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Lights Finding Ourea

Interview von: Daniel mit LIGHTS FINDING OUREA, am: 10.12.2012 ]

Selten in letzter Zeit hat mich eine noch ungesignte, mir bis dato unbekannte Band derart viel Freude bereitet wie LIGHTS FINDING OUREA aus Deutschlands wahrlich nicht mehr neuem Osten. Die Mischung aus Post-Hardcore und Elementen der elektronischen Musik klingt innovativ, brutal und außergewöhnlich und dürfte selbst für gestandene Metaller (ein offenes Ohr vorausgesetzt) ein Geheimtipp sein.

 

Musicscan: Jungs und Mädels: Da bis dato wohl nur leider wenige Eure Band kennen: Bitte schildert kurz Euren Werdegang bis zur jüngsten Veröffentlichung.

Lights Finding Ourea: Wir haben vorher bereits unter anderem Namen gemeinsam Musik gemacht, konnten uns allerdings nicht mehr wirklich mit diesem Projekt identifizieren. Andere Bands hätten an diesem Punkt vielleicht aufgehört, doch wir konnten uns nach kurzer Zeit wieder aufraffen und haben den neuen Stil gefunden, den wir gesucht haben. Mit der Änderung der musikalischen Ausrichtung haben wir uns darauf geeinigt unter neuem Namen noch einmal neu zu beginnen, was wir bis jetzt nicht bereut haben. Anschließend stand das volle Programm auf dem Plan. Die ersten Songs wurden aufgenommen, neue Fotos gemacht, neue Social Media Plattformen angelegt etc... Am 01. Dezember 2011 gingen wir mit den ersten Songs und Bildern „online“. Am 26. Dezember spielten wir unseren ersten Gig in Weimar und gingen anschließend als Support mit Deadlock und Lake Of Tears auf Tour. Nach der Tour zogen wir uns noch einmal eine Weile zurück um im „Slaughters Palace Studio“ die EP fertigzustellen. Produzent war dabei Sebastian Reichl (Deadlock). Am 16. Mai folgte dann die ausverkaufte Release-Show im Rosenkeller Jena. Im digitalen Vertrieb war die Platte ab dem 18. Juni erhältlich. Seitdem standen hauptsächlich Club-Shows auf dem Plan.

Musicscan: Die EP hat mir ausgesprochen gut gefallen. Natürlich hat sie mich auch an Enter Shikari erinnert. Wie könnt ihr mit diesem Vergleich leben?

Lights Finding Ourea: Erst einmal freut es uns natürlich, dass die EP bei dir gut ankam. Mit dem Vergleich können wir recht gut leben, denn es ist für uns eine gewisse Ehre mit den wahrscheinlich innovativsten Musikern der letzten 10 Jahre verglichen zu werden. Es bestehen natürlich Parallelen zu Enter Shikari, was das Einbringen von Dubstep- und Trance-Elementen betrifft, anderseits machen wir Dinge die sich ganz klar von Enter Shikari unterscheiden. Neben anderen Gesangsstrukturen, Elementen des Post-Hardcore und funkigeren Grooves sticht natürlich das Saxophon besonders hervor. Und wenn man ganz ehrlich ist, lässt sich doch nahezu jede Band von anderen Künstlern inspirieren, jedoch muss man sich - um nicht einfach billig zu kopieren - seinen eigenen Weg suchen und versuchen etwas Neues zu schaffen. Ansonsten kommt irgendetwas heraus, was sich vom Einheitsbrei kaum abhebt. Allerdings wird unser Sound auch von Bands wie Architects, La Dispute, Alexisonfire und Dubstep-Künstlern wie Skrillex, Caspa, Rusko und Nero beeinflusst. Und wie du bereits im Review geschrieben hast, kann die Welt sicher noch eine Band mit ähnlichem Sound vertragen. ;)

Musicscan: Wie kommt Euer doch, sagen wir mal, außergewöhnlicher Stil zustande? Auch das Einbetten des Saxophons ist ja keine Selbstverständlichkeit.

Lights Finding Ourea: Wir kommen musikalisch einfach nicht alle aus der gleichen Ecke, was die verschiedenen Elemente aus Metalcore, Post-Hardcore, Dubstep, Elektro und Funk erklärt. Hier bringt einfach jeder seinen musikalischen Background mit ein, was für den etwas außergewöhnlichen Stil sorgt. Das Saxophon wird gerade deshalb eingebettet, weil es etwas derart außergewöhnliches ist. In der heutigen, schnelllebigen Zeit ist es verdammt schwer etwas zu erschaffen, oder etwas zu versuchen was noch keiner gemacht hat und da passt das Saxophon super rein. Außerdem gibt es dem Sound im Gesamtbild den letzten Schliff.

Musicscan: Zurück zum Anfang: Was steckt hinter dem poetischen Bandnamen?

Lights Finding Ourea: Der Bandname entstammt aus der griechischen Mythologie. Die alten Griechen waren der Überzeugung, dass die Gebirge personifizierte Götter sind. Als vaterlose Kinder Gaias - also der personifizierten Erde - gehören sie somit zu den ältesten Göttern der griechischen Mythologie. Lights Finding Ourea, kann somit für jeden eine unterschiedliche Bedeutung haben. Der Moment an dem die Sonnenstrahlen durch das Dunkel stoßen, und die Berge zuerst treffen – etwas Natürliches, ein ewiges Erscheinungsbild. Im übertragenen Sinne ist es eine Art Erleuchtung, welche eintritt, wenn man über die grundsätzlichen Dinge des Lebens nachdenkt. Außerdem steht die Abkürzung LFO auch für Low Frequency Oscillator. Mit diesem werden die typischen Dubstep-Sounds kreiert.

Musicscan: Euren Bandphotos nach zu urteilen, entstammt ihr auch zumindest teilweise der Skateszene. Wie wichtig ist Euch die Verbindung zwischen Fashion (Lifestyle) und Musik?

Lights Finding Ourea: Eigentlich entstammt nur Enrico der Skateszene. Musik und Lifestyle gehören irgendwie schon immer zusammen und Fashion gehört wiederum gewissermaßen zum Lifestyle. Allerdings ist diese Verbindung für uns nicht sonderlich wichtig, denn es sollte sich primär um die Musik und nicht das Aussehen und insbesondere nicht um die Klamotten der Bands drehen. Hier kann man H2O´s Song „What happened?“ anbringen. Man muss keinen Dress Code befolgen, es ist egal wie man die Haare trägt, oder welche Klamotten man trägt. All diese Dinge sind leider nicht mehr selbstverständlich. Leider ist bei vielen „Fashion before Passion“ das Motto. Jeder betont möglichst individuell zu sein, sieht aber dann trotzdem aus wie die anderen und kritisiert die wenigen Personen, die es nicht tun. Das ist traurig, aber mittlerweile Alltag geworden. Das Aussehen und die Bekleidung stehen bei uns nicht im Vordergrund, sondern der Spaß und die Passion an der Musik.

Musicscan: Ist es für Euch als junge Musiker immer noch ein Traum, Profi zu werden? Von der Musik zu leben?

Lights Finding Ourea: Wir denken jeder, der ernsthaft versucht Musik zu machen, würde gern davon leben können und es hauptberuflich machen. Allerdings sind wir uns bewusst, dass das wohl ein Traum bleiben wird, denn die wenigsten Bands in den Nischen-Genres können leider noch wirklich von ihrer Musik leben. Das ist schade, aber leider ist es so. Ein Großteil der Menschen ist einfach nur noch Erlebnis- und Kosten-orientiert. Man möchte gute Musik hören, aber nicht dafür zahlen, sondern die Musik lieber kostenlos downloaden. Anstatt die lokalen Konzerte zu supporten und dort für wenig Geld gute Bands zu sehen, geben leider viele junge Leute ihr Geld lieber für Alkohol und Diskos/Clubs aus, in denen der Lieblings-DJ die bekannten US-/ und Brit-Bands aus der Büchse um die Ohren haut. Diese Entwicklung ist nicht nur für die Nachwuchs-Szene, sondern auch für die größeren Acts sehr schade. Zum Glück merkt man, dass besonders die HC- und Metalcore-Szene standhaft bleiben und gegen diesen unglücklichen Umstand ankämpfen. Von der Musik zu leben wäre schön, allerdings setzen wir nicht alles auf eine Karte, denn der Spaß an der Musik und unsere Freundschaft sind uns viel wichtiger als der schnelle Erfolg oder das Geld.

Musicscan: Wie wichtig sind die neuen Medien für Euch? Was bringen Myspace, Facebook und Co.?

Lights Finding Ourea: Das Web 2.0 ist für uns als Band wichtig, aber nicht das Wichtigste. Natürlich ist die Arbeit mit sozialen Netzwerken, insbesondere Facebook, für die Bands verdammt wichtig um mit seinen Fans und Followern in Kontakt zu treten, News zu verbreiten, Songs und Videos zu teilen etc. Die klassische Band-Website ist unserer Meinung nach schon seit langer Zeit von Myspace und dann endgültig von Facebook-Pages abgelöst wurden. Es gibt natürlich Bands, die über Facebook bekannt werden, aber für uns liegt das Hauptaugenmerk nicht darauf uns über Musik zu vermarkten, sondern unsere Musik zu vermarkten. Dafür bieten Facebook, YouTube und Co. natürlich geeignete Kanäle.

Musicscan: Was sagt ihr all jenen Oldschoolern, die die Verbindung von harten Gitarren und Synthies nicht leiden können? Wie würdet Ihr einem Manowar-Fan Eure Band schmackhaft machen?

Lights Finding Ourea: Muss man das wirklich versuchen? ;) Wir denken, dass Musik nicht dafür da sein muss jedem zu Gefallen. Dann würde man inhaltslose, nichts-sagende Songs schreiben und versuchen alle Extreme zu vermeiden...Das wollen wir nicht. „Du magst Old-School Metal? Das ist für uns okay.“ (Warriors Of The World geht ja auch gut rein ?) „Du findest uns scheiße? Ist für uns auch okay.“ ... Man muss es nicht Allen recht oder schmackhaft machen, aber man sollte offen, tolerant und respektvoll gegenüber anderen Musikrichtungen sein, denn das erwartet man im Endeffekt auch selbst.

Musicscan: Zu guter Letzt: Wie sieht die nähere Zukunft für Euch aus? Konkrete Pläne? Der Wunsch einen Plattenvertrag zu ergattern?

Lights Finding Ourea: Wir wollen uns weiter verbessern, neue und bessere Songs schreiben, mehr Shows spielen und vor allem weiter Spaß an dem haben, was wir tun. Wir arbeiten derzeit an zwei Videos, von denen das erste hoffentlich schon in naher Zukunft veröffentlicht werden kann. Auf Biegen und Brechen einem Plattenvertrag hinterherjagen wollen wir nicht. Wenn sich etwas ergeben sollte, was uns nicht knebelt und womit wir Spaß haben können, dann sind wir für alles zu haben.

 
 Links:
  facebook.com/LightsFindingOurea
 
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