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Dismal Faith

Storie von: arne, am 13.08.2013 ]

Die US-amerikanische Modern-Metal- und MetalCore-Szene inspiriert auch in Italien Musiker dazu, neue Bands zu starten und sich an neuartigen Crossover-Sounds zu versuchen. Die aus Florenz stammenden DISMAL FAITH stellen sich auf ihrem Debüt „Morph“ mit einem agilen Heavy-Mix vor, der eine starke Core-Kante aufweist und genau aus diesem Grund gut angeht.

 
Zwischen Einflüssen von Shadows Fall, Killswitch Engage, Lamb Of God, Trivium und Hatebreed legen die Italiener in ihren Songs teils weite Strecken zurück. Sadist-Chef Tommy Talamanca hat den direkt nach vorne gehenden Ansatz des Quintetts gut produziert und die häufig eingestreuten Monster-Groove-Parts mit ordentlich Druck versehen:

„Im Kontext von DISMAL FAITH bringen wir unterschiedliche Stile zusammen, wie man es auf diese Art und Weise noch nicht versucht hat“, erzählen Schlagzeuger Sikk und Bassist Kochis selbstbewusst. „Das ist unser Damoklesschwert, doch die einschlägigen Erfahrungen aller Beteiligten mit musikalischen Experimenten und Bands zwischen Jazzcore, Punk, NuMetal, Porn-Grind, Prog und Industrial stimmen uns zuversichtlich. Der Hardcore-Lebensstil inspiriert uns, jeden Tag aufs Neue zu genießen, lebendig zu bleiben und für unsere Überzeugungen einzustehen.“ Es gibt viele Bands, die es hassen, mit MetalCore belegt zu werden; nicht so das Quintett aus Florenz: „Das passiert heutzutage oftmals in der Absicht, eine Gruppe schlecht zu machen oder herab zu stufen. Von ignoranten und engstirnigen Leuten lassen wir uns nicht beeindrucken. Das geht auch wieder vorbei. Vor Jahren wurde jeglicher Rock, den man nicht fassen konnte, als Indie-Rock deklariert und irgendwann wollte niemand mehr unter dieses Label fallen. Nun ist es mit dem MetalCore so. Uns stört es nicht, als Core bezeichnet zu werden, denn genau das sind wir. Der moderne Hardcore ist die Grundlage unseres Sounds. Wir sind stolz darauf, eine Core-Band zu sein.“

Ohne die zugrunde liegende Leidenschaft der Musiker und ihren frechen Umgang mit vielerlei härteren Spielarten wäre „Morph“ nur der halbe Spaß. Die Einstellung von DISMAL FAITH macht den Unterschied aus, gerade im Vergleich zu vielen ihrer Landsleute: „Das stimmt. Wir beschweren uns nicht darüber, dass es nur eine kleine Underground-Szene in unserem Land gibt und es auch mit den Clubs nicht rosig aussieht. Das akzeptieren wir und machen das Beste daraus. Wir spielen überall dort, wo sich uns die Chance bietet. Ohne Überheblichkeit kann ich sagen, dass wir deutlich mehr reißen als fast alle anderen Bands um uns herum. Das liegt aber daran, dass wir etwas dafür tun. Wir reden nicht nur, sondern bewegen unsere Ärsche.“ Das ist in Italien keine Selbstverständlichkeit, obwohl allen Musikern und Bands daran gelegen sein sollte, ihre Szene zu pflegen und am Leben zu halten:

„Als wir aufwuchsen, gab es hier nur sehr wenige Leute, die Metal hörten. Man war sozial isoliert und für sich. Das hat bei uns Aggressionen und Frustration aufgestaut, die sich bis heute nicht wieder abgebaut haben. Sie sind die Triebfeder unserer Band und all der anderen Gruppen um uns herum.


Dennoch begreifen etliche Musiker nicht, dass wir eine Gemeinschaft sein sollten, die sich gegenseitig unterstützt, anstatt sich zu bekriegen. Das macht mich rasend vor Wut, denn es ist dumm, falsch und kurzsichtig. Mit DISMAL FAITH haben wir allen Widrigkeiten zum Trotz ein Projekt gestartet, dem wir mit Motivation und inzwischen auch mit Genugtuung nachgehen. Wir glauben an die Zukunft dieser Band und räumen alle Hindernisse aus dem Weg. Unser Core-Crossover erfordert ohnehin vollen Körpereinsatz. Diesen zeigen wir auch außerhalb der Bühne.“

Mit „Morph“ hat das Quintett ein Debüt eingespielt, das seine Basis im Spannungsfeld von Melo-Death und MetalCore findet und ausgehend davon in viele Richtungen wie NeoThrash, Black oder NuMetal vorstößt. Erlaubt ist, was den Italienern einfällt und von ihnen als passend angesehen wird: „Wir haben ein sehr vielschichtiges und abwechslungsreiches Album geschaffen, das all diejenigen interessieren sollte, die etwas Mutiges und anderes hören wollen. Mit unserem bunten Sound werden wir nicht jeden überzeugen, doch wir wollen unsere Experimente mit der Core-Musik so weit treiben, wie es geht.“ Wichtig ist den Musikern dabei die Umsetzbarkeit auf der Bühne, was im kreativen Bereich durchaus Konsequenzen nach sich ziehen kann: „Wir beschäftigen uns mit allen nur denkbaren Stil-Kombinationen, doch nicht alle kommen für unsere Band infrage. Der aktuelle Trend, elektronische Musik mit anderen Genres zu verbinden, ist durchaus spannend, doch in dieser Richtung werden wir nichts unternehmen. Das ist nicht unser Weg, auch wenn wir unseren Sound kontinuierlich erweitern wollen. Uns ist es aber wichtig, dass wir alle Möglichkeiten im Proberaum abklopfen, bevor wir etwas ausschließen.“

Engstirnig sind DISMAL FAITH demzufolge nicht, dafür aber real und mit klaren Prinzipien unterwegs, was ihre Core-Sounds und Texte anbelangt: „Wer unser Debüt hört, muss sich vor Augen halten, dass wir Leute mit ernsthaften Problemen sind, die wir in unseren Songs behandeln. Und zweitens, dass wir gegen jede Art von Fundamentalismus eintreten und sie nicht tolerieren – nicht einmal in der Musik. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann sich „Morph“ anhören.“ Obwohl es Schlagzeuger Sikk und Bassist Kochis zufolge vor den Aufnahmen des Debüts keine konkreten Vorstellungen hinsichtlich des späteren Ergebnisses gab, fällt doch auf, dass praktisch alle Tracks der Florentiner starke Hooks und Refrains aufweisen. Das kann kein Zufall sein:

„An unseren Songs schätze ich besonders die Tatsache, dass sie es förmlich erzwingen, die Lyrics zu lernen, um die Refrains mitsingen zu können. Jeder, der in einer Stadt lebt, in der wir spielen, sollte dies tun und dann lautstark einstimmen.“

 
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