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In Case Of Fyr

Interview von: arne mit Mo und Ken, am: 08.04.2013 ]

„Metalcore ist, wenn man‘s trotzdem macht!“ Die Hannoveraner stellen ihr Spiel selbstbewusst unter diese Losung. Doch warum tun sie das? Ja gut, da sind durchaus typische Elemente und Parts, doch würde man die Gesamtheit von „Bitter And Betrayed“ nicht ausschließlich, nicht einmal mehrheitlich, in den Core-Kontext rücken. Die Niedersachsen dürften eher einem klassischen Metal-Background entstammen und den modernen Anstrich sowie Breakdowns, Hardcore-Shouting etc. mit in den Mix nehmen, weil sie schlichtweg passen, das Ergebnis bereichern und für weitere Abwechslung sorgen.

 

Musicscan: Stellt eingangs doch bitte mal die Grundhaltung vor, aus der heraus Ihr mit In Case Of Fyr aktiv und unterwegs seid. Was treibt Euch an? Was seid Ihr für Typen? Warum habt Ihr die Band laufen?

In Case Of Fyr: Ich würde da gerne mit einem Zitat aus einem Song unserer Buddies HONG FAUX aus Schweden starten. 'oh the bliss of making noise - of not having a choice'. Ist zwar aus dem Zusammenhang gerissen, aber passt irgendwie. Krach zu machen bringt eine Glückseeligkeit oder Befriedung mit sich und ist gleichzeitig eine Sucht der man sich nur schwer entziehen kann. Also eine Leidenschaft, eine Obsession. Wir sind alle seit frühester Kindheit Musikjunkies und Fans und haben immer die Rockstars unserer Zeit bewundert/beneidet. Der Wunsch auf der Bühne zu stehen treibt uns an. Der Energie Austausch mit dem Publikum, wenn die Show richtig rockt, die Songs auf ihren Höhepunkten sind und alles kracht, daß ist es worum es geht. Klingt albern-romantisch, ist aber so. Wir machen das ja schon ein paar Jahre. Man verdient kein Geld damit, im Gegenteil – es kostet Geld, zu Weltruhm wird man es auch nicht bringen, aber der Live Rausch - das ist der Motor. Darum gehts. Ich meine, selbst wenn man nur im Proberaum steht und einen neuen Song zockt, man macht die Augen zu und stellt sich den Crowd vor und wie man selbst schweißtropfensprühend die Matte schwingt.

In Case Of Fyr: Hauptantrieb ist der Spass an der Musik und vor allem natürlich das Livezocken. Wir sind alle absolut verschiedene Typen, nicht nur vom Musikgeschmack, auch charakterlich. Das führt immer wieder auch zu Spannungen, aber vielleicht ist es auch genau das was uns über die vielen Jahre immer noch zusammenhält. Wir haben schon viele andere Bands aus unserem Dunstkreis kommen und gehen sehen.

Musicscan: Scheinbar als Losung und Motto gebt Ihr aus: Metalcore ist, wenn man‘s trotzdem macht! Warum aber? Metalcore ist viel zu eng, um Euch stilistisch zu fassen. Welche Hintergedanken habt Ihr da gehabt? Welche Reaktionen fährt man auf ein solches selbstbewusstes Statement ein?

In Case Of Fyr: Wir haben das als Motto gewählt um den Leuten, speziell der Presse, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Metalcore ist nach dem Hype halt zu einem Unwort in den einschlägigen Medien geworden. Noch eine Band mit Breakdowns und wechselndem Gesang zwischen Melodie und Gebrüll – KSE Rattenschwanz.... Viele dieser Bands haben dann behauptet sie seien Thrash-Melodic-Death oder nur Metal oder Göteborg was weiß ich was, aber unterm Strich, sobald cleane College-Rock Vocals/Melodien kommen, zack (!) biste Metalcore. Haben wir immer wieder gehört, obwohl wir uns selbst viel differenzierter sehen. Um dem vorzubeugen, haben wir diesen Spruch in unsere Info aufgenommen. Und siehe da, plötzlich sagen alle wir wären doch eher untypisch für Metalcore. Oder hätten nur ein paar Elemente aus der Richtung.

In Case Of Fyr: Das siehst du ganz richtig, das Metalcorekorsett ist wirklich zu end für uns, aber wir benutzen in unserem Sound viele stilprägende Elemente des Metalcore und so wird man auch schnell in diesen Topf geworfen.

Musicscan: Ich selbst sehe Euch musikalisch eher in der Nähe des modernen US-Ostküsten-Metals, Death und Thrash Metal, der mit einer guten Portion Hardcore versetzt wird. Trifft es das nicht besser? ,-)

In Case Of Fyr: Für uns ist das ein großes Lob und geht runter wie Öl.. Vielen Dank, es ist schön das von einem Szenekenner wie dir zu hören. Hätten wir das in die Info geschrieben, hätte es Kritik gehagelt. Also nicht von dir, aber sicher von dem einen oder anderen Kollegen.

In Case Of Fyr: Ich glaube das könnte man nicht besser ausdrücken!

Musicscan: Bisweilen soll es ja noch immer Akzeptanzprobleme seitens des traditionellen Metal-Publikums oder in anderem Kontext von engstirnigen HC-Hörern geben, die Bands nicht ernst nehmen, wenn sie stilübergreifend und mit Core- oder zu viel Metal-Zutaten unterwegs sind. Ist das auch für Euch immer noch ein Problem? Wie reagieren die Leute auf Konzerten? Wer mag Euch, wer lehnt Euch ab?

In Case Of Fyr: Ja, die Probleme kennen wir. Allerdings mehr auf dem Papier, wie die oben angesprochene Presse. Ist schon klar, dass wir bei einem Blind Guardian Fan sicher unten durch sind und bei nem Agnostic Front Experten sicher auch. Es gibt halt Hörer, die klare Grenzen in ihrem Geschmack ziehen. Was auch voll OK ist. Bei Konzerten kommen wir allerdings immer ganz gut weg. Da bangt auch mal der Kuttenträger neben dem baggy-pants-cap Träger. Wir haben seit Jahren eine Coverversion von Ultravox im Gepäck. Wenn wir Dancing With Tears In My Eyes spielen, hat das eine versöhnliche Wirkung auf alle Muckerpolizisten und Genrereiter. Ein guter Pop Song bringt alle an einen Tisch.

Musicscan: Aus welchem Selbstverständnis heraus spielt Ihr gegenwärtig auf – eher Metal-Band mit HC-Attitüde oder vielleicht mehr Extrem-Metal-Kombo? Wie hat sich das im Zeitverlauf gegebenenfalls verschoben?

In Case Of Fyr: Wir sehen uns als Metal Band mit HC und Rock Elementen. Die meisten von uns kommen aus dem 80'er Metal, speziell die Gitarren sind davon stark beeinflusst (wie eigentlich bei jeder irgendwasMetal Combo), wir haben uns aber nie vor modernen Elementen verschlossen. Als wir die Band gegründet haben, haben wir mit Post-Nu-Metal rum experimentiert, aber am Ende brach der Metal seine Bahn. Da wir auch auf Grunge, Punkrock und Hardcore stehen, ist das auch mit eingeflossen, was man besonders am Gesang oder einigen Harmonien hören kann. Wir haben das Songmaterial auch mal von einem Thrash-, einem Old School Metal- und von einem Rock Sänger besingen lassen. Es ist schon interessant wie sehr der Gesang letztlich den Style vorgibt. Besonders spassig ist die King Diamond Version von dem Song 'Distress'. Anyway – die Songs sind ganz klar auf den Style unseres Sängers geschrieben und funktioniert so auch am besten. Aber es sind nur wenige Schrauben die man stellen muss, um komplett anders zu klingen.

In Case Of Fyr: Ja, mitlerweile finden mehr klassische Metal Elemente den Weg ins Songwriting.

Musicscan: Bitter And Betrayed ist ja nun schon eine kleine Weile draußen. Was gibt es zur Rezeption und zum Feedback zu sagen? Haben sich Eure Erwartungen diesbezüglich erfüllt? Wie soll/kann es nun beim neuen Album noch weiter gehen? Welche Reaktionen sind warum besonders hängen geblieben?

In Case Of Fyr: Die Presse Reaktionen sind sehr gut soweit. Wir haben natürlich auch Kritik einstecken müssen, was OK ist und meist wurde nichts gesagt, was wir nicht schon wussten ;-). Ansonsten sind wir soweit wirklich zufrieden. Auf unserer Facebook Seite haben wir immer mal wieder Quotes aus den Rezis gepostet. Falls sich jemand ein Bild machen möchte oder ein Like loswerden will: www.facebook.com/incaseoffyr Wir konnten auch Radio Airplay verzeichnen und derzeit arbeiten wir dran die Club/DJ Charts zu knacken. Ist schwer, viel Konkurenz im Moment. Das DJ Feedback ist cool, es scheint den einen oder anderen auf die Tanzfläche zu ziehen. Besonders hängengeblieben ist die Legacy Rezi mit 11/15 Punkten, also doch eindeutig im oberen Drittel. Und der Rock Hard Soundcheck. Sechstletzte oder so, also gab es in dem Monat fünf Bands die beschissener waren als wir, hahar! Meine Lieblingsrezi kam vom Piranha: ...eine junge Truppe die mit Macht, Riffgewalt und einer Extraportion Agression in die Metalcore Arena stürmt, um gleich mal ein paar Köpfe abzureißen.. Jawohl ;-) Ansonsten sind wir gerade auf der Suche nach internationalen Partnern um die Scheibe auch im Ausland zu veröffentlichen. Und wir suchen noch eine Booking Agentur. Hm, wie siehts aus? Jemand? Booking, ja? ;-)

Musicscan: Wie ist es generell, neue Songs zu schreiben, neue Killer-Riffs zu finden und generell nicht in die Routine zu verfallen, die sich nach einer geraumen Zeit bei jeder Band einschleift? Wie stellt Ihr sicher, hungrig zu bleiben und immer an die Schmerz-/Leistungsgrenze zu gehen, um möglichst gute Songs abzuliefern?

In Case Of Fyr: Viel Musik hören und zwar querbeet, aus allen Jahrzehnten und aus allen Richtungen, Inspirationen sammeln, manchmal nur rumalbern, da sind schon coole Dinger bei rumgekommen. Die technische Leistungsgrenze versuchen wir möglichst nicht zu erreichen, ist immer Scheiße wenn du mehr spielen willst, als du kannst. Von der Routine können wir uns nicht freimachen. Wir sind berufstätig und haben nicht ewig Zeit um Songs am Fließband zu schreiben. Wir merken sehr schnell ob wir einen guten Tag zum Schreiben haben oder nicht. Wir machen uns da keinen Druck.

In Case Of Fyr: Das ist wirklich schwer, man hat oft das Gefühl alles schon mal gespielt oder gehört zu haben. Nach dem Album versuchen wir mit ganz neuer Taktik ans Schreiben zu gehen, probieren auch Sachen aus die vielleicht nicht offensichtlich zum Stil passen. Wir wollen kein zweites BAB machen.

Musicscan: Welche Art von Shit-/Qualitätsfilter habt Ihr, oder anders: Was muss ein Song haben, damit er als gut befunden und weiter verwendet wird? Gibt es auf Bitter And Betrayed auch Songs mit kleinen Schwächen, oder seid Ihr von allen 100 % überzeugt?

In Case Of Fyr: Der Shit-/Qualitätsfilter sind wir als Band. Fünf Leute zufrieden zu stellen ist eine gute Hürde an der Bullshit Ideen hängen bleiben. Klar fallem einem nach Album-Fertigstellung Dinge auf, die man vielleicht anders machen würde. Und es gibt Songs die sind schwächer als andere, aber zeig mir eine Band die 100% mit allem zufrieden ist, oder wo alle Songs perfekt sind. Klar gibt es das ein oder andere Götteralbum, aber ist doch eher selten. Ich habe neulich mit Steven Wilson (Porcupine Tree) gesprochen. Er hat gesagt, er würde sich seine Alben nach der Masterabnahme nie wieder anhören. Das hilft vielleicht ;-)

Musicscan: Gibt es irgendwelche grundlegenden Hintergrundinfos, die man kennen sollte, um ein besseres Verständnis für Eure Platte entwickeln zu können?

In Case Of Fyr: Zwei Gitarren, Drums, Bass und Gesang. Am besten klingts mit Strom. Haha. Nee, wir haben kein Konzept oder Story die wir verfolgen. Songs, Lautstärke, Energie. Just music.

Musicscan: Wie wird es 2013 bei Euch noch weitergehen? Sind schon Touren klar? Was kommt noch?

In Case Of Fyr: Wie schon angesprochen, wir versuchen unsere Platte in Europa und USA an den Mann zu bringen, führen da auch erste Gespräche. Touren sind nicht klar, wir machen alles selbst und hangeln uns so an den Gigs entlang. Demnächst werden ein paar neue Shows bekanntgegeben. Priorität hat die Suche nach einer Support Tour und generell eine Booking Agentur. Und wir schreiben natürlich neue Songs.

 
 Links:
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