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Goatwhore

Storie von: arne, am 20.06.2014 ]

Die aus New Orleans, Louisiana stammenden GOATWHORE sind eine Konstante im Metal-Underground. Ihr extremer Sound besitzt nicht nur aufgrund der Vielzahl starker Riffs einen ausgeprägten Alleinstellungswert. Auf „Constricting Rage Of The Merciless“ tritt das Quartett einmal mehr mit seiner derben Mixtur aus Death, Thrash und Black Metal sowie Heavy’n’Roll an.

 
Interessanterweise ist das deutsche Wikipedia-Profil der Gruppe fast doppelt so umfänglich wie das englischsprachige. Benjamin Falgoust mag aus dieser Tatsache jedoch keine Aussagen zur Rezeption seiner Band in den USA und Deutschland ableiten: „Ich würde das eher darauf zurück führen, dass sich Amerikaner nicht so sehr mit Einzelheiten beschäftigen“, meint der Frontmann. „Amerikaner haben diesbezüglich Nachholbedarf. In Europa sind die Leute an der Metal-Szene insgesamt interessierter und stehen ihr näher. Hier in Amerika verläuft sich zudem alles mehr, was nicht zuletzt an der Größe des Landes liegt. Was zählt, ist Größe. Nur sie ist für viele relevant, der Rest unwichtig. Es ist witzig, wenn man immer nur auf die Highlights angesprochen wird, die bei weitem nicht das ganze Bild zeigen. Die Leute bekommen mit, dass wir in New York, Chicago, Los Angeles und den anderen Großstädten spielen, die zumeist gut besucht sind. Doch was ist mit den vielen kleinen Orten dazwischen, wo deutlich weniger Leute zu Konzerten kommen? In den Kleinstädten hat extremer Metal es sehr schwer. Vertreter des modernen, kommerziell ausgerichteten Metal scheren derartige Probleme nicht, doch Sachen wie Five Finger Death Punch, etc. geben mir nichts. Viele Leute stehen darauf, sogar erschreckend viele. In Europa verhält es sich anders, wie ich es mitbekomme. Dort interessiert man sich für die Underground- und extremeren Sachen, was ich begrüße. In Europa ist der Metal entstanden. Deshalb scheinen die Leute dem Underground näher zu stehen. Sicherlich gibt es auch in Amerika Leute, die den Underground am Leben halten, doch die Szene ist gerade angesichts unseres riesigen Landes klein.“

Nichtdestotrotz spielen sich GOATWHORE in ihrer Heimat unermütlich durch die einzelnen Bundesstaaten, was sich längst in einer gestiegenen Aufmerksamkeit äußert, wie der Shouter bestätigt: „Ich führe es darauf zurück, dass wir sehr viel unterwegs sind und sich die Leute inzwischen an uns und unseren Stil gewöhnt haben. Unsere Platte sind zudem immer besser geworden. Beides spielt eine Rolle, wenn man die Metal-Fans interessieren will. Unsere Entwicklung ist unter diesen Aspekten bis heute sehr positiv verlaufen.“ Abnutzungserscheinungen verspürt Benjamin Falgoust nicht, wobei gerade der intensiven Tour-Arbeit des Quartetts viel Respekt gebührt: „Wir haben unseren eigenen Van und in ihm schon mehr als eine Ewigkeit verbracht“, äußert der Musiker ganz selbstverständlich. „Wir sind es gewöhnt, unterwegs zu sein und lange Strecken zu absolvieren. In Europa zu touren, fühlt sich verglichen damit wie Urlaub an. In den USA versuchen wir, abwechslungsreiche Touren zu spielen und andere Gegenden zu sehen. Es ist aber hart. Bewusst wird uns das immer dann, wenn wir mit europäischen Gruppen unterwegs sind. Sie sind oft entsetzt, welche Strecken zwischen den einzelnen Shows liegen, dass es in den Clubs keine Duschen und nichts zu essen gibt. So ist es halt. Wir akzeptieren es seit Jahren und ziehen unser Ding durch. Wir halten es DIY und buchen oft sogar unsere Shows selbst. In Europa muss man sich über so etwas keine Gedanken machen. Kurze Wege, Schlafplätze, Duschen, Essen – es ist fast wie im Schlaraffenland. Andererseits ist es erschreckend, wie sehr sich der Standard zwischen beiden Regionen unterscheidet.“

Dass GOATWHORE in Zukunft häufiger in Europa unterwegs sein wollen, hat aber nicht nur Komfort-Gründe: „Bei vielen Leuten herrscht die Annahme vor, dass eine Band Geld verdient, nur weil sie auf einem Label ist und tourt. Vielleicht war das früher so. Heute funktioniert es nicht so einfach. Die CD-Verkäufe gehen zurück, für Downloads wird häufig nichts gezahlt und so weiter. Selbst die Unterstützung von Label-Seite hat nachgelassen, denn sie verdienen nicht mehr so viel an Künstlern. Erst ab Verkaufszahlen von 500.000 Stück wird ein großes Rad gedreht,


doch das ist nicht unsere Liga. Uns bleibt nichts übrig, als vieles selbst zu regeln und uns zu arrangieren. Als wir das letzte Mal nach Europa gekommen sind, ging fast die gesamte Gage für Flüge, Backline-Miete und den Tour-Bus drauf. Ohne Leidenschaft und Spaß geht es da nicht, denn Geld bleibt keines hängen. Doch wir sind noch da und wollen künftig häufiger in Europa unterwegs sein. In Amerika haben wir unglaublich viel getourt und uns einen Namen erspielt. Bei euch müssen wir nun nachziehen, auch wenn das nicht einfach wird. Doch wir wollen es tun, weil wir spüren, dass außerhalb der USA noch eine Menge gehen kann.“

Gerade mit der neuen Platte „Constricting Rage Of The Merciless“ stehen die Chancen gut. Obwohl die Musiker bissig, temporeich und grimm agieren, kommen die Stücke immer auch zugänglich, nachvollziehbar und partiell sogar wiedererkennbar: „Es gab Zeiten, in denen wir in die Black Metal-Ecke gerückt wurden“, erinnert sich der Frontmann. „Wir sind vom Black Metal beeinflusst, keine Frage, doch da ist noch viel mehr. Zitate aus dem Death und Thrash Metal findet man bei uns ebenso und noch vieles mehr. Vor Jahren habe ich folgende Beschreibung gehört. Ein Typ hat einem anderen geklärt, GOATWHORE seien eine Death Metal-Band, die Black Metal spielt, dabei aber besser klingt, als es die eigentlichen Black Metal-Bands tun. Das spiegelt zwar nur eine einzelne Sichtweise wider, aber ich mag die Idee. In jedem Fall sind wir nicht festzulegen, weil wir das selbst nicht tun. Wir schätzen die Abwechslung, auch wenn wir auf ursprüngliche Sachen wie Celtic Frost oder Judas Priest, Ozzy, Black Sabbath und Venom zurück greifen. Das ist aber nur eine Facette unseres Sounds. Die Kids von heute sind teils sehr engstirnig. Viele hören nur einen Stil und verschließen Augen und Ohren vor allem anderen. Crossover ist für sie ein Schimpfwort. Warum ist das so? Als ich aufgewachsen bin, habe ich alles ausprobiert. Ich bin im Death Metal gestartet, später zum Thrash gekommen und dann zu anderen Stilen. Crossover liegt in der Natur der Sache und ist die Basis des Sounds vieler Bands. Inzwischen steht man auch uns zu, einen extremen Crossover zu spielen, ohne dass wir dafür in Ungnade gefallen wären.“

Im Spiel von GOATWHORE spiegeln sich die Stile, mit denen die Beteiligten aufgewachsen sind. Daraus resultiert auch die partiell rückwärtsgewandte Attitüde der Tracks: „Sammy (Gitarrist, ex-Acid Bath/ex-Crowbar) und ich sind die beiden Alten in der Band, doch auch Zack (Schlagzeug) und James (Bass) verstehen unsere Old School-geprägte Attitüde“, erzählt Benjamin Falgoust. „Wir vier teilen denselben musikalischen Background und setzen darauf auf. Das galt für alle Besetzungen unserer Karriere. Die Old School-Attitüde betrifft dabei nicht ausschließlich unseren Zugang zum Metal. Zu einem guten Teil ist es auch DIY in einem Punk-Verständnis, wenn wir Nacht für Nacht in unserem Van schlafen und unsere Shows selbst buchen, denn das ist im Punk verbreiteter als im Metal.“ Musikalisch leben GOATWHORE ebenfalls eine mit dem Punk verwandte Geradlinigkeit und Einfachheit aus:

„Wir haben schon immer versucht, eine gute Mischung aus technischen und geradlinigen Songs umzusetzen“, entgegnet der Frontmann. „Die Rock’n’Roll-Kante unseres Sounds ist von Motörhead und den frühen Judas Priest-Tagen inspiriert oder auch von AC/DC. Die extreme, komplexere Schlagseite kommt aus dem Death und Black Metal. Textlich lassen sich diese Verschiebungen ebenfalls nachvollziehen. Die einfachen Stücke haben prägnante, eindeutige Lyrics. Die der vertrackteren Songs regen zum Nachdenken an und arbeiten mit Wortbildern. Dass es bei uns immer auch eingängig zugeht, ist kein Zufall. Hör dir die frühen Judas Priest oder Motörhead an und die Zeit als aus dem Rock der Metal hervor ging. Wir halten uns an alte Weisheiten, um gute Songs zu schreiben.“

 
 Links:
  goatwhore.net
 
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