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The Sleeper

Storie von: arne, am 22.02.2013 ]

Auf ihrem Debüt tritt die Leipziger Band THE SLEEPER mit einer variabel dargebotenen Mischung aus verschiedenen Metal- und Core-verwandten Spielarten an. „Aurora“ bietet bissige Härte, dissonante, vertrackte Passagen, dicken Mosh, emotionale Passagen mit Clean-Gesang und noch vieles mehr. Die moderne Attitüde der Sachsen garantiert für ein frisches, unterhaltsames Album.

 
Prominentestes Mitglied im Line-Up ist der frühere Narziss-Sänger Steven Jost, der im Gespräch zunächst erzählt, wie die Band zu ihrem Stil gefunden hat: „Direkte Ziele hatten wir nicht, als wir uns 2010 gegründet haben. Wir wollten einfach nur Musik machen. Nach kleineren Startschwierigkeiten standen irgendwann die ersten Songs. Zur Stilfindung muss man berücksichtigen, dass im Frühjahr 2012 ein Besetzungswechsel stattgefunden hat, durch den sich unsere spielerischen Möglichkeiten verbessert und letztendlich zu dem auf „Aurora“ zu hörenden Mix geführt haben. Größter Einfluss ist natürlich der persönliche Musikgeschmack. Da bin ich etwas einfacher gestrickt als die anderen in der Band. Ich höre eher Punkrock und Hardcore, die anderen Jungs bevorzugen vertrackte und musikalisch anspruchsvollere Sachen. Der anspruchsvollere Ansatz hat sich dann auch durchgesetzt.“

Genauer will es der Sänger nicht herunter brechen, doch mit MetalCore oder Deathcore, mit denen THE SLEEPER wohl vor allem in Verbindung gebracht werden, kann er sich arrangieren: „Ich persönlich muss nicht immer alles in irgendeine Kategorie einordnen, da man Künstler damit von vorn herein limitiert. Doch da der Mensch Schubladen braucht, um entspannt leben zu können, habe ich kein Problem damit, wenn man uns in eines der genannten Genres einordnet. Wobei wir für Deathcore wohl zu wenige Tattoos und leider keine Tunnel in den Ohrläppchen haben. Man muss auch nicht alles ver„core“n, da ja heutzutage an jeden Disko-Mist das Wort „core“ gehängt wird. Es gibt auch Sachen, mit denen wir lieber nichts zu tun haben wollen. Dinosaurier-Kostüme und lustige Texte sind dann doch nicht so unser Ding. Wir selbst sehen uns im Grunde als Metal-Band, den Rest müssen andere erfinden.“

Auf „Aurora“ arbeiten die Musiker auch mit emotionalem Clean-Gesang, auf den viele Gruppen zugunsten eines strafferen, härteren Sounds heute verzichten. Den Songs von THE SLEEPER verhilft er zu weiterer Variabilität und wiedererkennbaren Momenten: „Es gibt da keinen bewussten Einsatz bei uns“, erwidert Steven Jost. „Manchmal ist es einfach so, dass wir an einer Stelle das Gefühl haben, dass da unbedingt noch eine cleane Gesangslinie hin muss. Ein anderes Mal wird so eine Stelle bei den Aufnahmen herausgestrichen. Wir forcieren so etwas nicht. Es ist okay, wenn andere Bands diese Möglichkeit aus musikalischen Gründen generell ausklammern. Merkwürdig wird es allerdings, wenn man das Gefühl bekommt, dass sich kleinere Bands dieses Stilmittels bedienen, um vermeintlich harte Musik besonders radiotauglich klingen zu lassen. Keine Ahnung, was sie damit bezwecken.“

Hört man das Debüt der Sachsen, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass es sich stilistisch nicht einheitlich entwickelt. Das Album könnte auch


Ergebnis einer Testphase sein, in der die Band mit verschiedenen Stilkombinationen und Ideen experimentiert hat, um zu schauen, was sich letztlich durchsetzt:

„Aurora“ ist das, was wir am liebsten machen wollten“, stellt der Frontmann klar. „Es gab keine Testphase, da wir relativ klare Vorstellungen davon haben, wie ein Lied am Ende klingen soll. Wichtig ist uns dabei, dass trotz eines musikalischen Konzeptes nicht jeder Song wie der andere klingt. Schließlich wäre eine zu große Einheitlichkeit am Ende ja auch langweilig.“ Ihren Vollzeit-Einstand betrachten THE SLEEPER als Momentaufnahme ihrer aktuellen Interessenlage und als Standortbestimmung: „Schon kurz nach der Fertigstellung des Albums haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie es musikalisch weitergehen wird“, so Steven. „Stillstand ist nichts für uns, deshalb sitzen wir bereits an Ideen für neue Songs. Ansonsten steht natürlich auf unserer Agenda, so viel wie möglich live spielen.“

Angesichts dieser Aussage überrascht es nicht, dass die Leipziger Band versucht hat, ihren Live-Sound repräsentativ einzufangen und sie auch schon im Songwriting an die spätere Bühnen-Situation denkt:

„Es war uns definitiv wichtig, die Songs so zu arrangieren, dass sie live gut umsetzbar sind“, bestätigt der Sänger. „Es gibt nichts Schlimmeres, als dass ein Song zwar aufgrund seiner mächtigen Produktion, Dutzenden von Gitarren und mehrstimmigen Chören mit Orchester-Untermalung auf Platte super rüberkommt und einen auf dicke Hose macht, aber live ohne all das nicht funktioniert. Hätten wir allerdings das Geld, ein Orchester samt Dirigent mit auf Tour zu nehmen, würden wir das selbstverständlich sofort tun!“ Der Veröffentlichung von „Aurora“ schauen THE SLEEPING dennoch voller Optimismus und mit Vorfreude entgegen:

„Da wir viel Zeit und Herzblut in die Platte gesteckt haben, sind wir in erster Linie stolz darauf, den Prozess des Schreibens und Aufnehmens abgeschlossen zu haben“, meint Steven Jost. „Mit dem Ergebnis sind wir durchaus zufrieden und nun auch neugierig auf alles, was jetzt kommt. Beim Schreiben war das Einzige, was feststand und somit auch ins Songwriting eingeflossen ist, dass wir diesen ganzen Party-Lustig-Kram nicht gut finden. Dementsprechend ist auf „Aurora“ keine Gute-Laune-Nummer zu hören. Wir versuchen weder das Angesagte nachzuspielen noch das Rad neu zu erfinden. Wir machen das, was wir für richtig halten. Unsere Einflüsse innerhalb der Band sind sehr verschieden und das hört man auch.“

THE SLEEPER treten mit einer weit gefassten Auslegung des Feldes zwischen Metal und Hardcore an und umgehen dabei geschickt die eingefahrenen Bahnen und Stereotype. „Aurora“ klingt aus diesem Grund unverbraucht und frisch und ist eine unverhofft positive Überraschung.

 
 Links:
  facebook.com/thesleeperofficial
 
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