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Weekend Nachos

Storie von: arne, am 30.10.2013 ]

Der Alltag ist schlimm bis hoffnungslos, das Umfeld grau und dreckig. Chicago hat zweifelsohne schon bessere Tage gesehen, und derzeit besteht wenig Anlass zur Hoffnung auf eine zeitnahe Verbesserung der Situation. Die WEEKEND NACHOS scheinen all das in ihren Songs musikalisch zu spiegeln. Das Quartett agiert destruktiv, angepisst und gewalttätig. „Still“ heißt die neue Abrissbirne der Band, die 21 Minuten lang zwischen Powerviolence, Grindcore, Düster-Hardcore und etwas Sludge wütet.

 
Relapse Records spricht bezüglich des Auftritts der Gruppe von „negativem, hasserfüllten Hardcore für Fans von Infest und Nails“, was Sänger John Hoffman durchaus nachvollziehen, jedoch nicht unkommentiert stehen lässt: „Das sind zwei tolle Bands, keine Frage. Infest sind traditionell gesehen ein wichtiger Einfluss für uns gewesen. Nails sind eine moderner eingestellte Gruppe, die sich in der derselben Szene bewegt, wie wir es tun und die wir sehr schätzen. Was unseren Sound anbelangt, verstehe ich „Still“ allerdings als sehr diverses Album. Wir bringen Punk, Hardcore, Death Metal, Grindcore, Sludge, Noise, etc. zusammen, wie wir es für richtig halten. Im Songwriting verfolgen wir die Absicht, beständig neue Varianten unseres Sounds auszutesten und unseren Horizont zu erweitern. Es existieren keine Grenzen, wenn wir im Kontext von WEEKEND NACHOS aktiv sind, das gilt es zu wissen.“

Die Musiker kennen ,No Idols And No Heroes‘, wie es im zweiten Stück heißt. Diese Anti-Haltung prägt den Zwölf-Tracker. In bester DIY-Tradition nehmen die WEEKEND NACHOS ihr Schicksal selbst in die Hand und teilen heftig aus: „Es liegt in unserer Natur, dass wir extreme Songs spielen. Das fühlt sich einfach richtig für uns an“, so der Frontmann. „Bei uns muss es schnell und hart zugehen, denn das ist unser Ding. Wir zählen nicht zur breiten Mehrheit der Gesellschaft, also muss unsere Musik eine Außenseiterposition einnehmen. Nur eine überschaubare Gruppe von Menschen wird Notiz von uns nehmen, unsere Songs hören und sie vielleicht sogar verstehen. Das wissen und das akzeptieren wir, und es ist okay für uns.“ Die Ausgestaltung des rabiaten Sounds der Gruppe aus Chicago erfolgt old-schoolig, reduziert und Szene-bezogen:

„Als WEEKEND NACHOS stehen wir für uns allein und das erfüllt mich mit Stolz. Wir blicken allein auf uns und machen, worauf wir Lust haben. Wir wollen nirgends dazu gehören und gehen mit der Band keine Kompromisse ein. Dieser Weg ist beschwerlich, aber es ist der unsere. Es bedeutet mir viel, aktiv zu sein und etwas zu machen. Wir spielen unsere Songs und hören damit nicht auf. Natürlich interessieren wir uns für die Underground-Szene und bleiben ihr verbunden. Dort sind unsere Herzen verankert und unsere Hörer. Im Bereich der Underground-Musik geht es aber nicht um kommerzielle Erwägungen oder irgendeine Vorteilsnahme. Mir reicht es schon, dass ich meine Gedanken mit Gleichgesinnten teilen kann. Das ist etwas, was die Mehrheit der Bevölkerung niemals kennenlernen wird.


“ Die Musiker setzen entweder schonungslose Frontalangriffe oder sie erschaffen schleppende Düster-Parts, die ebenfalls ängstigen und fast noch bedrohlicher wirken:

„Der Instinkt leitet uns“, erklärt John Hoffman. „Wir überführen das in Songs, was in unseren Herzen ist. Das lässt sich weder planen oder anderweitig beeinflussen. Die letzten neun Jahre sind eine verrückte Zeit gewesen. Niemals wusste ich, was als nächstes passiert oder was die Zukunft bringt. Das macht einen guten Teil des Spaßes aus, den wir haben, wenn wir an neuen Songs arbeiten und als Band aktiv sind. „Still“ ist das beste Beispiel unserer instinktiven Arbeitsweise.“ Gute Laune beschert die Auseinandersetzung mit den WEEKEND NACHOS nicht, dafür kann man den eigenen Aggressionspegel aber innerhalb kürzester Zeit in ungeahnte Höhen treiben. Diese Wirkung ist durchaus beabsichtigt, wie der Shouter zugibt: „Seit ich ein Teenager bin, steckt in meinem Inneren eine Menge Wut und Frustration. Schon sehr früh hat sich in mir die Überzeugung verfestigt, dass in unserer Gesellschaft vieles schief läuft und ich anders bin als die Mehrzahl meiner Freunde und Bekannten. Meine Ansichten und Überlegungen wollte ich unbedingt als Sänger einer Band formulieren und in die Welt hinaus schreien. Unsere Songs sind der Spiegel der gefährlichen Gemengelage in meinem Kopf. Mein Inneres ist hasserfüllt und gewalttätig, also klingen unsere Tracks genauso. Alles ist real und ungeschönt.“

Die Tracks auf „Still“ gehen gerade nach vorne und sind so energiegeladen und rabiat, dass man sie mehrfach hören muss, um alles zu erfassen. Die Spielzeit ist überschaubar, doch in dieser kurzen Spanne passiert eine Menge: „Mein Gefühl ist es, dass „Still“ leichter nachvollziehbar als unsere früheren Platten ist. Anders als „Unforgivable“ und „Worthless“ entwickelt es sich flüssig und zielt in nur eine Richtung“, fasst John Hoffman seine Einschätzung zusammen, wobei alle drei Longplayer auch dadurch zu charakterisieren sind, dass sie beim Hörer ein ungutes Bauchgefühl aufkommen lassen: „Über die Jahre sind die Leute gekommen und gegangen. Der überwiegende Teil derjenigen, die uns in den frühen Tagen gehört hat, war jung und ist aus der Szene heraus gewachsen. Wir sind geblieben und ziehen noch immer unsere Kreise. Inzwischen haben wir einen Punkt erreicht, an dem wir jüngere und ältere Hörer an uns binden können. Die transportierte Angst und der Hass von Musik und Texten sind universell und unabhängig vom Alter nachvollziehbar.“

 
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