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Blackest Dawn

Storie von: arne, am 10.03.2013 ]

Die Website von BLACKEST DAWN verspricht „Ostdeutschen Death Metal“, und den gibt es auf „We Are Legions“ mit voller Vehemenz und breiter Brust. Schwergewichtige Grooves und songdienliche Melodien schaffen den nötigen Gegensatz zu den schnellen, zackigen UpTempo-Passagen der Platte, und manchmal integriert das Magdeburger Sextett auch eine Thrash-Kante in seinen Mix.

 
Dass die Sachsen-Anhaltiner noch nicht so richtig in der Death-Community angekommen sind, liegt unter anderem daran, dass sich ihr Sound zunächst vom MetalCore zum brachialen Death entwickeln musste und sich der letzte Longplayer aufgrund der Veröffentlichung auf einem Hardcore-lastigen Label unter seinen Möglichkeiten schlug:

„Soulgrinder“ war 2011 das erste Album mit unserem neuen Gitarristen Danilo, der einen frischen Wind ins Songwriting gebracht hat“, blickt Fronter Jörg Jüdes zurück. „Wir haben eine Menge Zeit in „Soulgrinder“ investiert. Das Album war ein einziger Schlag ins Gesicht, eine Menge schneller und wüster Songs. Quasi genau das Richtige zu jener Zeit. Dennoch standen wir nach den Aufnahmen immer noch ohne Label da und ohne geeigneten Vertrieb. Wir wollten, das „Soulgrinder“ zumindest über normale Vertriebswege verfügbar ist. Da wir Markus von District 763 von gemeinsamen Auftritten kannten und wussten, dass er ein Label mit Vertriebspartnern aus dem Boden stampfen wollte, haben wir uns kurzerhand für ihn entschieden. Sicherlich wäre mehr drin gewesen, wenn wir es auf einem auf Metal ausgelegten Label veröffentlicht hätten, aber es war dennoch ein Fortschritt. Das vorhergehende „Fear Of The Apocalypse“ kam bei All Life Ends heraus, die keinen Vertrieb hatten und sich auch sonst nicht viel um uns gekümmert haben.“

Demnach erscheint die dritte Platte wieder bei einem neuen Kooperationspartner, der allerdings noch im Aufbau befindlich ist: „Das liest sich sicherlich beschissen in unserer Vita, drei Alben bei drei verschiedenen Labels“, so Jörg. „Metal Blanc Media sind im vorletzten Jahr an uns herangetreten. Es ist ein frisches, junges Metal-Label aus dem Saarland. Wir sind die zweite Band, die dort für ein Album unterschrieben hat und hoffen, dass sie genügend Elan und Enthusiasmus mitbringen, um uns und das Album mit allen verfügbaren Kräften zu pushen. Es ist in diesem Fall ein Geben und Nehmen. Wir geben ein geiles Album und wollen, dass sie sich um den Rest kümmern. Was die Möglichkeiten in Bezug auf Labels anbelangt, sind wir realistisch. Die größeren Labels wie Century Media, Nuclear Blast, Metal Blade, Lifeforce usw. haben in den letzten Jahren massiv ausgemistet. Sie haben viele Nachwuchsbands, die nicht die Verkaufszahlen gebracht haben, gedropped. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist das auch mehr als verständlich. Wir sind aber nach wie vor Jungs, die ihr Hobby lieben und eine Menge Zeit und finanzielle Mittel investieren, um Spaß zu haben. Wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Referenz-seitig werden BLACKEST DAWN zumeist mit Maroon, Heaven Shall Burn und Cataract in Verbindung gebracht – durchweg Bands, die mit Core-Kante assoziiert werden: „Sicherlich sind solche Vergleiche nachvollziehbar“, zeigt sich Jörg Jüdes verständnisvoll. „Fast jeder in unserer Band hat Erfahrungen mit diesen Bands gemacht. Nach wie vor sind Maroon, was die Live-Performance betrifft, eine der intensivsten Erfahrungen, die wir machen durften. Es ist schön zu sehen, dass sie und Heaven Shall


Burn auf internationalem Niveau angekommen sind. Ich kenne Maroon noch als kleine Band aus Nordhausen die in schäbigen Jugendclubs gezockt hat. Nicht umsonst haben wir auf „We Are Legions“ einen älteren Song von ihnen gecovert. Seit einigen Jahren sehen wir uns aber eher in einer Richtung mit den klassischen Death/Thrash Metal Bands wie Vader, Sepultura, Suffocation oder den Grind-Urvätern Napalm Death. Von daher kann man uns auch gern mal mit diesen vergleichen.“

Die Eigenverortung als „Ostdeutscher Death Metal“, die BLACKEST DAWN selbstbewusst propagieren, unterstreicht das Gesagte: „Man muss uns ein hohes Maß an Eigenständigkeit zugestehen“, zeigt sich der Frontmann überzeugt. „Auch wenn etliche Szene-Puristen wieder nach Haaren in der Metal-Suppe suchen werden. Der harte Kern unserer Band macht seit fast zehn Jahren gemeinsam Musik. Jeder von uns hatte seine musikalische Sozialisation in unterschiedlichen Musikgenres, und ich bin mir sicher, dass ein großer Teil dessen auch in unserer Art, Musik zu komponieren, auftaucht. Wir sind der Meinung, dass wir uns erheblich von den Core-Elementen entfernt haben. Das Einzige, was wir uns auf „We Are Legions“ gönnen, sind Crew-Shouts als neues Stilmittel in unserem Sound. Daneben sind wir sehr traditionsbewusst, was sicherlich auch mit unserer ostdeutschen Herkunft zu tun hat. Wir machen keinen Hehl daraus. Wieso auch? Spätestens, wenn einige unserer Mitglieder den Mund aufmachen, hört man, woher wir kommen.“

Bei den sträflich unterbewerteten Fall Of Serenity ist das nicht anders gewesen, und auch zu deren Schaffen bestehen Parallelen: „Einen direkten Einfluss von FOS auf uns gab es nicht“, meint Jörg. „Wir hatten aber lange Zeit Kontakt zu John Gahlert (Bass/Gesang) und haben anfangs einige gemeinsame Konzerte gespielt. Man muss sagen, dass ihr Album „Bloodred Salvation“ von 2006 seiner Zeit weit voraus war. Sie haben Blastbeats in ihre Songs eingebaut und waren mit ihrem Sound den meisten MetalCore-Acts überlegen. Die Metalheads haben ordentlich die Matte kreisen lassen, nur die Jugend konnte damit nichts anfangen. Zusammen mit Minion auf „Pantera“ haben Fall Of Serenity schon vor Jahren mit „Grey Man’s Requiem“ und „Royal Killing“ das gespielt, was heute diese gehypten Deathcore-Bands spielen – zum Glück damals noch ohne Breakdowns. Was auch uns als ostdeutsche Band auszeichnet, sind die vorhandene Dankbarkeit und Loyalität gegenüber Leuten, die uns in irgendeiner Form unterstützen, seien es Veranstalter, Label-Leute, befreundete Bands, usw. Ich weiß aber nicht, ob wir das nun Attitüde nennen können. Wir haben coole Shows gespielt. Wir durften einigen unserer Idole sehr nahe sein und freuen uns über jede noch so positive Reaktion auf unsere Musik. Ich denke, das trifft unsere Grundhaltung als BLACKEST DAWN sehr gut. Das spiegelt sich auch darin wieder, das wir zuletzt in der JVA Burg vor knapp 50 Gefangen gespielt haben; Metal hinter Gittern quasi. Wenn du als Metaller im Knast sitzt, ist so ein Konzert wie Weihnachten und Ostern zusammen.“

 
 Links:
  blackest-dawn.de
 
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