Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1750

Downfall Of Gaia

Storie von: arne, am 04.11.2014 ]

DER MENSCH ALS SKLAVE DER ZEIT. DOWNFALL OF GAIA widmen sich auf ihrem neuen Album „Aeon Unveils The Thrones Of Decay“ einem Thema, dem niemand entkommt. Allenfalls lässt sich das Ticken der Uhr ignorieren. Mit aggressiven Sounds und rohem Tempo präsentiert sich das Quartett angriffslustig und hartnäckig. Die Mixtur aus Death-, Crust-, Black-, Sludge- und Post-Metal wird neu gewichtet, wodurch man das Spiel der Band anders und jäher wahrnimmt.

 
Rückblickend erweist es sich schicksalshafte Fügung, dass DOWNFALL OF GAIA in Support ihres Metal Blade-Einstands „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ an der Seite von BLACK TABLE in Nordamerika getourt sind. Ihr neuer Schlagzeuger entstammt eben dieser Band: „Damals auf der US-Tour haben wir uns mit Mike angefreundet und sind anschließend in regem Kontakt geblieben“, erzählt Gitarrist und Sänger Peter. „Als Hannes die Gruppe dann Ende 2013 verließ, hat Mike sich direkt angeboten. Nach kurzer Zeit des Hin-und-her-Überlegens wollten wir uns auf dieses Abenteuer einlassen. Er ist inzwischen ein noch besserer Freund geworden und gleicht hinter dem Schlagzeug einer Maschine. Eine Bedingung für uns war dabei, dass Mike jede Tour mitspielen kann, denn wir wollen nicht mit Ersatz-Drummern spielen. Das funktioniert bislang gut und auch bei zukünftigen Planungen steht dem nichts im Weg. Schade ist lediglich, dass wir keine einzelnen Dates oder kleine Mini-Wochenend-Pakete mehr spielen können.“

Von den wechselnden Schlagzeugern profitiert die Band aber auch, wie Peter feststellt: „Da wir nun inzwischen unseren vierten Drummer haben, gab es irgendwie auch immer neue und abgeschlossene Kapitel mit der Band. Das hat dazu geführt, dass wir uns immer wieder neu die Frage gestellt haben, wo wir hinwollen und wofür wir uns die ganze Mühe geben. Insofern wussten wir immer genau, was wir wollten und sind nie sinnlos umher getrieben. Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden mit unserer Entwicklung.“

Mit „Aeon Unveils The Thrones Of Decay“ legen DOWNFALL OF GAIA nun ein grimmiges, unbequemes Werk vor, das eine barsche Attitüde aufweist. Es wird zweifellos Hörer geben, die nach dem deutlich zugänglicheren Vorgänger im Umgang mit dem neuen Album Probleme haben:

„Das ist keine bewusste Provokation in eigentlichen Sinn“, äußert Dominik, der zweite Gitarrist und Sänger im Line-Up. „Aber wir wollten schon einen Schritt nach vorne gehen. Dass die neue Platte aus diesem Grund vielleicht bei einigen Leuten nicht sonderlich gut ankommen wird, nehmen wir in Kauf. Wir wollten uns ganz bewusst auf schnelle und aggressive Stücke konzentrieren und nicht noch einmal dasselbe wie auf „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ machen. Das letzte Album spielt ziemlich oft mit lang aufbauenden Intros. Die einzelnen Songs haben Zeit gebraucht, um in Fahrt zu kommen. Genau das wollten wir auf der neuen Platte ändern und uns auf das konzentrieren, was uns auch live am meisten Spaß macht. Das sind die aggressiven Passagen – das Ganze aber natürlich atmosphärisch verpackt.“

Die Mischung aus direkt ersichtlichen und impliziten Wirkungsebenen bedingt eine aktive Auseinandersetzung mit dem Album. Die Rezeption bzw. das Nachvollziehen erfordert Zeit, was direkt zum konzeptionellen Unterbau von „Aeon Unveils The Thrones Of Decay“ überleitet:

„Die Themen unserer Platten


entstehen immer durch momentane Umstände. Die Zeit in all ihren unaufhaltsamen Formen hat mich einfach interessiert und beschäftigt“, verrät Dominik. „Da die Texte aus meiner Feder stammen, kam das eine zum anderen. Auch wenn ich mit meinen 30 Jahren noch relativ jung bin, habe ich viele Dinge rückblickend betrachtet, mich mit mir selber, meiner Umwelt und dem Voranschreiten der tickenden Uhr beschäftigt. Ich habe beobachtet, wie sich die Dinge über die Jahre um mich und auch in mir verändert haben. So kam das alles zustande. Die einen mögen es für total überzogen halten, sich über sowas Gedanken zu machen; die anderen diesen Gedankenzirkus vielleicht ganz gut kennen. Der Mensch ist doch schon immer darauf erpicht, alles um sich herum kontrollieren zu wollen, was sich in Hinblick auf die Zeit als eher schwierig darstellt. Du kannst sie zwar totschlagen und meinetwegen auch füllen; ablaufen tut sie uns allen aber trotzdem und jeder muss mit Zerfall und Verlust irgendwie zurechtkommen.“

Das sieht Peter ähnlich, der ergänzt: „Hand in Hand mit den Texten haben wir auch einige vertrackte Passagen geplant und zu diesem Thema geschrieben. Das progressivere Vorgehen auf der Platte war durchaus geplant. Uns ist dadurch bewusst, dass die Platte nicht so leicht zu schlucken ist wie der Vorgänger. Vollständig beabsichtigt war dies nicht, doch es passt tatsächlich sehr gut zur Thematik.“ Im Songwriting von DOWNFALL OF GAIA gibt es hinsichtlich der eruptiven, harten Passagen und den atmosphärischen keine klare Präferenz. Wichtiger ist das im Ergebnis stehende Gesamtbild:

„Ich würde sagen, die gesunde Mischung macht’s“, so Dominik. „Heftig, drückende Passagen in Kombination mit atmosphärischen Ausbrüchen liegen uns wohl am besten. Das Ganze spiegelt sich auf den Platten wider. Auch wenn es ziemlich lange dauert, bis wir mit einem Song zufrieden sind, glaube ich, wir gehen die ganze Sache gar nicht so verkopft an und lassen es einfach fließen.“ Zur Gewichtung bzw. der Bedeutung von einerseits Bauchgefühl/Instinkt und Planung/bewusstem Vorgehen andererseits verrät Peter zum bandinternen Arbeitsprozess:

„Dominik und ich bereiten die Songs oft schon komplett vor. Wir machen uns Gedanken darüber, was passieren soll, wie welche Passagen und Stimmungen zu den einzelnen Songs und der Thematik passen und welchen Aufbau die Songs besitzen sollen. Wenn wir uns dann mit der ganzen Band zum finalen Songwriting treffen, zählt eigentlich nur noch das Bauchgefühl. Teilweise werden Songs dann aber auch noch einmal auseinander genommen und neu zusammengebastelt oder erweitert.“ So oder so, DOWNFALL OF GAIA spielen eine vielschichtige, kratzige Mixtur unterschiedlicher Heavy-Stile. Wirkungsseitig schüren die Tracks beim Hörer die empfundene Unruhe, indem sie aufputschen. Da verliert – wenigstens vorübergehend – selbst die Zeit an Bedeutung.

 
 Links:
  facebook.com/DownfallofGaia
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  As I Lay Dying
  Cult Of Luna
  Despised Icon
  The Menzingers
  Entrails

Interviews/Stories:

  Brutality Will Prevail
  Uzziel
  Carnifex

Shows:

  19.09. Amanda Palmer - Essen
  21.09. Abinchova - Saint Maurice
  22.09. Off With Their Heads - Trier