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Hatesphere

Storie von: arne, am 28.09.2013 ]

Acht Longplayer in 13 Jahren. Diese Bilanz kann sich sehen lassen. Mit Vehemenz und Beständigkeit haben sich HATESPHERE ihre Position in der Thrash-Szene hart erarbeitet. Mit „Murderlust“ legen die Dänen ein Album vor, das ausschließlich auf die Qualitäten des Quintetts setzt und belegt, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist.

 
Als Teil der ersten „Danish Dynamite Tour“ neben Volbeat und Raunchy ist HATESPHERE ein Platz in den Annalen der Metal-Geschichte sicher. Explosivität und durchschlagende Wirkung erlangen die Tracks der Band auch heute noch. Es erweist sich als Vorteil, dass die Dänen auf ihrer neuen Platte Experimente außen vor lassen und stattdessen souverän den spritzigen Thrash durchziehen, mit dem sie einst auf der Bildfläche erschienen sind und die Herzen vieler Hörer gewonnen haben. Als einziges Gründungsmitglied ist Gitarrist Peter „Pepe“ Lyse Hansen verblieben, der seit dem Jahr 2000 die kreativen Fäden zieht und für die nötige kreative Beständigkeit sorgt: „Vielleicht habe ich so etwas erhofft, doch wirklich gerechnet habe ich damit nicht, um ehrlich zu sein“, äußert er darauf angesprochen im Gespräch. „Wer kann sich schon vorstellen, die Chance zu erhalten, so viele Songs zu schreiben, Alben aufzunehmen und so viel zu touren? Das ist für mich ein wahr gewordener Traum. Letztlich ist es einfach passiert. Ich bin froh, am Ball geblieben zu sein, denn die Erfahrungen und Erlebnisse der ganzen Jahre möchte ich nicht missen.“

Weshalb ausgerechnet er die Zeit überdauert hat, während HATESPHERE immer wieder personell durchwechselten, kann Pepe nicht mit Bestimmtheit sagen: „Für mich stellte sich schlicht niemals die Frage, ob ich weitermachen kann oder aufhören muss. Die Band hatte immer ausreichend Raum in meinem Leben und sie ist das, was ich wirklich fortsetzen will. Es ist die Musik, die ich über alles schätze und die mein Leben bereichert. Das ist mir genügend Motivation, um weiter zu spielen und auf Tour zu gehen. Mehr steckt nicht dahinter.“ Nach unbeständigen Jahren, hat sich zuletzt endlich wieder eine feste Mannschaft heraus kristallisiert, wovon „Murderlust“ zweifelsfrei profitiert: „Wir haben jetzt schon zwei Alben hintereinander in demselben Line-Up geschrieben und eingespielt. Die derzeitige Besetzung schätze ich als beständig ein und sie ist aufeinander eingeschworen. Jedenfalls läuft zwischen uns menschlich und auch musikalisch alles gut und ohne Reibereien. Deshalb hoffe ich, dass wir noch weitere Platten zusammen machen können werden.“

Es ist den Dänen zu wünschen, dass sie mit der nötigen Kontinuität und Leidenschaft ihre Zukunft bestreiten werden, denn so haben HATESPHERE ihre starken Anfangstage bestritten: „Es stimmt, wir hatten schon einmal eine Phase, in der drei Platten unter Beteiligung derselben Leute entstanden sind“, bestätigt der Gitarrist. „Danach brauchte es einfach seine Zeit, bis wieder fünf Charaktere zusammen fanden, die dieselben Vorstellungen und eine gleich hohe Motivation einbringen. Für die kreative Arbeit ist es natürlich besser und von entscheidendem Vorteil, wenn man sich kennt und dieselben Ziele verfolgt. Das äußert sich etwa im Songwriting, das man relaxter angehen kann und so im Endeffekt auch schneller absolviert. Live ist es noch wichtiger, dass man dieselbe Einstellung an den Tag legt und alles für die Band gibt.“

Nimmt man das verdichtete „Murderlust“ als Gradmesser, ist zu attestieren, dass bei den fünf Dänen derzeit alles optimal läuft: „Die Vorbereitungsphase lief sehr effektiv“, findet auch Pepe. „Als wir mit den eigentlichen Proben für das Album starteten, war die Arbeit fast schon getan. Schon bei den Treffen davor sind etliche Songs entstanden. Wann immer wir uns getroffen haben, stand im Ergebnis ein neues Stück. So reibungslos hat es bei uns selten zuvor geklappt, was uns gefreut und überrascht hat. Doch natürlich sind wir schon vorbereitet in die Proben gegangen. Ideen haben wir vorab per eMail ausgetauscht, so dass die anderen eine Vorstellung davon hatten, was auf sie zukommt und sie schon über ihre eigenen Beiträge nachdenken konnten. Hausaufgaben nehmen wir innerhalb der Band ernst, wie sich in den Proben wieder einmal erwiesen hat.“ Pflichterfüllung und Effizienz prägen auch daneben die Arbeit innerhalb der Band. Ein Songwriting für die Schublade kennen HATESPHERE nicht:

„Wir schreiben immer nur so viele Songs, wie später auch auf dem Album zu finden sind, nicht mehr“, verrät Peter Lyse Hansen. „Deshalb haben wir neun Stücke geschrieben und später zusätzlich noch den Cover-Track aufgenommen. Die Idee, bis zu doppelt so viele Lieder wie benötigt zu produzieren, um dann später die vermeintlich besten auf eine Platte zu nehmen, mag ich überhaupt nicht. Entweder bin ich von einem Stück, das ich schreibe, überzeugt und veröffentliche es oder ich verwerfe die Idee direkt bei der Probe. Ich kann es mir nicht leisten, Zeit und Kreativität zu vergeuden oder Halbgares durch den Arbeitsprozess zu schleppen. So arbeiten wir nicht, wir halten es effizient.“ Wobei Wiedererkennbarkeit und das Abstellen auf eingeführte Trademarks eine wichtige Rolle spielen. Songs wie ,Pandora’s Hell‘, ,Fear Me‘, ,The Violent Act‘, ,Punishable By Death‘ oder ,Darkest Of Forces‘ präsentieren HATESPHERE so, wie man die Band kennt und schätzt. Die Dänen sind mit straffem Zug unterwegs, schauen in den Details aber auch über den Thrash-Tellerrand hinaus, was die Substanz und Variabilität ihres achten Longplayers erweitert:

„Wenn ich es auf den Kern herunter breche, geht es uns darum, die Musik zu spielen, die wir selbst gerne hören“, erwidert Pepe. „So simpel ist es. Wir schreiben Songs, die uns umhauen und gehen mit ihnen auf Tour. Natürlich hoffen wir, dass die Hörer es dann ebenso empfinden wie wir, doch wenn wir selbst überzeugt sind, klappt das auch mit den Fans.“ Zumal man sich mit der lockeren Attitüde der Skandinavier schnell anfreundet. Trotz des rohen Sounds schwingt immer auch eine spürbare Portion Spaß mit. Auf Facebook fassen


die Musiker das Wesen ihrer Band in aller Kürze mit „Aggressions, Drinking and Hate!“ zusammen. Mehr gibt es dem Gitarristen zufolge nicht zu wissen bzw. zu sagen:

„Bezüglich der Musik trifft es unseren Ansatz im Kern. Dass unsere Songs aggressiv und hasserfüllt sind, wird niemand bestreiten wollen. Und trinken tun wir eine Menge, wenn wir auf Tour sind. Das Ergebnis der Kombination dieser drei Punkte macht für uns den Spaß aus.“ Im Gespräch mit dem Mastermind wird deutlich, dass der Gitarrist in sich ruht und mit dem bisher Erreichten mehr als zufrieden ist. Hungrig ist der Gitarrist nach wie vor: „Erfolg ist nicht der Treiber, nein. Eine Weltherrschaft streben wir ebenso wenig an, wie es von anderen Gruppen gerne geäußert wird. Wir sind dankbar dafür, als Band aktiv sein zu können und die nötige Bühne für unsere Songs zu bekommen. Aus den sich uns bietenden Möglichkeiten machen wir das Beste. Diesbezüglich sind wir bescheiden.“

Für die Veröffentlichung von „Murderlust“ sind HATESPHERE eine Kooperation mit Massacre Records eingegangen, nachdem die beiden Vorgänger „To The Nines“ (2009) und „The Great Bludgeoning“ (2011) zuletzt noch bei Napalm erschienen sind: „Der Vertrag lief aus und wir haben unsere Optionen geprüft“, sagt Pepe zu den Hintergründen des Wechsels. „Als Künstler sucht man immer das Label, das sich am meisten für einen interessiert und wirklich mit dir zusammen arbeiten will. Bei Massacre hatten wir letztlich das beste Gefühl, also haben wir uns für sie entschieden. Für uns war es wichtig, mit einem etablierten und professionell arbeitenden Label zu kooperieren, das sich mit Bands wie der unseren auskennt und vergleichbare Gruppen im Programm hat. Wir sind davon überzeugt, dass Massacre sich in allen Belangen bestmöglich für uns einsetzen wird und vorbehaltlos hinter uns steht. Mehr kann man als Band von seinem Label nicht verlangen. Nach all den Jahren und Platten dürfte es vermessen sein, davon auszugehen, dass Massacre uns auf ein höheres Level heben könnte. In der Thrash-Sparte kennen uns schließlich schon die meisten Hörer.“

Die Meldung über die Zusammenarbeit mit Massacre war wenige Tage vor dem Gespräch ans Licht der Öffentlichkeit gedrungen, gemeinsam mit der Ankündigung der achten Platte der Dänen: „Das Album kennt bislang quasi niemand, doch das Interesse zieht spürbar an. Es gehört dazu, warten zu müssen. Daran, dass zwischen dem Ende der Aufnahmen und dem regulären Erscheinen teilweise viel Zeit vergeht, muss man sich gewöhnen, auch wenn es nicht leicht fällt. Wir nutzen die Spanne, um uns vorzubereiten und die PR-Maschine anzuwerfen. Stückchenweise kann man Infos streuen und die Spannung bis zum Release immer mehr steigern. Darin verstehen wir uns inzwischen ganz gut.“

Davon, neue Songs schon live zu spielen, sehen HATESPHERE gegenwärtig ab, nachdem die Feuertaufe mit Schmerzen für den Gitarristen endete: „,Fear Me‘ wollten wir schon live spielen, doch das lief nicht so, wie geplant. Ich habe mir fast den Finger gebrochen. Viel fehlte wirklich nicht, also haben wir den Song wieder aus dem Set genommen. Als schlechtes Omen werten wir das aber nicht. Stattdessen haben wir das zum Anlass genommen, noch intensiver zu proben, damit wir das neue Material dann, wenn es drauf ankommt, auch ohne Probleme auf die Bühne bringen können.“ Das Missgeschick überrascht, denn eigentlich sollten die Dänen ihren Stil nach all den Jahren aus dem Effeff beherrschen und auf Routine setzen können: „Wir lassen uns im Songwriting und auf der Bühne von unserem Bauchgefühl leiten und vertrauen auf unsere Intention und Erfahrung“, so Pepe. „Wenn sich die Songs richtig anfühlen, sind sie auch gut – wenigstens unserem Verständnis nach. So haben wir zu dem Stil gefunden, den die Leute mit HATESPHERE verbinden, denn das ist, was wir sind. Innerhalb der Band müssen wir uns darüber nicht mit Worten verständigen. Er stellt sich ganz von allein ein. Natürlich profitieren wir inzwischen von den Erfahrungen aus mehr als zehn Jahren. Es dauert heute nicht mehr so lange, neue Songs zu schreiben, weil wir wissen, wohin wir wollen. Und auch die Vorbereitung auf Touren geht deutlich schneller. Auch können wir weitaus besser abschätzen, ob Ideen brauchbar und gut sind, oder nicht. Das war zu Beginn ganz anders, was mir zeigt, dass wir etwas erreicht haben. Kleine Pannen gehören aber mit dazu.“

…unerwartete Akzente, mit denen das Quintett seinen Trademark-Sound anreichert, ohne es zu übertreiben, aber auch. Thrash Metal steht bei HATESPHERE an erster Stelle, doch wenn es passt, geht es auch schon einmal über das Genre hinaus: „Gelegentlich wird uns vorgeworfen, dass sich unsere Songs zu ähnlich anhören, doch diese Kritik empfinde ich als unfair“, zeigt sich der Bandkopf überzeugt. „Wir selbst wollen doch auch nicht immer nur dasselbe spielen und verändern aus eigenem Interesse kleine Dinge, um motiviert zu bleiben. Dass die grundlegende Ausrichtung dennoch dieselbe bleibt, schafft die ebenfalls nötige Konstanz und ist der Grund dafür, dass so viele Leute unsere Entwicklung über die Jahre begleitet haben. Für sie und uns schreiben wir möglichst interessante Songs und ich finde, dass uns das auch gelingt.“ Bis hin zum Muse-Cover ,Assassin‘ präsentieren sich die Dänen auf „Murderlust“ in Bestform, wobei Musik und Texte eine unheilvolle Allianz bilden:

„Die Texte schreibe ich nicht, aber HATESPHERE sind bekannt für Lyrics, die brutal und direkt sind und einen Spiegel der Musik darstellen“, sagt Pepe abschließend. „Wir sind auf allen Ebenen brutal und kompromisslos. In dieser Hinsicht ist es auf dem neuen Album wie immer. Wer uns kennt, weiß, was ihn erwartet.“

 
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