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Kruger

Storie von: arne, am 23.10.2014 ]

Seit nunmehr 13 Jahren bemühen die aus Lausanne stammenden KRUGER einen vielschichtigen Heavy-Crossover, der sich aus unterschiedlichen Quellen speist. Im Spannungsfeld von Post-Hardcore und -Metal, Noise, Rock und Prog entwickelt sich auch der fünfte Longplayer der Band – „Adam And Steve“.

 
Das Quintett aus der Schweiz hat Spaß daran, seinen fordernden und impulsiven Sound immer wieder neu zu entdecken und neu zu gewichten. Nach Auskunft von Sänger Renaud passiert das zufällig bzw. intuitiv, denn im kreativen Bereich setzt die Band weniger auf Planung als vielmehr auf Bauchgefühl: „Wir machen es uns im Songwriting einfach, indem wir ohne Erwartungen arbeiten und alles auf uns zukommen lassen“, so der Frontmann. „Wir sind ehrlich zu uns selbst, hören in uns hinein und lassen die Musik die Richtung bestimmen. Einzig in Bezug auf den Umgang mit gewöhnlichen Metal-Standards gibt es bandintern die klare Vorgabe, dass wie wir immer mehr geben und uns nicht auf Klischees beschränken wollen. Viele andere Bands zeigen sich damit zufrieden. Uns reicht das nicht.“

Weiter eingrenzen lässt sich der Arbeitsprozess aber nicht, wie Renaud auf Nachfrage bestätigt: „Die Arbeit geschieht bei uns chaotisch und zumeist spontan. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir nur die Songs aufnehmen, von denen wir überzeugt sind. Darüber hinaus gibt es nichts mehr zu sagen.“ Im Fall von KRUGER spricht die Musik für sich selbst und die hat es in sich. „Adam And Steve“ steht für schroffe, vielschichtige Soundscapes, die einer beständigen Veränderung unterworfen sind und auf deren weiteren Fortgang man nie so recht schließen kann:

„Eine abgestimmte Stoßrichtung für das Album gab es nicht,“ äußert der Shouter. „Wir wollten aber unbedingt einige direkte, weniger komplexe Stücke mit auf der Platte haben, die unmittelbar und ohne Verzögerung wirken. Der Titel-Song ist dafür ein gutes Beispiel. Er besitzt ein rohes Punk-Feeling und funktioniert live so fantastisch, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Die Umsetzung und Fertigstellung des neuen Albums ließ jedoch auf sich warten. Erst nach einer mehrjährigen Wartezeit erblickt der Nachfolger von „For Death, Glory And The End Of The World“ das Tageslicht: „Wir hatten damit zu kämpfen, die nötige Zeit zum Songwriting frei zu schaufeln. Die letzte Platte ist vor vier Jahren erschienen, weshalb es uns so wichtig war, zwischendurch die 10 Inch „333“ heraus zu bringen. Für uns war ja absehbar, dass es noch dauern würde, bis ein neuer Longplayer erscheint. Ein offensichtlicher Grund sind die personellen Probleme. Innerhalb von neun Monaten sind zwei Gitarristen ausgestiegen. Verschlimmert hat sich die Situation durch unsere privaten Verpflichtungen. Es blieb einfach nicht genug Zeit für den Rock’n‘Roll. Der Faktor Zeit ist für mich der wesentliche Unterschied zwischen dem neuen und den älteren


Alben, die schneller entstanden sind. Doch damals waren wir jünger und hatten nichts als Musik im Kopf.“

Die Prioritäten haben sich ein wenig verschoben, doch KRUGER ist den Musikern nach wie vor wichtig. Die partielle Straffung von „Adam And Steve“ hat allerdings nichts mit Zeitmangel zu tun: „Ich vermag nicht zu sagen, ob es daran liegt, dass wir schlicht fauler geworden sind“, mutmaßt Renaud. „Vielleicht sind einige der neuen Songs ja deshalb einfacher gehalten. Dass sie es sind, steht außer Frage. Daran, direkt auf den Punkt zu gehen, erkenne ich aber nichts Schlechtes. Auch sonst finden sich auf dem neuen Album klarere Strukturen, wenn man etwa auf die Grooves und Chöre achtet. Es spielt alles zusammen und scheint mir mehr ein Zeichnen zunehmender Reife zu sein.“

Hinsichtlich des Klangs ihrer Veröffentlichungen arbeiten die Schweizer indes mit Kalkül, wie der Frontmann verrät: „Bewusst ist bei uns lediglich die Entscheidung darüber, wer unsere Alben mixt und mastert. In der Vergangenheit fiel die Wahl zumeist auf Kurt Ballou, dieses Mal auf Magnus Lindberg. Wenn denn überhaupt, unterscheiben sich unsere Veröffentlichungen aufgrund ihrer Produktion voneinander. Daneben ist unsere Musik, was sie ist. Wir sind uns dessen bewusst, dass man unsere musikalischen Vorbilder noch heraus hört. Doch ich finde, über die Jahre fließt zunehmend erkennbar eine eigene Note mit ein.“

Dieser Aussage ist zuzustimmen, und mit „Adam And Steve“ erscheint ein für die Schweizer typisches Werk. Die Songs der Gruppe aus Lausanne putschen auf, bremsen aus, zeigen musikalisch die kalte Schulter oder schlagen wüst in die Magengrube. Die Beschäftigung mit KRUGER ist mehr ein Erfühlen als ein gewöhnliches Hören, doch das ist bei Gojira, Breach, Mastodon, Neurosis, Entombed, Tool, etc. nicht anders: „Unsere Musik mag auf den ersten Blick düster und heftig sein, doch da ist auch eine melodische Komponente, eine gewisse epische Hemmungslosigkeit. Die eingängigen Gimmicks der einzelnen Songs wollen wir heute nicht mehr missen.“

Textlich sieht es anders aus, denn Renaud richtet die Worte an sich selbst: „Meine Texte sind je zu einem Drittel abstrus, albern und ernst gemeint. Meine Intention ist es allein, mich selbst zu unterhalten, indem ich mich mit Dingen und Themen beschäftige, die ich selbst spannend oder witzig finde. Inspirieren lasse ich mich von vielem. Der Titel „Adam And Steve“ entstammt etwa einer Tea Party-Demonstration gegen Schwule und Lesben. Eine solche Idiotie und Verbohrtheit muss man anprangern und es gibt noch vieles mehr.“

 
 Links:
  kruger.ch
 
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