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Skeletonwitch

Storie von: arne, am 22.10.2013 ]

Auf ihrem fünften Album „Serpents Unleashed“ zelebrieren SKELETONWITCH einmal mehr ihren leidenschaftlichen, mitreißenden Heavy-Metal, der sich aus unterschiedlichen Stilen speist. Brutalität und Eingängigkeit werden in einem guten Mischungsverhältnis aufeinander abgestimmt, so dass die Band aus Athens, Ohio mit schwergewichtigen Hymnen glänzen kann.

 
Ob dabei nun gerade Death-, Thrash-, Black- oder Elemente der New Wave Of British Heavy Metal die Wirkung der Songs bestimmen, ist von nachrangiger Bedeutung. Wichtiger ist es, mitzunehmen, dass der Fünfer ohne Scheuklappen, couragiert und gnadenlos überzeugend agiert. Nach zehn Jahren klingen SKELETONWITCH noch so motiviert, frisch und selbstverständlich, wie zu Beginn ihrer ansehnlichen Karriere. Und es ist absehbar, dass „Serpents Unleashed“ den Musikern viele weitere Fans hinzugewinnen wird, schließlich erscheint eine Art Best Of der früheren Großtaten der Gruppe:

„Mir persönlich gefällt es ebenfalls sehr, dass die Synthese all unserer Einflüsse zum ersten Mal perfekt zur Geltung kommt“, stimmt Gitarrist Scott Hedrick via Skype zu. „Unser Debüt „Beyond The Permafrost“ stellte noch stark auf die NWOBHM ab. Bei „Breathing The Fire“ stand hingegen der Death Metal im Vordergrund, und „Forever Abomination“ tendierte wiederum Richtung Black Metal. „Serpents Unleashed“ ist nun sehr mittig angesiedelt, wobei es auch entscheidend von der Produktion profitiert. Natürlich sagt jeder Künstler, sein neuestes Werk sei sein bislang bestes, doch es gibt offensichtliche Argumente, die das bezüglich „Serpents Unleashed“ belegen. Das Retro-Thrash-Banner haben wir nun hoffentlich endgültig hinter uns gelassen. Meiner Ansicht nach waren sind wir ohnehin schon lange daraus heraus gewachsen, und wir sind ja zu keiner Zeit eine reine Thrash-Gruppe gewesen.“

Vielmehr ist es im Falle der sympathischen Prosthetic-Kombo so, dass die Anlage des Heavy-Sounds zwischen verschiedenen Metal-Spielarten dazu führt, dass sie Hörer aus unterschiedlichen Lagern auf sich vereint. Die breit gefächerten Interessen der Musiker sind dafür mit verantwortlich: „Wenn wir Songs schreiben, passiert das stets natürlich und ohne Druck“, erzählt Scott. „Wir vertrauen auf unsere Fähigkeiten und lassen uns vom Moment inspirieren. Unsere Vorlieben und Einflüsse verändern sich im Zeiterlauf, was unsere Platten widerspiegeln. Wir haben uns jedenfalls nie bewusst hingesetzt und mal eine NWOBHM-, dann eine Death- und später eine Black Metal-Scheibe geschrieben. Das hat sich einfach so ergeben. Wir nehmen es, wie es kommt. Selbst eine harte Rock’n’Roll-Platte wäre für mich okay, denn eine meiner Lieblingsbands sind die schwedischen Hellacopters. Dieser Einfluss bahnt sich gelegentlich seinen Weg, auch wenn er nie offensichtlich zutage tritt. Doch selbst, wenn das geschehen würde, wäre das kein Problem. Wir haben keine Angst davor, nicht genug Metal zu sein. Mit zunehmender Erfahrung wird es sogar immer einfacher, die Songs breiter anzulegen und weniger festgelegt aufzuspielen.“

Vor dem Hintergrund dieser Aussage überrascht es nicht mehr so sehr, dass SKELETONWITCH ihr neues Album bei und mit Kurt Ballou aufgenommen haben, der weniger im Metal als vielmehr zwischen Noise, Chaos und Hardcore beheimatet ist und Platten von Nails, Kvelertak, All Pigs Must Die, Black Breath, Isis oder Converge produziert hat. Allenfalls High On Fire liegen tendenziell auf Linie mit dem Quintett: „Ein guter Produzent ist unabhängig von einem bestimmten Stil oder seiner Spezialisierung zu sehen“, erwidert der Gitarrist. „Die besondere Leistung von Kurt besteht darin, jede Band so klingen zu lassen, wie sie klingen sollte und am besten zur Geltung kommt. Sicherlich ist er kein einschlägiger Metal-Produzent, doch er hat es fertiggebracht, das bislang authentischste SKELETONWITCH-Album auf die Beine zu stellen. Das ist ihm gelungen, indem er die Energie unserer Live-Show im Studio reproduziert und eingefangen hat. „Serpents Unleashed“ klingt angriffslustig und springt den Hörer förmlich an. Unseren früheren Veröffentlichungen fehlt diese Attitüde bzw. sie ist nicht in diesem Ausmaß präsent.“

Die Musiker und Kurt Ballou haben lange getüftlet und Feinheiten verändert, um den optimalen Sound zu finden, wie Scott Hedrick verrät: „Wir haben lange Tage miteinander verbracht und konzentriert gearbeitet. In der Vergangenheit sind wir ins Studio gegangen und haben aufgenommen, was wir vorbereitet hatten. Wir sind keine Band, die bis zuletzt herum probiert und neu arrangiert oder gar ganze Songs erst im Studio schreibt. Doch Kurt hat viele Rückmeldungen gegeben und seine Ideen eingebracht, wodurch sich Harmonien und einzelne Parts doch noch verändert haben. Diese Rückkopplungen zu erhalten, war eine interessante und produktive Erfahrung, die wir in diesem Ausmaß noch nicht erlebt hatten. Zudem hat Kurt immer wieder mit dem Studio-Equipment herum gespielt, Mikrophone, etc. anders arrangiert, bis er vollends zufrieden war. Das fertige Album gibt ihm recht, auch wenn wir anfangs oft nicht verstanden haben, warum das nötig war. Kurt blieb dann ruhig und sagte:

„Wartet ab, wir versuchen etwas und ihr sagt mir dann, ob es euch zusagt.“ Gemeinhin hat er genau das Richtige getan, so dass wir ihm schnell blind vertraut haben. So ist eine Atmosphäre entstanden, in der wir als Band ideal funktioniert haben und unsere bis dato beste Leistung im Studio abliefern konnten.“ Dabei war es entscheidend, dass der Produzent wusste, aus welcher Ecke SKELETONWITCH kommen und was ihr Sound braucht: „Er kennt alle wichtigen Metal-Platten, so dass wir uns anhand von Referenz-Alben über Ideen austauschen konnten“, zeigt sich der Gitarrist noch immer begeistert. „Er kannte sogar alte Over Kill-Texte auswendig. In der Vergangenheit haben wir schon mit Matt


Hyde (u. a. Slayer, Machine Head, Kreator) aufgenommen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Lyrics parat gehabt hätte, dabei ist er ein richtiger Metal-Produzent. Kurt als Nicht-Metaller könnte sich im Metal sogar besser als Matt Hyde auskennen. Dieser Eindruck hat sich bei mir wenigstens eingeschlichen.“ Die Methode „Lernen am Beispiel“ setzte sich auch beim Mischen fort: „Kurt hat uns damit überrascht, dass wir die Austarierung der Instrumente anhand von anderen Alben entwickelt haben. Er hat Auszüge unserer Stücke neben die anderer Bands gestellt, um direkt Unterschiede und Möglichkeiten aufzuzeigen und gemeinsam mit uns zu dem Sound zu gelangen, den wir für SKELETONWITCH als optimal erachten. So haben wir uns dem noch nie genähert, dabei ist dieses Vorgehen so naheliegend. Das Ergebnis spricht für sich.“

Mit Blick auf die Errungenschaften aus zehn Jahren zeigt sich Scott Hedrick bescheiden und dankbar für die Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt als Musiker bestreiten zu können: „Wir fühlen uns geehrt, dass unsere Band so viel Aufmerksamkeit erfährt und wir so viel Spaß haben dürfen. Der schlimmste Tag auf Tour ist tausendmal besser als der beste Tag in einem Job, den man hasst. Mit dieser Perspektive ist man bereit, alles zu geben, auch wenn man erschöpft ist. Und man vermisst sein Zuhause ein bisschen weniger, selbst wenn es weit entfernt ist. Wir genießen, was wir tun, und wir wollen möglichst viel touren. Niemand zwingt uns dazu. Nichts auf Tour ist so deprimierend wie eine Band, die gar nicht auf Tour sein will. Vielleicht wissen andere Musiker nicht, was sie stattdessen tun sollen, und machen deshalb weiter, doch so kann es nicht lange funktionieren. Wir sind mit voller Leidenschaft bei der Sache, und sollte sie uns irgendwann abhandenkommen, ziehen wir die Konsequenz und hören auf. Das sind wir uns selbst und den Hörern schuldig. Die Leute haben ein feines Gespür dafür, ob eine Band es ernst meint oder sie ihnen etwas vorgaukelt. Deshalb bringt es nichts, sich zu verstellen.“

Die persönlichen Highlights, die der Gitarrist aus einer Dekade SKELETONWITCH nennt, sind gleichzeitig ein Beleg für die gegebene Erdung und die Fan-Perspektive, die der Musiker lebt: „Unsere beiden letzten Alben sind in die Charts gegangen, was wir nie erwartet hätten. Doch es sind eher die unverhofften Begebenheiten, die mir vor Augen führen, was wir wirklich erreicht haben. Unsere erste große Headliner-Tour haben wir mit Danzig gespielt. Schon am ersten Abend hingen wir mit Glenn Danzig ab, haben Bier getrunken und über Musik philosophiert. Das passierte einfach so und war einer der Momente, die mir als altem Misfits- und Danzig-Fan auf ewig in Erinnerung bleiben werden. Auf dieser Tour habe ich auch Bill Ward von Black Sabbath getroffen und mich 20 Minuten lang mit ihm unterhalten. Das war ein weiterer unvergesslicher Augenblick. Er hat mir erzählt, dass er nichts lieber tun würde, als wieder mit seiner Band Musik zu machen. Das ist aufgrund seiner Gesundheit leider ausgeschlossen, was mir vor Augen führte, wie glücklich wir uns schätzen können. Er hat gesagt, dass die besten Erinnerungen seines Lebens mit Black Sabbath verbunden sind und ein Musiker jeden Moment voll auskosten sollte. Das tue ich seither noch bewusster.“

Das Quintett ist in seinem Tun aber auch seiner Herkunft verpflichtet: „Wir stammen aus dem Mittleren Westen der USA, aus Ohio“, sagt der Musiker. „Hier ist harte Arbeit eine Tugend. Wir sind stolz auf das, was wir aus eigener Kraft erreicht haben. Das liegt in unserer Natur. Die Chance, die sich uns durch die Band bietet, bedeutet uns unglaublich viel und wir geben alles dafür, Musiker sein zu können. Ein Beispiel: Auf unserer letzten US-Tour haben wir 63 Shows in 65 Tagen gespielt. Jeden Abend haben wir knapp eineinhalb Stunden auf der Bühne gestanden und immer voll durchgezogen. Das ist viel besser und erfüllender als ein schlecht bezahlter Job in einer Fabrik.“ Zumal SKELETONWITCH die Fließbandarbeit nicht liegt, auch wenn fünf Alben in zehn Jahren anderes vermuten lassen:

„Für unser Songwriting ist es wichtig, dass wir ausreichend Zeit und Ruhe haben. Gute Tracks kann es nicht erzwingen, doch man muss am Ball bleiben und an Ideen arbeiten. Manchmal kommt Tage lang nichts Gutes zustande. Dann schreibt man innerhalb weniger Stunden mehrere tolle Stücke. So ist das eben. Es gab schon Pläne, den Zyklus zu verkürzen und nicht nur alle zwei Jahre ein neues Album zu veröffentlichen. Das scheiterte bislang noch immer daran, dass wir uns dazu nicht bereit fühlten und die Releases geschoben haben. Wir benötigen schlicht Zeit, um Qualität abzuliefern. Dazu kommt, dass wir jährlich zwischen sieben und neun Monaten auf Tour sind, was nicht zu viel Raum zum Songwriting lässt. Unterwegs fehlt die Ruhe, denn zumeist sind wir in einem engen Van unterwegs. Haben wir doch einen Bus, teilen wir uns diesen mit anderen Musikern. Ist man dann zu Hause, will man kurz abschalten, muss die nächsten Touren planen oder sich mit anderen Aspekten rund um die Band beschäftigen.“

Doch auch dieses Mal war das Quintett in seiner kreativen Arbeit erfolgreich. „Serpents Unleashed“ schlägt den Weg seiner Vorgänger ein und packt noch eine Schippe drauf. Die Attitüde der Musiker und ihr metallischer Findungsreichtum machen den Unterschied aus. Die stets schwergewichtigen Hymnen von SKELETONWITCH muss man einfach mögen, denn sie sind einladend und organisch.

 
 Links:
  skeletonwitch.com
 
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