Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1734

Job For A Cowboy

Storie von: arne, am 08.11.2014 ]

Es erfordert Mut und Inspiration, wenn etablierte Bands mit ihrem eingeführten Sound brechen und die eigene Entwicklung aktiv in neue Richtungen treiben. JOB FOR A COWBOY tun auf „Sun Eater“ genau das. Zu hören ist ein variantenreich dargebotener, überraschender Metal, der auf Umsicht und erwartungsfreudiger Musikalität basiert. Ansprechend hart und partiell technisch geprägt fällt das vierte Album der Gruppe aus Glendale, Arizona ebenso aus.

 
Interview-Partner Nick Schendzielos ist seit drei Jahren Teil von JOB FOR A COWBOY und hat mit seinem markanten Bass-Spiel schon auf „Demonocracy“ Spuren hinterlassen. Auf der neuen Platte rückt er partiell noch stärker in den Fokus, doch alle Band-Mitglieder erhalten ausreichend Raum, sich zu präsentieren: „In wenigen Wochen begehe ich meinen vierzigsten Geburtstag und ich frage mich, wo die Zeit geblieben ist. Gestern bin ich doch gerade erst 21 geworden. Die letzten drei Jahre sind ebenfalls wie im Flug vergangen“, äußert Nick auf seine bisherigen Erfahrungen mit JOB FOR A COWBOY angesprochen.

„Es war eine verrückte Zeit. Gemeinsam haben wir schon viel erlebt, doch ich habe so ein Gefühl, dass uns die ganz großen Abenteuer erst noch bevor stehen. Was mir wichtig ist, ist die Tatsache, dass wir alle dieselbe Art von Humor teilen. Das macht vieles leichter und überhaupt verstehen wir uns super. Mein absolutes Tour-Highlight mit dieser Band, aber auch in meiner bisherigen Karriere, sind die Mayhem-Festivals gewesen. Gemeinsam mit Mastodon, Machine Head und Amon Amarth unterwegs zu sein – darüber geht nichts. Jeden Tag mit diesen coolen Typen abzuhängen und als Bonus seine eigenen Songs spielen zu dürfen, war einfach toll. Dass immer auch mal Rückschläge dabei sind oder man keine Lust hat, die eine oder andere Show zu spielen, ist normal und gehört dazu. Am Ende ist alles besser als einem normalen Job nachzugehen und jeden Tag immer nur dasselbe zu tun.“

Als Teil von Cephalic Carnage hatte der Bassist schon vorab Erfahrungen als tourender Musiker gesammelt, doch Unterschiede zu den Death-Grindern gibt es: „Von Cephalic Carnage sind mir die Anforderungen und Abläufe bekannt gewesen. Als wir uns in dieser Gruppe entschieden, die Dinge ruhiger anzugehen und deutlich weniger zu touren, kam das Angebot, Teil von JOB FOR A COWBOY zu werden, gerade recht. Insgesamt verdiene ich meinen Lebensunterhalt inzwischen seit knapp zehn Jahren als professioneller Bassist. Davor habe ich für einen Telekommunikationsanbieter im Verkauf gearbeitet. Die Dinge haben sich für mich zum Besseren verändert. JOB FOR A COWBOY ist nach Cephalic Carnage eine ungleich größere Arena. Das liegt in der Natur der Sache und dem Stil, den wir hier spielen. Wir haben mehr Fans und prinzipiell breitere Möglichkeiten als Band. Anfangs ging es mir vor allem darum, weiter Musik machen und touren zu können. Dass die anderen super Typen sind, mit denen ich gerne Zeit verbringe, ist ein toller Bonus. Inzwischen sind wir eine eingeschworene Gemeinschaft, die weiß, wofür sie arbeitet und was sie wie tun muss.“

Konkret spielt Nick Schendzielos mit dieser Aussage darauf an, dass es für die US-Amerikaner sowohl im Privaten als auch im Berufsalltag Kompromisse und Einschränkungen nach sich zieht, die Band weiter voran zu treiben: „Es ist wie bei allen Dingen im Leben. Wenn man in eine Sache viel Zeit und Leidenschaft investiert, möchte man sehen, dass sie wächst und sich sein Einsatz auszahlt. Andernfalls verliert man das Interesse, sobald Stagnation einsetzt. Deshalb ist es wichtig, eine ausgewogene Balance zu finden,“ äußert der Musiker. „Zwischen den großen Touren, die sich häufig über Monate ziehen, haben wie oftmals auch genau so lange Phasen, in denen wir durchschnaufen können und ganz normalen Dingen nachgehen müssen. Ist man Wochen oder Monate zu Hause, können wir nicht einfach nur herum sitzen und nichts tun. Ohne Job geht es für uns nicht. Die meisten von uns helfen in Bars oder Restaurants aus. Es müssen Tätigkeiten sein, die uns die Flexibilität bieten, im Zweifel sofort wieder auf Tour gehen zu können. Im Service-Sektor ist das gewährleistet. Hat man aber erst einmal eine Weile Leute bedient und ihre Launen ertragen, ist nichts erfüllender, als sich wieder auf die Musik konzentrieren zu können. Das räumt alle Motivationsprobleme aus dem Weg, sofern es denn welche gab. Selbst die schlimmste Tour und alle Strapazen relativieren sich da schnell.“

Der skizzierte Lebensstil ist sicherlich nichts für jedermann, doch Nick kann sich nichts Besseres vorstellen und sieht sogar Vorteile für sein Privatleben: „Ich will um die Welt touren, Leute kennen lernen und Shows spielen. Wichtig ist es dabei, für sich die richtige Balance zu finden


und Pausen einzuplanen. Es darf nicht passieren, dass Beziehungen und persönliche Bindungen zu kurz kommen. Wenn man Metallica ist und seine Familien zu vielen Shows einfliegen kann, ist das eine Sache, doch in ihrer privilegierten Lage befindet sich kaum jemand. Meiner Ansicht nach sollte jede Band darauf achten, eine gesunde Ausgewogenheit zwischen den Erfordernissen der Gruppe und dem Privatleben der Musiker zu schaffen. Das kann im Idealfall für beide Welten Vorteile mit sich bringen. So erleben wir es wenigstens. Wenn wir auf Tour sind, zählt allein das. Wir wollen jeden Abend auf die Bühne und unsere Songs spielen. Nach drei-vier Wochen spürt man die Erschöpfung und es wird härter. Man sehnt sich nach seinen Lieben, seinem Bett und seiner eigenen Dusche. Ist man dann aber einige Zeit zu Hause, kann man es nicht abwarten, wieder unterwegs zu sein. Dieser Zyklus unterschiedlicher Sehnsüchte verschafft mir ein wunderbares Leben, das ich keinesfalls mit einem anderen tauschen möchte.“

Auf ihrem neuen Album „Sun Eater“ brechen JOB FOR A COWBOY offensichtlicher denn je mit den Erwartungen ihrer Fans und öffnen ihren – ohnehin nicht zu festgelegen – Sound zugunsten eines noch weiter ausholenden, ganzheitlichen Heavy-Spektrums, das handwerkliche Finesse, eine schwergewichtige Attitüde und schlicht schöne Momente optimal miteinander verbindet: „Genau das war unsere Absicht“, bekräftigt Nick Schendzielos. „Wir wollten richtige Songs schreiben und unsere Intentionen nachvollziehbar darbieten. Die Stücke sollten jeweils eine eigene Identität und Stimmung erhalten und sich überdies voneinander absetzen. So bewusst haben wir darauf vorher noch nicht hin gearbeitet. Das Album soll zwar auch zusammenhängend wirken, doch es war unsere Absicht, unterschiedliche Emotionen zu wecken und uns von verschiedenen Seiten zu präsentieren.“

Dass sich „Demonocracy“ und „Sun Eater“ ihrem Wesen nach deutlich voneinander unterscheiden, ist demnach kein Zufall: „Es war eine bewusste Entscheidung, unsere Entwicklung so stark voran zu treiben“, äußert der Bassist. „Wir hätten sie auch behutsamer einleiten und über einen längeren Zeitraum betreiben können. Der Wunsch, etwas Neues und Anderes zu machen, war aber zu stark. Zumal wir alle in der Einschätzung übereinstimmten, dass es an der Zeit war, diesen Schritt zu gehen. Nur, weil jeder von uns daran geglaubt hat und es wirklich wollte, konnte dieser Transformationsprozess funktionieren. Heute sind wir froh, die Veränderungen gewagt zu haben.“

Nachdem sie dem Druck der ominösen dritten Platte erfolgreich widerstanden hatten, haben JOB FOR A COWBOY in sich hinein gehört und ihrer Intuition das Regiment überlassen: „Wir haben ganz bewusst die Ideen weiter verfolgt und ausgearbeitet, die anders waren und sich von dem absetzten, was wir für „Demonocracy“ gemacht hatten. Eine fast unheimliche Eigendynamik hat alles angenommen, als Danny Walker als Session-Drummer zu uns stieß. Bis dahin hatten wir lediglich Demo-Drums vom Computer. Danny hat unsere kühnsten Vorstellungen sofort um Längen übertroffen und uns darin bestärkt, auf einem guten Weg zu sein. Dank seiner Beteiligung ist der Wandel auf „Sun Eater“ noch offensichtlicher.“

Die Musiker aus Glendale, Arizona sind als Künstler gewachsen. Die Chancen dafür, dass die Hörer den neuen Sound verstehen und gut heißen werden, stehen ebenfalls gut: „Wenn die Fans uns auf diesem Weg begleiten, wäre das schön. Tun sie das nicht, können wir es aber auch verschmerzen“, so Nick. „Es ist weder voraus zu setzen noch selbstverständlich, dass jeder „Sun Eater“ unterstützen wird. „Demonocracy“ stand zuletzt ja immer noch für Riffs und Komplexität, auch wenn wir schon damals viele Kleinigkeiten versucht haben. Wenn man extrem und vertrackt aufspielt, bleibt bei den Leuten oftmals nicht so viel im Gedächtnis haften. Aus diesen Erwägungen haben wir uns zurück genommen und sind die Dinge langsamer und bewusster angegangen. Auf „Sun Eater“ findet sich viel mehr, an dass man sich erinnern kann. Im Redefluss setzt man ebenfalls Pausen, um das Gesagte zu unterstreichen oder ihm zusätzliche Wirkung zu verleihen. In unseren Songs tun wir nun dasselbe.“ Die Band aus Glendale hat sich und ihren neuen Sound gefunden, keine Frage.

 
 Links:
  facebook.com/jobforacowboy
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Arch Matheos
  Sacred Reich Iron Regean
  Tanith
  Vader
  Vulture

Interviews/Stories:

  Rykers
  Imminence
  Brothers In Arms

Shows:

  25.05. Emerald - Schonenberg Kubelberg
  25.05. We Hunt Buffalo - Koln
  25.05. The Milk Carton Kids - Ludenscheid
  25.05. Rosie Carney - Ludenscheid
  25.05. Visigoth - Scho Nenberg Kubelberg