Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1739

The Charm The Fury

Storie von: arne, am 20.09.2013 ]

MetalCore ist nicht tot zu kriegen. Bands wie die Newcomer THE CHARM THE FURY beweisen, dass man im Genre mit Konsequenz und Leidenschaft immer noch fesselnde Songs und Alben schreiben kann. „A Shade Of My Former Self“ heißt das Debüt des Quintetts aus den Niederlanden.

 
Dank der Beteiligung der charismatischen und stimmgewaltigen Sängerin Caroline Westendorp finden die Amsterdamer sofort zu Wiedererkennbarkeit. Für Hörer zwischen Underoath, For Today, Architects und Every Time I Die ist der erste Zwölf-Tracker der Gruppe ein Fest, und es hat seine Gründe, dass THE CHARM THE FURY so durchschlagend debütieren:

„Wir haben über eine Online-Anzeige zueinander gefunden und uns erst einmal angefreundet, bevor wir damit begannen, Musik zu machen“, erzählt die Frontfrau rückblickend. „Wir starteten ohne konkrete Erwartungen, jedoch mit dem festen Vorsatz, erst dann etwas zu veröffentlichen, wenn wir alle davon überzeugt sind, dass es wirklich gut ist. Als wir ,Virtue Of Leadership‘ online gestellt haben, waren die Reaktionen geradezu euphorisch. Da erkannten wir, dass sich uns eine nicht alltägliche Chance bietet. Das verstärkte unsere Motivation und unser Vorgehen: gute Musik zu machen und sie erst ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, wenn sie überzeugt und komplett fertig ist. Diesen Spirit leben wir und versuchen, als Musiker, Songwriter und als Live-Band Stück für Stück besser zu werden.“

Mit dem von anderen Künstlern ungeliebten Label MetalCore gehen die Niederländer in die Offensive, um von Beginn an unmissverständlich heraus zu stellen, was man von ihnen erwarten darf: „Wir stehen dazu und bezeichnen uns selbst als MetalCore“, zeigt sich Caroline selbstbewusst. „Das ist die Musik, die wir spielen. Auf unserer EP „The Social Meltdown“ war es noch eher eine Mischung aus Hardcore und MetalCore. Bei der Arbeit am Album ist der Hardcore dann über Bord gegangen, so dass wir heute reinen MetalCore spielen. Unser MetalCore ist catchy, aber doch klar MetalCore und nichts anderes. Andere Musiker haben mit dieser Kategorie ein Problem, weil es heute häufig mit Haarspray-Beatdown-Bands verbunden wird. Doch es gibt so tolle Gruppen wie Underoath oder Killswitch Engage. Für uns ist es eine Ehre, in demselben Genre wie sie unterwegs zu sein.“

Der Schritt, den Hardcore-Einschlag im eigenen Sound herunter zu fahren, erfolgte unbewusst. Gleichzeitig folgen THE CHARM THE FURY damit aber einer Entwicklung, als deren Folge beide Core-Spielarten heute voneinander getrennt existieren: „Hardcore und MetalCore haben sich auseinander entwickelt, das stimmt, und bestehen auch hier in den Niederlanden in verschiedenen Szenen“, bestätigt die Sängerin. „Der Graben zwischen beiden scheint mir gegenwärtig größer als jemals zuvor zu sein, was meiner Ansicht nach auf den Erfolg einiger MetalCore-Gruppen im Mainstream zurück zu führen ist. Im Hardcore beruft man sich auf die die DIY-Attitüde und lehnt so etwas schlichtweg ab. Inzwischen muss man sogar von einem ausgeprägten Hass zwischen Anhängern


beider Szenen sprechen. MetalCore wird belächelt und verunglimpft. Die Vertreter werden des Sell-outs beschuldigt und als schlechte Songwriter dargestellt. Hingegen wird die Hardcore-Szene als einzig wahrer Underground glorifiziert, der abgeschottet bleiben muss. Diese Ansicht kann ich zu einem gewissen Grad nachvollziehen, doch man muss auch realistisch bleiben: im MetalCore funktioniert es genauso wie im Hardcore. Wir unterstützen uns gegenseitig, organisieren Shows und halten in der Szene zusammen. So weit auseinander liegen wir letztlich gar nicht, nur kommt eben Metal hinzu.“

THE CHARM THE FURY versuchen, einen Beitrag zu leisten, die Barrieren wieder einzureißen: „Meiner Ansicht nach ist es nicht förderlich, sich auf eine bestimmte Szene festzulegen und seine Augen und Ohren gegenüber allem anderen zu verschließen – weder für Bands noch für Fans. Für Gruppen geht das schon dann nicht mehr, wenn man ernsthaft beginnt, überregional zu touren und bestrebt ist, den Namen seiner Band bekannt zu machen. Und wer es ehrlich betrachtet, muss eingestehen, dass der Zusammenhalt der einzelnen Szenen zu einem großen Teil nur noch ein Mythos aus früheren Tagen ist. Neid und Missgunst sind heute überall an der Tagesordnung. Früher bin ich mehrfach in der Woche auf Shows gegangen, wobei es egal war, wer spielte und welcher Stil es war. Man hat Spaß mit seinen Freunden gehabt und Hardcore, Punk und Metal gehört. Oftmals haben ganz verschiedene Bands direkt hintereinander gespielt. Heute erlebe ich so etwas leider nicht mehr.“

Auf „A Shade Of My Former Self“ kommt dafür einiges zusammen, was der Frontfrau zufolge kein Zufall ist: „ Wir versuchen, unseren MetalCore interessant anzulegen und die Leute zu interessieren. Den Fokus legen wir auf die Melodien und die Dynamik. In unseren Songs verarbeiten wir unsere Gefühle. Das ist die Grundbedingung dafür, ein aufrichtiges Album zu erschaffen. Die Emotionen müssen echt sein. Hauptsongwriter ist unser Schlagzeuger Mathijs Tieken, der immer viele Ideen hat, die er dann mit unserem Gitarristen Rolf Perdok weiter spinnt. Das Zusammenspiel der beiden ist dafür verantwortlich, dass sich der Sound herausgebildet hat, der das Album prägt. Es gibt zwar keinen festgelegten THE CHARM THE FURY-Stil, doch die Verbindung ist meiner Ansicht nach deutlich zu spüren. Wir sind immer melodisch und leidenschaftlich unterwegs, achten aber auch darauf, dass es schön heavy zugeht. Überdies schaffen wir Verbindungen über die gesamte Spielzeit hinweg. Bestimmte Themen kommen und gehen und finden sich über das ganze Album hinweg. Als Band mit Sängerin fällt man im MetalCore zusätzlich auf. „Sex sells!“ ist ein gängiger Slogan, an dem durchaus etwas dran ist, wie wir feststellen konnten.“

 
 Links:
  facebook.com/thecharmthefury
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Carnifex
  Sum 41
  Art Of Dying
  Crown The Empire
  Heart Of A Coward

Interviews/Stories:

  Tluf
  Full Of Hell
  The Butcher Sisters

Shows:

  20.06. Darkness - Bussfeld
  21.06. Jaded Heart - Duisburg
  21.06. Corrosion Of Conformity - Netphen
  22.06. The Prophecy 23 - Bussfeld
  22.06. Emerald - Weselberg