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Hatebreed

Storie von: arne, am 17.01.2013 ]

Der Stil von HATEBREED ist markant und von brachialer Durchschlagskraft. Als Band zwischen Hardcore und Metal bauen Jamey Jasta & Co. seit 1994 Brücken zwischen beiden Richtungen und fungieren als Konstante ihrer Spielart. „The Divinity Of Purpose“ heißt der neueste Streich des Quintetts aus Connecticut, das sich lautstark und rabiat zurück meldet.

 
In Europa erscheint der Nachfolger des selbstbetitelten Albums und der Cover-Scheibe „For The Lions“, beide von 2009, auf einem neuen Label: „Den Schritt zu Nuclear Blast Records sind wir bewusst gegangen“, erzählt Jamey am Telefon. „Schon jetzt habe ich das Gefühl, dass sich der Wechsel ausgezahlt hat. Die Leute stehen voll hinter uns und geben alles dafür, uns wieder ins Gespräch zu bekommen. Darüber hinaus versuchen sie, uns auch Leuten vorzustellen, die uns bislang noch nicht wahrgenommen haben. Der Januar 2013, in dem „The Divinity Of Purpose“ erscheint, wird unser Monat werden. An uns wird es kein Vorbeikommen geben. Ich habe das Gefühl, dass wir mit dieser Platte unsere bislang höchste Chart-Platzierung erreichen werden – wenigstens hier in den Staaten. Das leite ich von all dem Trubel ab, der um das Album herum losbricht und aus der Spannung, mit der die Fans dem Veröffentlichungstermin entgegen fiebern. Seit wir mit ,Put It To The Torch‘ das erste Stück online gestellt haben, potenziert sich die Nachfrage und reißt nicht ab. Die Voraussetzungen stimmen und ich blicke dem Januar mit Vorfreude und innerer Ruhe entgegen. Bei der selbstbetitelten Platte ist das nicht der Fall gewesen. Aufgrund der unklaren Situation mit Roadrunner wussten wir nicht, was wir erwarten konnten. Letztlich lief es auch nicht wirklich rund. Dieses Mal spüren wir wieder volle Unterstützung. In Europa kümmert sich Nuclear Blast um alles Notwendige und tut die richtigen Dinge.“

Neben der Tatsache, im Programm neben Agnostic Front und Madball zu stehen, schätzen HATEBREED das Potenzial, das sich aus der Kooperation entwickeln kann: „Obwohl wir bekannt sind, müssen auch unsere Platte beworben werden. Damit der Ball ins Rollen kommt, muss er angestoßen werden“, weiß der Shouter. „So haben wir es damals bei „The Rise Of Brutality“ und „Supremacy“ erlebt, jedoch nicht mehr bei unserer letzten Platte. Nuclear Blast haben mit der Arbeit für Bands wie Testament oder Kreator bewiesen, dass sie auch etwas ältere Bands wieder zurück in die erste Liga und sie sogar in die Charts führen können. Natürlich muss das Musikalische passen, doch daran schließt auch schon die Arbeit des Labels an. Als wir gesehen haben, dass Testament in etlichen Gegenden höher als Machine Head gechartet sind, waren wir baff. Und es bedeutet uns etwas, auf demselben Label wie Testament zu sein; einer Band, die uns offenkundig stark beeinflusst hat.“

Der Old School-Sound

Die angesprochene erste Single von „The Divinity Of Purpose“ stellt die bekannten Trademarks des Quintetts heraus und nimmt Bezug auf die frühen, eher Hardcore-lastigen Tage des Band-Sounds: „,Put It To The Torch‘ bringt dieses besondere Gefühl mit, das alle großen HATEBREED-Songs auszeichnet. Das haben wir sofort gespürt und es deshalb vorab veröffentlicht. Wenn man jemandem zeigen will, wofür unsere Band steht, ist dieses Stück dafür optimal geeignet. Fans werden die Rezeptur direkt wiedererkennen. ,Put It To The Torch‘ klang von Beginn an richtig und repräsentiert den Old School- Sound von HATEBREED, der uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Als Band haben wir einen Punkt erreicht, an dem wir sehr genau wissen, was wir wollen und wo unsere Stärken liegen. Die neue Platte spiegelt das wider. Wir haben nichts repariert, was gar nicht kaputt war. Auf dem selbstbetitelten Album haben wir noch einige neue Dinge ausprobiert, mit denen wir rückblickend jedoch nicht wirklich zufrieden gewesen sind. Natürlich will man sich nicht wiederholen und jede Platte besser als die davor machen, doch das kann man auch, wenn man auf seine Stärken vertraut und bewusst mit ihnen arbeitet. So ist „The Divinity Of Purpose“ entstanden.“

Der Fünfer hat das komplette Album unter Zugzwang gestellt. Rabiat und geradlinig geht es durch elf Songs, die als effektiv und beinhart zu charakterisieren sind. Thrash-Metal-Einschläge sind entlang des Weges auszumachen, doch Attitüde und Art und Weise der Umsetzung stehen in der Tradition der metallischen Hardcore-Tage der frühen Platten: „Wir haben die Dinge nicht unnötig kompliziert“, ordnet Jamey ein. „Die Einfachheit von „Satisfaction Is the Death Of Desire“, „Perseverance“ und „The Rise Of Brutality“ ist zweifellos gegeben. Dazu kommt die Härte von „Supremacy“, das mit den meisten Songs in unserer Setlist vertreten und unser bislang erfolgreichstes Release in Deutschland ist. Viele Leute haben uns mit dieser Platte kennen gelernt, doch viele kannten uns schon vorher. Nimmt man all das, was wir bislang gemacht haben, zusammen, erhält man das Bild dessen, was HATEBREED auszeichnet. Diese Funktion kommt „The Divinity Of Purpose“ zu. Für uns ist es ganz natürlich, ältere Ansätze wieder aufzugreifen und sie weiter zu verfolgen, wenn es passt.“

Etwas angepisster

Fans der frühen Platten wird der Rückgriff auf erprobte Strukturen freuen. HATEBREED präsentieren sich auf ihrer sechsten Scheibe bissig und textlich gewohnt deutlich. Stücke wie ,Honor Never Dies’, ,Own Your World’, ,Nothing Scares Me‘ oder ,Bitter Truth‘ verkörpern das, was man mit Hardcore verbindet und was ihn stark macht. Das Powerhouse von der Ostküste lässt aggressiv Dampf ab, achtet aber auch darauf, seinen Hörern Mut zuzusprechen und sie für den Alltagskampf aufzubauen: „Die Message ist wichtig und auch die Hymnen begleiten uns bis heute“, rekapituliert der Frontmann. „The Divinity Of Purpose“ kommt wieder etwas angepisster, doch es finden sich nach wie vor Songs mit positiver Aussage, die das gerade rücken. Aufbauende Texte gehören bei uns einfach mit dazu. Darauf verlassen sich die Fans doch auch. Wenn man sein sechstes Album vorlegt, hat sich ein gewisser Automatismus eingeschlichen, den jede Band erlebt, die es so weit bringt. Nimm Slayer, von denen ich ein großer Fan bin. Wenn ich eine Platte von ihnen zur Hand nehme, möchte ich auch Slayer pur hören, wie ich sie im Ohr habe – auf jeder Platte. Bei uns ist es nicht anders. Die Leute wollen Härte, Brutalität und meine derben Vocals.“

Natürlich gibt es vor allem Songs, die diesem Anspruch gerecht werden und gehörig austeilen. Das ist die Identität, die man mit HATEBREED verbindet, doch damit sind die Musiker noch nicht zufrieden: „Wir wollen mehr sein als nur Moshing, Brutalität und Headbanging“, erklärt Jamey Jasta. „Unser Ansatz geht darüber hinaus, auch wenn viele Leute das nicht wahrhaben wollen.


Alles andere widerspräche unserer Natur. Teil unseres Selbstverständnisses als Band sind auch Stücke, die positive Gedanken behandeln und die Hörer aufbauen sollen. Nur beides zusammen – Brutalität und diese optimistische Komponente – erschafft die Identität, die uns wirklich ausmacht. Gerade auf den letzten Platten ist diese Zweigleisigkeit immer offensichtlicher geworden; seit ich in den Texten wirklich all das verarbeite, was mich im normalen Leben beschäftigt.“ Knapp zusammen gefasst formulieren HATEBREED mit „The Divinity Of Purpose“, dass man seine Antriebskräfte und innere Motivation nicht zwingend ergründen muss. Man sollte vielmehr mit dem zufrieden sein, was man hat und das Beste aus den sich bietenden Möglichkeiten machen:

„Nimm uns: Wir lieben, was wir tun. Unsere Songs sind das Ergebnis einer tief sitzenden Leidenschaft und unbändigen Kraft, die wir anders niemals ausdrücken könnten. Wichtig ist, dass man seine innere Triebfeder spürt und sie nutzt. Es ist aber nicht nötig, alles zu hinterfragen und damit vielleicht sogar zu zerstören. Jeder ist seines Glückes Schmied, heißt ein Sprichwort, das passt. Ich hätte im Gefängnis landen, ein Drogenabhängiger oder ein Krimineller werden können. Dass das nicht passiert ist, verdanke ich meiner Kreativität und der Musik. Schon in der Jugend habe ich die Musik für mich entdeckt. Manchmal kann ich noch immer nicht so richtig glauben, was sich daraus entwickelt hat. Sie ist mein Ausweg gewesen. Viele Kids stehen heute vor ähnlichen Problemen wie ich in meiner Jugend. Gegenwärtig ist Amerika kein einfacher Ort, um aufzuwachsen und seinen Platz im Leben zu finden. Ich versuche mit meinen Texten, einen Anstoß zum Positiven zu geben. Vielleicht lassen sich einige Kids von mir inspirieren oder finden Zuversicht in meinen Worten. Das Album ist aber auch ein Statement, mit dem wir sagen: Wenn du deine Leidenschaft gefunden hast, verteidige sie gegenüber allem Schlechten um dich herum und setze dich dafür ein, dass deine Träume wahr werden. Das Negative darf nicht die Oberhand gewinnen. Hat man ein Ziel, auf das man hinarbeitet, wird das auch nicht geschehen. Solange man positiv eingestellt bleibt, kann nichts schief gehen. Aber man muss sein Ziel kennen.“

Das Alter fordert Tribut

Innerhalb kurzer Zeit ist die 1994 gegründete Band zu einer bekannten und relevanten Genre-Ikone aufgestiegen, die diese Position bis heute vehement verteidigt. Jamey Jasta & Co. kümmern sich um ihre Szene und fühlen auch die Notwendigkeit, jüngere Hörer-Generationen an die Hardcore-Tradition und ihre Werte heran zu führen: „For The Lions“ haben wir 2009 aus eben diesem Grund gemacht“, erzählt der Shouter. „Es ist unser Tribute an die Gruppen, mit denen wir aufgewachsen sind und die uns beeinflusst haben. Viele unserer Fans kannten diese Bands bis dahin gar nicht. Wir haben seit Jahren eine Position inne, in der wir die Verantwortung spüren, mehr als nur unsere Songs zu spielen und etwas zurück zu geben. Ein großer Teil des Wissens um die Wurzeln und die Historie des Hardcore ist leider verloren gegangen oder niemand interessiert sich mehr für sie. Mit dem Internet ist eigentlich alles leicht zu finden, doch niemand macht sich die Mühe, zu suchen. Das Aktuelle und Neue schlägt das Alte. Als wir aufgewachsen sind, klangen die Bands roh, einfach und dreckig. Viele Kids wollen so etwas gar nicht hören, weil der Produktionsstandard heute ein ganz anderer ist. Cover-Alben sind dann ein gangbarer Weg, um einen Kompromiss zu schaffen, der beiden Seiten zusagt.“

In den Zeiten von Internet und Social Media gibt es die enge persönliche Szene früherer Tage nicht mehr. Der Underground hat sich aufgelöst, denn alles ist immer und überall verfügbar. Selbst die Subkulturen sind für jedermann nur einen Click oder Button weit entfernt. Hardcore ist da keine Ausnahme: „Ob die reale Szene heute so viel anderes als jetzt die virtuelle aussehen würde, weiß ich nicht“, erwidert Jamey. „Schon früher herrschte ein reges Kommen und Gehen, das schon allein durch den altersbedingten Wechsel bedingt ist. Ab einem Alter von circa 30 Jahren wenden sich viele Leute vom Hardcore ab, weil sie sich für ihn zu alt fühlen oder andere Dinge im Leben größere Priorität erfordern. Für Musik bleibt dann häufig keine Zeit mehr. Hardcore und Metal sind ein Lebensabschnitt, der vorüber geht. Wir selbst kämpfen ja auch mit Veränderungen im persönlichen Bereich, doch für uns ist die Musik unser Leben. Wir bleiben aktiv und Teil der Szene. Die größte Motivation für uns ist es, wenn tausende von Leuten unsere Songs aus vollen Kehlen mitschreien, weil sie ihnen etwas bedeuten. Das erfüllt uns mit Stolz, denn es zeigt uns, dass wir die Leute erreichen. Wir haben uns nie verstellt, nur um besser anzukommen oder unsere Herkunft verleugnet. Wir sind eine Konstante und eine Institution mit einem Sound, den wir authentisch seit unserer Gründung durchgezogen haben. Wir werden die Fahne des Hardcore weiterhin hoch halten, auch wenn wir heute etwas weniger touren als früher. Wir versuchen noch immer, jede Möglichkeit wahrzunehmen, mit HATEBREED unterwegs zu sein, doch auch wir werden nicht jünger und merken zunehmend, wie schwer es ist, die Intensität früherer Tage aufrecht zu erhalten.“

Die Ziele in Zusammenhang mit der Veröffentlichung von „The Divinity Of Purpose“ formuliert Jamey Jasta dann auch in aller Bescheidenheit und verknüpft sie sogleich mit einer Aufforderung an die Fans:

„Für HATEBREED geht es darum, auf Betriebstemperatur zu bleiben und Präsenz zu zeigen. Es ist herausfordert, regelmäßig überall dort zu spielen, wo die Fans es gerne hätten. Wir können nicht überall auf der Welt gleichzeitig sein. Ich kann jedem nur raten, zu unseren Shows zu kommen, wenn wir in der Nähe sind. Bis wir das nächste Mal vorbei schauen, kann es dauern. Es gibt Regionen, die wir nur alle zwei oder drei Jahre sehen. Als wir gerade mit Lamb Of God und In Flames getourt sind, haben wir in Städten vor zehntausenden Kids gespielt, in denen wir in den nächsten Jahren nicht wieder auftreten können. Wir müssen uns rund um den Globus spielen und versuchen, in unserem Kalender alle Gegenden halbwegs gleichberechtigt zu berücksichtigen.“ Für Europa steht noch im Winter die Persistence Tour 2013 auf dem Programm, die HATEBREED gemeinsam mit Agnostic Front, H2O, Stick To Your Guns und The Acacia Strain spielen werden.

 
 Links:
  hatebreed.com
 
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