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Caliban

Storie von: arne, am 03.01.2014 ]

CALIBAN sind eine Macht! Das Quintett aus dem Ruhrpott ist einer der maßgeblichen Katalysatoren des MetalCore gewesen und bestätigt seine Ausnahmestellung im Genre seit nunmehr 16 Jahren. „Ghost Empire“ heißt der neue, neunte Longplayer der Band, der die markanten Trademarks fortschreibt und darüber hinaus wieder Neuland betritt, so dass es spannend weiter geht.

 
Während die befreundeten Weggefährten von Heaven Shall Burn, mit denen Frontmann Andreas Dörner & Co. vor Jahresfrist drei legendäre Jubiläums-Shows spielten, musikalisch inzwischen im Metal und auch beim klassischen Metal-Publikum angekommen sind, setzen CALIBAN nach wie vor auf einen modernen Core-Sound, den sie mit ungebrochener Leidenschaft umsetzen: „Das würde ich auch so sehen“, stimmt der Sänger am Telefon zu. „Stilistisch ist es einfach mehr Core, was wir machen. Heaven Shall Burn sind eher im traditionellen Metal angekommen. Es gibt bei ihnen zwar noch Gemoshe, aber bei weitem nicht so stark wie bei uns. Ihr Image war schon immer mehr Metal, auch wenn sie sich vom Denken und ihrem Engagement her im Hardcore befinden. Wir mit unserem Core-Sound sind den „richtigen True-Metallern“ nach wie vor ein Dorn im Auge. Daran hat sich in all den Jahren nichts geändert. Was wir machen, stößt bei bestimmten Hörergruppen einfach nicht auf Anklang. Ich persönlich finde das schade, weil sich die Metal-Szene in den letzten Jahren insgesamt positiv entwickelt hat und aufgeschlossener geworden ist. Immerhin haben wir inzwischen ein gemischtes Publikum; von jung bis alt und aus unterschiedlichen Schichten und Hörergruppen. Es gibt aber nach wie vor Hörer, die uns nicht einmal eine Chance geben, was ich schade finde. Beschweren möchte ich mich aber nicht. Jede Band hat ihre Leute und man knabbert sich so durch.“

Die Schlagzahl von CALIBAN, was Veröffentlichungen anbelangt, ist beachtlich. In 16 Jahren stehen neun Longplayer und vier MCDs – darunter zwei Splits mit Heaven Shall Burn – zu Buche, ohne dass Abnutzungserscheinungen erkennbar wären. Stattdessen wird das Quintett immer besser. Die Century Media-Formation tritt motiviert und mit frischer Attitüde auf. Obwohl die Musiker ihre Gruppe hauptberuflich betreiben und damit gewissen Zwängen unterliegen, leben sie weiterhin ihren unbeschwerten Spaß am Musikerdasein, wie Andy erzählt:

„Über die Jahre sind wir als Band, aber auch als Persönlichkeiten gewachsen. Das umfasst die technischen Aspekte, also, was wir auf unseren Instrumenten können, aber natürlich auch alles rundherum. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad ist alles größer und professioneller geworden. Inzwischen haben wir Leute, die für uns arbeiten, was es anfangs gar nicht gab. Wir haben ein Management, einen Booker, Merch-Verkäufer und so etwas. All diese Leute machen uns das Leben leichter, so dass wir uns voll auf den musikalischen Aspekt konzentrieren können. Wir folgen dem Weg, den wir uns ausgesucht haben. Beides ist geil. Früher, ein Hobby zu haben und am Wochenende Shows zu spielen. Wir haben uns kurz eingestöpselt und drauf los gerotzt. Das war super. Heute ist es anders und dennoch geil, auch wenn es geleckter zugeht. Diesen Prozess durchlaufen zu haben, möchte ich nicht missen, weil ihn viele junge Bands heute nicht mehr erleben können. Inzwischen ist so viel Technik mit im Spiel. Shows, wie wir sie anfangs gespielt haben, sind heute kaum mehr möglich.“

Die eigenen Platten im DIY-Stil über ein eigenes Label heraus zu bringen, kommt für CALIBAN nicht infrage: „Das war für uns noch kein Thema“, so der Frontmann. „Wir sind super glücklich mit der Arbeit der Leute von Century Media und wissen zu schätzen, was sie leisten. Ich glaube zudem nicht, dass wir als Band die Label-Arbeit gut stemmen könnten. Wir sind froh, dass wir wen haben, der das für uns macht und das wird auch erst einmal so bleiben.“ Dabei tritt das Quintett durchaus mit einem bewussten, kritischen Blick auf die Belange rund um die eigene Vermarktung an, wie Andy auf die eher ernst anmutenden Photos der Gruppe erzählt: „Vielleicht machen wir nicht so ausgeflippte Pressebilder, aber wir haben bei den Shootings schon unseren Spaß. Wir haben schon häufiger darüber gesprochen, mal etwas ganz Unerwartetes zu machen, doch wir glauben, dass das nicht zu dem Bild passt, das wir nach außen repräsentieren. Diese Bilder sind Teil „der seriösen Schiene“, die wir als professionelle Musiker verkörpern. Das nehmen wir schon ernst. Die Photographen und wir geben uns viel Mühe, auch wenn die letzten Shootings jenseits der Wechsel von Locations


und Positionen alle in eine ähnliche Richtung gingen. Wir versuchen, die Stimmung der jeweiligen Platte aufzugreifen, für die die Bilder entstehen. Wenn wir musikalisch spaßiger unterwegs wären, würden die Bilder das widerspiegeln. Unsere Themen sind aber nun einmal düster.“

Dass man es mit sehr sympathischen und witzigen Zeitgenossen zu tun hat, sieht man auf den ersten Blick nicht. Dafür hört man es auf „Ghost Empire“ umso mehr. Darauf kommt es an: „Wir zwingen uns zu nichts, und ohne den Spaßfaktor und die Überzeugung, das Richtige zu tun, könnten wir das nicht machen,“ fasst der Sänger die Einstellung von CALIBAN zusammen. „Das Band-Leben ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Hat man dann keinen Spaß, macht es keinen Sinn. Natürlich ist es für uns mittlerweile ein Beruf, der unseren Lebensunterhalt sichert. Doch vom Gefühl her unterscheidet es sich kaum von der Zeit, in der die Band unser Hobby war. Manchmal erleben wir die Kehrseite, aber die positiven Aspekte überwiegen klar. Wir sehen die Welt, können unsere Songs spielen und treffen viele Leute, die uns gut finden. Wenn ich mehrere Wochen auf Tour bin, schmerzt es mich schon, dass ich meine Familie nicht sehen kann. Das geschieht aber nicht plötzlich und lässt sich planen. Wir haben mehr oder weniger unsere festen Zeiten. Das variiert immer ein wenig, aber zumeist spielen wir Anfang des Jahres eine längere Tour, später kommen im Sommer die Festivals und dann folgt im Winter eine weitere Tour. Darauf haben wir uns in der Familie eingestellt. Eigentlich bin ich recht häufig zu Hause. Wenn ich das mit einem normalen Wochenjob vergleiche, denke ich sogar, dass ich mehr Zeit für mein Kind habe als andere. Es ist halb so schlimm, wie es immer klingt.“

Die Bestätigung von Seiten der Fans wird das ihre dazu beitragen, dass CALIBAN mit ihrer Situation zufrieden sind. Die drei zur Veröffentlichung von „Ghost Empire“ angesetzten Release-Shows sind bereits nahezu ausverkauft: „Natürlich hofft man das, gerade, wenn es kleinere Club-Shows sind“, meint der Sänger. „Selbstverständlich ist es aber nicht, deshalb freue ich mich. Es ist für uns ein deutliches Zeichen, dass wir immer noch Anklang finden und Nachfrage da ist. Ich bin auf die Shows sehr gespannt, auch darauf, was wir spielen werden. Bislang haben wir uns noch kein Set zurechtgelegt. Dieses Mal finde ich die Auswahl auch schwieriger als sonst.“

Ein heißer Aspirant, an dem die Ruhrpott-Jungs nicht vorbei kommen werden, ist ,yOUR Song‘, zu dessen Hintergrund Andreas Dörner wie folgt ausführt: „Das war eine eher spontane Sache. Wir waren uns lange nicht sicher, ob wir das überhaupt machen können. Songs an die oder für die Fans können auch nach hinten losgehen, weil es schon cheesy ist. Letztlich haben wir uns getraut. Halb im Scherz hatten wir auf Facebook gefragt, was die Leute auf der neuen Platte hören wollen. Damals kam ein Kommentar, der uns ermutigt hat, ein Stück für die Fans zu schreiben. Ich habe begonnen, mir darüber Gedanken zu machen. Nach 16 Jahren ist ein Dankeschön mehr als angebracht. Der Song an sich ist relativ einfach gehalten, weshalb es noch wichtiger war, die richtigen Worte zu finden. Das ist uns gut gelungen.“ Definitiv, und auch sonst überzeugt „Ghost Empire“ mit einer in allen Belangen stimmigen Zusammensetzung. Nimmt man den Vorgänger „I Am Nemesis“ als Ausgangspunkt, zielt das neunte Album noch offensichtlicher in Richtung übergeordneter Hymnen, ohne dafür die Härte und das Mosh-Potenzial der Stücke zu relativieren:

„Das passiert eher unbewusst. Wir versuchen, unseren CALIBAN-Touch fortzuschreiben, aber auch immer am Nabel der Zeit zu sein. Schließlich wollen wir nicht stagnieren. Unser Bauchgefühl bestimmt, wie wir auf den Platten klingen. Wir tun das, wonach uns ist, denn natürlich machen wir die Songs zunächst für uns selbst. Wenn die Leute das später abfeiern, ist es ein schönes Beiwerk. Als wir die erste CD-Präsentation hatten, war einer der Kommentare, dass „Ghost Empire“ kein „Nummer sicher-Album“ ist. Das ist eine ernst gemeinte Einschätzung, die ich positiv auslege und die mir gefällt. Ich bin sehr gespannt, was unsere Fans sagen werden.“

 
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