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Born From Pain

Storie von: arne, am 06.05.2013 ]

Gerade als man sich fragte, ob BORN FROM PAIN überhaupt noch bestehen, gab es auf der Facebook-Seite der Band den Gratis-Download ihres sechsten Albums „The New Future“. Mit zeitlichem Abstand ist das Werk via GSR auch in den Handel gekommen. Geboten wird wütender, aggressiver Metal-Hardcore, dessen Texte zum Widerstand gegen Ungerechtigkeiten und Unterdrückung aufrufen. Fronter Rob Franssen fordert den gemeinsamen Kampf und Solidarität ein und arbeitet sich am Leitthema engagiert und mit deutlichen Worten ab.

 
Auf Facebook schreibt die Gruppe in Großbuchstaben, dass sie „KAMPFBEREIT!“ ist. Der Frontmann führt gerne aus, wofür BORN FROM PAIN einstehen: „Wir kämpfen für eine bessere Welt, gegen die heutigen Machtstrukturen und ganz einfach für mehr Freiheit für uns „normale“ Menschen, für Recht und Gerechtigkeit sowie für all das, von dem es leider immer weniger in unserer Welt gibt.“ Der Musiker, der in der Vergangenheit auch Teil von Feeding The Fire, Bloodsport und Backdraft gewesen ist, glaubt daran, dass Veränderung möglich ist und „The New Future“ Realität werden kann:

„Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass eine bewusstere Gesellschaft entsteht, die Entscheidungen trifft, die für die Menschen tatsächlich gut sind und nicht nur für eine Minderheit von einem Prozent. Sobald das geschieht, wird sich die Gesellschaft verändern und das Zusammenleben bewusster werden. Davon bin ich überzeugt. Das wird vielleicht nicht bei jedem greifen, aber bei der Mehrheit schon. Dann können sich politische Machtstrukturen ändern, und die Anti-Mensch-Ausrichtung überwunden werden, die heute an der Tagesordnung ist.“

Um ihre Positionen und Ansichten zu verbreiten, haben BORN FROM PAIN ihr Album kostenlos ins Netz gestellt. Die „normale“ Veröffentlichung als CD bzw. LP ist den Fans geschuldet, wie Rob erzählt: „Wir wollten erst gar keine physische Platte mehr rausbringen, haben aber so viele Nachfragen bekommen, dass wir uns in Zusammenarbeit mit GSR doch entschieden haben, es zu machen. Klar hat uns das ein paar Verkäufe gekostet, aber das war uns egal. Wir wollten die Songs so leicht und billig wie möglich an den Mann und die Frau bringen, da uns die Message wichtig ist. Die exakte Zahl der Downloads kenne ich nicht, aber wenn du Google-st, kannst du leicht viele Sites finden, auf denen man entweder durch uns veröffentlicht oder durch andere ins Netz gestellte Versionen von „The New Future“ finden kann. Was das angeht, war es schon ein super Erfolg.“

Zufrieden zeigt sich der Musiker auch angesichts der Tatsache, dass die Band nach wie vor besteht: „Dass wir nach all den Trends und Hypes noch immer hier sind und unser Ding machen, ist unsere größte Leistung. Wir lieben es, unsere Songs zu spielen, neue Alben zu schreiben und unsere Meinung zu verkünden. So lange es uns Spaß macht und die Leute da draußen Bock drauf haben, macht das alles Sinn. Für mich persönlich sind das tägliche Leben, die Meinungen, die ich mir bilde, und die Wut, die ich auf bestimmte Sachen habe, der größte Einfluss auf die Songs. Das war immer schon so und wird immer so bleiben. Und Wut habe ich immer noch reichlich. Außerdem will ich auf Biegen und Brechen beweisen, dass man als Band auch außerhalb der Trends und Hypes existieren kann, wenn man etwas zu sagen hat. Jetzt erst recht!“

In der Hardcore-Szene sind BORN FROM PAIN etabliert und anerkannt. Mit Platten auf Metal Blade Records war man vor Jahren – mit einem partiell anderen Sound – in Richtung MetalCore- und Metal-Klientel unterwegs: „Wer kann schon sagen, ob man es verdient hat, bekannter zu sein oder nicht?“, fragt der Shouter. „Wir haben in unserer Karriere vielleicht manchmal falsche Entscheidungen getroffen, aber das ist nicht schlimm. Mir ist der Respekt


von Leuten immer wichtiger gewesen als kommerzieller Erfolg. Auch ist es so, dass wir als Menschen, aber auch als Band, immer offen und ehrlich gewesen sind. Das ist nicht immer die beste Taktik, wenn man möglichst bekannt werden will. Damit haben manche Leute Probleme. Außerdem ist es auch so, dass wir noch nie eine Gruppe waren, die irgendwelchen Trends gefolgt ist. All das zusammen führt vielleicht nicht zu riesigem, kommerziellem Erfolg, doch der Rückhalt unserer Fans war immer gegeben. Womit ich nicht sagen will, dass man es nicht schaffen kann, groß durchzustarten und gleichzeitig den Rückhalt zu bewahren. Dafür gibt es genügend Beispiele. Aber ehrlich gesagt verschwenden wir daran kaum Gedanken. Breiterer Erfolg wäre nur geil, um unsere Message auf einer größeren Ebene zu verbreiten.“

BORN FROM PAIN schätzen ihre Möglichkeiten für ihre Gruppe realistisch ein und wissen, wofür sie inhaltlich stehen und wie sie wahrgenommen werden wollen. In dieser Hinsicht halten sie es Old School-ig: „Unseren Idealen bleiben wir auf jeden Fall treu, ob das jetzt sozialkritische, persönliche oder Prinzipien aus dem Hardcore-Bereich sind. Ich glaube noch immer an die Szene und das man zusammen etwas aufbauen und erreichen kann. Es passiert doch auch eine Menge. Es gibt so viele gute neue Bands und Leute, die aktiv sind, um Shows zu organisieren, etc. Wer sagt, dass ihn die Szene nicht mehr interessiert, hat in ihr auch nix zu suchen. Ein Bäcker sagt doch auch nicht, dass seine Bäckerei ihm nichts mehr bedeutet. Natürlich gibt es immer wieder Trends, deren Anhänger sich für schlauer oder cooler halten als der Rest der HC-Szene – dasselbe gilt für Metal und Punk genauso – und meinen, sie brauchen Andere, die nicht genau so kurzsichtig sind wie sie selbst, nicht (mehr). Das ist schade, aber ich denke nicht, dass das die Mehrheit ist. Klugscheißer mag außerdem niemand. Baut gemeinsam auf, inspiriert euch gegenseitig, respektiert, was und wer vor euch war und macht zusammen das Beste daraus!“

Seitdem Rob bei BORN FROM PAIN das Mikro in der Hand hat, steht die HC-Tradition wieder zentraler, was sich nicht allein in den sozialkritischen Texten äußert, sondern auch im Wechsel straighter HC-Prügel-Passagen und typischer Mosh-Parts. Das Umfeld hat sich ebenfalls gewandelt:

„Als wir angefangen haben, war alles viel mehr Underground. Hardcore ist inzwischen größer und zugänglicher, was nicht schlimm ist. Ich finde es gut, dass dadurch mehr Leute mit ihm in Kontakt kommen und sich vielleicht für ihn interessieren. Hardcore als Überkategorie ist populärer als jemals zuvor, doch ich sage bewusst Überkategorie und Sammelbecken. Vieles, was heutzutage als Hardcore gilt oder „verkauft“ wird, ist für mich kein Hardcore. Damit meine ich nicht so sehr die Musik, sondern eher die Attitüde, die bestimmte Bands oder Sub-Szenen mit sich mitbringen. Da ist kein Respekt für die Wurzeln und Grundgedanken. Die Leute kennen die Roots nicht. Das ist nicht elitär gemeint, jeder soll machen und tun, was er will, doch es stört mich, dass man sich als etwas „verkauft“, was man nicht ist. Wenn Rindfleisch draufsteht, soll es auch drin sein und kein Pferdefleisch. Es gibt heutzutage leider viel Pferdefleisch in der Szene.“

 
 Links:
  bornfrompain.com
 
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