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Darkest Hour

Storie von: arne, am 29.09.2014 ]

Ihr achtes Studio-Album lassen die Musiker aus Washington, DC schlicht selbstbetitelt. Wer den Namen DARKEST HOUR hört, verbindet mit ihm einen melodisch geprägten Metal-Sound, der Elemente aus dem Thrash, Death und Heavy Metal stimmig mit einer Core-Kante verbindet. Die Musiker setzen ihren Weg auf der neuen Platte selbstverständlich, allgemeingültig und ausgewiesen hymnisch fort und erfinden sich partiell wiederum neu.

 
Zum Auftakt des Gesprächs sollte Mike Schleibaum, der sich eigens einen schützenden Platz vor der texanischen Sonne gesucht hatte, aber zunächst den Hintergrund zum neuesten Band-Shirt erläutern, das den Aufdruck „Fuck Waiting Around To Die“ trägt. Fragen soll man schließlich direkt dann stellen, wenn sie einem einfallen, damit man sie nicht vergisst: „Diese Zeile entstammt dem zweiten Track unseres neuen Albums, der ,Rapture In Exile‘ heißt“, erklärt der Gitarrist. „Es gibt einige Stücke auf der Platte, die starke Texte und Statements besitzen. ,Rapture In Exile‘ beschäftigt sich mit Niederlagen und Verlusten aller Art; nicht nur mit persönlichen. Das gesamte Album basiert auf dem Thema des Überwindens von Schwierigkeiten in unterschiedlichen Ausprägungen. Es bringt ja nichts, sich seinem Schicksal zu ergeben und nicht zu versuchen, seine Situation zu verbessern. Wenn man selbst aufgibt, warum sollten dann andere zur Hilfe kommen? Man muss selbst aktiv werden und etwas dafür tun, dass es einem besser geht. „Fuck Waiting Around To Die“ ist ein Ausspruch, der das unserer Auffassung nach treffend zusammen fasst und heraus sticht. Als unser Label nach einer prägnanten Beschreibung des Albums fragte, mussten wir nicht lange überlegen.“

Das Statement passt auch deshalb, weil es auf die selbstbestimmte, mutige Attitüde verweist, mit der die Gruppe unterwegs ist: „Als DARKEST HOUR gehen wir die Dinge immer ein bisschen anders an als andere“, bestätigt Mike. „Das erschwert es den Leuten, mit uns umzugehen und uns in eine bestimmte Schublade zu stecken. Unser Ansatz bietet uns manchmal Vorteile, birgt aber offenkundig auch Nachteile. Auf Touren fahren wir beispielsweise den größten Anklang ein, wenn wir mit Gruppen wie Behemoth, Soilwork, In Flames oder Machine Head unterwegs sind. Wenn wir mit Bands wie Unearth, God Forbid oder Lamb Of God spielen, läuft es auch gut, denn beim Metal-Publikum punkten wir zumeist. Auf der anderen Seite schätzen wir aber die Abwechslung und touren deshalb auch gerne mit anders ausgerichteten Gruppen aus dem Punk-Bereich wie Anti-Flag, weil uns das viel Spaß bereitet. Wir wollen uns nicht einseitig ausrichten und uns alle Optionen offenhalten. Die Einflüsse der Mitglieder von DARKEST HOUR sind breit gestreut. Mit der Wahl unterschiedlicher Touren tragen wir dem Rechnung.“ Zum Zeitpunkt des Interviews befand sich der Musiker gerade im professionell durchorganisierten Festival-Tour-Betrieb, der auf individuelle Vorlieben nur wenig Rücksicht nimmt:

„Der Vorzug solcher Festivals ist offensichtlich. In kurzer Zeit erreicht man unglaublich viele Leute und kann im besten Fall Hörer auf sich aufmerksam machen, die einen noch nicht kannten“, weiß der Gitarrist. „Obwohl DARKEST HOUR seit inzwischen fast zwanzig Jahren bestehen, ist uns bewusst, dass es bei den Hörern ein Kommen und Gehen gibt. Für viele ist Metal eine vorübergehende Phase. Sie entdecken die Szene, gehören ihr eine Zeit lang an und verschwinden wieder. Zudem existieren viele voneinander abgegrenzte Sub-Stile, und auch die Vorlieben der Leute ändern sich. Deshalb ist es so wichtig, Präsenz zu zeigen und sich möglichst vielen Leuten zu präsentieren. Die Festival-Touren sind in dieser Hinsicht eine optimale Plattform, zumal dort insbesondere junge Hörer zu finden sind.“ Definierte 20-Minuten-Sets stellen an die Auswahl der gespielten Songs dabei ganz eigene Anforderungen: „Das ist natürlich so eine Sache und wirklich hart. Zumeist endet es damit, dass wir vor allem neue Stücke spielen und nur ausgewählte ältere wie ,Demons‘, ,With A Thousand Words‘ oder ,Doomsayer‘. Unsere Fans erwarten ja auch Tracks, die sie kennen und die DARKEST HOUR bekannt gemacht haben. Für uns ist es ebenfalls spannender, eine Mischung aus alten und neuen Songs zu spielen, denn so bleibt es abwechslungsreich.“

Mit Bassist Aaron Deal und Schlagzeuger Travis Orbin geben zwei neue Musiker ihren Veröffentlichungseinstand auf dem selbstbetitelten Werk. Berührungsängste mit dem Back-Katalog sind für die beiden Mike Schleibaum zufolge verboten: „Über die Jahre haben wir immer wieder neue Band-Mitglieder gehabt. Wenn man zu einer Gruppe stößt, gehört es mit dazu, auch ihre alten Stücke zu spielen. Wir verleugnen unsere früheren Veröffentlichungen ja nicht deshalb, weil wir in einer anderen Besetzung unterwegs sind. Die Grundhaltung des Metal von DARKEST HOUR ist noch immer dieselbe geblieben. Bislang ist es niemandem schwer gefallen, sich mit unseren älteren Tracks anzufreunden und sie ebenso leidenschaftlich wie neue zu spielen, an deren Entstehung sie beteiligt waren.“ Von den ursprünglichen Gründungsmitgliedern sind heute lediglich noch Sänger John Henry und der Gitarrist mit von der Partie: „Zwischendurch gab es immer wieder Auszeiten, so wie jetzt nach „The Human Romance“. Solche Phasen sind wichtig, um sich darüber klar zu werden, wie die Prioritäten liegen und ob man wirklich voll dahinter steht, ein tourender Musiker zu sein. Das muss man wirklich wollen, andernfalls funktioniert es nicht. John und ich konnten die Frage über all die Jahre immer uneingeschränkt bejahen. Unsere Motivation hat mit den Jahren nicht nachgelassen. Wir wollen nichts anderes tun, als Songs zu schreiben und mit ihnen unterwegs zu sein. Für uns gleicht es noch immer einem Abenteuer, jeden Abend in einer anderen Stadt aufzutreten und uns auf der Bühne zu beweisen. Das ist unser Leben.“

Die erfüllende kreative Arbeit ist die andere Triebfeder, die Mike motiviert hält, wie er verrät: „Ich mag es, mit Ideen und Songs herum zu experimentieren, sie zu verändern und wachsen zu sehen. Wenn man mehr Zeit hat, wie jetzt im Vorfeld des selbstbetitelten


Albums ist das vorteilhaft. Die längere Pause haben wir vor allem deshalb eingelegt, um durchatmen zu können, Kraft zu tanken und den nötigen Freiraum zu erhalten, ein wirklich gutes Album zu schreiben. Es war uns wichtig, dass es eine eigene Identität erhält. Wir wussten, dass wir das nur dann erreichen würden, wenn wir dafür pausieren. Also haben wir das getan, was härter war als gedacht. Schon bald hat es uns gereizt, wieder auf Tour zu gehen. Das hat uns bewiesen, dass wir wirklich dafür brennen. Zunächst hieß es allerdings, das Album zu schreiben und aufzunehmen.“

Das achte Album von DARKEST HOUR ist selbstbetitelt, nicht titellos. Der Name ist Leuten, die die Band kennen, Anspruch und Versprechen zugleich: „Ich möchte Vermutungen weder bestätigen noch dementieren“, zeigt sich der Gitarrist zurückhaltend: „Stattdessen fordere ich die Leute auf, sich ein eigenes Bild zu machen und das Album anzutesten. Ich weiß ja nicht, welche Erwartungshaltung zugrunde liegt und wie der einzelne uns bislang wahrgenommen hat. Abhängig davon erlebt man die neuen Songs auf ganz unterschiedliche Weise. Im Internet lese ich manchmal Diskussionen über Veröffentlichungen von Bands – nicht zwangsweise über unsere – in denen sich Leute darüber streiten, ob Künstler es tatsächlich wagen dürfen, das eine oder das andere zu tun. Hallo?!? Dann habe ich doch lieber Hörer, die unseren Songs unvoreingenommen eine wirkliche Chance einräumen und das Material nicht an dem der Vergangenheit abgleichen. Das macht doch überhaupt keinen Sinn.“

Zumal dann nicht, wenn eine Gruppe – so wie das Quintett aus Washington, DC – Dinge bewusst verändert und sich selbst beständig herausfordert: „Das neue Album besitzt Stücke, die polarisieren können“, weiß Mike Schleibaum. „Nicht jeder Hörer ist meiner Erfahrung nach aufgeschlossen genug, um abwechslungsreichen, Stil-übergreifenden Metal wirklich verdauen zu können. Viele haben es lieber berechenbar und geradlinig. Das ist jedoch nicht unser Anspruch und Vorgehen. Wir toben uns gerne aus und übernehmen bereitwillig die Rolle derjenigen, die anderen Musikern und Hörern vorleben, was alles möglich ist, wenn man sich nur traut. Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele Leute das Album in kompletter Länge hören, um nachzuvollziehen, welch ein spannendes und wachsendes Werk wir geschaffen haben.“

Die personellen Wechsel haben sich positiv auf die Entwicklung des Sounds der Band und das selbstbetitelte Album ausgewirkt, zeigt sich der Gitarrist überzeugt: „Von Zeit zu Zeit sind Veränderungen nicht verkehrt. Das ist wie in einer Beziehung. Für eine Band sind neue Musiker dahingehend befruchtend, als dass man eine andere Sicht auf das eigene Spiel und frische Ansätze erhält. Die neuen Mitglieder wollen sich stets beweisen und tun verrückte Dinge, die dann uns andere anstacheln, ebenfalls mehr zu geben. Davon profitiert die gesamte Gruppe und es entwickelt sich eine eigene Leidenschaft und Interaktion in der neuen Konstellation. So habe ich es bislang wenigstens immer erlebt. Unabhängig von der Besetzung gleicht das Songwriting bei uns immer einem kreativen Chaos. Wir experimentieren viel und versuchen, unsere Ideen umzusetzen. Manches funktioniert, anderes nicht. Es ist der ganz normale Wahnsinn, denn die Arbeit basiert auf Emotionen und Leidenschaft.“ In der Zusammenarbeit mit Sumerian Records sehen DARKEST HOUR vor allem die Chance, neue Hörer anzusprechen, denn die Veröffentlichungen des Labels werden von vielen Leuten angetestet:

„Unser Sound unterscheidet sich vom Großteil der anderen Gruppen, so dass wir hoffentlich interessiert aufgenommen werden. Wir sehen ausschließlich die Vorteile. Auf Booking-Ebene arbeiten wir mit den Leuten von Sumerian schon einige Jahre lang gut zusammen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch ein Album bei ihnen erscheinen würde. Für uns ist es demnach keine neue Kooperation, sondern die Intensivierung einer bestehenden.“ Im Umfeld der innovativen, vorwärts gerichteten Frickel-Kombos fällt das Quintett aufgrund seines vergleichsweise klassischen Metal-Zugangs auf. Und dass, obwohl auch DARKEST HOUR mit einer modernen Attitüde unterwegs sind: „Wir waren und sind Fans der frühen und ursprünglichen Vertreter des melodischen Metal“, entgegnet Mike. „Wir stehen in ihrer Tradition und haben ihr Schaffen studiert. Inzwischen sind wir diesem Stil seit annähernd zwei Dekaden verschrieben und haben gerade mit den letzten Platten zunehmend unsere eigene Note mit eingebracht. Damit helfen wir, den melodischen Metal insgesamt weiter zu entwickeln. Heute nehme ich für uns in Anspruch, einen eigenen, wiedererkennbaren Stil zu spielen, der für sich steht. Mit dem Namen DARKEST HOUR soll man genau diesen Sound verbinden. Das ist unser Beitrag zur Weiterentwicklung des Heavy Metal.“

Den Sound seiner Band siedelt Mike Schleibaum auf diesem übergeordneten Level an und liefert sogleich eine Begründung dafür: „In der Zeit, die wir bestehen und um die Welt touren, hat sich viel verändert. Dass wir früher von vielen als MetalCore aufgefasst worden sind, erledigte sich spätestens dann, als die MetalCore-Welle abebbte und nur noch die Bands weitermachten, die unabhängig von diesem Trend etwas zu bieten hatten und die sich weiterentwickelten. Losgelöst davon kam für mich ohnehin immer nur Heavy Metal als Genre-Beschreibung infrage, um DARKEST HOUR zu verorten. Vom Thrash und Melodic-Metal über Rock und Hardcore ist in unseren Songs schon immer alles zu finden. Die Assoziation mit dem MetalCore schien mir immer daher zu rühren, dass wir anfangs viel mit Hardcore- und Punk-Bands getourt sind. Wir selbst verstehen uns schon immer als Heavy Metal!“

 
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