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Six Reasons To Kill

Storie von: arne, am 14.03.2013 ]

SIX REASONS TO KILL sind 1999 auf die Bildfläche getreten, um ihre Interpretation eines Hybriden aus Metal und Hardcore mit der Welt zu teilen. Mit „We Are Ghosts“ erscheint nun der fünfte Longplayer des Quintetts aus Koblenz, der die Ausrichtung dem Grunde nach beibehält, jedoch mehr denn je Schwerpunkte zwischen Death und Thrash setzt.

 
Bereits vor der Veröffentlichung ihrer zweiten Platte für Massacre gehen die Musiker als Support von Pro-Pain auf Tour, was im ersten Moment schon überrascht: „Ich denke nicht, dass das Publikum mit uns nix anfangen kann“, entgegnet Schlagzeuger Florian Dürr. „Ich glaube eher, das Pro-Pain nach 20 Jahren viel Publikum ziehen, und das werden eher Leute sein, die schon damals dabei waren, als „Contents Under Pressure“ veröffentlicht wurde. Ich spekuliere jetzt, aber ich glaube, es werden nicht die ganz jungen Kids sein, sondern eher etwas ältere Fans. Das ist dann eine Zielgruppe, bei der wir erfahrungsgemäß immer gut ankommen. Wären wir jetzt mit irgendeiner ultra gehypten Hipster-Ami-Deathcore-Gruppe unterwegs, würde sich wahrscheinlich keine Sau für uns interessieren. Das wäre ein anderer Fall. Dank MAD-Tourbooking haben wir aber einen sehr guten Deal und werden nicht jeden Abend als Opener verheizt. Das ist uns wichtig. Also rechne ich mir gute Chancen aus, ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhalten.“

Was die musikalische Ausrichtung von SIX REASONS TO KILL anbelangt, scheint „We Are Ghosts“ mehr denn je mit unterschiedlichen Geschmäckern kompatibel, so dass es keine Akzeptanzprobleme geben sollte: „Wenn einer sagt, dass er unsere Musik wegen unserer Frisuren Scheiße findet, dann muss man ihm vielleicht professionelle Hilfe an die Seite stellen, die ihm den Floh aus dem Ohr zieht, dass unsere Friesen musizieren“, sagt der Drummer mit Witz und Selbstbewusstsein. „Wir haben immer für Toleranz in der Richtung geworben, dass man offen für andere Einflüsse sein sollte. Metal-Riffs mit Hardcore-Elementen zu verbinden, ist in 2013 längst nicht mehr das Thema. Und gerade Hardcore und Metal sind Richtungen, in denen findige Marketing-Strategen die aberwitzigsten Subgenres erfunden haben, damit ja jede Band noch eine eigene Schublade findet. Doch wo sind die Grenzen? Es gibt Jazz-Metal und Deathcore, Post-Core, Thrash und Death Metal und natürlich Heavy, Speed, True, Power, Black und True Black Metal und und und. Ich finde, da sind wir als „klassische“ Metalcore-Band garnichtmal sooo ungewöhnlich. Meiner Erfahrung nach ist eine extreme Abneigung wegen eines Gitarren-Solos oder eines tieffliegenden Mosh-Parts echt selten geworden. Die meisten Konzertbesucher sind heute sehr tolerant. Höchstens mal gibt es einen skeptischen Blick, aber gerade die Metaller hat man mit unserer Musik schnell im Boot. Schwieriger wird’s da mit jener Klientel, die es vorzieht, auf Shows mit fliegenden Fäusten in Erscheinung zu treten. Die erwarten nämlich meistens erst einmal das Beatdown-Gewitter. Dann merken sie, dass die Musik viel zu schnell zum Kloppen ist und stehen da wie Hinkelsteine, bis dann irgendwann endlich der erlösende Mosh-Part kommt. Für uns ist das eher lustig, aber so findet immerhin doch jeder seinen Weg, unsere Songs zu genießen.“


Die Musiker selbst genießen alle Aktivitäten im Rahmen von SIX REASONS TO KILL mit unveränderter Freude. Das drückt auch die Bilanz von inzwischen sieben Releases seit der Gründung 1999 aus: „Wenn wir ein neues Album im Kasten haben und es zum ersten Mal hören, dann spielen sich unglaubliche Szenen ab“, verrät Florian. „Dann freuen wir uns wie kleine Kinder. Und wenn ‘ne Show gut war, haben alle ein Grinsen im Gesicht. So lange es noch geht, und Beruf, Familie oder was auch immer es zulässt, wollen wir Musik machen und damit was erleben. Wir sind dankbar dafür, was wir erreicht haben, denn es ist viel mehr, als sich jeder von uns erträumt hat. Wir nehmen Platten auf, veröffentlichen diese und fahren große Tourneen mit Bands, die wir schon als Kids gehört haben. Und dazu können wir noch Länder bereisen, in die wir sonst wahrscheinlich nie gekommen wären. Das kann uns keiner mehr nehmen. All das sind mehr als genug Gründe, das Ding noch ein bisschen weiter durchzuziehen.“

Spaß und Selbstverwirklichung stehen klar im Vordergrund und reichen als Motivation. Neid oder den Abgleich mit Gruppen, die sich in all den Jahren erfolgreicher geschlagen haben, kennen die Koblenzer nicht bzw. stellen ihn an nicht: „Die meisten Bands von damals haben wahrscheinlich mehr kommerziellen Erfolg gehabt als wir“, meint der Schlagzeuger.

„Wir haben uns diesbezüglich nie einen Kopf gemacht. Es gab insgesamt mehr Downs als Ups, aber Aufgeben stand einfach nie zur Debatte. Jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir eigentlich ganz cool dastehen. Wir haben ein Spitzenlabel als Partner und ein hervorragendes Tour-Booking, das uns ermöglicht, tolle Konzerte und Tourneen zu spielen. Es geht doch! Wir sind wirklich unglaublich dankbar dafür und blicken auf ein hartes Stück Arbeit zurück, dass uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Wenn man soviel Blut, Schweiß und Tränen in sein Baby gesteckt hat, dann will man das nicht so einfach opfern. Wir haben einen langen Atem und dazu das Glück, dass wir uns es leisten können, das Ding durchzuziehen – mittlerweile Gott sei Dank auf einem ganz angenehmen Niveau.“

Nach „Architects Of Perfection“ trifft „We Are Ghosts“ nicht ganz unvorbereitet. SIX REASONS TO KILL setzen auf bekannte Stärken, integrieren stimmig aber auch neue Akzente: „Eigentlich ist es mal wieder die logische Fortsetzung dessen, was wir auf zuletzt gemacht haben“, stimmt der Schlagzeuger zu. „Vielleicht ist es ein bisschen weniger Gemoshe und mehr Melodie. Aber wer es hört, wird feststellen, dass es deswegen nicht einen Deut weniger intensiv geworden ist. Und ja: Auf Überraschungen sollte man gefasst sein, denn wir stellen auch wieder eine neue Seite von unserem Sound zur Schau. Neben dem „üblichen“ Geballer gibt es schleppende, düstere und mächtige Death Metal-Bretter im Stile älterer Morbid Angel oder Behemoth. Und dann finden sich auch schnelle, an alte Napalm Death oder Integrity gemahnende Punk Rock-Songs auf dem Album. Der ganz normale SIX REASONS TO KILL-Wahnsinn eben.“ Also: für Überraschungen ist gesorgt, seid gespannt.

 
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