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Ulcerate

Storie von: arne, am 16.09.2013 ]

Das Trio aus Neuseeland verbindet die rohe Kraft des Death Metal mit einer apokalyptischen Atmosphäre und undurchdringlich scheinenden Düsternis, um zu seinem fesselnden, verstörenden Sound zu gelangen. Mit „Vermis“ erscheint das erste Album von ULCERATE für Relapse Records, was den Bekanntheitskreis der Band nochmals vergrößern dürfte.

 
Spätestens seit der 2011 Scheibe „The Destroyers Of All“ auf Willowtip sollte man das Dreiergespann kennen, sofern man sich für extremen, vorwärts gerichteten und ein Stück weit neuartigen Death Metal interessiert. Völlig zu Recht skizziert das neue Label das Treiben von ULCERATE als „düstere Denksportaufgabe und Beispiel dafür, wie kreativ und herausfordernd die Death Metal sein kann, ohne stumpf oder gekünstelt zu klingen.“ Schlagzeuger Jamie Saint Merat findet sich in dieser Beschreibung dann auch wieder: „Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, bin ich weder zurück geschreckt noch war ich befremdet darüber, was Relapse da über uns schreibt. Es passt schon. Kreativität und der Vorsatz, fesselnden, anspruchsvollen Metal zu spielen, sind bei uns zweifellos gegeben. Ob es aber schon zu viel des Guten ist oder gegebenenfalls vielleicht doch auch stumpf ausfällt, müssen die Hörer entscheiden.“

So oder so spielt die Formation aus Auckland auf „Vermis“ mit voller Vehemenz auf und präsentiert sich zielgerichtet und rücksichtslos: „Mit der Zeit hat sich unsere Vorstellung davon, was wir spielen wollen, verfeinert, wodurch wir den Fokus verengen konnten“, erklärt Jamie. „Wir wollen einen gefährlichen Death Metal spielen, der keinen Grenzen unterworfen ist und sich über diesen Stil hinaus entwickelt. Diesem Ideal fühlen wir uns verschrieben, wobei wir diesen Anspruch dieses Mal so konsequent wie nie verfolgt haben; mehr als auf unseren früheren Alben.“ Die Konstellation von drei Leuten, die sich und ihre Vorlieben in und auswendig kennen, macht das Arbeiten leicht: „Wenn wir in der Vergangenheit über einen längeren Zeitraum mit einem vierten oder fünften Musiker gearbeitet haben, waren diese nie fester Teil der Band und auch nicht am Songwriting beteiligt. Das geschieht bei uns von jeher in der eingeschworenen Dreierbesetzung, in der wir schnell und effektiv arbeiten. Wie drei teilen dieselbe Leidenschaft und Ungeduld in Bezug auf das Songwriting und alle anderen Belange der Band. Weitere Mitglieder würden uns nur stören.“

Nicht nur in dieser Hinsicht bekommt man es im Falle von ULCERATE mit einer ein Stück weit anders agierenden Gruppe zu tun: „Wir sind den gängigen Klischees des Metal schon immer aus dem Weg gegangen, sowohl visuell als auch thematisch, wenn es beispielsweise um die Lyrics geht“, so der Schlagzeuger. „Inzwischen scheint es sich aber zunehmend durchzusetzen, auf Authentizität zu setzen und auf Eigenständigkeit abzustellen, anstatt den vermeintlich leichten weg über Klischees und bekannte Muster zu nehmen. Wenigstens gilt das für die Gruppen, mit denen ich uns musikalisch und vom


Auftreten her assoziiere. Das sind beispielsweise Portal, Mitochondrion, Svart Crown, Neurosis, Gorguts und Immolation. Doch auch viele Black Metal-Bands bringen es heute auf den Punkt und entsprechen haargenau meinem Verständnis, wie etwa Antaeus, Aosoth, Drastus, Ascension oder DsO. All diesen Gruppen geht es nicht um ihr Image oder krasse Aktionen. Vielmehr lassen sie ihre Musik für sich sprechen. Es gibt weder Arroganz noch Rock-Star-Gepose, ganz wie bei uns.“

Alles andere würde ohnehin überraschen, wo die Neuseeländer mit einem unbequemen, angriffslustigen und hartnäckigen Sound antreten, der nicht jedermanns Geschmack ist und überdies keinen Platz für große Gesten lässt: „Wir arbeiten hart daran, einen unverwechselbaren Sound zu entwickeln, doch natürlich ist mit diesem noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht“, weiß Jamie Saint Merat. „Ich hätte viele Ideen, was wir tun könnten, wenn es uns nur darum ginge, anders als die Anderen zu sein. Das würde uns aber nicht genug sein. Wir respektieren die Grundlagen unseres Stils und haben sie studiert, um selbst über das hinaus gehen zu können, was vor uns war. Unser Death Metal steht als Kombination all dessen, was wir mögen und schätzen. Uns geht es aber nicht darum, andere zu beeindrucken.“ ULCERATE sind Anhänger des technischen Death Metal, den sie komplex und ideenreich adressieren. Ebenso wichtig ist den Musiker die Erweiterung bzw. Kontrastierung mit Post-Metal-Flächen, musikalischer Suggestion und subtiler Bösartigkeit, was teilweise zu interessanten Brüchen führt:

„Den Rahmen unserer Musikalität haben wir in den vergangenen 13 Jahren definiert. Das werden wir nicht aus Lust und Laune über den Haufen werfen“, sagt der Drummer mit Bestimmtheit. „Am Beispiel der letzten Platte von Morbid Angel hat man gesehen, dass man sich mit seiner Fan-Basis bei zu drastischen Veränderungen von jetzt auf gleich überwerfen kann. Das beschädigt schnell das Vermächtnis einer Band. Wenn man das Gefühl hat, in einem Stil nichts Neues mehr zu sagen zu haben, sollte man weiter ziehen und ein neues Projekt starten. Einen etablierten Namen durch den Schmutz zu ziehen, erscheint mir nicht ratsam. Für uns stellt sich diese Frage ohnehin nicht. Wir folgen den Parametern, mit denen wir die Musik von ULCERATE einst definiert haben. Unsere Alben klingen ja dennoch immer ein wenig anders. Wir adressieren immer wieder andere Aspekte unseres Sounds. Zudem ist es bei uns so, dass die Stücke erst in ihrer Gesamtheit wirken und man nicht einfach ein oder zwei von ihnen entfernen kann. Nur die Einheit des Albums offenbart das ganze Spektrum unserer Musikalität.“

 
 
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