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6:33 & Arno Strobl

Storie von: arne, am 11.11.2013 ]

Die Franzosen präsentieren sich auf ihrem Zweitwerk „The Stench From The Swelling (A True Story)“ abgedreht, sprunghaft und konsequent unberechenbar. Seit geraumer Zeit kollaborieren 6 :33 mit dem früheren Carnival In Coal-Frontmann ARNO STROBL, was die hibblige Attitüde und das überraschende Moment der bloßen Musik nun ebenbürtig auf den sanglichen Bereich überträgt. Der erste gemeinsame Longplayer bietet noch mehr von allem und stellt eine eigene Güteklasse dar.

 
Wirklich zu fassen ist das übergreifende und innovative Spiel der Gruppe dabei nicht – nicht einmal in Ansätzen. Jazz, Funk, Dance, Elektro, Fusion, Chaos, Rock und Metal verbinden sich zu einem größeren Ganzen, das entlang tollkühner Wendungen und vieler abgefahrener Ideen voran getrieben wird: „Avantgardistische und progressive Aspekte spielen in der Musik von 6:33 zweifellos eine wichtige Rolle, jedoch nicht die entscheidende“, meint der Sänger, der kein fester Teil des Band-Gefüges ist. „Darüber hinaus gibt es eine Menge mehr, also sind sie nur ein Teil des Bildes. Mir gefiele die Bezeichnung „Free-Metal“, wenn man einen Term nutzen möchte.“

Selbst die Beteiligten haben demnach Schwierigkeiten, ihr Treiben in Worte zu fassen. „Anfangs gab es weder einen Plan noch eine nähere Vorstellung davon, was wir mit 6:33 machen wollten und wofür die Band stehen sollte“, erinnert sich Gitarrist und Haupt-Songwriter Nicko. „Unser Ansatz bestand darin, all unsere Einflüsse miteinander zu kombinieren und so einen verrückten Sound zu erschaffen. Dieser Intention folgen wir bis heute, wobei wir das resultierende Chaos inzwischen besser kontrollieren können. Unser Debüt war diesbezüglich eine einschneidende Erfahrung. Rückblickend ist es zu vollgepackt gewesen. „The Stench…“ geht mit den verschiedenen Stilen nun bewusster um und verbindet sie nachvollziehbarer miteinander. So wird auch die Stoßrichtung von 6:33 klarer.“ Bricht man die Stücke des Zweitwerks auf ihren Kern herunter, gilt es, stets mit dem Unerwarteten zu rechen. Mehr ist nicht zu sagen, denn ansonsten scheint alles erlaubt und nichts ausgeschlossen:

„Wir haben uns geschworen, niemals Djent und Dubstep zu spielen“, erwidert Dietrich, einer der beiden Live-Keyboard-Spieler, schmunzelnd. „Aber ernsthaft, losgelöst von den unterschiedlichen Stimmungen und der sich verändernden Zusammensetzung unserer Tracks haben wir einen verbindenden Songwriting-Ansatz entwickelt. Dieser schließt es aus, dass unsere Stücke allein auf Gitarren-Riffs aufsetzen, denn ohne Story im Hintergrund geht es bei uns nicht.“ Konkret bedeutet dies, dass jeder neue Song den Musikern neue Freiheitsgrade bietet, die sie dankbar und ausgiebig nutzen: „Zu Beginn habe ich niemals eine Vorstellung von der späteren Struktur eines Stückes oder ein Gefühl für seine Länge“, erzählt Dietrich. „Ich folge einzig und allein der Stimmung und Klangfarbe, die ich zu erschaffen suche. Der Track entsteht dann ganz von selbst und ist fertig, wenn ich davon überzeugt bin, dass er seine Geschichte erzählt hat.“ So einfach ist es, und es sind keine leeren Worte, wenn der Songwriter davon spricht, dass Kompromisse für 6:33 ein Fremdwort sind:

„Warum sollten wir Kompromisse schließen? Sie sind häufig mit Zugeständnissen verbunden, von denen es im Alltagsleben schon mehr als genug gibt. Im kreativen Bereich geben wir jeder Idee eine Chance und schauen, wohin sie uns führt.“ Hinsichtlich der Rezeption des wilden Treibens der Franzosen gilt es


festzuhalten, dass „The Stench From The Swelling (A True Story)“ nichts für schwache Nerven ist, denn Konzentration und Durchhaltevermögen muss man zwingend mitbringen, um die Informationsflut bewältigen zu können: „Auf jeden Fall gibt es einen Unterschied in der Wahrnehmung zwischen den Konzerten und unseren Veröffentlichungen“, bestätigt Dietrich. „Unsere Auftritte sind stark theatralisch und voller Sarkasmus. Wir tragen Masken und agieren mit viel Humor. So finden dann auch Leute einen Zugang, für die unsere Musik eigentlich zu abgefahren, komplex und verrückt ist. Das bedeutet aber nicht, dass wir sinnfrei herumalbern. Der Humor hilft aber einigen Leuten, die Songs besser zu verdauen.“

Man ist geneigt, 6:33 zu glauben, wenn sie sagen, sie hätten eine klare Vorstellung des Sounds, den sie repräsentieren wollen. Doch selbst Dietrich gibt zu, dass er es im Arbeitsprozess auf sich zukommen lässt: „Es war praktisch unmöglich, zu antizipieren, wie das Ergebnis klingen wird. Für das Album hat Arno den überwiegenden Teil seiner Texte allein geschrieben. Der übergeordnete Spirit war abgestimmt, und jeder hat sich an ihm ausgerichtet und ihn respektiert. Was entstehen würde, wussten wir dennoch nicht. Wirklich überrascht hat mich vor allem die düstere Schlagseite, wie sie etwa im Titel-Track zutage tritt.“ Das harte Moment ist der Band wichtig. Hinsichtlich der zugrunde liegenden Einstellung fühlt sich Dietrich nicht zufällig bekannten Experimental-Heavy-Acts verbunden:

„Der Metal ist ein integraler Bestandteil unserer Musik, doch wir sind an allen Stilen interessiert. Im Kontext von 6:33 hat jeder Part seine Berechtigung und einen guten Grund, warum er zu hören ist. Das Ergebnis mutet heavy an, doch Härte muss nicht zwangsweise der Double Bass oder lauten Gitarren entspringen. Häufig reicht es auch, ein entsprechendes Gefühl zu vermitteln. Attitüde und Kontext spielen eine entscheidende Rolle, was man es auch bei Ulver, Devin Townsend, Leprous, Nine Inch Nails, etc. erleben kann.“ Hinsichtlich seines Songwriting-Ansatzes ergänzt Sänger ARNO STROBL:

„Ich fühle mich stark der Geisteshaltung der 1990er Jahre verbunden, in denen der Schmelztiegel der Kreativität durch unterschiedlichste Stile gefüllt wurde, die zu einem Crossover verbunden wurden. Darüber hinaus strebe ich danach, die Musik umzusetzen, die in meinem Kopf herum spukt und mich nicht von dem weichspülen zu lassen, was ich Tag für Tag im Radio höre. Eigenständig und anders zu klingen, ist nicht das Ziel meiner Arbeit, es ist die Konsequenz. Wer mit Leidenschaft und Aufrichtigkeit komponiert, erreicht das fast zwangsweise.“

„The Stench From The Swelling (A True Story)“ ist zumindest ein Stück weit verrückt, zugleich aber auch unfassbar eingängig, erinnerbar und großartig. Der gegebenen Reizüberflutung tut das keinen Abbruch, und es liegt am Hörer, worauf er sich einlässt und wie tief er in den komplexen, vielschichtigen und tollkühnen Crossover von 6:33 & ARNO STROBL eintaucht.

 
 Links:
  633theband.com/
 
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