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Storie von: arne, am 09.05.2014 ]

Die Energieleistung und die Vehemenz, mit der AVATAR ihre Metal-Karriere betreiben, sind beachtlich. Das schwedische Quintett zeigt sich nimmer müde, ein großes Rad zu drehen – sowohl auf seinen Platten als auch mit einem intensiven Tour-Programm. Der melodische Death Metal der Band besitzt einen ausgeprägten Entertainment-Faktor. Ferner kennzeichnen elektronische Zugaben, eine satte Rock-Kante, aber vor allem super-eingängige Melodien, Hooklines und Refrains, die moderne Auslegung von „Hail The Apocalypse“, dem neuen Album von AVATAR.

 
Dass die Göteborger Workaholics sind, bestreitet selbst Frontmann Johannes Eckerström nicht, doch es liegt für ihn in der Natur der Sache, im Schnitt alle zwei Jahre einen neuen Longplayer vorzulegen und immer weiter zu gehen: „Unser Job ist es nun einmal, Musik zu schreiben. Das mögen wir und darauf sind wir stolz. Es ist unsere Berufung, wie man so schön sagt. Deshalb stecken wir unglaublich viel Herz und Seele in all unsere Songs und Alben. Wir streben aber nicht danach, jemand anderen außer uns selbst zu beeindrucken. Im Ergebnis nehmen wir es so, wie es kommt, und sind zufrieden. Natürlich hoffen wir schon, es mit „Hail The Apocalypse“ weiter als mit den anderen Platten zu bringen. Schließlich wollen wir noch mehr Shows spielen und unsere Aktivitäten ausbauen. Wenn wir an neuen Songs arbeiten, spielt das allerdings keine Rolle. Die Musik würde darunter leiden und das würde unserer Karriere schaden. Deshalb tun wir genau das, was wir wollen und was sich richtig anfühlt. Wir arbeiten hart und intensiv und gehen davon aus, dass die Leute es mögen werden. Tun sie das nicht, kenne ich zumindest fünf Typen, die auf das Material abfahren.“

Für den ganz großen Durchbruch in der Melo-Death-Breite hat es bislang noch nicht gereicht, doch Aufmerksamkeit haben die Schweden bereits erregt. Interessanter Weise werden AVATAR als Progressive- oder als Avantgarde-Band wahrgenommen. Dafür gibt es zwar Ansätze, doch zwingend naheliegend ist diese Verortung nicht. Dem Shouter indes gefällt sie: „Progressive Musik schätze ich sehr, solange das Wort progressiv in seiner eigentlichen Bedeutung genutzt wird. Wir spielen nicht zu vertrackt oder komplex auf gemessen an dem, wozu wir in der Lage wären. Mit unseren Instrumenten betreiben wir keine musikalische Mastrubation, wie es im Progressive-Metal bisweilen vorkommt, wollen die Dinge aber schon ein Stück weit anders anzugehen. Wir spielen Metal und respektieren das, was ihn ausmacht. Das ist recht übersichtlich, wenn man es realistisch betrachtet. Riffs sind der King und Riffs sind der Groove. Man muss mit abgefahrenen Riffs aufwarten, den passenden Beat finden und anschließend ein wenig Magie rundherum betreiben. Vereinfacht ist es das. Abgesehen vom festen Vorhaben, uns nicht zu wiederholen, gibt es für uns im kreativen Bereich keine Regeln. Wir alle müssen einen Song gut finden und uns mit ihm wohl fühlen. Das ist es auch schon. Die Magie kann wirken und sich ihren Weg suchen. Unser Metal ist wild und freigeistig.“

Spaß, Authentizität und eine offene Grundhaltung sind demnach die Schlüssel zum musikalischen Treiben von AVATAR: „Als Band pflegen wir einen modern klingenden Metal-Stil. Dennoch kennen und schätzen wir die Grundlagen des Metal, denn diese gelten auch für seine jüngeren Spielarten. Wenn ich Sabbath Bloody Sabbath höre, inspiriert mich das bis heute und schon sie wussten es: der Metal muss aus den Tiefen des Herzens kommen. Früher scheint mir der Metal in Gänze relevanter gewesen zu sein, doch wir arbeiten daran, einen Beitrag dazu zu leisten, das zurück zu bringen. Das bedeutet nicht, dass wir retro klingen müssen. Man braucht keine neuen Judas Priest, denn Judas Priest gibt es bereits. Was sie geschaffen haben, bleibt unerreicht. Wir sind auf der Suche nach unserem eigenen Pfad im Metal, um etwas Eigenständiges zu erschaffen, das den Test der Zeit besteht. Relevanz ist hierbei das Schlüsselwort für mich und Relevanz erreicht man über Eindringlichkeit und Aufrichtigkeit.“

Die dem Treiben der Schweden zugrunde liegende Idee drückt sich bereits im Band-Namen aus, der den Göteborgern als Leitmotiv dient: „Es geht uns darum, unser innerstes Potenzial abzurufen und das höhere Wesen anzuzapfen, das in uns ist. Ich bin davon überzeugt, dass eine höhere Macht in uns allen ist, die jedem Menschen hilft, der gewillt ist, zu lernen und sich zu entwickeln. Daran glaube ich. Musikalisch haben wir gelernt, zunächst individuell und dann gemeinsam als Band Metal zu spielen. Über die Jahre unseres Bestehens hat es einige drastische Brüche gegeben, die unsere unterschiedlichen Phasen und Interessen


widerspiegeln. Unsere Wurzeln liegen im Bereich des technischen und melodischen Death Metal, doch heute sind sie weitaus breiter gefasst. Dennoch sollen unsere Songs nach wie vor möglichst brutal sein, zur gleichen Zeit aber auch episch. Von Beginn an wollten wir etwas Großes erschaffen und unsere Ambitionen sind mit den gewachsenen handwerklichen Fähigkeiten deutlich gestiegen.“

Die angesprochene Weiterentwicklung resultiert stark aus der Tatsache, dass die Musiker AVATAR im Teenager-Alter gegründet und seither einen weiten Weg zurück gelegt haben: „Als Persönlichkeiten und als Band sind wir gemeinsam gewachsen und gereift. Als die Grupe startete, sind wir zwischen 14 und 16 Jahre alt gewesen. Mit der Zeit und zunehmender Erfahrung haben wir viel über uns selbst und das, was wir machen wollen, gelernt. Erst mit „Black Waltz“ haben wir 2012 annähernd das erreicht, was uns all die Jahre vorschwebte. Darauf haben wir für „Hail The Apocalypse“ weiter aufgesetzt. Doch natürlich wird es weitere Veränderungen geben. Es soll und muss schließlich voran gehen. Unsere Idee ist es, mit vielen verschiedenen Schattierungen zu malen, aber dabei das Gesamtbild im Auge zu behalten, um es einmal so auszudrücken. Deshalb reichern wir unsere Alben immer auch mit kleinen Überraschungen an. „Sgt Pepper“ und „The White Album“ von den Beatles sind zwei hervorragende Bespiele dafür, wie verschieden Meisterwerke ein- und derselben Band sein können.“ Kennt man die Einstellung von Johannes Eckerström zum Songwriting, glaubt man gerne, dass schon die nächste Platte eine große Überraschung mit sich bringen kann:

„Songwriting bedeutet in unserem Fall zunächst Anarchie. Die Egos aller Band-Mitglieder werden zunächst eliminiert, so dass jeder von uns mit jeder Idee arbeiten kann. Wer die Idee für einen Song hat, spielt dabei keine Rolle, solange sie gut ist. Inspiration und Themen können einen immer und überall treffen. Deshalb ist es wichtig, zu erkennen, dass man etwas gefunden hat, mit dem man experimentieren sollte. Einige Textfragmente der neuen Platte spiegeln das wider und stammen aus Diskussionen innerhalb der Band.“ Vor dem Hintergrund dieser Arbeitsweise muss „Hail The Apocalypse“ auch den Musiker selbst überrascht haben, und so ist es: „Ich bin angenehm überrascht, ja. Wir sind einige Risiken eingegangen, die sich ausgezahlt haben. Ein Song wie ,Tower‘ beispielweise wäre früher nicht möglich gewesen. Die Tatsache, dass wir ihn live eingespielt haben, kann ich noch immer nicht glauben und ist eines der intensivsten Erlebnisse meines künstlerischen Lebens. Wir streben danach, einen Metal zu spielen, der sich neuartig und frisch anfühlt. Das ist unsere größte Herausforderung und unser erklärtes Ziel. Dafür müssen wir aber auch etwas tun. Nicht ohne Grund brauchen wir zwei Jahre, um ein neues Album fertig zu stellen. Von selbst passiert das nicht. Auch wenn wir uns bereits einige Sporen verdient haben, sind wir vor allem Metal-Fans geblieben. Das ist meiner Auffassung nach die Grundvoraussetzung dafür, selbst guten Metal zu spielen und ihn weiter entwickeln zu können. Unsere Helden haben ihren Status darüber aufgebaut, dass sie die Standards definiert oder erweitert haben. Wir streben dasselbe an und ich bin überzeugt davon, dass auch wir schon einzelne Aspekte neu definiert haben.“

Das neue Album „Hail The Apocalypse“ belegt diese Aussagen und ist das bisher stärkste Release der Schweden, denen ein Durchbruch in der Heavy-Breite von Herzen gegönnt wäre. Aufgrund seiner vielschichtigen und variablen Inszenierung bringt das Material eigentlich alles mit, um die Metal-Breite anzusprechen: „Musik wirkt auf jeden Hörer verschieden“, meint der Frontmann. „Das ist ja so toll. Einzelne Songs können sowohl auf Hochzeiten als auch auf Beerdigungen gespielt werden. Das funktioniert immer dann, wenn Songs auf emotionale und intuitive Art und Weise und nicht aufgrund intellektueller Erwägungen entstanden sind. Dabei darf man in unserem Fall allerdings nicht vergessen, dass wir immer noch von Metal sprechen, der zum Headbanging animieren soll.“

 
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