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Average Engines

Interview von: arne mit Tim, am: 24.11.2013 ]

Die Hamburger Band will hoch hinaus, ohne das zwangsweise der Absturz wie bei Ikarus folgen muss, der auf dem Cover von „Follow. Fail. Repeat“ zu sehen ist. Doch selbst in diesem Falle wäre lediglich ein kurzes Schütteln und neuerliches Aufrappeln zu erwarten, denn die AVERAGE ENGINES sind Kämpfer und Überzeugungstäter. Der Umsetzung des Elf-Trackers lief eine Crowdfunding-Aktion voraus, die Beleg des findigen DIY-Agierens der Beteiligten ist. Musikalisch spiegelt der Rock der Band das wider. „Follow. Fail. Repeat“ klingt durchgängig bauchgesteuert, geerdet und selbstverständlich.

 

Musicscan: Gibt es irgendetwas, das man zwingend über Euch wissen sollte? Falls nicht: aus welcher Grundhaltung heraus seid Ihr als Band unterwegs?

Average Engines: Man "muss" eigentlich nichts über uns wissen, da die Musik, die wir machen, das wichtigste ist. Der Grund, warum wir als Band unterwegs sind ist, denke ich, dass wir alle Musik so sehr feiern, dass wir selbst davon Teil sein wollen, selber Musik erleben wollen über den Punkt hinaus wo man sie "bloß" hört. Das ist der Grund, warum wir ein Instrument in die Hand genommen haben. Wenn man das einmal tut ist es als ob man mit der fiesesten Droge des Universums angefixt wurde. Man will immer weiter machen, auch wenn es einen verzehrt. Wir stehen auf laute Musik, wir stehen auf Freundschaft, wir stehen auf Reisen und wir stehen darauf Leute zu treffen, die Musik ebenso feiern. All das findet man, wenn man anfängt Musik zu machen.

Musicscan: Welche Anekdoten gibt es denn von den Hausbesuchen bei Euren Crowdfunding-Unterstützern in Hamburg zu berichten? Wie kam die Aktion an?

Average Engines: Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen (sofern die Leute zuhause waren)! Ein Freund von uns, der Bass bei unseren Labelbuddies und Herzensmenschen Panama Picture spielt, hat allerdings noch gepennt, als wir ein Menschenpyramide auf ihm gemacht haben. Da war er etwas überrascht. Generell sind wir vielen Leuten begegnet, die einen amtlichen Samstagskater hatten. Toll war auch, ein paar Leute zu treffen, die wir gar nicht kannten, die uns ebenso liebevoll aufnahmen. Zu erfahren wie sie überhaupt auf uns gestoßen waren, war sehr interessant zu hören. Für uns wurde unter anderem gekocht an einer Station, was wünscht man sich mehr?

Musicscan: Auf Eurer Website unterstreicht Ihr die Wichtigkeit von Promotion, in die Ihr bewusst viel Geld gesteckt habt. Jetzt, wo Ergebnisse vorliegen – haben sich Eure Erwartungen diesbezüglich erfüllt? Hat sich Euer Bekanntheitsgrad erhöht? Haben Magazine Euch berücksichtigt, die Euch bislang missachtet haben? Was gibt es in dieser Richtung zu vermelden?

Average Engines: Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung an dieser Stelle mehr Geld zu investieren und mit Oktober Promotion haben wir eine Agentur gefunden, die sich wirklich rührend um uns sorgt. Ich meine, nehmen wir doch einfach mal dieses Interview: Sowas kannten wir bis dato nicht. Ob sich mehr Leute mit uns beschäftigt haben kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher sagen, da viele Ergebnisse, vor allem im Printbereich, noch ausstehen, aber wir haben ein saugutes Gefühl dabei. Es ist dennoch befremdlich, dass man annähernd so viel Budget für die Promo einer Platte einplanen muss, wie man für die Produktion gebraucht hat. Aber so läuft es nunmal, denke ich.

Musicscan: Warum habt Ihr Euch entschieden, die Promotion aus den Händen zu geben? Ansonsten habt Ihr doch alles selbst geregelt – Crowdfunding-Aktion, Produktion,… – Das steht dem DIY-Ansatz, den Ihr sonst verfolgt, doch zuwider - oder nicht?

Average Engines: Promo, genau wie der Bereich Booking, ist a) sehr abhängig von den Kontakten, die man hat und b) wie viel Zeit einem zur Verfügung steht um das selbst zu machen. Natürlich versuchen wir die Platte überall zu platzieren wo wir selber das können, doch wir könnten niemals so viel Energie und Zeit zusätzlich zu dem, was wir ohnehin schon machen, aufbringen. Denn eigentlich wollen wir ja nur Musik machen...

Musicscan: Trifft es zu, dass Ihr im Songwriting mehr auch Intuition und Bauchgefühl und weniger auf bewusste Planung setzt? Diesen Eindruck hinterlässt „Follow. Fail. Repeat“ wenigstens bei mir?

Average Engines: Ohne Scheiß - alles was Du dort hörst entstand deshalb, weil es so herauskam. Wir könnten niemals einen Song planen, bevor wir ihn nicht spielen. Klar schlagen wir uns oft die Köpfe ein wegen Songparts und versuchen Kompromisse zu finden, aber wir könnten nie berechnend an ein Lied rangehen. In dem Moment wo wir etwas spielen wissen wir nur, ob es gut oder schlecht ist und dann machen wir es anders, oder auch nicht.

Musicscan: Und ist es so, dass Ihr mit Live-Absichten im Hinterkopf schreibt und aufnehmt? Das Album kommt erdig und authentisch; so, wie man es auch auf der Bühne erleben dürfte…

Average Engines: Uns ist schon wichtig, dass man alles was man auf Platte hört auch live umsetzen kann, aber richtig Gedanken davor machen wir uns nicht oder verbieten uns irgendwas. Klar kann das Cello bei "Bolts & Lighning" bei den meisten Liveauftritten nicht dabei sein, aber Song funktioniert auch ohne. Authentizität ist ohnehin ein großes Thema, auch auf der Bühne. Wir sind nicht dicke Hose, wir sind nicht in einem Theaterstück, wir sind allergisch auf Bullshit. Deshalb bekommt man das live bei uns auch nicht.

Musicscan: In meinem Review habe ich „Follow. Fail. Repeat“ eine unerwartet ausgeprägte melancholische Schlagseite zugesprochen, obwohl Ihr insgesamt eher Optimisten und Kämpfer zu sein scheint. Woraus resultiert die?

Average Engines: Das sind zwei Welten. Wir alle sind Quatschköppe und große Fans von Nonsens, allerdings geht Musik und Musik machen ja viel tiefer. Es gibt nichts, was einen so unvorbereitet und so tief trifft wie gewisse Songs. Und das fördert Dinge zutage, mit denen man nicht gerechnet hat. Ich zum Beispiel liebe traurige, melancholische Musik. Die macht mich fröhlich. Klingt komisch, ist aber so.

Musicscan: Konzerte habt Ihr u. a. mit Circa Survive, Cursive und The Computers absolviert. Welche Bands haben Euch hinsichtlich Einstellung, Handwerk, Auftritt, was-auch-immer besonders beeindruckt und vielleicht auch die Entwicklung der Average Engines beeinflusst?

Average Engines: Unsere Einstellung zu Musik war von Anfang an da. Dort haben wir bloß öfters gemerkt, dass viele Bands es ähnlich sehen und es ist fantastisch zu erleben wie Alex von den Computers auf seine eigene Musik abflasht oder wie Anthony von Circa Survive trotz Krankheit alles gibt.. Das ist immer einsuper Moment, wenn man sich backstage unterhält. Ich würde ganz klar sagen, dass meine Vorliebe für eine gewisse Klangästhetik und evtl. Songwriting auch von Blackmail beeinflusst wurden. Allerdings fahren wir ebenfalls alle auf den Einfallsreichtum und Bescheuertheits-Grad von Biffy Clyro, vor allem der frühen Werke ab, sowie auf den Pop-Appeal der Foo Fighters oder Incubus, dass das auf jeden Fall irgendwie einfließt. Bei allem Übrigen muss man, denke ich seinen eigenen Weg finden und schauen, was am besten für die eigenen Band funktioniert.

Musicscan: Abschließend: Euer Live-Kalender hat Luft nach oben. Bis Jahresende stehen noch drei Gigs an. Wie kommt es, dass Ihr im Kontext der Album-Veröffentlichung nicht mehr unterwegs seid?

Average Engines: Da sprichst Du unseren großen wunden Punkt an: das Booking. Leider hatte jetzt während und nach dem Release und dem ganzen Gedöns, der damit zusammenhängt, niemand so ausgiebig Zeit sich darum zu kümmern. Mit uns kann man (noch) kein Geld verdienen, deshalb sind wir für Booking-Agenturen uninteressant. Dennoch ist das der große Wunsch, den ich mir mit dieser Platte zu erfüllen hoffe: VIEL mehr live spielen. VIIIIEEEEL mehr! Dreimal täglich. Auch nachts.

Musicscan: Letzte Worte?

Average Engines: Wozu braucht man Liebe, wenn man Dinge mit Käse überbacken kann?

 
 Links:
  averageengines.com
 
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