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Call Of The Void

Storie von: arne, am 14.02.2013 ]

Bei CALL OF THE VOID hat sich einiges an Wut und Verzweiflung angestaut. Das Debüt des Quartetts aus Colorado gleicht einem alles vernichtenden Sturm, der eine Spur der Zerstörung hinterlässt. Ein Titel wie „Dragged Down A Dead End Path“ ist für den furiosen Mix aus Powerviolence, Grindcore, Crust und Sludge als absolut treffend einzuordnen.

 
Schlagzeuger Gordon Koch weiß im Gespräch ganz genau zu benennen, weshalb der Relapse-Einstand seiner Band derart angepisst ausgefallen ist und unerbittlich nach vorne geht: „Das ist der Spiegel unseres Umfeldes. Ich bin in der Nachbarschaft von Crack-Abhängigen und obskuren Sekten-Gemeinschaften aufgewachsen. Um uns herum ist unsere Heimatstadt Boulder den Bach runter gegangen, und wir sind mittendrin. Die Musik reflektiert das und kann deshalb nur hoffnungslos und pessimistisch sein. Nach den Themen für unsere Songs mussten wir nicht lange suchen. Wir schlagen hart zurück und das über die volle Spielzeit. Das Album ist purer Hass.“

…der die Zeit überdauert hat und wirklich eine beachtliche Durchschlagskraft entwickelt. Pure, unverfälschte Emotionen schwächen sich eben auch im Zeitverlauf nicht ab:

„Der Großteil des Materials ist bereits 2010 entstanden. Da sich die Band zwischenzeitlich aufgelöst hatte, lagen die Songs eine Zeit lang ungenutzt in der Schublade. Weil wir wussten, wie stark die Stücke sind, haben wir uns dann doch wieder zusammen gerauft und sind ins Studio gegangen, um sie endlich aufzunehmen. Das Material hat den Test der Zeit bestanden. Unsere Frustration hat nicht nachgelassen, und wir können noch immer nicht aufhören, diese Songs zu spielen. Dass die Tracks besonders sind, zeigt auch die Tatsache, dass Relapse Records Interesse daran gezeigt hat, sie zu veröffentlichen.“ Ins Programm des US-Kult-Extrem-Labels passt das furiose „Dragged Down A Dead End Path“ bestens. Verweise auf Converge, His Hero Is Gone, Pig Destroyer, Mastodon, Drop Dead und Assück geben aber nur eine ungefähre Vorstellung davon, was geneigte Hörer bei CALL OF THE VOID erwartet:

„Wir vermischen das, was wir gerne hören, und bringen so alle unsere Lieblingsbands zusammen“, formuliert es Gordon Koch diplomatisch. „His Hero Is Gone und Napalm Death haben ohne Frage großen Einfluss auf uns ausgeübt. Etwas Ähnliches wie sie zu spielen, ist aufregend, und mit ihnen verglichen zu werden, eine große Ehre für uns.“ Insbesondere dann, wenn man weiß, wie das Quartett entstanden ist und welchen Weg es musikalisch schon hinter sich gebracht hat:

„2007 haben Gitarrist Patrick und ich zunächst ein Projekt gestartet. Da sind wir noch als Ironhorse unterwegs gewesen. Aufgrund von namensrechtlichen Streitereien mussten wir uns später umbenennen. Der Schritt fiel uns allerdings nicht schwer, weil wir auch musikalisch eine Neuausrichtung vorgenommen haben. Ausgehend vom Rock sind wir über den Post-Hardcore zu dem extremen Stil gekommen, den wir heute spielen. Wir mussten diesen weiten Bogen absolvieren, um heraus zu finden, was uns am besten liegt. Zunächst ging es aber darum, uns aufeinander einzuspielen und eine gemeinsame Sicht auf die Band zu finden. Dann ist der Sound schnell immer aggressiver geworden, bis die Richtung vollends klar war. CALL OF THE VOID hat viele personelle Veränderungen durchlebt, löste sich auf, kam wieder zurück und ist heute stärker denn je.“




Normalerweise verhält es sich eher umgekehrt. Musiker starten extrem und komplex und nehmen mit der Zeit ihre Brutalität zurück: „Das ist ein häufiges Phänomen, das stimmt“, bestätigt der Drummer. „Schau dir Mastodon an, die heute Rock spielen. Letztlich kommt es darauf an, was sich richtig anfühlt. Bei uns lief es eben anders herum. Der technische Aspekt ist die einzige Limitierung der möglichen Entwicklungen. Deshalb ist es so wichtig, am Anfang viel zu üben, um sein Instrument möglichst gut zu beherrschen. Als wir jünger waren, spielten wir so lange Tech-Metal, bis es uns nicht mehr gefiel, so konzentriert und festgelegt zu sein. Heute schätzen wir die Möglichkeit, zwischendurch auch derb zu rocken und sich nicht nur darauf zu versteifen, live nicht zu verkacken. Mit CALL OF THE VOID halten wir die Dinge natürlich und simpel, auch wenn die Songs am Ende extrem klingen. Letztlich dreht sich aber alles um prägnante Riffs, Schwere und Spaß. Seitdem wir wieder zurück sind, ist unser Songwriting allerdings schneller und heftiger geworden. Unser Material soll Gefühle des Unwohlseins, von Hass und Nervosität bei den Hörern hervorrufen. Wenn die Leute auf den Konzerten mit weit aufgerissenen Augen und abstehenden Haaren vor der Bühne stehen, haben wir unser Ziel erreicht.“

Auch wenn man es angesichts der Songs von „Dragged Down A Dead End Path“ nicht glaubt, den Musikern geht es darum, Spaß zu haben: „Wir leben uns aus und lassen all die negative Energie, die in uns steckt, heraus, um unserem Alltag mit Zuversicht zu begegnen. Die Musik hilft uns, ausgeglichen zu bleiben.“ Neben CALL OF THE VOID sind alle Beteiligten aus in anderen Gruppen und mit anderen Stilen aktiv: „Patrick und ich sind seit 2008 in der Stoner-Sludge-Kombo Black Sleep Of Kali. Unser Sänger Steve hat nebenher die Hardcore-Band BankRobber, die immerhin schon einige US-Touren und größere Festivals gespielt hat. Unser Bassist Alex schließlich ist verrückt und an so vielen Projekten beteiligt, dass nur er den Überblick behält. In jedem Fall spielt er Gitarre bei Circle Of Defeat.“

Für Musiker, die in der Mitte der Vereinigten Staaten beheimatet sind, ist die Nutzung des Internet unerlässlich, um ihren Namen im Extrem-Underground zu streuen: „Natürlich, Websites wie Bandcamp oder Facebook sind unser Tor zur Welt und zu Gleichgesinnten. Dort trifft sich heute auch der Underground. Daneben spielen wir so viele Shows, wie es uns möglich ist. So erleben wir aus eigener Erfahrung, was im Land vor sich geht und was die Leute in anderen Bundesstaaten beschäftigt. Wir sind in den behüteten Vororten Amerikas groß geworden, haben den Technologie-Boom erlebt und sehen heute, wie die Welt zum Teufel geht, weil die Gier einiger Leute grenzenlos ist. Das thematisieren wir im Kontext von CALL OF THE VOID.“ Was die Ziele in Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Debüts anbelangt, gibt sich Gordon Koch bescheiden:

„Hoffentlich bringt uns „Dragged Down A Dead End Path“ auf den Radar, so dass wir mit bekannteren Bands touren und noch mehr von der Welt sehen können. Wenn das passiert, bin ich zufrieden.“

 
 Links:
  facebook.com/CalloftheVoid303
 
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