Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1745

The Unguided

Storie von: arne, am 08.01.2014 ]

Vielen Fans gelten die harten, metallischen Tage als die besten von Sonic Syndicate. Einigen der beteiligten Musiker geht es genauso. Nach ihrem Ausstieg aus der Band haben die Brüder Richard und Roger Sjunnesson gemeinsam mit ihrem langjährigen Weggefährten Roland Johansson ein neues Outlet gegründet. Mit „Fragile Immortality“ stellen sich THE UNGUIDED nun via Napalm Records der Melo-Death-Szene vor und verbuchen ein schwergewichtiges wie eingängiges Werk, das noch dazu eine Menge Substanz aufweist.

 
Angesichts des Umstands, dass auf der Website von Napalm Records noch kein Band-Profil der Schweden abrufbar ist, könnte man vermuten, dass die Kooperation spontan und plötzlich zustande kam. Frontmann Richard Sjunnesson erzählt im Gespräch, dass dem nicht so ist: „Einige Fans haben mich auch schon darauf angesprochen. Sie haben nach Informationen zur neuen Platte gesucht und nichts gefunden. Ich erkläre es mir so, dass erst dann ein Künstlerprofil freigeschaltet wird, wenn zumindest eine Platte erschienen ist. Das ist bei uns noch nicht der Fall, aber natürlich ist es so nicht optimal. Unserem Signing auf Napalm gehen mehrjährige Kontakte voraus. Wir standen seit Anfang 2011 im Gespräch. Fast wäre damals schon unser Debüt „Hell Frost“ bei ihnen gelandet. Die Zusammenarbeit für unser zweites Album hat sich aber lange schon abgezeichnet. Den Ausschlag für Despotz Records hat damals gegeben, dass dort ein enger Freund von uns arbeitete. Er hat uns überredet, das Debüt bei ihnen zu veröffentlichen. Wir kannten ihn noch aus den Zeiten von Sonic Syndicate, wo er tolle Promotion-Arbeit für uns geleistet hat. Deshalb haben wir ihm das Vertrauen geschenkt. Es kam aber anders, als geplant. Wenige Monate später hat er Despotz verlassen. Der Deal bestand zum Glück nur für eine Platte, und nun sind wir mit Verspätung doch bei Napalm untergekommen.“

Promotion-seitig werden THE UNGUIDED als neue Band von ex-Mitgliedern von Sonic Syndicate vorgestellt. In den Reihen des Quintetts stehen schließlich drei frühere Musiker der Metal-Pop-Schweden. Da aber insbesondere Richard seine frühere Band im Unfrieden verlassen hat, verwundert der prominente Verweis schon ein wenig: „Das stört mich nicht wirklich. Wir besitzen bereits eine eigene Identität und ausreichend Argumente, die uns als eigenständige Band auszeichnen“, erwidert der Sänger. „Für uns als Musiker sind THE UNGUIDED eine andere Gruppe und auch das Umfeld unterscheidet sich. Alles fühlt sich frisch und unvorbelastet an. Das hört man auch den Songs an. Sicherlich gibt es hier und da Parallelen zu Sonic Syndicate. Das ist aber nun einmal die Historie von drei Fünfteln von THE UNGUIDED und muss unweigerlich so sein, wenn dieselben Songwriter und Sänger beteiligt sind. Wir stehen zu unserer Vergangenheit. Was uns in der neuen Band antreibt, ist es, gute Songs zu schreiben und uns kreativ auszuleben. Das haben wir bei Sonic Syndicate damals, wenigstens zu Beginn, auch nicht anders gehalten. Für die Promotion von THE UNGUIDED auf Sonic Syndicate zu verweisen, erschien uns sinnvoll, weil es nach wie vor viele Fans gibt, die gerne neues Material von ihnen hören würden. Gerade vor dem Hintergrund, dass viele von ihnen die frühen Sonic-Sachen favorisieren, macht das Sinn, denn gerade diese Ausrichtung reaktivieren wir mit THE UNGUIDED. Viele Fans haben nur am Rande mitbekommen, was Sonic-intern los war und dass einige Mitglieder nicht mehr dabei sind. Ihnen wollen wir signalisieren, dass es für uns hier weiter geht und wir grundsätzlich eine ähnlich ausgerichtete Band sind, die aber doch einen eigenen Weg verfolgt. Auf den Promotion-Trick, um es so zu bezeichnen, wollten wir nicht verzichten.“

Keine Kompromisse mehr

Die Ernüchterung als Folge der Erfahrungen im alten Band-Gefüge sind Richard Sjunnesson noch immer anzumerken. Gleichfalls aber auch die Überzeugung, mit der neuen Gruppe alles anders und besser zu machen: „Im Kontext von Sonic Syndicate waren unsere kreativen Möglichkeiten zuletzt stark limitiert. Mein Bruder und ich haben die Gruppe einst gestartet, um Metal zu spielen. Das war die Ausgangslage. Es ist unsere Liebe zum Metal gewesen, die zur Gründung geführt hat. Zunächst war es ein Hobby, doch mit der Zeit wurde es dann immer kommerzialisierter. Mit dem Erfolg haben wir als Band immer weniger Entscheidungen selbst getroffen, weil wir damit nicht umgehen konnten. Wir haben uns auf externe Personen verlassen, was für mich immer frustrierender wurde. 2008 haben mein Bruder und ich erstmals intensiv über ein Nebenprojekt gesprochen, dass wieder mehr Metal sein und die eigentliche Idee der Gruppe aufgreifen sollte. Damals war es uns allerdings vertraglich verboten, Seitenprojekten neben Sonic Syndicate nachzugehen. Die Umsetzung unserer Idee mussten wir deshalb aufschieben. Als wir „We Rule The Night“ aufnahmen, war endgültig klar, dass das nicht mehr viel mit unseren Intentionen für die Band zu tun hatte. Also haben wir Sonic Syndicate verlassen und THE UNGUIDED gestartet.“

Auf „Fragile Immortality“ leben sich die Skandinavier mit einer frischen und bissigen Attitüde aus. Das Zweitwerk des Quintetts kommt authentisch und in sich stimmig. Richard genießt es, wieder selbst am Drücker zu sein und die Richtung zu bestimmen: „Die letzte Zeit bei Sonic Syndicate war eine verfahrene Situation. Innerhalb der Band gab es unterschiedliche Ziele und Ansprüche. Wir kamen auf keinen grünen Zweig mehr. Deshalb hat das Management Entscheidungen übernommen. Aus der Band heraus gab es auf eine Frage hin nur noch mehrere gegensätzliche Antworten. Das ist keine schöne Situation. Für uns war es die einfachste Lösung, die Verantwortung abzugeben, was natürlich nicht lange gut gehen konnte. Dem Management kann man die Entwicklung nicht anlasten. Es hat das Beste aus der Gemengelage gemacht. Aus unserem Hobby hatte sich ein Beruf entwickelt, von dem wir gelebt haben. Dafür sind wir Kompromisse eingegangen, die uns von dem entfernt haben, was wir eigentlich wollten. Meine Unzufriedenheit erreichte bald ein Level, auf dem kein Weg daran vorbei führte, Konsequenzen zu ziehen. Das haben mein Bruder und ich dann getan. Nur stehen wieder Kreativität und Spaß im Mittelpunkt.“

Die Fehler der Vergangenheit werden die Musiker nicht wiederholen. Die Prioritäten sind klar definiert. Tour-Aktivitäten werden nicht exzessiv betrieben: „Wir haben schon den


Anspruch, THE UNGUIDED so weit zu führen, wie es geht“, äußert der Frontmann. „Einen professionellen Anspruch sehe ich bei uns als gegeben an, doch wir berücksichtigen ganz klar die Einschränkungen, die sich aus unseren normalen Alltagsleben ergeben. Unser Privatleben kommt zuerst, die Band steht an zweiter Stelle. Die meisten von uns haben Familien und Kinder. Roland hat Sonic Syndicate damals ja gerade aus dem Grund verlassen, weil er nicht mehr so viel touren und permanent unterwegs sein wollte. Jedes Jahr mehr als sechs Monate in der Weltgeschichte unterwegs zu sein, kann belastend sein. Jeder Musiker muss für sich entscheiden, wo seine Prioritäten liegen und wie viel er investieren will. Darüber muss man sich in einer Band verständigen und es akzeptieren. Ich selbst habe Spaß daran, zu touren und die Welt zu sehen. Doch so, wie sich meine Lebensumstände gegenwärtig darstellen, passen sie ebenfalls nicht mit intensivem Tour-Programm zusammen. Wir haben für uns die bestmögliche Aufstellung gefunden. Aus Sicht eines Labels ist unsere Einstellung in dieser Hinsicht vielleicht unprofessionell, weil Bands ihrer Meinung nach möglichst viel touren sollen. Uns sind der künstlerische Aspekt und das Songwriting wichtiger. Shows spielen wir, wann immer es geht, aber das beschränkt sich vor allem auf Wochenenden und Festivals. Sechswöchige Touren wird es von uns eher nicht geben, allenfalls welche, die zwei oder drei Wochen andauern. Mehr ist im Kontext von THE UNGUIDED nicht möglich.“

Hierzulande haben sich THE UNGUIDED immerhin schon mit einer Co-Headliner-Tour an der Seite von Deadlock vorgestellt: „Diese Tour ist in meiner Erinnerung noch sehr präsent“, so der Schwede. „Es ist die einzige, die wir bislang überhaupt mit Gigs an aufeinander folgenden Tagen gespielt haben. Zumeist sind es bei uns sonst wirklich nur Wochenend-Shows. In die Schweiz hat man uns ja leider nicht einreisen lassen, doch die Auftritte in Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik waren super. Es hat uns gefreut, dass viele Leute eigens für uns gekommen sind. Das waren eingefleischte Sonic Syndicate-Fans, und auch sonst waren die Shows gut gesucht. Die Konstellation mit Deadlock hat gut gepasst. Da wir jetzt auf demselben Label sind, lässt sich das ja vielleicht wiederholen.“ Den Live-Support von „Fragile Immortality“ haben THE UNGUIDED bislang nur vage geplant und setzten diesbezüglich das in die Tat um, was Richard zuvor beschrieben hat: „Wir haben fest vor, im kommenden Sommer auch Festivals in Deutschland zu spielen. Darüber hinaus bietet sich hoffentlich die Möglichkeit, eine einwöchige Tour in Mitteleuropa zu arrangieren. Im März oder April wollen wir zunächst hier in Schweden unterwegs sein. Das übrige Europa steht dann grob für den Spätsommer oder Herbst auf der Agenda. Da bislang noch nichts fix ist, sollten Fans in jedem Fall darauf schauen, welche Festivals wir spielen werden, wenn sie uns live sehen wollen.“

Große Refrains

Stilistisch präsentiert sich das Quintett aus Falkenberg ausnahmslos modern und eingängig bis hymnisch orientiert, verbleibt dabei aber durchgängig auch ansprechend hart. Mit dem Vocal-Duo Roland Johansson und Richard Sjunnesson steht der Band zudem ein starkes, charismatisches und wiedererkennbares Team vor: „Wichtiger als alles andere ist mir der Fakt, dass wir Metal spielen“, so der Frontmann. „Abgesehen davon legen wir uns nicht fest und schreiben die Songs, an denen wir Spaß haben. Es trifft zu, dass wir eher modern und nicht zu traditionell angelegt sind. Das belegen etwa die elektronischen Elemente, die wir einsetzen. Genau so, wie THE UNGUIDED klingen, fühlen wir uns optimal repräsentiert. Wir haben Spaß und folgen unseren Herzen. Von der Abfolge im Arbeitsprozess her schreiben wir zunächst die Musik. Vocal-Linien, Texte, etc. kommen anschließend. Zunächst höre ich mir die Songs an und lasse sie auf mich wirken. Ausgehend vom Gefühl, das sich bei mir einstellt, arbeite ich dann an den Lyrics. Die Arrangements im Sinne von zusätzlichen Clean-Vocals, technischen Kleinigkeiten oder elektronischen Akzenten stellen wir danach fertig. Hör- und Nachvollziehbarkeit sind uns wichtig, denn wir wollen keine übertrieben technische Musik zum Selbstzweck spielen. Es ist uns ein Anliegen, dass die Chöre jeweils eingängig und erinnerbar kommen. Das stellt sich bei uns intuitiv so ein, wir müssen es nicht einmal erzwingen. Es ist uns wichtig, dass auch anspruchsvolle Soli, hartes Screaming und auch unkonventionelle Parts zu hören sind. Mithilfe einer guten Balance all dieser Zutaten stellen wir sicher, dass unsere Songs spannend und hörbar sind. Ohne großen Refrain geht es bei uns aber nicht.“

Mit dieser Aussage bestätigt Richard eine naheliegende Vermutung, die sich nicht zuletzt aus den Single-Tracks ableitet, die der Fünfer jenseits seiner regulären Alben und MCDs auskoppelt und die alle als verdichtete Modern-Metal-Hymnen einzuordnen sind – jeweils mit einem einprägsamen Chor ausgestattet: „Einigen Stücken des neuen Albums liegt eine verbindende Thematik zugrunde, was wir so noch nicht hatten. Bislang stand im Vordergrund, gute Songs abzuliefern, die für sich allein standen. Nachdem wir THE UNGUIDED öffentlich gemacht hatten, wollten die Leute etwas von uns hören. Also haben wir noch vor der ersten MCD fertige Stücke veröffentlicht. Die Entwicklungen haben uns überholt. Einige Leute hatten schon THE UNGUIDED-Tattoos noch bevor sie auch nur einen Song gehört hatten, kein Witz. Das war so verrückt, dass wir uns verpflichtet fühlten, das Interesse und die Unterstützung mit ersten Songs zu bestätigen. Für uns war absehbar, dass bis zum Album noch viel Zeit vergehen würde. Mit diesem Wissen haben wir möglichst prägnante Songs online gestellt, die auch deshalb starke Singles sind, weil wir wussten, dass sie hier in Schweden im Radio gespielt werden würden.“

 
 Links:
  theunguided.com
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Suicide Silence
  Die My Demon
  He Is Legend
  The Offering
  Victims

Interviews/Stories:

  Crown The Empire
  Suicide Silence
  Polar

Shows:

  20.07. Burden Of Grief - Fritzlar
  20.07. Alcest - Weil Am Rhein
  20.07. Skunk Anansie - Cologne
  21.07. Skunk Anansie - Berlin
  23.07. Skunk Anansie - Dresden