Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1750

Dark Sermon

Storie von: arne, am 26.03.2013 ]

TRADITION VERPFLICHTET. Die Death Metal-Szene von Tampa, Florida hat Schwergewichte wie DEATH, MORBID ANGEL und OBITUARY hervorgebracht, die wichtige Standards definiert und die Spielart entscheidend geprägt haben. Die Jungspunde von DARK SERMON stammen aus derselben Region und forcieren auf ihrem Debüt nun die Weiterentwicklung des Genres. Extrem, technisch und ungemein variabel geht es auf „In Tongues“ durch elf Tracks, über die es zu sprechen gilt.

 
„Mit einer Zuordnung zum Death Metal kann ich gut leben, denn der Begriff ist dehnbar genug“, äußert sich Shouter Johnny Crowder gleich zu Beginn des Gespräches. „Wichtig sind die Freiheitsgrade, die es uns ermöglichen, uns kreativ zu verwirklichen und nicht nur wie die anderen Vertreter zu klingen. Für mich ist Death Metal per se breit gefasst, auch wenn man immer wieder Leute trifft, die beschwören, dass allein DYING FETUS und CANNIBAL CORPSE wirklich und wahrhaftig Death Metal und alle anderen Gruppen unwichtig seien. Dann wider spricht man mit Leuten, die dasselbe über THE FACELESS und THE BLACK DAHLIA MURDER sagen. Die unterschiedlichen Ansichten führen bisweilen zu unsinnigen Grabenkämpfen unter den Death-Hörern, was ich nicht nachvollziehen kann. So etwas muss nicht sein. Wir vermeiden es nach Kräften, nicht in diesen Sog zu gelangen und konzentrieren uns auf unsere Musik. Wir schätzen den extremen Metal und hoffen, dass auch unsere Hörer ihn lieben. Die Tatsache, dass ich auf unseren Konzerten sowohl ältere langhaarige und vollbärtige Metaller als auch High School-Kids sehe, die den Metal gerade erst für sich entdecken, zeigt mir, dass unser Ansatz bei den Leuten ankommt. Unser Death-Verständnis ist übergeordnet und nicht eingeschränkt.“

Das Debüt „In Tongues“ bietet dann auch eine beachtliche Bandbreite an Stilkombinationen und Sounds, die bis hin zu experimentellen Poly-Rhythmen reichen, aber auch eine Vielzahl an schönen Melodie-Bögen umfassen. Vielfalt und Kompromisslosigkeit prägen das Spiel von DARK SERMON, die auf ihrem Nuclear Blast-Einstand ein beachtliches Niveau erreichen, dabei aber auch auf Songdienlichkeit achten:

„Wir sind inzwischen seit vier Jahren unterwegs und haben während dieser Zeit viele andere Bands kennengelernt“, erzählt der Frontmann. „Doch darunter ist keine einzige gewesen, deren Einstellung mit unserer vergleichbar wäre. Allenfalls sehe ich eine Verbindung zu all denen, die wie wir nach Authentizität streben und hart arbeiten, um der Musik die oberste Priorität im Leben einzuräumen. Zwar stehen wir noch am Anfang unserer Karriere, doch die Weichen sind jetzt so gestellt, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Das Quintett aus Tampa hat einiges vor und richtet an die eigene Arbeit hohe Ansprüche, wie Johnny Crowder verrät:

„Unser Songwriting ist immer vorwärtsgerichtet und ergebnisoffen. Wir schauen nicht zurück oder auf das, was war, sondern blicken allein nach vorne. Unsere Platte ist der Spiegel all der Einflüsse, die auf uns einwirken. Ich respektiere die Death Metal-Legenden für ihre Basis-Arbeit und die Etablierung der Spielart, doch ich sehe uns nicht zwangsläufig in ihrer Tradition. Warum sollten wir auch versuchen, es irgendwem gleich zu tun? Wir wollen unsere eigenen Spuren hinterlassen und tun das uns Mögliche dafür, eigene Akzente zu setzen. Musikalische Weiterentwicklung geschieht bei uns durch Experimentieren und die beständige Forderung unserer Kreativität. „In Tongues“ lässt nachvollziehen, was ich damit meine. Es ist uns


gelungen, eine spannende Balance zwischen der benannten Tradition und etwas Frischem und Neuem zu erschaffen.“

Der Sänger aus Florida ist überzeugt davon, dass es im Bereich des extremen Metal noch eine Menge zu entdecken gibt: „Die Menschheit sagt im ersten Reflex, sie kenne die Welt. Doch es gibt viele unerforschte Regionen, von der Unterwasserwelt ganz zu schweigen. Die Erde hat noch viel mehr zu bieten, als wir uns vorstellen können. Wir kennen bislang nur einen Teil, der aber nicht das ganze Bild darstellt. Der Umfang des menschlichen Wissens zu einem Zeitpunkt ist die Begrenzung des Vorstellbaren, und in der Musik ist das nicht anders. Es gibt schon Unmengen an Kombinationsmöglichkeiten. Ich bin aber überzeugt, dass wir erst einen Bruchteil dessen gehört haben, was man in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren kennen wird. Auch der Death Metal unterliegt einer Dynamik und wird sich weiter entwickeln. Wir tragen unseren Teil dazu bei.“

Innovation und Wagemut sind die Schlüssel zur Weiterentwicklung eines Genres, und DARK SERMON stressen tatsächlich beides: „In diesem Zusammenhang spreche ich immer von einer nötigen Steigerung“, meint Johnny. „Im Zweifel gilt es, die Einsätze zu erhöhen und aus der Deckung zu kommen. Nur so erklimmt man die nächsthöhere Stufe. Wagt man sich in das Unbekannte vor, muss man sich von den bekannten Strukturen lösen und Farbe bekennen. Dann entsteht etwas Einzigartiges und Neues. Genau das ist unser Ansatz. Jenseits der Konventionen und Erwartungen der Metal-Gemeinschaft spielen wir Songs, die aus unserem Background und der vorwärtsblickenden Erwartungshaltung einen authentischen, anderen Metal entstehen lässt. Genre-Grenzen beachten wir dabei nicht. Es geht ja gerade darum, weiter zu gehen und sich nicht einzuschränken.“

Der Fünfer profitiert davon, dass in seinen Reihen Musiker mit unterschiedlichem Werdegang und vielfältigen Interessen stehen: „Das stimmt, doch im Kontext der Band arbeiten wir blendend zusammen und finden jeweils schnell eine gemeinsame Basis. Nur selten kommt es vor, dass wir einen Song schreiben und ihn am Ende doch verwerfen, weil er einem von uns nicht zusagt. Gerade während der Arbeit an diesem Album sind wir als Songwriter gewachsen und haben unseren eigenen Stil definiert. Dass sich alle Tracks voneinander unterscheiden, stört nicht, sondern zeichnet gerade die Qualität der Platte aus. Alles entwickelt sich flüssig, spielt reibungslos zusammen und schafft ein größeres Ganzes.“

Noch dazu kommt „In Tongues“ mit beängstigender Durchschlagskraft und einschüchternder Kompromisslosigkeit daher. DARK SERMON stecken niemals zurück, sondern bedienen konsequent die Offensive: „Das ist, was ich selbst am Metal liebe, und genau so sollte unser Album werden. Eine Empfehlung: die Leute sollen jeden Song als Kapitel eines Buches ansehen, das für sich steht und auf das man sich neu konzentrieren muss. Es geht weniger um die Vermarktungstauglichkeit als vielmehr um kreative Aufrichtigkeit und einen anderen Blick auf den Metal.“

 
 Links:
  facebook.com/darksermon
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  As I Lay Dying
  Cult Of Luna
  Despised Icon
  The Menzingers
  Entrails

Interviews/Stories:

  Brutality Will Prevail
  Uzziel
  Carnifex

Shows:

  24.09. Amanda Palmer - Hamburg
  25.09. Amanda Palmer - Leipzig
  27.09. Tankard - Wuppertal