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The Robocop Kraus

Interview von: Matthias Rauch mit Johannes Uschalt und Thomas Lang, am: 21.04.2003 ]

The Robocop Kraus aus Nürnberg haben sich über die Jahre den Ruf als einer der besten Livebands Deutschland erspielt. Bisher war es den Jungs nie ganz gelungen, diese Energie auch angemessen auf ein Album zu bannen. Dies hat sich mit ihrem genialen neuen Album "Living With Other People" ein für alle mal geändert. Hier stimmt einfach alles. Sound, Songs und das Drumherum. Die Ausverkaufrufe, die an manchen Orten zu hören waren, nachdem die Jungs bei Lado unterschrieben haben, können getrost wieder eingepackt werden, denn die Robos sind sich, ihrer Szene und den Menschen, die sie unterstützt haben, treu geblieben. Es wäre jedoch eine Schande, wenn die Platte nicht neue Menschen erreichen und sie einer breiteren Hörerschicht zugänglich machen würde. Es gibt kaum Bands, die es mehr verdient hätten als The Robocop Kraus. Aus diesem Anlass sprach ich mit Johannes und Thomas über Mode, Japan und Politik.

 

Musicscan: Wie waren denn bisher die ersten Reaktionen auf eure neue Platte "Living With Other People"?

The Robocop Kraus: Nun ja, was soll man da drauf sagen. Wir haben eigentlich nur gute Reaktionen auf die neue Scheibe gekriegt. Aber Menschen, die zur Band kommen und sagen: "Also eure neue Platte ist wirklich unter aller Kanone !" sind dann doch eher selten. Kritik geht meistens nicht direkt an die Band. Deswegen sagen ja die meisten Bands, dass sie nur positive Reaktionen auf ihre Platten kriegen.

Musicscan: Ich kann von mir sagen, dass die Platte für mich bis dato auf alle Fälle zum Besten gehört, was ihr jemals aufgenommen habt. Schon deshalb, weil zum ersten Mal die Produktion wirklich stimmt und angemessen ist. Was habt ihr anders gemacht als vorher? War einfach etwas mehr Geld da zum Aufnehmen?

The Robocop Kraus: Wir waren in billigeren Studios diesmal, hatten aber vielmehr Zeit und die haben wir uns auch genommen. Wir haben verschiedene Songs in mehreren Versionen aufgenommen und haben uns auch beim Mixen der Platte Zeit genommen. Das war sicherlich auch möglich, weil wir etwas mehr Geld zur Verfügung hatten. Außerdem haben wir uns das erste Mal richtig mit dem Aufnahmeprozess selbst auseinandergesetzt und versucht auf ein Ergebnis hinzusteuern, mit dem wir sehr zufrieden sind. Nicht, dass wir das bei den letzten beiden Platten nicht wollten, aber da haben wir uns schon mehr auf die Stücke, etc. konzentriert, diesmal haben wir versucht, das Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Und vor alledem: Wir hatten mit Wuschi und Gregor zwei Aufnahmeleiter mit denen wir uns menschlich und musikalisch sehr gut verstanden haben, was sicherlich auch zum Gelingen beigetragen hat.

Musicscan: Gibt es auf dem Album so etwas wie einen inhaltlichen, roten Faden oder sind die Songs getrennt zu sehen? Dem Titel der Platte nach zu urteilen werden hauptsächlich zwischenmenschliche Probleme thematisiert? Würdet ihr dem so zustimmen oder seht ihr auch eine explizit politische Komponente in euren Texten?

The Robocop Kraus: Thomas: Ich glaube dass Politik schon da anfängt, wo man mit anderen Leuten zusammenlebt. Das kann man einfach nicht vom Privaten trennen, und gerade die Schnittstelle von Politischem und Privatem interessiert mich. Wer sich mit unseren Texten ein bisschen auseinandersetzt, weiß glaube ich was ich meine. Ein politisches Programm vertreten wir jedoch nicht mit dieser Platte. Konkret (Tages-) politische Themen in Musik zu verarbeiten ist meiner Meinung nach auch sehr, sehr schwierig, ich kenne eigentlich keine Band, die das überzeugend macht - und das ist auch gar nicht Sinn der Übung. Uns geht es vielmehr darum, Momente aus dem Leben festzuhalten, und somit finden sich alle möglichen Themen und Personen des öffentlichen Lebens auf der Platte: Das Ende der Ironie, Kirche, Mode, Geschichten von Menschen, die sich selbst neu erfinden, das Feiern des Moments, eine Geschichte über einen Kinderchor, der unter der Erde verschwunden ist und dort noch ab und zu auftritt, eine Frau die zu viel Rotwein trinkt und Uri Geller und Mario Lanza werden als Robocop Vorbilder geoutet. Wir haben es auch endlich geschafft, einige Texte ohne Sinn und Zusammenhang zu schreiben, daran arbeite ich schon seit Jahren, aber hier ist es mir zum ersten mal gelungen.

Musicscan: Ihr seid ja seit jeher als "stylische" Band bekannt. Welchen Stellenwert hat Mode für euch, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im täglichen Leben? Wo seht ihr die gesellschaftlichen Funktionen von Mode und wie wichtig erachtet ihr Mode in Subkulturen?

The Robocop Kraus: Ja, diese Frage ist für mich besonders schwer zu beantworten: aus praktischen Gründen besitze ich nur ein paar Schuhe, meine Pullover werden von meiner Mama, meine Socken von meiner Oma gestrickt, und meine Unterhosen kaufe ich im 10er Pack bei Tchibo. Ich bin modisch also nicht gerade versiert zu nennen. Deswegen wird diese Frage beantwortet von: Thomas: Mode braucht man natürlich, um zu erkennen, wer die Guten sind, da teilt sich die Spreu vom Weizen. Gerade Subkulturen brauchen das ganz dringend, sonst würde man ja nicht wissen, wo man dazugehört und wen man mögen soll, das gäbe ein heilloses Durcheinander, ist doch klar. Ich verstehe die Frage nicht.

Musicscan: Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit mit Lado? Ich nehme an, ihr hattet da zuerst schon etwas Bedenken und wie ist das Verhältnis soweit?

The Robocop Kraus: Das war alles sehr zufällig und sehr spontan. Kathrin von LADO hat uns in Hamburg gesehen, fand es ganz gut und hat dann unsere CD im Büro laufen lassen und dann andere LADOS überredet auf eine Show in Köln zu kommen. Dann fanden es die auch ganz gut und sie haben ihr Interesse bekundet. Bei einem ersten Treffen mit Carol hat sich dann - durchaus zu unserer Überraschung - herausgestellt, dass wir eine sehr ähnliche Vorstellungen hatten, wie Band und Label zusammenarbeiten sollen. Und dann ging alles ziemlich schnell. 3 Monate später war die CD schon raus.

Musicscan: Wie hat denn Mira auf eure Entscheidung reagiert, die CD jetzt auf Lado rauszubringen?

The Robocop Kraus: Mira war von Anfang an in den Entscheidungsprozess mit eingebunden. Mira hat mit Day After nicht nur ein exquisites Label gegründet, sondern ist auch ein sehr guter Freund von uns. Deswegen war uns von Anfang an klar, dass wir die Platte nicht ohne ihn veröffentlichen wollen. Das haben wir LADO auch von Anfang an gesagt. Letztendlich sind sich dann alle 3 Parteien sehr schnell einig geworden, dass wir das ganze einfach zusammen machen wollen. Bis jetzt klappt das auch ganz gut und wir sind mit dieser 3er Kooperation mehr als zufrieden.

Musicscan: Ihr wart ja vor kurzem in Japan auf Tour. Erzähl doch bitte etwas von der Tour und wie sich ein Konzerterlebnis in Europa von einem in Japan unterscheidet? Hat sich die Tour im Nachhinein gelohnt oder habt ihr die Sache primär als Erfahrung und Urlaub angesehen?

The Robocop Kraus: Die Tour war natürlich sehr grandios. Konzerte laufen anders ab als hier in Europa. Die Konzerte starten meistens schon um 19.00 Uhr und sind um 22.30 zu Ende. Dann werden sofort die Clubs sauber gemacht. Der Eintritt ist sehr viel teurer (ca. 25 Euro) und das Publikum ist sehr viel schweigsamer. In den Pausen zwischen den Liedern wird nicht geredet. Im Anschluss an das Konzert gehen alle Bands, Veranstalter , Freunde in ein Restaurant und vertrinken und veressen die ganze Auftrittskohle, so dass man als Band nicht mit dicken Geldbeuteln, sondern mit dicken Bäuchen aus Japan zurückkehrt. Diese Essen wurde traditionell mit einer Ansprache Katomans eröffnet, der die Tour für uns gebucht hat. Von diesen Ansprachen haben wir allabendlich lediglich The Robocop Kraus from Germany verstanden. Dann kam reichlich Essen und Getränke und grandiose Hand und Fuss Konversation mit japanischen Freunden, weil dort so gut wie kein Englisch gesprochen wird. Wir hatten 12 aufregende Tage dort, die sich für uns in jeder Hinsicht gelohnt haben. Wir hatten das Glück, ein Stück weit eine neue Kultur, ein neues Land und viele nette Menschen kennen zu lernen - alles das, was touren großartig und aufregend macht, durften wir dort erleben. Deswegen ganz grandios und wir würden es immer wieder machen.

Musicscan: Was hofft ihr, nehmen die Leute von einer Robocop Kraus Show mit? Was zeichnet eine gute Show für euch aus?

The Robocop Kraus: Puh, not that easy !! Also ich fange mal mit uns an: ich glaube , für uns ist das Kriterium einer guten Show, dass wir es schaffen "weg zu sein", dass wir alle 5 zur gleichen Zeit nichts mehr spüren, außer der Musik die wir gemeinsam machen. Das passiert nicht immer, aber wenn es so ist, ist es immer wieder ein grandioser Moment. Und wenn es 1-2 Menschen im Publikum genauso geht, dann wäre das grandios. Wenn die das Gefühl mit nach Hause nehmen können, das wäre super.

Musicscan: Mit welcher Band würdet ihr gerne mal die Bühne teilen?

Die Bands mit denen wir die Bühne teilen wollen, mit denen haben wir sie schon geteilt: Neben unzähligen grandiosen Bands hebe ich gerne 2 vor: Yage aus Köln, die dir einen Schauer über den Rücken jagen, und World Inferno Friendship Society - die beste Liveband der Welt, die ich schon 30 mal gesehen habe und die es geschafft haben das alle 5 Robos tanzend in der ersten Reihe mit Bier spritzen. Und das kommt nicht alle Tage vor. Wer die nicht kennt, ist echt eine bedauernswerte Sau.

Musicscan: Ihr tourt jetzt schon über Jahre sehr intensiv. Wie lässt sich das zeitlich unter einen Hut bringen bzw. was macht ihr außerhalb der Band? Hat die Band Priorität oder entstehen da schon öfters mal Konflikte?

The Robocop Kraus: Ja, ja, ja, der alte Hut. Das ist manchmal schon schwierig. Nebenbei sind wir erstklassige Studenten und Firmenbesitzer, machen also Alibi- Sachen, die uns die Möglichkeit geben, noch mehr Musik zu machen. Deswegen sind wir langsam aber sicher die ältesten Typen an der Uni, etc. Aber das ist ja nicht so schlimm! Die Band hat da schon ne ziemliche Ausnahmestelle: wenn du heute sagen würdest: Robos , ich hab euch ne Australientour gebucht, morgen geht's los, bin ich mir sicher, das da 5 Jungs am Flughafen stehen würden. Da geht einiges.

Musicscan: 3 Platten, Bücher und Filme für die Ewigkeit?

The Robocop Kraus: Platten: Best of Phil Collins; Scorpions: Best of Rockers'n' Ballads; Falco: 3. Filme: The Jerk; Spinal Tap; Pepe, der Paukerschreck (mit Hansi Kraus). Bücher: Philip Roth - The Human Stain; Astrid Lindgren - Ronja Räubertochter; Goethe - Alles

Musicscan: Wie sieht die nähere Zukunft für euch aus? Irgendwelche Tourpläne, weitere Releases?

The Robocop Kraus: Spielen, bis die Finger bluten. Bis zum Sommer sind wir fast jede Woche unterwegs und für Herbst steuern wir noch mal eine Deutschland und eine England Tour an.

Musicscan: Letzte Worte, noch was Dringendes, das ihr loswerden wollt?

The Robocop Kraus: DIY or Die.

 
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