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The Burden Remains

Interview von: arne mit Tommy Schweizer, am: 10.07.2014 ]

Das dritte Release von THE BURDEN REMAINS, „Fragments“, steht sowohl für einen kompakten und wuchtigen als auch einen über den Stil-Tellerrand hinaus blickenden, reifen Metal-Sound. Große Riffs, treibendes Schlagzeugspiel und markige Grooves auf der einen Seite, atmosphärisches Schwelgen, songdienliche Refrains sowie Strukturen und ein gewisser Post-Touch auf der anderen – in kleinem Ausmaß setzen die Schweizer ein unverhofft variabel dargebotenes Zweitwerk um.

 

Musicscan: Auf facebook ist als Beschreibung in aller Kürze "Rocking hard, basically." zu lesen. Das ist treffend, aber zugleich auch Understatement. Mit welchen Hintergedanken habt Ihr den Satz geschrieben? Wenn Ihr etwas weiter ausholen müsstest, was charakterisiert Euren Sound derzeit?

The Burden Remains: Rocking hard bedeutet für uns, dass wir eben immer alles geben. Wenn ich nach den Gigs nicht total am Arsch bin, habe ich zu wenig gegeben! Die Referenz an den Rock n’ Roll machen wir auch schon lange, denn wir sind keine „böse“ Metalband, sondern sehen uns eher als Rock n’ Roll Band auf Crack oder so. Uns geht’s vor allem um die Energie die wir vermitteln. Unseren Sound würde ich mittlerweile aus einer Mischung von Thrashmetal und Postrock bezeichnen. Wir haben viele Einflüsse die von Folk bis Deathmetal gehen und wir versuchen diese Einflüsse beim Songwriting nicht zu unterdrücken. Daher können die Songs vom Arrangement her auch etwas progressiv wirken... Eh Scheiß drauf, wir machen New-Wave-Acid-Gospel-Musik!

Musicscan: Welche Grundhaltung/Attitüde liegt Euren Band-Aktivitäten zugrunde? Gerade nach all den Jahren (inkl. Vorgänger-Band) hat man ja doch eine konkretere Vorstellung davon, was man will und was mit einer Band möglich ist? Wie sind Band und normaler Alltag arrangiert? Welche Touraktivitäten im Zuge der neuen Platte sind geplant,...?

The Burden Remains: Ich glaube die Grundhaltung zeigt sich hauptsächlich bei den Live-Gigs und im Songwritingprozess: Wir wollen einfach Spaß haben an unserer Musik! Auf der Bühne bevorzugen wir eine coole Show mit viel Energie, die halt zwischendurch Fehler beinhaltet, als ein perfekt gespieltes Konzert, wo aber keine Bewegung stattfindet. Beim Songwriting gehen wir ähnlich vor. Wir haben uns fast noch nie gefragt „was wollen wir damit erreichen?“, sondern gehen einfach mit dem flow. Es ist uns auch wichtig, dass jedes Bandmitglied gleich viel Mitspracherecht hat. Der Prozess dauert dann halt etwas länger als bei anderen Bands, dafür stehen wir alle immer hinter dem Endprodukt. Der Alltag sieht bei uns gleich aus wie bei jeder Amateurband. Wir sind alle momentan am Studieren und haben noch andere Hobbys, da reichts häufig nicht für mehr als zwei Proben pro Woche. Vor grossen Projekten wie die Plattentaufe können wir aber schon aufdrehen und bis zu fünf pro Woche à 4-6 Stunden proben. Momentan steht noch keine Touraktivität an. Wir möchten uns vorerst mal auf die Schweiz konzentrieren. Falls sich aber im Frühjahr 2015 eine Möglichkeit zum Touren bietet, werden wir die aber hoffentlich ausnützen können.

Musicscan: Als Genre-Bezeichnungen gebt Ihr Metal, Thrash und Progressive an - wie verlief denn die Entwicklung Eures Sounds von der Gründung bis heute? Insbesondere: wie hat es sich ergeben, dass die Songs zunehmend breiter und Stil übergreifender angelegt wurden? Kam das mit zunehmender Erfahrung als Musiker, Reife im Songwriting, veränderten Vorlieben,...?

The Burden Remains: In den Anfangszeiten haben wir praktisch nur Metallica, Maiden und Sabbath gehört und gecovert. Irgendwann kam dann der Punkt an dem wir unseren Metalhorizont erweitern wollten und so fingen wir an, alles mögliche zu hören. Jenny war damals tief in der Black/ Death Metal Szene drin und Phippu und ich hörten uns ständig modernere Metalbands wie Nevermore, Arch Enemy oder Gojira an. Mittlerweile hören wir alle viel weniger Metal, dafür mehr Postrock oder Folk. Wegen meinem klassischen Hintergrund als Cellist höre ich immer noch viel Orchester- oder Chormusik an. Auch Blues und Jazz haben bei Jenny und mir gefruchtet, auch wenn wir diese Art von Musik nicht ganz so gut verstehen wie Metal. Durch unsere Erfahrungen und Einflüsse denke ich schon, dass wir reifer geworden sind. Wir gehen mit einem anderen Blickwinkel ans Songwriting. Auf der neusten Platte ist sogar eine Orgel zu hören, was wir vor fünf Jahren sicher nicht gemacht hätten. Spaß muss eben sein!

Musicscan: Ganz grundsätzlich: Thrash-Hörer gelten bisweilen als engstirnig und Crossover-Sounds gegenüber nicht zwingend offen - wie erlebt Ihr das? Und wie kommt Ihr in einem - sagen wir - Post-Metal-Umfeld an? Aus welchen lagern stammen Eure Hörer, sofern Ihr das benennen könnt?

The Burden Remains: Du bringst es ziemlich auf den Punkt! Für „richtige“ Thrasher sind wir zu weich und experimentell und für Die-Hard-Postfans sind wir zu Riff-orientiert. Diese Gegensätze finden wir ständig beim „Rösti-Graben“ (Das ist der Ort, an dem sich die deutschsprachige Schweiz von den Französisch sprechenden abgrenzt). Bisher konnten wir uns aber ziemlich gut mit den jeweiligen Lagern durchkämpfen. Man könnte sagen, unsere Musik hat etwas für jeden. Aber um ehrlich zu, es kommt auch etwas darauf an, wie du dich verkaufst. Wenn wir laut herum schreien, dass wir oldschool Thrash machen, an den Gigs aber die moderneren Songs spiele, wird immer jemand nach der Show zu dir kommen und sagen „Yeah Mann, ihr hört euch an wie Exodus!“. Tja, danke!

Musicscan: In meinem Review habe ich u. a. geschrieben: "Große Riffs, treibendes Schlagzeugspiel und markige Grooves auf der einen Seite, atmosphärisches Schwelgen, songdienliche Refrains sowie Strukturen und ein gewisser Post-Touch auf der anderen – in kleinem Ausmaß setzen THE BURDEN REMAINS ein unverhofft variabel dargebotenes Zweitwerk um." Deckt sich diese Wirkung mit Euren Absichten, als Ihr an den Songs und dem Album gearbeitet habt? Fühlt Ihr Euch insgesamt verstanden, wenn Ihr das Feedback auf Eure Veröffentlichungen rekapituliert?

The Burden Remains: Also erstens mal: Du geile Siech! Merci beaucoup! Ich denke, du hast uns verstanden. Das deckt so ziemlich genau unsere (momentanen) Absichten. Wir mögen grosse, epische Musik und wir mögen groovige Sache, daher die Slugde-artigen Riffs und eingängigen Refrains. Ich bin auch froh, hast du die atmosphärische und Postfeeling erwähnt, denn das ist ein grosser Unterschied zum Vorgängeralbum DOWNFALL OF MAN. Wir haben lange an den Post-Elementen gearbeitet, weil sie für uns noch ziemlich neu sind. Es freut uns natürlich sehr, wenn sich Personen die Zeit nehmen um unseren Lärm zu hören und sich Gedanken darüber zu machen. In der heutigen Musikwelt ist das gar nicht mehr so üblich...

Musicscan: Dann noch "Gerade die Mischung aus fokussiertem Angriff und tiefer reichender Intensität lässt dabei gewichtige Kontraste und wirkungsstarke Momente entstehen. Und immer wieder sind es die manischen Gesänge, die den Unterschied ausmachen und „Fragments“ eine besondere Note mitgeben." Den Mut für die kehligen Gesänge muss man erst einmal aufbringen und er differenziert Euch von anderen. Warum wird er erst jetzt so zentral gesetzt? Oder resultiert die "andere Wirkung" aus dem Umstand, dass „Fragments“ stilistisch offener kommt?

The Burden Remains: Ich denke, Gesang ist das emotionalste Instrument überhaupt. Da wir mit unsrer jetzigen Musik mehr Tiefe und Dynamik erreicht haben, ist ein angepasster Gesang von großer Bedeutung. Die Thematik des Albums spielt natürlich auch eine Rolle zur Art des Gesangs. Für den kehligen Gesang brauchte es meiner Meinung nach nicht sehr viel Mut, da wir ja ursprünglich von der Thrash-Szene kommen, wo ein solcher Gesang überall zu finden ist. Aber die weichen Gesangselemente wie beim Song „Keep to the Script“ brauchten Mut! In der Metalszene wird Kopfgesang schnell als schwul oder so abgestämpfelt und wir haben schon eine Weile diskutiert, ob wir einen solchen Gesang machen wollen. Schlussendlich sind wir alle froh den Versuch gewagt zu haben, denn es unterstützt die Stimmung der Songs. Ich muss aber auch zugeben, dass ich auf Musicals stehe, daher: Je mehr Theatralik in der Stimme, desto besser! Die anderen Bandmitglieder müssen mich ständig abbremsen, aber das ist ja auch gut so.

Musicscan: Und fällt es einer Band mit Thrash-Background schwer, sphärische Atmosphären auch einmal über längere Passagen hinweg auszuarbeiten? Wie nähert Ihr Euch den nötigen Spannungsbögen, um die Songs zu entwickeln und voran zu treiben - erfolgt das intuitiv oder komponiert/plant Ihr vorher richtig? Gerade für die instrumentalen Parts ist die Dramaturgie ja immens wichtig...

The Burden Remains: Mann, das waren wohl die schwierigsten Momente beim Arrangieren! Im Thrash ist man sich daran gewöhnt, dass ständig ein Riff-Wechsel stattfindet. „Ja nie zu lange auf einem Element herumreiten...!“ Wir mussten uns ständig sagen, dass es gut ist, wenn etwas viel wiederholt wird und dass es genau so zum Song passt. Glücklicherweise haben wir alle durch unsere Einflüsse ein gewisses Feeling dafür entwickelt, doch es war nicht leicht. In den letzten paar Jahren haben wir viel in der Westschweiz, also bei den Französisch sprechenden Welschen, gespielt. Dort ist die Metalszene sehr auf den Post-Hardcore ausgerichtet und da haben wir schon einige coole Songwriting Ideen zum Thema „lange und atmosphärisch“ aufgeschnappt. Im Nachhinein denke ich, dass wir einige Passagen noch länger hätten machen können. Aber voilà, das können wir bei der nächsten Platte ja anders machen.

Musicscan: Thematisch sind Eure Platten bislang sehr düster bis pessimistisch. In jedem Fall lohnt es sich, sich auch mit den Texten zu beschäftigen. Wie ist Eure Erfahrung bislang: konsumieren mehr Leute "nur" die Musiker, oder klappt es, die Hörer mit definierten Themen zu catchen?

The Burden Remains: Leider nein. Die Erfahrung zeigt, dass der Text meistens eher nebensächlich ist. Es ist ja auch kein Wunder, denn Metalmusik handelt ständig von Mord, Totschlag, Krieg oder Zombies (oder Satanismus). Irgendeinmal ist dieses Thema abgelutscht und man verliert das Interesse an den Texten. Wir haben uns für diese Platte sehr viel Mühe gegeben gute Texte zu schreiben, auch wenn’s schlussendlich nur den wenigsten auffallen wird. Die düstere Thematik macht mir persönlich viel mehr Spaß zu umschreiben als eine glückliche. Es passt ja aber auch zum Metal! Ein Gospelsong würde auch nicht funktionieren, wenn plötzlich der Text sozialkritisch wäre, oder?

Musicscan: Gibt es so etwas wie ein "Grundthema", das sich durch all Eure Songs zieht und damit auch eine - vielleicht nur implizite - Auswirkung auf Eure Musikalität nimmt?

The Burden Remains: Hm... Grundthema vielleicht nicht im Sinn von Melodie oder Text, aber eine Grundstimmung zieht sich durch. Auch wenn sich die Songs stark unterscheiden, so denke ich dass eine melancholische Stimmung stets vorhanden ist. Die textliche Thematik zieht sich auch durchs ganze Album und ich denke, die zwei Element werden uns weiter beeinflussen und einen Teil unserer zukünftigen Musik sein. Auch die Freude am Experimentieren hat uns enorm gut gefallen, daher ist es möglich, dass unsere nächste Platte wieder anders klingen wird als FRAGMENTS. Ich freue mich jedenfalls wieder aufs Songwriting!

Musicscan: Letzte Worte?

The Burden Remains: Spread the löve!

 
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