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Wovenwar

Storie von: arne, am 30.07.2014 ]

Die Gesichter sind vertraut, doch Band und Sänger sind neu. Vier Fünftel der MetalCore-Helden As I Lay Dying gehen ihren Neustart als WOVENWAR gemeinsam mit Oh, Sleeper-Sänger Shane Blay an. Auf dem selbstbetitelten Debüt des Quintetts wird ein ganzheitlicher, melodischer und eingängiger Heavy-Sound zelebriert, der am ehesten als melodischer Metal zu umreißen ist, jedoch weitaus mehr zu bieten hat.

 
Der gut gelaunte Gitarrist Nick Hipa zeigte ich im Gespräch zunächst überrascht, dass sämtliche Fragen des Interviews vorab beim Management der Band zur Begutachtung eingereicht werden mussten. Die Begründung für das ungewöhnliche Procedere lag dabei auf der Hand: „Oh, wow, davon wusste ich gar nichts. Ich bin auch nicht informiert, was du fragen wirst. Ich kann mir nur vorstellen, dass man auf diese Art und Weise vermeiden will, dass sich Interviews nur um As I Lay Dying und die jüngsten Ereignisse rund um Tim drehen. Je nachdem, wie sich Gespräche entwickeln, könnte es ordentlich zur Sache gehen. Letztlich steht es mir aber frei, nicht zu antworten, wenn ich mich unwohl fühle. Ich hoffe aber, dass du an WOVENWAR interessiert bist und wir vor allem über unsere neue Band sprechen werden. Ich lasse es auf mich zukommen.“

Dass es ein großes Interesse an Informationen auf Seiten der Fans gibt, ist Nick bewusst. Im Zuge der Vorstellung des ersten Longplayers seiner neuen Gruppe äußert sich der Gitarrist nun spät zu den Ereignissen der letzten Monate: „Mit WOVENWAR haben wir eine neue Band gestartet, die es inzwischen seit mehr als einem Jahr gibt. Dass viele Fans Fragen nach den letzten Tagen von As I Lay Dying stellen, ist nicht verwunderlich. Doch letztlich sind die Fakten bekannt. Unser Sänger wurde eines Verbrechens für schuldig befunden und verbüßt nun eine mehrjährige Haftstrafe. Die Leute verlangten nach einem Statement von uns, doch was sollten wir schon sagen? Wir waren von den Vorkommnissen genauso geschockt wie die Öffentlichkeit. Es handelt sich um eine persönliche Angelegenheit, die mit der Band nichts zu tun hat, auch wenn sie auf uns abstrahlte. Wir kennen beide Parteien seit langer Zeit. Beide sind ein wichtiger Teil unserer Leben gewesen. An den Geschehnissen hatten wir zu knabbern. Irgendwann haben wir dann begonnen, alles musikalisch zu verarbeiten und die neue Band auf die Beine gestellt. Jetzt können wir sagen: Das sind WOVENWAR, so sind wir mit der Sache umgegangen. Es ist klar, dass es bei WOVENWAR für die nächste Zeit immer auch ein Stück weit um As I Lay Dying gehen wird. Das ist halt so.“

Die Entscheidung zum Neustart fiel den Musikern leicht, denn unter ihrem alten Namen wollten sie nicht weitermachen: „Das war die erste Frage, der wir uns gestellt haben, als wir über unsere Optionen und unsere Zukunft diskutierten. Die Antwort fiel schnell und eindeutig. Wir wollten nicht als As I Lay Dying weitermachen. Tim war das Gesicht der Band, ein charismatischer und souveräner Frontmann. Doch im privaten Bereich hat er schlimme Dinge getan. Für uns schien es wenig sinnvoll, einen Ersatz zu suchen, der seine Texte singt. Das wäre nicht richtig, zumal ein Ersatz auf ewig in seinem Schatten gestanden hätte. Zudem hätte es für den neuen Sänger Kompromisse bedeutet. So oder so, wäre die weitere Zukunft von As I Lay Dying vom Skandal um Tim überschattet geblieben. Die Entscheidung, eine neue Band zu starten, war deshalb unausweichlich und es war uns klar, dass wir stilistisch etwas anderes machen würden.“

Die Entscheidung ist das eine, die Umsetzung das andere. Die Musiker haben sich auf ihre Entdeckerfreude und bewährte Qualitäten verlassen: „Wir haben nicht groß nachgedacht, sondern einfach gemacht“, formuliert der Gitarrist die einfache Maßgabe. „Schon immer wollten wir gute Songs schreiben. Das ist unser übergeordnetes Ziel, das wir schon mit As I Lay Dying verfolgt haben. Im aggressiven Stil hatten wir unserem Gefühl nach für den Moment alles gesagt. Mit diesem Wissen wollten wir uns verändern, ohne dieses anders zunächst näher einzugrenzen. Die Richtung hat sich verdichtet, sobald Shane zu uns stieß. Er hörte unsere Songs und hat spontan Vocals für die Stücke aufgenommen, die ihm besonders zugesagt haben. Mit dem Input seiner Ideen hat sich der Sound von WOVENWAR schnell ausgebildet. Shane ist kein brutaler Shouter, stattdessen hat er eine phänomenale Singstimme, die uns umgehauen hat. Wir haben mit verschiedenen Stilkombinationen, Tempi und Rhythmen experimentiert und immer passte seine Stimme super dazu. Innerhalb kurzer Zeit haben wir uns gefunden. Der Arbeitsprozess verlief ohne Druck und Erwartungen und ganz natürlich. Das erste Ergebnis ist nun ein aufrichtiges, emotionales Album, das uns fünf Typen sehr gut repräsentiert.“

Zu hören ist ein reifer, übergreifenden Metal-Sound. Große Melodien und Hooks finden sich praktisch in jedem der 15 Stücke des selbstbetitelten Debüt-Albums, wobei eine Abgrenzung gegenüber dem früheren Betätigungsfeld Nicks offenbar ist: „Die Platte weist noch viele Metal-Elemente auf, doch natürlich wirken sie ganz anders“, so der Musiker. „Man darf nicht vergessen, dass Metal alles und nichts sagt und viele unterschiedliche Bedeutungen besitzt. Im Fall von WOVENWAR sprechen wir sicherlich nicht von aggressivem oder extremem Metal oder der brutaleren Auslegung, aus der wir kommen. Doch präzises Riffing und schnelles Drumming sind ein fester Bestandteil unserer Songs. Trotz der vielen Stilbezeichnungen, die es heutzutage gibt, fällt es mir schwer, ein Wort zu finden, das uns treffend beschreibt. Im Kern ist es Heavy Musik. Heavy stellt auf die Intensität und den Energiegehalt ab, wie man sie von As I Lay Dying her kennt. Gleichzeitig klingt alles größer und genereller, weshalb ich Musik und nicht Metal sage. Die Melodien und Lebendigkeit der Songs haben sich verändert, wie auch sehr offensichtlich der Gesang. Am Ende ist es eine andere Facette unserer Musikalität, denn eine Verbindung zu unserem früheren Schaffen ist erkennbar, wenn man unsere Vergangenheit kennt.“

Dem Aufsatz ihres neuen Sounds haben sich die Musiker behutsam und zunächst jeder für sich genähert. Anschließend


vertraute man auf die ergebnissteigerte Kraft der Gruppe: „Es gab weder einen Plan noch benennbare Absichten“, erinnert sich Nick an die Startphase. „Jeder hat für sich an neuen Ideen gearbeitet und diese dann mit den anderen geteilt. Jeder von uns hat für sich Songs geschrieben. Anschließend haben wir uns darüber ausgetauscht, welche Momente und Elemente wir aus welchem Grund mögen. Dann haben wir weiter gejammt und irgendwann stellte sich das ein, was man nun auf dem Album hört. Es klingt ein wenig vermessen, zu sagen, wir seien unsere eigenen Einflüsse gewesen, doch so war es. Wir haben in uns hinein gehört und waren kreativ. Es ging wirklich nur darum, uns selbst zufrieden zu stellen und uns gegenseitig zu inspirieren. Vom Einstieg Shanes haben wir dabei enorm profitiert. Er ist ja nicht nur Sänger, sondern auch ein richtig guter Gitarrist und Songwriter. Jeder Song fing mit der Idee eines einzelnen an, wurde von der Gruppe aufgenommen und ist in gemeinschaftlicher Arbeit gewachsen. Alles verlief als entspannter Prozess. Es ist schon verrückt. Vier von uns fünf waren schon so viele Jahren zusammen in einer Band, doch mit WOVENWAR haben wir uns neu erfunden. Das war auch unser Anspruch. Jede Gruppe braucht ihren eigenen Sound. Als wir Shane und seine Gesangslinien gehört haben, wussten wir, dass das genau das ist, was wir gesucht haben. Seine Ideen und seine Stimme haben uns als Musiker begeistert und es fühlte sich einfach richtig an. Im Kontext von As I Lay Dying wäre so etwas eher unpassend gewesen, doch hier passt es.“

Der Veröffentlichung ihres Debüts blickt die Band erwartungsvoll entgegen, auch wenn Unsicherheit ob der Aufnahme bei den Hörern bleibt. Insgesamt herrscht aber Optimismus für das erste Album und die weitere Entwicklung der Gruppe vor: „Wir fühlen uns glücklich und sind stolz darauf, wie toll das Album geworden ist. Gleichfalls wissen wir, dass wir noch am Anfang stehen und es noch viel gibt, was entdeckt werden will. Die Songs des Albums sind schnell und organisch entstanden. Vieles war fertig, als Shane zu uns stieß. Als Gitarrist, der er auch ist, wird er sich künftig stärker am Songwriting beteiligen, was unseren Sound bereichern wird. Darauf bin ich gespannt. Innerhalb der Band gibt es Ressourcen, die wir noch nicht angezapft haben. Es gibt noch vieles mehr, was wir angehen wollen. Erst einmal sind wir gespannt, wie die Leute auf uns reagieren. WOVENWAR sind eine neue Gruppe, die ihre Hörer finden muss. Sicherlich können wir davon ausgehen, dass viele Leute, die As I Lay Dying mochten, auch mit der neuen Band etwas anfangen können, doch es wird auch welche geben, denen wir nicht brutal genug aufspielen. Das ist okay, denn wir besitzen eine eigene Identität. Genauso gut ist es vorstellbar, dass Leute, denen As I Lay Dying nicht zusagten, an WOVENWAR Gefallen finden. Wir lassen es auf uns zukommen. Unser Verantwortungsbereich ist die Musik und unsere Arbeit haben wir getan.“

Das Potenzial in Richtung einer breiteren Hörerschaft ist zweifellos gegeben, was maßgeblich am Clean-Gesang und dem ausgeprägten melodischen Gehalt der Platte liegt: „Das stimmt, denn so etwas spricht unweigerlich mehr Leute an, weil es zugänglicher ist“, stimmt der Gitarrist zu. „Den brutaleren Metal-Sound von As I Lay Dying lieben wir nach wie vor, doch in WOVENWAR nutzen wir andere Ressourcen und haben mit Shane einen Frontmann, der singt und nicht schreit. So entsteht ein neuer Sound, den wir so weit treiben wollen, wie es unsere Fähigkeiten zulassen. Wenn WOVENWAR stärker in der Breite ankommen, wäre das eine tolle Geschichte. Nicht nur für uns, sondern für den Metal allgemein. Vielleicht entdecken uns Hörer, weil sie den Gesang anziehend finden. Dann interessieren sie sich für Riffing und Drumming und schauen, was es neben uns noch alles gibt. Sich mit den Einflüssen einer Band, die man mag, zu beschäftigen, ist für viele Hörer naheliegend. Einige Jahre später sind sie vielleicht eingefleischte Metal-Fans und hören extremere Sachen. Wir würden gerne die Funktion eines Türöffners in die Welt der Heavy Musik einnehmen. Die Chance ist definitiv da. Gegenwärtig ist für uns aber nicht abschätzbar, wie die Leute unseren Sound aufnehmen werden.“

In der Auswahl der Vorabauskopplung ist das Quintett deshalb auf Nummer sicher gegangen. Nick widerspricht nicht: „Wir haben ,All Rise‘ ausgesucht, und das klingt jetzt wohl ein wenig verrückt nach allem, was ich schon erzählt habe, weil dieses Stück unter allen Songs die größten Gemeinsamkeiten mit unserer Vergangenheit aufweist. Es gibt bereits Kommentare, die es als gravierend anders beschreiben, doch unserer Ansicht nach ist die Verbindung offenkundig. Man hört, woher wir kommen und in welche Richtung wir zielen. ,All Rise‘ steht für uns genau in der Mitte, auch wenn als Fixpunkt nur unsere Herkunft feststeht. Wohin es weitergeht, wird die Zukunft zeigen. Textlich thematisiert das Stück zudem eine Situation, in der man sich aufgrund externer Einflüsse machtlos und ohnmächtig fühlt. Das spielt offensichtlich auf die letzten Tage von As I Lay Dying an. Es wäre einfach gewesen, die Brocken hinzuwerfen, doch wir wollten weiter machen und begegnen unserer Zukunft mit Tatendrang und Optimismus.“

Die Selbstbetitelung des Albums drück das ebenfalls aus, wie der Gitarrist verrät: „Es gab mehrere Ideen für den Titel. Letztlich haben wir uns gegen alle von ihnen entschieden, weil es aktuell allein um WOVENWAR geht. Das ist unsere neue Band, von der die Leute Notiz nehmen sollen. Der Fokus liegt allein auf unserem Namen und unserem Sound. WOVENWAR sagt unserer Meinung nach mehr als genug und mehr als jeder andere denkbare Titel. Am Ende sollen die Leute sagen: WOVENWAR spielen gute Musik.“

 
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