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Unkind

Storie von: arne, am 24.07.2013 ]

Die Finnen von UNKIND sind für ihre düsteren, kompromisslosen Songs im Spannungsfeld von Crust, D-Beat, Hardcore und kratzigem Rock bekannt. „Pelon Juuret“ heißt die zweite Platte des Quintetts für Relapse, die aufbauend auf dem 2011er „Harhakuvat“ eine stilistisch breiter aufgestellte Band präsentiert. Von ihrer direkten Durchschlagskraft haben die Musiker nichts eingebüßt, jedoch spielen sie heute mit (noch) mehr Intensität und Dichte auf.

 
Bei der skandinavischen Gruppe geht es vom Tenor des Materials her verzweifelt und ein Stück weit unbestimmt zu. Neben wütenden Tempo-Attacken tritt der rockige Einschlag im Sound von UNKIND immer stärker zu Tage, wie auch die organischen Schwelge-Parts größere Bedeutung erfahren. Dass Relapse „Pelon Juuret“ für Fans von Kvelertak, Disfear, All Pigs Must Die, Black Breath und Early Graves anpreist, kann Schlagzeuger Saku Tamminen deshalb partiell nachvollziehen:

„Uns mit Disfear zu vergleichen, macht aus offensichtlichen Gründen Sinn. Was die anderen Namen anbelangt, gibt es durchaus Elemente, die man auf sie zurückführen könnte. Doch wenn wir die Stile oder Elemente aus den Songs der Genannten zusammenbringen, erweitern wir sie um eine eigene Note. Ich tue mich schwer damit, Namen anderer Bands zu nennen, um unseren Sound zu erklären.“ Zumal Einflüsse stets vom individuellen Empfinden und Kenntnisstand abhängig sind. Ohne Verweise auf Tragedy, His Hero Is Gone, From Ashes Rise oder Victims geht es im Falle von UNKIND aber nicht. Im Internet beziehen die Musiker ihr Tun auf die finnische „rocking Hardcore-Punk-Tradition“, was der Drummer auf Nachfrage näher erläutert:

„Was die Atmosphäre unseres Sounds anbelangt, sind wir stark von Mana Mana beeinflusst. Der finnische Hardcore der frühen 1980er Jahre hat dieselbe Bedeutung für die Aggressivität und Struktur unserer Songs. Die Band, die den mit Abstand stärksten Einfluss auf UNKIND ausgeübt hat, sind indes Amebix, die aus Großbritannien stammen. Ihr Sound ist unglaublich verzweifelt und hoffnungslos und klingt dabei überaus glaubhaft. So etwas zu erreichen, ist verdammt schwer. Ausgehend von dieser Basis sind unsere Songs zuletzt immer metallischer geworden, da sich unser spielerisches Vermögen entwickelt hat.“ Das stimmt durchaus, doch eine „astreine Metal-Band“ sind die Finnen angesichts der dominanten Gewichtung von D-Beat und Crust noch lange nicht. Auf „Pelon Juuret“ blicken die Musiker aber mehr denn je über die Grenzen im extremen Underground hinweg und präsentieren sich offener und songdienlicher orientiert:

„Es ist meine Hoffnung, dass die Leute unseren Sound als frisch wahrnehmen und ihm positiv gegenüber stehen“, sagt Saku Tamminen. „Denn auch wenn wir mit einem überschaubaren Ansatz antreten, geben wir uns nicht mit dem erstbesten Ergebnis zufrieden und vermeiden es, unsere Songs gleichartig und ermüdend klingen zu lassen. Wenn es Leute gibt, die unsere Verzweiflung und Empörung nachvollziehen können, sind wir als Band erfolgreich gewesen. Mit unseren Tracks überführen wir schließlich unsere Gefühle und


Ängste in Musik.“ Relapse bezeichnet den Stil von UNKIND auch als aggressiven, intelligenten Hardcore, was der Schlagzeuger wie folgt auslegt:

„Wenn wir an neuem Material arbeiten, planen wir die Dinge nur so weit, wie es eben sein muss. Viel lieber verlassen wir uns auf unseren Instinkt, der die Quelle unserer Aggressionen ist. Was Relapse mit intelligent auszudrücken sucht, scheint mir der unkonventionelle Aspekt unseres Sounds zu sein, der neue Hörer ohne Vorwarnung trifft.“ In Teilen erscheint mit „Pelon Juuret” ein unerwartetes Album, aber nur aus dem Grund, weil UNKIND die Zusammensetzung ihres Sound neu gewichten: „Uns ist es wichtig gewesen, eine stimmige Balance zwischen Geradlinigkeit und Härte einerseits und Experimentierfreude andererseits zu erschaffen. Das ist uns gelungen, wobei uns das Ergebnis ebenfalls überrascht hat. In mancher Hinsicht scheint es unser traditionellstes Album zu sein, doch da sind auch progressive Zwischentöne, die eine andere Geschichte erzählen. Um das Wesen unseres Sounds zu verstehen, sollte man sich ,Kehtoon Tapetut’und vielleicht auch ,Olemisen Pelko‘ anhören. Beide Stücke repräsentieren den ultimativen UNKIND-Sound, besitzen aber auch neue Elemente, die einen Ausblick in unsere Zukunft wagen. ,Viallinen‘ muss ich ebenfalls hervorheben, weil dieser Track von unserem normalen Stil abweicht und eine eigene Struktur aufweist. An einzelnen Songs kann ich uns eigentlich gar nicht festmachen. Ich wünsche mir, dass wir als Band mit direktem Zug wahrgenommen werden. Unser Sound stellt eine unheilvolle Einheit dar, aus der einzelne Stücke nicht hervor stechen.“

Das Zweitwerk für Relapse ist dabei das bislang rockigste Release der Finnen, wie Saku Tamminen auf Nachfrage bestätigt: „Das ist mir nach getaner Arbeit ebenfalls aufgefallen. So viele Gitarren-Soli hatten wir in der Vergangenheit nicht. Ansonsten gibt es bei uns weder versteckte Botschaften noch einen höheren künstlerischen Anspruch. Wir überlassen es den Hörern, eine Verbindung zu unserem Sound zu finden oder auch nicht. Grundsätzlich heißen wir jeden willkommen, spielen vor jedem Publikum und in jeder Szene. Wir fühlen uns überall Zuhause, solange wir mit Respekt behandelt werden.“

Was den Hörerkreis von UNKIND anbelangt, hat der Schlagzeuger zuletzt Veränderungen wahrgenommen: „In früheren Tagen haben sich vor allem Leute aus der DIY-Punk- und -Hardcore-Szene für uns interessiert. Das hat sich ein wenig verschoben, und auch Hörer aus dem Metal scheinen unseren Sound zunehmend zu schätzen. Mir ist jeder willkommen, der in unseren Songs etwas findet, das ihn anspricht.“

 
 Links:
  facebook.com/UnkindHardcore
 
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