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Benea Reach

Storie von: arne, am 02.05.2013 ]

In Skandinavien ist es BENEA REACH bereits gelungen, sich nachhaltig in der Metal-Szene zu etablieren. Auf dem europäischen Festland und im internationalen Kontext gilt es für die Norweger allerdings noch, nachzulegen. Das Quintett ist für die Veröffentlichung seines neuen Albums „Possession“ von Tabu zu Spinefarm gewechselt. Zwischen Post-Hardcore, Prog- und Dark-Metal, MathCore sowie Alternative-Rock entwickelt sich das Drittwerk der Osloer Band als vielschichtige, feingliedrige und spannende Platte, die unglaubliche Tiefe und Intensität erlangt.

 
BENEA REACH sind im Jahr 2003 von Schlagzeuger Marco und Sänger Ilkka gegründet worden, nachdem sich ihre vorherige Hardcore-Band Selfmindead aufgelöst hatte. Die neue Gruppe sollte bewusst stärker in Richtung Metal gehen. Diese Absicht bestimmt die Aktivitäten der norwegischen Formation bis heute: „Zusätzlich ist uns inzwischen auch daran gelegen, das metallische Spektrum zu erweitern und eine komplexere Art von Musik zu machen, die möglichst natürlich klingt,“ erklärt Bassist Mikael Wildén. „Unsere Hörer sollen eine energische Band erleben, deren Musik auch Entspannung ermöglicht. Dafür muss man ja nicht unbedingt sofort heraushören, welche Taktarten wir gerade spielen. Unser Ansatz schließt es nicht aus, dass wir Hörer heftig hin und her werfen und innerhalb der Songs zwischen verschiedenen Stilen und Stimmungen rasch wechseln. Diese Philosophie lag bereits unserem letzten Album „Alleviat“ zugrunde. Mit „Possession“ entwickeln wir sie nun weiter.“

Vertracktes, sperriges Songwriting und düster-schöne Melodien, die ins Ohr gehen, schließen sich auf der Platte nicht aus. Die Musiker sind zumeist auf mehreren Ebenen gleichzeitig unterwegs und erschaffen so Tracks, die an Mantric, Extol, Burst, Cult Of Luna, Meshuggah und Breach denken lassen:

„Wir bieten mit unseren Songs das an, was uns fordert und unsere Fähigkeiten und Präferenzen widerspiegelt“, äußert der Musiker. „Da unser Sound häufig als progressiv bezeichnet wird, erwarten einige Leute besondere handwerkliche Fertigkeiten oder durchgängig anspruchsvolle Strukturen. Sie werden vielleicht enttäuscht sein, denn für uns ist das Erschaffen von Stimmungen und eines flüssigen Sounds weitaus wichtiger. Als progressiv verstehe ich uns weniger, und was bedeutet das konkret? Eher die Richtung Yes, Rush und Jethro Tull oder doch lieber Mastodon, Meshuggah und Opeth? Glücklicherweise sind die Hörer beider Richtungen aufgeschlossen und an Neuem interessiert. Vielleicht passt es also doch.“ BENEA REACH präsentieren sich auf „Possession“ songdienlich ausgerichtet und nicht damit beschäftigt, in ein bestimmtes Sub-Genre zu passen oder es irgendwem recht zu machen:

„Unsere Kraft verwenden wir lieber darauf, uns kreativ auszudrücken“, bestätigt Mikael die Vermutung. „Bei den ganzen Stil-Bezeichnungen verliert man ohnehin den Überblick. Es ist doch praktisch nicht mehr möglich, eine Band näher zu charakterisieren, wenn man es weiter als nur auf Metal eingrenzen möchte. Um BENEA REACH zu umschreiben, braucht man in jedem Fall eine lange Liste an Bezeichnungen, denn unser Sound ist vielschichtig und divers. Was ich allerdings nicht abkann, sind einseitige und ungerechte Verkürzungen, die dazu führen, dass man bei Leuten keine Chance hat, ohne dass sie einen gehört haben. Sei es nun, weil man angeblich nicht djenty genug oder zu sehr MetalCore ist.“

An fordernden, spannenden Sounds muss man indes interessiert sein, wenn man sich mit „Possession“ beschäftigen möchte. Das neue Album der Osloer besitzt ungemein viele Facetten und ist weder leicht zu entschlüsseln noch kurz zusammen zu fassen: „Wenn ich in unser Umfeld blicke, sehe ich eine Verbindung zu Shining, die die Absicht hegen, Black Metal und Jazz auf neue Art und Weise miteinander zu verbinden“, findet der Bassist. „Wenn es darum geht, den eigenen Horizont zu erweitern, sind sie eine tolle Inspirationsquelle. Die frische Attitüde, mit der Insense verschiedene Stile zusammen bringen, ohne sich vor neuartigen Kombinationen und Sounds zu fürchten, beeindruckt mich ebenfalls. Spaßhaft haben sie sich mit dem Label „einwandfreier norwegischer Metal“ versehen. Darunter würde ich uns ebenfalls fassen. Das, was Meshuggah vor und besonders auf „None“ getan haben, übt ebenfalls einen starken Einfluss auf mich aus und hat meinen Anspruch an unsere Musik definiert. Ansonsten kann ich den Finger nicht genau auf das legen, was mich maßgeblich geprägt hat. Ich würde ohnehin nicht sagen, dass wir uns bewusst bei dem einen oder anderen Act bedienen oder irgendeiner Tradition verpflichtet sind. Das fließt eher auf einer unbewussten Ebene mit ein. Damit behaupte ich nicht, dass


unser Sound völlig anders oder neuartig ist. Die Art und Weise, wie wir unsere Stimmungen erschaffen und Einflüsse miteinander kombinieren, sehe ich aber durchaus als innovativ an.“

Anders als noch beim 2008er „Alleviat“ agieren BENEA REACH auf ihrem Drittwerk mit voller Konsequenz und scheuen sich nicht davor, der beachtlichen Komplexität ganz selbstverständlich subtile Poppigkeit und zwanglose Rockigkeit gegenüber zu stellen. Dergestalt entstehen wirkungsstarke Kontraste und schlichtweg großartige Post-Sounds: „Es gibt einige Stile, die wir bislang nicht in unseren Sound integrieren konnten, auch wenn ich das gerne getan hätte, weil ich es mir spannend vorstelle. Doch Bluegrass und Klezmer-Musik werden wohl niemals Einzug in unsere Songs finden. Es passt einfach nicht zu den Stimmungen, die wir erzeugen. Zumeist geht es bei uns ja heftig und energetisch zu. Zwischendurch setzen wir durchaus seichtere Passagen, um den Hörern und uns ein Durchschnaufen zu ermöglichen, doch diese Parts nehmen niemals zu viel Raum ein. Letztlich sind wir vor allem eine Heavy-Band.“

In ihrem Songwriting nehmen sich die Norweger die nötige Zeit und überstürzen nichts. Die reflektierten Kompositionen von BENEA REACH entwickeln sich gewöhnlich langsam und erfahren mehrere Bearbeitungen, bevor sie irgendwann fertig sind, wie der Bassist berichtet: „Zumeist bringt ein Mitglied seine Idee für einen Track ein, wenn sie schon weit fortgeschritten ist. Dann beschäftigen wir uns intensiv mit ihr und entscheiden, ob es sich lohnt, damit weiter zu arbeiten oder nicht. Geht es weiter, schlagen wir anderen dem Initiator des Stücks Riffs, Arrangements und Details vor. Er ist es dann, der den Song allein fertigstellt. Als Band spielen wir neue Lieder erst, wenn sie ihren finalen Staus erreicht haben, jedoch niemals vorher. Dieser Prozess ist langwierig und kann von einigen Wochen oder Monaten bis hin mehreren Jahren dauern. So bleibt genug Zeit, abzuschätzen, ob etwas funktioniert oder nicht. Zusätzlich binden wir anschließend ausgewählte Freunde und Musiker mit ein, von denen wir uns konstruktive Kritik versprechen. Sie hören die fertige Pre-Produktion und sind gebeten, ehrliches Feedback zu geben. Das kann durchaus hart ausfallen und dazu führen, dass wir Änderungen vornehmen. Es ist sicherlich nicht die effizienteste Arbeitsweise, Songs erst dann als Band zu proben, wenn sie bis zum letzten Detail hin fertig ausgearbeitet sind. Jedoch passiert es nur selten, dass wir Parts nachbearbeiten müssen, weil sie zu schnell, hart oder feingliederig sind, um sie tatsächlich auch live umzusetzen.“

Das beschriebene Prozedere bedingt ein stabiles Line-Up, das auf Vertrauen und einem geteilten Verständnis des Band-Sounds basiert. Mikael Wildén zufolge ist bandintern beides gegeben: „Gegenwärtig ist unser Line-Up stabil. Ich hoffe auch, dass es so bleibt. In der Vergangenheit gab es immer wieder Veränderungen, doch nun scheinen wir eine gefestigte Einheit zu sein. Marco (Drums) und Ilkka (Gesang) sind Gründungsmitglieder. Martin (Gitarre) ist noch vor dem Debüt dazu gekommen. Ich selbst bin seit 2007 dabei, zwei Jahre länger als unser zweiter Gitarrist AB. Thomas komplettiert BENEA REACH seit 2011. Ohne sein Keyboard-Spiel wäre die Ausweitung unseres Sounds nicht möglich gewesen. Anfangs schrieb Marco alle Songs allein. Heute stammt die Mehrzahl der Tracks noch immer von ihm, doch jeder von uns bringt sich inzwischen intensiv ein und ist am Arrangieren der Track beteiligt.“

Bei Veröffentlichung eines Albums spiegelt dieses jeweils den Sound der Norweger zu diesem konkreten Zeitpunkt wider. Anschließend entwickelt er sich jedoch weiter, so dass auch das Drittwerk wieder nur eine Momentaufnahme ist: „Diese Veränderungen forcieren wir nicht bewusst. Sie passieren einfach. Im Vorfeld von „Possession“ hatten wir uns lediglich darauf verständigt, dass wir auch schnellere Parts mit auf dem Album haben wollten. Sonderlich prominent kommt das nicht einmal zur Geltung, doch einige Riffs sind die schnellsten, die wir bislang aufgenommen haben. Daneben hat es keine weiteren Absprachen oder Vorgaben gegeben.“

 
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