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Embalming Theatre

Interview von: arne mit Marco, am: 31.10.2014 ]

„It’s Party Time. And The Party Is Just Beginning.“ Mit diesem Sample startet das neueste Release von EMBALMING THEATRE. Es handelt sich um ein Jubiläums-Release, denn die Band besteht seit nunmehr 15 Jahren. „No Grind For Old Men“ greift das vom Titel her mit einem Augenzwinkern auf. Altherren-Grind gibt es hier natürlich nicht zu hören, auch wenn die Ausrichtung der Tracks durchaus als Old School-ig zu charakterisieren ist.

 

Musicscan: Erst einmal Glückwunsch zum 15-jährigen Band-Jubiläum! Zu diesem Anlass bietet es sich an, zurück zu schauen und zu reflektieren: Mit welcher Intention habt Ihr Embalming Theatre einst gegründet? Wie hat sie sich bis heute verändert? Was ist heute die Basis Eurer Band-Aktivitäten, was treibt Euch an, welche Ziele verfolgt Ihr mit der Band noch?

Embalming Theatre: Danke für die Glückwünsche. Wir können es selbst kaum fassen, was da alles passiert ist in den letzten 15 Jahren. Für mich persönlich ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Angefangen hat es für mich 1989, als mir Martin Ain (CF) in Zürich im Plattenladen die Scheibe von Terrorizer in die Hände drückte. Das wollte ich auch machen: eingängige Stücke, kurz und prägnant und das bei Höchstgeschwindigkeit. Ich war begeistert. Allerdings war der Schlagzeuger in unserer ersten Band (Damnatory) weit weniger begeistert. Jahre später hatte ich sehr viel mit den Jungs von Maggots bzw. Aeternum zu tun. Ende des letzten Jahrhunderts fragten sie an, ob ich an einem Projekt im Stile von Terrorizer interessiert wäre. Wie konnte ich da nein sagen? Auch heute noch zaubert es mir ein breites Grinsen ins Gesicht, wenn unser Drummer loslegt. Damit wäre auch klar, was die Basis unseres Tuns ist. Es ist die Freude an der Musik. Grindcore ist nun mal nicht die erste Wahl, wenn es darum geht, erfolgreich zu werden. Das muss man wirklich aus Liebe zur Musik machen. Und ich denke, dass die Leute an den Gigs diese Freude und Ehrlichkeit spüren. Dazu kommt wahrscheinlich, dass Embalming Theatre genau in dieser Besetzung so gut funktioniert. Welche Band kann schon von sich behaupten, noch keinen einzigen Besetzungswechsel seit der Gründung hinter sich zu haben? Grundsätzlich haben wir eigentlich keine großartigen Ziele. Diese ergeben sich durch irgendwelche Inputs von Fans, Labels, Anfragen. In nächster Zukunft steht an, die BEAST Serie abzuschließen mit der letzten Picture 7“. Außerdem der Release unserer Jubiläumsscheibe und nächstes Jahr dann vielleicht eine Fortsetzung von der Jane Saw Me Singles-Zusammenstellung. Es sind seither ja wieder ein paar erschienen! Ansonsten lassen wir uns immer gerne überraschen, was das Leben so bringt. Aber jetzt wo du mich fragst, fällt mir ein, dass das letzte reguläre Album auch schon ein paar Jahre her ist. Du siehst, es ergibt sich schnell mal etwas.

Musicscan: Was – in aller Kürze – lässt sich aus 15 Jahren Underground berichten? Welche Erlebnisse/Erfahrungen möchtet Ihr nicht missen, worauf hättet Ihr verzichten können? Worauf freut Ihr Euch noch, was wollt Ihr noch erleben mit der Band?

Embalming Theatre: Nicht missen möchte ich den Umstand, dass im Grindcore noch wirklicher Underground existiert. Erfolgreiche Kollegen im Death Metal klagen zwischendurch auch mal wegen Vertragsbedingungen und immer wieder wegen dem Geld. Wir haben für alle unsere Veröffentlichungen keinen einzigen Vertrag gesehen und das ist auch gut so. Was mir als Grafiker und Maler heute nicht so gefällt, ist die Downloadgesellschaft. Da geht die Liebe zum Produkt verloren. Die Haptik verkümmert. Deshalb legen wir auch mehr Wert auf Vinylveröffentlichungen als auf CD-Releases.

Musicscan: Wie habt Ihr im Zeitverlauf die „Wertigkeit“ des Grindcore und Eurer Band in der Wahrnehmung der Hörer erlebt? In Wellen ist der Stil ja mal mehr, mal weniger präsent, während die Underground-Szene eher stabil und unter sich bleibt. Wo stehen wir derzeit Eurer Meinung nach und welchen Stellenwert haben Embalming Theatre inne?

Embalming Theatre: Du hast recht, es gab ziemliche Wellen und Grindcore erlebte quasi einen zweiten Frühling. Geschadet hat uns das sicher nicht, aber wir haben die letzten 15 Jahre eher wie in einem steten und gleichmäßigen Fluss erlebt. Wenn weniger Anfragen kamen, so wurden wir halt aktiver. Unseren Stellenwert kann ich nicht benennen. Es scheint aber, dass man uns so langsam kennt in der Szene. Man weiß zumindest, dass wir die mit den vielen Platten sind. Immer wieder hört man von Übersättigung. Das ist sicher auch jetzt wieder der Fall. Aber da passiert auch jeweils eine natürliche Auslese und der Underground reguliert sich recht gut selber.

Musicscan: Ach ja: bei all den vielen Singles, Splits, etc.: könnt Ihr ohne Hilfe eigentlich noch alle Split-Partner aufzählen? Welche Releases würdet ihr warum hervorheben, wenn Ihr die drei wichtigsten für die Entwicklung/Band-Karriere von Embalming Theatre benennen müsstet?

Embalming Theatre: Ich würde jedenfalls keine Wette abschließen, dass wir die Diskographie fehlerfrei aufzählen könnten, hehe! Allerdings ist es einfach, die 3 wichtigsten zu benennen. Da wäre zunächst die erste Split 7“ mit Agathocles. Als Band ohne Demo oder sonst irgendwas eine erste Veröffentlichung auf Vinyl mit einer Tausenderauflage selber zu veröffentlichen, ist schon mutig. Umso überraschter waren wir, wie heftig der Name Agathocles wirkte. Alle Scheiben waren schon weg, bevor wir sie überhaupt aus dem Presswerk erhalten haben. Damit ging auch ein Traum unseres Gitarristen in Erfüllung. Er sammelt nämlich alle Platten von AGx und er hat auch alle!! Die nächste Station war unser Debutalbum „Sweet Chainsaw Melodies“ auf Razorback Records. Billy hat uns mit seinem Label, seiner Unterstützung und mit aktiver Hilfe auf dem Album (Billy schrieb einen der Texte, half uns bei anderen Dingen und sorgte für die Umsetzung unserer Grafikvorgaben) einen riesigen Schritt nach vorne gebracht. Das haben wir wirklich gespürt. Als dritte wichtige Station ist das dritte Album „Unamused rancid flesh“ auf Power-it-up zu nennen. Tom unterstützt uns wie kein Anderer! Er kommt mit Ideen und ist sehr offen für Vorschläge unsererseits. Die Grundidee, das Konzept für die BEAST-Serie stammt beispielsweise von ihm. Mittlerweile haben wir einen Grossteil der letzten Veröffentlichungen bei ihm rausgebracht. Daher hier mal ein fettes Dankeschön von unserer Seite. Für mich selbst sind 3 andere Scheiben auch sehr wichtig, weil ich diese mit Bands teilen kann, die ich musikalisch und persönlich sehr schätze. Das sind die Scheiben mit Dead, Maggot Shoes und Exulceration.

Musicscan: War es schwer, sich nach der Band-Pause neu zu motivieren und in den „Arbeitsmodus“ zurück zu finden oder hat die Pause gut getan und Euch darin bestätigt, dass Ihr die Band braucht? Wie fühlte es sich denn an, wieder gemeinsam alte Songs zu spielen und an neuen zu arbeiten?

Embalming Theatre: Nach so längerer Zeit wieder zusammen im Proberaum, da ist es nach einer Minute wieder wie früher. Die dummen Sprüche fangen an und die Stimmung ist gut. Wir hatten seit jeher einen sehr speziellen Arbeitsrhythmus und deshalb ist die längere Pause auch gar nicht so sehr aufgefallen. Wie kann ich das erklären? Ich habe beispielsweise unseren Drummer erst etwa 1 ½ Jahre nach unserer Gründung und nach einigen Veröffentlichungen das erste Mal vor mir gesehen. Da haben wir uns gegenseitig vorgestellt. Fällt ein bisschen schwer, sich das vorzustellen, zeigt aber die spezielle Konstellation in unserer Truppe. Ich selber war diese Tage nach knapp 21 Monaten das erste Mal wieder im Proberaum. Und es war wie immer. Das heißt aber nicht, dass wir auf der faulen Haut liegen. Ich probe zu 90 % zu Hause. Neue Texte für neue Lieder kriegen die anderen immer erst als fertigen Song nach dem Studioaufenthalt zu hören. Das hat mit Vertrauen zu tun.

Musicscan: Fiel es Euch schwerer oder leichter, die Songs für die neue 8 inch zu schreiben? Profitiert das neue Release in irgendeiner Form von der vorangegangenen Pause?

Embalming Theatre: Mir ist dabei kein Unterschied zu früher aufgefallen. Alles ging in einem ähnlichen Tempo voran. Die Pause hatte ja auch einen anderen Grund. Zwei Mitglieder wurden in dieser Zeit zum ersten Mal Vater und daher wurden auch völlig verständlich die Prioritäten anders gesetzt. Wie immer zeigte sich aber, dass das Arbeiten unter einem gewissen Zeitdruck besser klappt und effizienter ist.

Musicscan: Was wolltet Ihr hinsichtlich Attitüde und Ausrichtung mit der 8 inch ausdrücken? Stimmt die fertige Umsetzung mit Euren Absichten überein? Inwiefern repräsentiert die 8 inch die Essenz aus 15 Jahren Embalming Theatre? Oder soll sie das gar nicht? Wofür steht sie dann?

Embalming Theatre: Das Konzept hinter der 8“ war es, zu jedem Jahr seit der Gründung eine der wahren Begebenheiten (die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben) musikalisch umzusetzen. Wir hätten Material für hunderte von Texten im Archiv. Vorgabe war es dann, mindestens 15 neue Tracks zu komponieren und um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir noch ein paar Songs zusätzlich aufgenommen. Und es hat tatsächlich geklappt, dass das erste Lied auf der Platte 1999 passierte und 14 Songs später sind wir auch 14 Jahre später dran (in textlicher Hinsicht). Die Texte wurden erst später zugeordnet und die Schwierigkeit war, dass die Aneinanderreihung in dieser spezifischen Vorgabe auch stimmig sein muss fürs Ohr. Wir haben es uns mit diesem Rahmen sicher nicht einfacher gemacht. Aber wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Weitere Erwartungen haben wir an die Songs nicht gestellt. Es muss halt brettern!

Musicscan: No Grind For Old Men scheint ein gewisses Augenzwinkern inne zu wohnen – ist dem so? Wie bleibt Ihr jung und wie fühlt es sich an, nach 15 Jahren immer noch krassen Grindcore zu spielen?

Embalming Theatre: Das Wichtigste ist, dass es Spaß macht. Natürlich wundern wir uns ab und zu an Konzerten, dass die Musiker von neuen Bands gerade mal halb so alt sind wie wir. Kann sein, dass wir heute die Sachen einfach noch mal eine Spur gelassener nehmen als früher. Wir sind schon in dermaßen peinlichen Kostümen aufgetreten, dass es heute viel braucht, um noch erschüttert zu sein.

Musicscan: Stilistisch verfolgt Ihr einen traditionellen/klassischen Stil. Hörern Euch eher Leute, die Eurer Entwicklung schon längere Zeit verfolgen oder kommen auch immer wieder jüngere Leute hinzu? Ich frage vor dem Hintergrund der modern-extremen Frickel-Kombos und den modernen „Rezeptionsgewohnheiten“ , nach denen viele Kids permanente Breaks, Stilwechsel und möglichst nur ganz krasse/verrückte Sachen hören wollen…

Embalming Theatre: Tja, da wären diese Kids bei uns an der ganz falschen Adresse. Zu komplizierte Riffs zu spielen klingt nach Geltungsdrang. Keiner bei uns verspürt den Drang, sich zu profilieren. Gerne lassen sich die Gitarristen gegenseitig den Vorrang, wenn es darum geht, einen Teil alleine zu spielen. Wenn jemand Freude daran hat, 150 Breaks in einem Song zu verwursten und gerne demonstrieren möchte, dass sich die Gitarrenstunden bezahlt machen, so können die das gerne tun. Ist aber definitiv nix für uns. Für unsere Rezeptur tun’s 2 oder 3 Riffs pro Song auch. Es gibt tatsächlich ein paar Freaks, die alles sammeln, was wir veröffentlichen. Diese sind, so weit ich sie kenne, allesamt schon länger mit dieser Musik unterwegs. Es kommen aber auch immer wieder ganz junge Leute nach. Finde ich schön.

Musicscan: Trifft es zu, dass Ihr im Songwriting für die 8 inch vor allem auf Euer Bauchgefühl vertraut habt und einfach gemacht habt? Die Tracks sind fokussiert, aber auch geerdet und barsch lässig. So empfinde ich sie wenigstens… ,-)

Embalming Theatre: Danke für den positiven Eindruck. Es trifft völlig zu, dass wir einfach mal machen. Eine mögliche Erklärung dafür, dass alles einen Zacken direkter klingt, sind unsere Vorgaben. Das eine waren die Texte. Zudem gab es aber noch eine rein technische Vorgabe, die es einzuhalten galt. Beim Komponieren musste darauf geachtet werden, dass die Songs kürzer und prägnanter werden. Denn die Voraussetzungen vom Presswerk sind ganz klar: 20 Minuten für beide Seiten sind die gesamte Spielzeit. Mehr geht nicht. 15 Lieder hätten vor ein paar Jahren vermutlich einen Drittel mehr Spielzeit ergeben. Schließlich waren auf unserem letzten Album nur 14 Tracks drauf. Das muss die Erklärung sein, warum alles einen Tick kompakter ausgefallen ist als sonst.

Musicscan: Zum Schluss: Auf Eurer Website gibt es eine Interview-Rubrik, doch in dieser finden sich nur wenige Interviews. Wie verhält es sich denn generell mit dem Interesse an Euch? Wo/in welchen Ländern kommt Ihr gut an, wo weniger?

Embalming Theatre: Es kommen tatsächlich nur wenige Interviewanfragen rein. Vielleicht schrecken unsere Bühnenkostüme zu sehr ab, hehe. Die regelmässigen und treuen Fans sind auf dem ganzen Globus verteilt. Liegt sicher daran, dass sich die Labels, die unseren Kram rausbrachten, überall auf der Welt befinden. Hat einige Amis, Leute aus dem Norden Europas und Krachfetischisten aus dem deutschsprachigen Raum, die am meisten sammeln. Ansonsten meldet sich wirklich fast der ganze Globus.

 
 Links:
  embalmingtheatre.ch
 
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