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Bleed From Within

Storie von: arne, am 22.03.2013 ]

Die Glasgower Band BLEED FROM WITHIN hat hart daran gearbeitet, zu Relevanz und einem festen Platz in der europäischen Heavy-Community zu finden. Das zahlt sich langsam auf. Das Drittwerk „Uprising“ erscheint auf Century Media und größere Touren sind bereits angekündigt. Die neuen Songs haben es in sich, denn die Schotten bedienen die klassische Death- und Thrash-Schiene, setzen aber auch auf modern-komplexes Gefrickel sowie wirkungsstarke Breakdowns und Mosh-Parts.

 
Abwechslung wird bei BLEED FROM WITHIN großgeschrieben, und es ist wirklich an der Zeit, dass Frontmann Scott Kennedy und seine Mitstreiter nachlegen: „Da die Veröffentlichung unseres letzten Albums schon ein wenig zurückliegt, hat die Nachfrage nach neuem Material seitens der Fans zuletzt stark zugenommen. Dass nun alles fertig gestellt ist und bald auch erscheinen wird, ist höchste Zeit, das fühlen wir auch. Die Leute fragen zunehmend, wie sich unser Sound entwickelt hat, doch das sollen sie mit eigenen Ohren hören. Meiner Ansicht nach hat sich gar nicht so viel geändert, und doch unterscheidet sich „Uprising“ von unseren früheren Platten. Das liegt daran, dass wir viel Zeit hatten, an den Songs zu arbeiten. Wir haben lange an ihnen herum geschliffen und einzelne Passage mehrere Male verändert, bis alles perfekt war. Die Reaktionen auf die ersten Teaser im Internet sind allein positiv. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass die Leute auch das ganze Album mögen werden. Es dürfte auch nicht schwer fallen, nachzuvollziehen, wohin wir wollen. Ausgehend von dem, was wir in der Vergangenheit getan haben, sind wir weiter gegangen und haben uns im Songwriting nach dem gerichtet, was wir selbst gerne hören. Die Songs sind klassisch und nachvollziehbar gehalten, besitzen aber eine moderne Note – so wie immer schon.“

Das Quintett tritt mit einem bodenständigen, natürlich schwergewichtigen Sound an, der Tradition und Moderne in einem gesunden Mischungsverhältnis zusammen bringt. Das ist auch Ausdruck des gewachsenen Selbstverständnisses der Musiker, die heute auf eine professionelle Karriere hinarbeiten:

„Unsere Ansprüche sind mit der Zeit gewachsen“, erzählt der Frontmann. „Wenn man ersten Anklang findet und kleine Erfolge feiert, will man mehr. Anfangs wussten wir nicht so recht, was wir zu erwarten haben und wir überhaupt wollen. Es ging weder darum, gesignt zu werden noch zu touren oder aufzufallen. Als Metal-Fans reichte es uns, zu jammen und unsere Lieblingsbands Pantera, Lamb Of God, The Haunted, Killswitch Engage und andere nachzuspielen. Erst, als es mit eigenen Songs so richtig losging und erste Auftritte dazu kamen, hat sich unsere Einstellung innerhalb kürzester Zeit deutlich verändert. Seither wollen wir nichts anderes mehr und tun alles dafür, Musik zu machen. Wir arbeiten in Supermärkten und Bars, um im Zweifelsfall die Flexibilität zu haben, jederzeit touren zu können. Jede Show, die uns angeboten wird, spielen wir auch. Zudem proben wir so oft es geht und schreiben ständig neue Songs, um unsere Fähigkeiten zu fordern und besser zu werden. Die harte Arbeit zahlt sich langsam aus. Im Internet folgen unseren Aktivitäten immer mehr Leute. Etablierte Label sind auf uns zugekommen, so dass wir nun bei Century Media unter Vertrag stehen. Fragst du mich, kann jeder so weit kommen, wie wir, wenn er nur genug Arbeit und Leidenschaft einbringt. Kämpft man für das, was man liebt, wird man mit der Zeit gut und dann nehmen andere Notiz davon.“

Die digitalen Weiten bergen aber auch Gefahren, denn nicht jede Band wird positiv gewürdigt. Zudem werden Vorurteile aufgebaut und Verortungen definiert, von denen sich Künstler nur schwer wieder emanzipieren können. BLEED FROM WITHIN kennen diese Probleme: „Ich selbst bin immer frustriert davon, wenn uns Leute auf MetalCore reduzieren“, so Scott Kennedy. „Keine Band sollte von vornherein eingeschränkt werden, finde ich. Als ich aufgewachsen bin und härtere Musik für mich entdeckte, klang jede Gruppe ein Stück weit anders. Einige waren aggressiver, andere melodischer oder schneller, doch am Ende haben sich alle dem Metal zuordnen lassen, und das war es dann. Die Leute sind interessiert gewesen und haben sich selbst über die Qualität von Bands ein Bild gemacht. Heute im Zeitalter von Internet und all der Sub-Genres, die niemand mehr auseinander halten kann, gibt es viele Kids, die unglaublich viel Zeit darauf verwenden, Gruppen, die sie nicht mögen, schlecht zu machen, dafür aber die, die sie für gut befinden, gnadenlos abzufeiern. Sie versuchen, andere einseitig zu beeinflussen und ihnen vorzuschreiben, was sie mögen sollen und was nicht. Was soll das?“

Das Ziel muss es also sein, zu Eigenständigkeit zu finden und sich selbst nicht unnötig zu bescheiden: „Natürlich versuchen wir, nicht wie irgendeine andere Band zu klingen, doch es wäre vermessen, zu glauben, dass uns das immer gelingt“, weiß der Shouter. „Im Songwriting richten wir uns ausschließlich nach dem, was wir hören wollen; nach nichts anderem. Musikalisch sind wir


aggressiv, doch textlich wollen wir unseren Hörern dabei helfen, Krisen oder schlechte Tage zu überwinden und neuen Mut zu fassen. „Uprising“ ist ein positives Album, das in einem brutalen Gewand daher kommt. Wir sind eine bodenständige Band, die ehrlich zu sich selbst ist. Das ist unsere Stärke, und der Band-Name BLEED FROM WITHIN spiegelt das ein Stück weit wider. Es geht uns darum, aufrichtig und mit unverfälschten Emotionen aufzuspielen. Sich zu verstellen, bringt ja nichts. Die Leute würden es spüren. Bringt man sich nicht voll ein, vergibt man überdies Chancen. Deshalb muss man einen Weg finden, in seinen Songs voll aufzugehen. Das ist uns gelungen, und darauf sind wir stolz. Im Titel-Track der neuen Platte lassen sich unser Ansatz und unser Selbstverständnis gut nachvollziehen. Er fasst all das zusammen, was wir seit unserer Gründung erlebt haben und umfasst sowohl die guten als auch die schwierigen Tage.“

Obwohl der Sound der Glasgower vertraut und durchweg metallisch klingt, lässt sich Scott Kennedy auch aus einer Richtung inspirieren, die man nicht vermutet: „Für die Umsetzung von „Uprising“ habe ich mich auch an Rap-Acts orientiert. Was Gesang-Strukturen und Arrangements anbelangt, kann man sich in diesem Bereich auch als Metal-Sänger eine Menge abschauen. Unter den MCs gibt es richtige Genies. Die Musik entsteht bei uns allerdings ganz klassisch. Unsere Gitarristen kommen mit Ideen und Riffs in die Proben und dann arbeiten wir mit diesen. Wir teilen den Ansatz, nichts kategorisch auszuschließen, sondern allen Ideen eine Chance zu geben und zu schauen, wohin sie uns führen. Daneben setzen wir uns auch kritisch mit unserem alten Material auseinander, schauen, was nicht so gut gewesen ist und versuchen, das zu verbessern. Auf diese Art und Weise sollte es ausgeschlossen sein, dass wir uns wiederholen. Schließlich wollen wir immer besser werden und uns von Platte zu Platte steigern.“

Das Drittwerk steht als Beweis dafür, dass sich der Fünfer auf einem mehr als guten Weg befindet. Es ist absehbar, dass neue Hörer, die erst mit dem Drittwerk auf BLEED FROM WITHIN aufmerksam werden, vom reifen, brachialen und eingängigen Metal der Band begeistert sein werden: „Es würde mich freuen, wenn die Hörer mit unseren Songs das erleben würden, was ich empfunden habe, als ich als Teenager Pantera und Slipknot und all die anderen Bands für mich entdeckt habe, die ich bis heute schätze“, formuliert der Frontmann seinen Wunsch hinsichtlich der Rezeption. „Jeder Künstler will gehört und geschätzt werden. Das ist bei uns nicht anders, doch der Wettbewerb ist hart. Überall auf der Welt gibt es Unmengen an Bands, die dasselbe wollen wie wir. Also setzen wir uns realistische Ziele und sind schon mit kleinen Erfolgen zufrieden. Wir wollen touren, tolle Shows spielen und Songs schreiben, die den Leuten etwas bedeuten. Es gibt für mich nichts Größeres, als auf der Bühne zu stehen und zu performen. Davon habe ich immer geträumt. Nichts anderes möchte ich bis zum Ende meines Lebens machen. Es gibt nichts Vergleichbares. Die Leute sollen wissen und sehen, wie dankbar wir für die Chancen sind, die sich uns bieten. Von dem, was uns die Fans und Konzert-Besucher erzählen, kommt das auch so rüber. Unsere Band findet zu ihrer ganzen Stärke, wenn wir eingängige und heftige Songs spielen, zu denen die Leute headbangen und mitsingen können. Schließlich wollen wir sie gut unterhalten. Darum geht es im Metal, den ich kennen gelernt habe und selbst höre. Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, sondern sind damit zufrieden, Teil der Metal-Szene zu sein und das fortzuschreiben, was wir schätzen.“

Der Arbeit am Drittwerk lag kein definierter Plan zugrunde, denn die Schotten vertrauten auf ihr Bauchgefühl: „Wir haben alles bewusst offen gelassen und uns auf jeden einzelnen Song konzentriert. Alles griff natürlich ineinander. Wir verstehen uns inzwischen blind und haben schon so viel gemeinsam erlebt und durchgestanden, dass wir erst im Zusammenspiel unsere beste Leistung abliefern können. „Uprising“ hilft uns hoffentlich dabei, endlich die ganze Welt touren zu können. Und dann ist da noch die Hoffnung, das uns eine besondere Platte geglückt ist, die heraussticht, wie es Pantera mit „Vulgar Display Of Power“, Slipknot mit „Selftitled“ oder Lamb Of God mit „Ashes Of The Wake“ geglückt ist. Das sind für mich die wichtigsten Metal-Platten überhaupt. Sie haben mein Leben verändert. Vielleicht gelingt es uns als BLEED FROM WITHIN, beim einen oder anderen Hörer einen ähnlichen Eindruck zu hinterlassen.“

 
 Links:
  facebook.com/bleedfromwithinband
 
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