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Obey The Brave

Storie von: arne, am 17.09.2014 ]

UNGEBREMSTE ENTDECKERFREUDE. Alex Erian und OBEY THE BRAVE melden sich zwei Jahre nach „Young Blood“ mit dem starken „Salvation“ selbstbewusst und relevant zurück. Der Unterhaltungs- und Nachhaltigkeitswert sind immens ausgeprägt. Stilistisch setzt das Quintett aus agile, pointierte Tracks zwischen Modern-Hardcore, MetalCore und Punk Rock. Polarisieren werden die Kanadier weiterhin, doch sollten ihre Kritiker die enorme Energieleistung und das verdichtete Spiel der Gruppe anerkennen.

 
Der Spaß-Faktor steht beim Zweitwerk erkennbar zentral, und doch arbeiten die Musiker ernsthaft und zielgerichtet. Im Ergebnis jagt eine Hymne die nächste, wobei insbesondere die Refrains und der melodische Gehalt des Materials nochmals aufgewertet worden sind. Epitaph Records schickt das Quintett interessanterweise nicht länger als Hardcore, sondern inzwischen als MetalCore ins Rennen, wofür Frontmann Alex im Gespräch Verständnis zeigt: „Die Leute nehmen das, was wir tun, unterschiedlich auf. Epitaph versuchte anfangs, uns als Hardcore-Band zu vermarkten. Wir waren diesbezüglich skeptisch, denn diese Verortung hat nicht so recht mit unserem ersten Album zusammen gepasst. MetalCore trifft es nun deutlich besser, denn es ist ja unbestritten, dass wir Elemente aus dem Metal und Hardcore miteinander verbinden. Auf „Salvation“ kommt nun zusätzlich auch Punk in den Mix mit hinein. Vielleicht hätte es Epitaph genau anders herum machen sollen. Viele Leute hassen den Term MetalCore, obwohl er gut passt, um eine Idee davon zu vermitteln, was wir spielen. Ich habe damit jedenfalls kein Problem.“

Daran, dass wie schon bei „Young Blood“ Pre-Order-Pakete mit einem Skate-Deck zu haben sind, tragen OBEY THE BRAVE indes einen Anteil, wie der Shouter auf Nachfrage verrät: „Ein enger Freund von mir arbeitet in einer Firma, die Skate-Decks herstellt. So kam eins zum anderen, denn auch unser Grafik-Designer, ein weiterer enger Freund der Band, ist für dieselbe Firma, Control in Quebec, tätig. Es ist nicht so, dass wir aktive Skater sind, doch dieser Szene stehen wir durchaus nahe und fühlen uns ihr verbunden. Wir wollten den Leuten mehr bieten, als nur die CD mit einem T-Shirt, wie es heutzutage Standard ist. Vielleicht gibt es ja Skater, die uns hören und das Deck auch tatsächlich einsetzen. Beim nächsten Album sollten wir aber vielleicht mal mit einer neuen Idee um die Ecke kommen.“

Was bei der Beschäftigung mit der zweiten Platte der Kanadier auffällt, sind sowohl die besondere Attitüde, die alle zwölf Tracks miteinander verbindet, als auch eine neue Variabilität, mit der OBEY THE BRAVE der früheren Kritik einer unterstellten Einseitigkeit im Songwriting den Wind aus den Segeln nehmen: „Vor zweieinhalb Jahren haben wir nach kurzer Zeit ein erstes Album auf den Markt gebracht, weil wir ausreichend Songs geschrieben hatten und auf Tour gehen wollten“, ordnet Alex Erian ein. „Wir waren in der Band-Konstellation erst wenige Monate zusammen und noch im Prozess des gegenseitigen Kennenlernens befindlich. Nichts ist dafür besser geeignet, als gemeinsame Tour-Erfahrungen. Dass wir heute immer noch in derselben Besetzung bestehen, spricht für sich. Wir haben in den letzten Monaten 26 Länder gesehen und einige hundert Shows gespielt. Inzwischen sind wir eine eingeschworene Einheit, die sich blind versteht. Das spürt man auch in den neuen Songs. „Salvation“ besitzt eine ungleich höhere Qualität als noch das Debüt und repräsentiert uns sowohl als Individuen als auch als Gruppe viel besser. Wenn man auf kleinem Raum über eine so lange Zeit zusammen ist und alle Dinge des Alltags teilt, wächst man unweigerlich zusammen. Dennoch sind wir immer noch OBEY THE BRAVE und das hört man. Wir gehen die Songs nun frischer und interessanter an – sowohl für die Hörer als auch für uns selbst. Einige der neuen Stücke spielen wir bereits live und es fühlt sich richtig gut an, sie auf der Bühne zu performen.“

Schon relativ frühzeitig, Ende 2013, ist mit ,Full Circle‘ eine Vorab-Auskopplung erschienen. Zuletzt legten die Kanadier mit ,Raise Your Voice‘ einen zweiten Track nach. Die Auswahl fiel OBEY THE BRAVE nicht schwer, wie der Shouter erzählt: „Als wir ,Full Circle‘ veröffentlichten, war es der einzige Song, den wir schon komplett fertig gestellt hatten. Damals fühlten wir, dass es an der Zeit war, nachzulegen. Das neue Album lag noch in weiter Ferne, doch wir wollten unseren Fans etwas Neues bieten. ,Raise Your Voice‘ haben wir deshalb ausgewählt, weil es den neuen melodischen Aspekt unseres Spiels verdeutlicht und dennoch hart und groovig ist, so wie man uns kennen gelernt hat. Beide Songs repräsentieren die neue Platte, auch wenn ich finde, dass sich „Salvation“ weniger linear und weitaus abwechslungsreicher als unser Debüt entwickelt. Schnelle Songs, langsame, Mosh-Parts, Breakdowns, Songs ganz ohne Breakdowns, welche mit viel Melodie und direkte, hartnäckige:

„Salvation“ lässt sich nicht fassen und profitiert überdies von den Punk-Elementen, die wir mit aufgenommen haben; insbesondere in den Refrains. Die nächste Single wird der Opener ,Short Fuse‘ sein, dass nur knappe eineinhalb Minuten läuft und knackig auf den Punkt kommt. Es bereitet uns so viel Spaß, dieses Stück live zu spielen!“ Entgegen der möglichen Vermutung, dass ,Raise Your Voice‘ dazu aufruft, selbst Stellung zu beziehen, sind die Intentionen von Alex anders gelagert: „Mir geht es eher darum, dass die Leute sich von den ganzen Feedback- und Kommentar-Möglichkeiten im Internet nicht dazu veranlasst sehen sollen, nur Negatives und Destruktives von sich zu geben. Was mich vor allem stört, sind die hemmungslosen Übertreibungen und Extreme, die inflationär genutzt werden. Ein „Mag ich nicht“ oder „Gefällt mir nicht“ wäre ja noch okay, doch zumeist liest man eher Sachen wie „Die sind Scheiße, ich hoffe sie erhängen sich bald und sterben“. Das hat überhaupt keinen Stil! In meinen Zeiten mit DESPISED ICON habe ich gelegentlich noch geschaut, was die Leute über uns geschrieben haben, doch das macht überhaupt keinen Sinn. Warum soll ich mich von grundlosen Anfeindungen von Leuten herunter ziehen lassen, die ich nicht kenne und die sich nicht einmal trauen, mir so etwas ins Gesicht zu sagen? Als Musiker stecken


wir viel Zeit, Energie und Leidenschaft in die Songs. Dass nicht jeder eine Band mögen kann, ist klar, aber diejenigen, die sie nicht mögen, müssen einen ja nicht schlecht machen und verunglimpfen. So etwas hat kein Künstler verdient. Positive Kommentare gibt es kaum bzw. sie gehen unter. Jetzt kann man sicherlich sagen, dass auch negative Meinungen besser als gar keine Reaktionen sind, doch das lasse ich nicht gelten. Ein Mindestmaß an Respekt muss man einfordern dürfen. ,Raise Your Voice‘ geht auch in die Richtung, sein Ding durchzuziehen und seine Meinung zu vertreten, unabhängig davon, was andere darüber denken.“

Wenn der sympathische Kanadier Musik-Websites oder -Magazine liest, interessieren ihn vor allem Interviews mit den Helden seiner Jugend, die persönliche Anekdoten verraten oder Erlebnisse preisgeben: „Spannend finde ich es dann, wenn ich neue Dinge über Leute erfahre, deren Werdegang ich über Jahre verfolge. Nehmen wir zum Beispiel Pantera. Phil hat zuletzt einem Journalisten erzählt, wie er auf Tour mit seinen Rückenbeschwerden umgeht. Er hat früher nicht auf seine Gesundheit geachtet, Drogen genommen und ein rücksichtsloses Leben geführt. Inzwischen muss er auf sich achtgeben, dehnt sich jeden Tag und praktiziert Yoga. So etwas zu lesen, finde ich spannend, denn mich betrifft das auch. Wenn man auf Tour entweder kaum schläft oder nur in unbequemen Stellungen, macht sich das mit der Zeit bemerkbar. Auch ich hatte Rückenprobleme und musste mich umstellen. Seit einigen Monaten haben wir Gewichte mit im Van und trainieren jeden Tag ein wenig, um in Form zu bleiben und die Muskulatur zu stärken. Wenn ich zu Hause bin, fahre ich zudem viel Fahrrad. Ich schlafe möglichst viel und gebe auf meine Stimme acht. Gerade für einen Sänger ist das wichtig. Mit dem Feiern halte ich mich zurück und trinke viel Wasser. Ferner habe ich meine Ernährung umgestellt und bin seit zweieinhalb Jahren Vegetarier. Seither werde ich auf Tour nur selten krank und spüre mehr Energie in mir. All das hilft.“

Wenn man weiß, warum man etwas tut und wofür es gut ist, fällt es leicht, sich eine professionelle Einstellung anzueignen und die nötige Disziplin aufzubringen, das Richtige zu tun: „Die Band zahlt meine Rechnungen, nebenher mache ich nichts anders. Einen anderen Job möchte ich auch gar nicht. Ich habe eine nette Wohnung, ausreichend zu essen und die Möglichkeit, die Welt zu sehen. Mehr brauche ich nicht. Ich liebe meinen Job und bin jedem dankbar, der uns unterstützt und es uns ermöglicht, professionelle Musiker sein zu können. In den letzten Tagen mit DESPISED ICON war das anders. Das Gefühl stimmte nicht. Ich wusste nicht mehr, warum ich Musiker war. Deshalb habe ich die Reißleine gezogen und mir einen Job in Montreal gesucht. Nach kurzer Zeit wurde mir klar, wie privilegiert ich gewesen bin, all das erleben zu dürfen. Deshalb habe ich wieder alles auf eine Karte gesetzt und mit OBEY THE BRAVE von vorne angefangen.“ Bereut hat der Shouter diesen Schritt bislang nicht, denn die Vorzüge des Lebens als tourender Musiker wiegen die Nachteile auf:

„Gerade erst vor einigen Wochen hatte ich zu diesem Thema eine Diskussion mit Jesse von STICK TO YOUR GUNS. Er sagte etwas, das ich sehr interessant finde. Musik ist dafür verantwortlich, dass er sich jung fühlt, trägt aber gleichfalls dazu bei, dass er gefühlt deutlich schneller altert als Leute, die ein so genanntes geregeltes Leben führen. Dieses Statement kann ich nachvollziehen. Musik hält auch mich im Herzen jung. Zu Hause in Montreal treffe ich immer wieder Leute, mit denen ich aufgewachsen oder auf der Highschool gewesen bin. Nach der Schule haben sich die meisten von ihnen normale Jobs gesucht und Familien gegründet. Für manche ist das genau die richtige Lebensplanung. Nun, 10-15 Jahre später gibt es aber auch einige, die sich fragen, warum sie sich ohne das geringste Zögern in diesen Alltagstrott gestürzt und ob sie vielleicht etwas verpasst haben. Musik bietet mir die Möglichkeit, die Welt zu sehen und Abenteuer zu erleben. Ich lerne andere Kulturen, Ernährungsweisen und architektonische Unterschiede kennen und kann mich mit vielen Menschen unterhalten. Mein Entdeckerdrang hat bislang nicht nachgelassen und ich bin dankbar für mein Privileg, so viel erleben zu dürfen.“ Darauf angesprochen, dass Alex Erian im Gegensatz zu seinen Band-Kollegen und vielen anderen Core-Musikern weitgehend untätowiert ist, muss der Shouter zunächst lachen und erwidert dann:

„Es geht eben auch ohne. In den frühen 1990er Jahren habe ich meine ersten Hardcore-Shows besucht. Damals standen noch die Musik und die Texte im Vordergrund. Wie man aussah, spielte keine Rolle. Das hat sich später verschoben. Vielen Musikern scheinen die Optik und ihre Inszenierung heute wichtiger als der kreative Aspekt zu sein. Bei mir ist es nach wie vor anders herum. Was Tattoos anbelangt: das ist nicht so meine Sache. Die meisten meiner engen Freunde sind stark tättoviert, einige sind sogar Tätowierer und reden seit Jahren auf mich ein, mir etwas von ihnen stechen zu lassen. Dann sage ich immer: Nein! Miguel, unser Bassist, ist einer dieser Tätowierer und kennt überall auf der Welt KOllegen. An Off-Tagen auf Tour besuchen wir deshalb oft Tattoo-Shops. Als wir vor einiger Zeit die „Never Say Die“-Tour spielten und in Dänemark waren, habe ich mich einmal breitschlagen lassen und mir etwas aufs Bein stechen lassen. Sollte ich irgendwann einmal mehr machen, wird man es wohl nicht sehen. Für mich sind Tattoos eine persönliche Angelegenheit, die man nicht allen zeigen muss. Bei OBEY THE BRAVE sind andere für die bunte Optik zuständig, wobei insbesondere Miguel und unser Gitarrist John mit gutem Beispiel voran gehen, haha.“

 
 Links:
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