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Betzefer

Storie von: arne, am 19.11.2013 ]

Das Quartett um Avital Tamir kann als Synonym für harte Crossover-Klänge aus Israel gelten. Seit 15 Jahren sind BETZEFER unterwegs und legen anlässlich des Band-Jubiläums mit „The Devil Went Down To The Holy Land“ ihren dritten Longplayer vor.

 
Zwischen NeoThrash, Hardcore und NuMetal geht es durch abwechslungsreich vorgetragene, groovige Stücke, die klar dieser 1998 gegründeten Band zuzuordnen sind. Brachial und heavy präsentieren sich die Musiker einmal mehr als Schnittmenge der Kollegen, mit denen sie in den letzten Jahren immer wieder auf Tour zu sehen waren – Lamb Of God, Soulfly, Sepultura, Ektomorf und Pro-Pain. Als Export-Schlager der israelischen Szene will Sänger und Band-Kopf Avital Tamir seine Band dabei nicht verstanden wissen:

„Wir haben uns nie als Repräsentanten irgendeiner Metal-Szene verstanden – weder der von Israel noch einer anderen. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass man uns hierzulande so lange nicht beachtet hat, bis wir zu groß waren, um noch länger ignoriert zu werden. Deshalb haben wir zuallererst immer auf uns geschaut und die Band und ihren Sound nach unseren Vorstellungen entwickelt. Das tun wir bis heute, und damit fahren wir gut. Wir sehen unsere Karriere als einzigartig an, denn wir sind erfolgreich, ohne dass wir uns jemals nach kommerziellen Erwägungen ausgerichtet haben, wie es viele andere Gruppen früher oder später tun.“ Auf MTV Israel moderiert der Sänger mit „BETZEFER's Headbangers Ball“ ein Format, das viel über den Stellenwert der Gruppe für die dortige Heavy-Szene verrät:

„Dabei handelt es sich um eine wöchentliche Show, die letztes Jahr gestartet ist. Zunächst war nur eine Auflage geplant, doch inzwischen denken wir schon über eine Fortsetzung nach. Die Chance, in Kooperation mit MTV Israel etwas für die Verankerung des Metal in meiner Heimat zu tun, musste ich nutzen. Einen Schwerpunkt legen wir in der Sendung auf Interviews mit und Videos von lokalen Gruppen, die so eine tolle Plattform erhalten. Die wichtigen internationalen Größen finden natürlich ihren Platz, doch die koschere Metal-Szene steht klar im Fokus.“ Und mit diesem kann man es weit bringen, wie Avital Tamir mit Blick auf BETZEFER bestätigt: „Dass wir schon 15 Jahre unterwegs und noch immer aktiv sind, ist keinesfalls selbstverständlich. Wer kann schon von sich behaupten, die Gelegenheit zu erhalten, sich über einen solch langen Zeitraum selbst zu verwirklichen? Das ist mir Belohnung genug. Den kommenden 15 Jahren blicke ich voller Zuversicht entgegen. Der Übergang von einem Teenager, der Heavy Metal-Fan war, hin zu einem Musiker, der eigene Songs schreibt, Platten veröffentlicht und Shows spielt, ist flüssig verlaufen. Ich bin da schlicht reingewachsen und toure seither mit den Gruppen, durch die ich den Metal entdeckt habe. Über die Zeit hinweg hat es natürlich auch Rückschläge und Enttäuschungen gegeben. Insgesamt


überwiegen aber klar die positiven Eindrücke und Erinnerungen.“

Ein Ende der Erfolgstory ist nicht in Sicht. Unter kreativen Gesichtspunkten geht es mit dem Drittwerk „The Devil Went Down To The Holy Land“ erst los: „Auf der neuen Platte haben wir zum ersten Mal überhaupt richtige Songs, die zusammengehörig wirken und in etwa zur selben Zeit entstanden sind. Früher haben wir vieles über unseren energiegeladenen Auftritt und die Attitüde gelöst. Mit wenigen guten Riffs und Hooks haben wir viel Spielzeit überbrückt und es damit immerhin zu ansehnlicher Bekanntheit gebracht. Doch rückblickend lässt sich kaum von Songwriting sprechen. Es ist ausgeschlossen, dass man unsere frühen Stücke akustisch spielt. Dafür fehlt ihnen die Substanz. Nachdem wir lange Zeit gesucht und probiert haben, sind wir nun endlich am Ziel und haben starke Tracks für unser erstes wirkliches Album geschrieben und aufgenommen.“

Die Selbstkritik klingt hart und vernichtend, doch der Frontmann gekräftigt seine Einschätzung auf Nachfrage: „Anfangs haben wir schlicht keine Songs geschrieben. Jedenfalls kann ich sie aus heutiger Sicht nicht so bezeichnen. Mehr als eine lose Ansammlung von Riffs und halbgaren Ideen war es nicht. Wir haben ein Jahrzehnt gebraucht, um uns zu Songwritern zu entwickeln. Erst im vergangenen Jahr ist es mir gelungen, 30 Tracks zu schreiben, die ich ohne Einschränkung als gute Songs bezeichne. Das ist kein Vergleich zu zehn Song-Skizzen, die wir früher tatsächlich auch produziert und als Album herausgebracht haben.“ Diesen Äußerungen zum Trotz klingt das neue Material unverkennbar nach BETZEFER und durchaus in der Tradition dessen, was man von den israelischen Musikern im Hinterkopf hat. Es handelt sich um ein selbstbewusstes Metal-Album, das auf Spaß und Reife basiert und trotz seines vergleichsweise antiquierten Crossover-Ansatzes frisch und mitreißend wirkt.

„Der Arbeitstitel der Platte lautete „Suicide Hotline“, das stimmt,“ bestätigt Avital Tamir. „Dahinter steckte die Idee, dass Musik eine existenzielle Bedeutung für Leute haben kann, so wie Essen oder Obdach. Musik kann auch als Gebrauchsmittel verstanden werden. Diese Erwägungen lagen „Suicide Hotline“ zugrunde, doch am Ende haben wir uns entschieden, das Album nach dem Titel-Stück ,The Devil Went Down To The Holy Land‘ zu benennen. Er fasst das gesamte Album, unsere Herkunft und Intentionen noch weitaus besser zusammen.“ Zweifel am eigenen Spiel kennt der Vierer ohnehin nicht. BETZEFER treten mit breiter Brust und herben Groove-Metal-Stampfern an. Insofern ist auf „The Devil Went Down To The Holy Land“ dann doch wieder alles beim Alten.

 
 Links:
  www.myspace.com/betzefer
 
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