Problem dar. Deshalb habe ich mich von Beginn an auch auf die spätere Wirkung und das Gesamtkonzept konzentriert, die alle ineinander greifen. Spannend finde ich im musikalischen Bereich insbesondere die Frage, wie Melodien und Harmonien im Kontext von Dissonanz bestmöglich eingesetzt werden können.“

Diese Aussage überrascht angesichts des – im ersten Moment allein – komplexen, anstrengenden „Lugal Ki En“, das man sich konzentriert erarbeiten muss. RINGS OF SATURN treten kompromiss- wie schonungslos in Erscheinung – zu sich selbst und ihren Hörern: „Mir ist es wichtig, dass die Leute wahrnehmen, dass es bei uns nicht nur darum geht, möglichst technisch und krass aufzuspielen“, hält Lucas Mann dagegen. „Sicherlich kann man diesen Eindruck gewinnen, doch wir verfolgen mit der Band eine andere Agenda. Vielleicht wird es der eine oder andere nicht glauben, doch für uns besitzt das Songwriting den größeren Stellenwert. Die Technik rangiert erst dahinter. Für das neue Album wollten wir eingängige, wiedererkennbare Songs schreiben und ich finde, das ist uns gelungen. Wer sich intensiv


mit dem Material beschäftigt und ihm etwas Zeit gibt, wird es verstehen und bestätigen können. Unsere Songs können nicht für jedermann sein, das ist klar. Das bereitet uns aber keine schlaflosen Nächte. Jeder hat seine Meinung, das akzeptieren wir. Die Außerirdischen hören RINGS OF SATURN, davon bin ich überzeugt.“

Die Aliens können sich ja auch darüber freuen, dass sie zunächst die Erdlinge unterwerfen und anschließend auch zu den Herren des kosmischen Königreiches aufsteigen. Diese Bedeutung steht hinter dem Titel und dem Konzept von „Lugal Ki En“. Für die weitere Entwicklung bieten sich den Kaliforniern vielfältige Möglichkeiten, was dem Kreativkopf nur recht ist: „Unsere Band ist noch immer sehr jung und befindet sich in einem frühen Stadium. Wir bestehen gerade einmal seit fünf Jahren und genießen als extreme Experimental-Band die sich uns bietenden Freiheiten. Wir schreiben und spielen Songs, die in unser übergeordnetes Thema des Sci-Fi-Horrors passen. Hinsichtlich der Ausgestaltung unseres Sounds schließen wir nichts aus. Mir ist nur wichtig, dass ich meine Empfindungen und Ideen umsetzen kann, wie ich es mir vorstelle. Darüber hinaus lasse ich alles auf mich zukommen und versuche, mich selbst überraschen.“

Obwohl RINGS OF SATURN zumeist mit ebenso extremen und technisch ausgelegten Kollegen wie Aborted, Beneath The Massacre, Carnifex, Cattle Decapitation, Origin, The Faceless oder Revocation touren, fühlt sich Lucas Mann nicht zwingend an eine bestimmte Hörer-Klientel und ein abgrenzbares Sub-Genre gebunden:

„Die extreme Metal-Szene ist überschaubar und klein, wenn man es realistisch betrachtet. Deshalb hoffen wir, auch Hörer außerhalb des Undergrounds für unser Spiel zu interessieren. Dass das schwer ist, wissen wir, doch wir sind zuversichtlich und glauben an unsere Chance.“ Hilfreich auf diesem Weg dürfte die bewusste Entkopplung von Trends und Mitbewerbern sein, die der Gitarrist für maximal freigeistige Kreativität in Kauf nimmt:

„Ich versuche stets, unsere Songs aus seiner möglichst neutralen Perspektive zu schreiben und anschließend möglichst objektiv einzuschätzen, um zu ergründen, ob meine Anliegen verständlich herüber kommen oder nicht. Mit anderem Metal beschäftige ich mich nur selten, weil ich sonst Gefahr laufen würde, mich vielleicht beeinflussen zu lassen. Das möchte ich kategorisch ausschließen. Schließlich ist es mein Ziel, unverwechselbare, eigenständige Stücke zu erschaffen, die allein das Produkt meiner Kreativität sind.“

 
 Links:
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