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Nonexist

Storie von: arne, am 04.11.2012 ]

Johan Liiva (ex-Arch-Enemy, -Carnage, Hearse) und Johan Reinholdz (Andromeda, Skyfire) melden sich mit NONEXIST nach längerer Sendepause unverhofft mit ihrem Zweitwerk zurück. Die Schweden haben auf „From My Cold Dead Hands“ wieder richtig viel Spaß am gemeinsamen Musizieren und inszenieren einen variantenreichen, hungrigen Death Metal.

 
Bei den Skandinaviern kommen Fokussierung und Spaß in einem guten Mischungsverhältnis zusammen. Ganz so wie auf dem Century Media/New Hawen-Debüt „Deus Deceptor“, das vor zehn Jahren erschienen ist: „Es gibt noch einige Leute, die sich an unsere erste Platte erinnern und via Facebook immer mal wieder nachgefragt haben, wann es einen Nachfolger geben wird“, erzählt Johan Liiva. „Andere freuen sich, dass wir noch aktiv sind, wenn sie es auf meiner Facebook-Seite lesen. Und dann gibt es Leute, die uns mit Verspätung kennen lernen und unser Debüt für sich entdecken. Nach der langen Zeit ist das für mich nichts, was ich erwarten würde, aber das sind die neuen Zeiten. Es hat sich so viel verändert. Was mir dabei zusagt, ist die Tatsache, dass wir nun direkt mit unseren Fans in Verbindung treten können. Das Internet ist damals bei „Deus Deceptor“ noch nicht so weit gewesen. Promotion war harte Arbeit und kompliziert. Heute spricht man online genau die Leute an, die man sucht und sich für unseren Sound interessieren.“

Die Musiker leben sich spritzig, verspielt und ohne große Differenzierung zwischen den einzelnen Strömungen und Epochen des Death Metal aus. Technische Parts, prägnante Riffs, abgedrehte Momente, melodische Gassenhauer und tolle Chöre: auf ihrem Zweitwerk kennen NONEXIST weder Grenzen noch Berührungsängste: „Die Songs sind zwischen 2009 und 2012 entstanden und decken damit eine lange Spanne ab. Diese spiegelt sich in der Variabilität des Albums wider,“ meint Johan Reinholdz. „Es ist nicht unbedingt so geplant gewesen, aber rückblickend wirkt sich der Faktor Zeit positiv auf das Ergebnis aus. Das erste Album ist unter enormem Zeitdruck entstanden. Wir konnten kaum reflektieren und hatten keine Zeit für Experimente. Wir haben die Platte straff und schnell durchgezogen. Dafür ist sie richtig gut geraten. Für das Zweitwerk haben wir nun all das nachgeholt, auf das wir damals verzichten mussten. Wir hatten den Raum für Ideen und Experimente, den wir wollten. Es hat ja niemand auf uns gewartet. Der eine oder andere mag „From My Cold Dead Hands“ als unser zweites Debüt werten, und zum Teil stimmt das auch. Wir sind einige Jahre älter und erfahrener, jedoch nicht weniger verrückt als früher.“

Ein anderer Grund für die lange Arbeitsspanne liegt in der Besetzung bzw. dem zwischenzeitlichen Ausstieg des Shouters: „Als ich 2009 mit dem Songwriting begann, ist Liiva gar nicht in der Band gewesen“, erzählt Johan Reinholdz. „Erst seit 2011 ist er wieder Teil von NONEXIST. Den Großteil von „From My Cold Dead Hands“ habe ich ganz allein geschrieben. Die Texte sind dann in einem knappen Zeitraum zwischen 2011 und 2012 entstanden, weshalb sie repräsentativ für unsere derzeitige Stimmungslage und Einstellung stehen. Inzwischen arbeiten wir bereits an unserem dritten Longplayer, der wieder ein Gemeinschaftswerk werden wird. Liiva wieder fest mit an Bord zu haben,


ist toll, denn seine Stimme ist einzigartig und markant.“ Wohl wahr – all diejenigen, die gerne weitere Songs im Stile der ersten drei Arch Enemy-Platten hören wollen, dürfen sich freuen. Der Frontmann sieht soundseitig allerdings auch deutliche Unterschiede:

„Wir spielen Metal mit einem besonderen Twist, der aufhorchen lässt, aber nicht zu abgedreht ist, um nicht verstanden zu werden. Als Songwriter fühlen wir uns völlig frei in dem, was wir tun. Wir stehen weder in der Pflicht, Erwartungen erfüllen noch mit Verrücktheiten beeindrucken zu müssen. Wir spielen harten Metal mit ordentlich Zug und verweben ihn mit all dem, was uns einfällt.“ Kollege Reindholds stimmt zu und ergänzt: „In unseren anderen Bands gehen wir anderen Stilen und Interessen nach. Im Kontext von NONEXIST bringen wir all das auf einen gemeinsamen Nenner, der zwangsläufig verschiedenartig klingen muss und nicht nur auf einen Sound festgelegt sein kann. Damit bieten wir automatisch Identifikationsfläche für diverse Hörergruppen, was „Deus Deceptor“ beweisen hat. Ich denke, dass wird bei „From My Cold Dead Hands“ nicht anders sein. Aufgrund der Beteiligung von Liiva werden uns sicherlich die Arch Enemy-Fans antesten. Dasselbe gilt für die Hörer meiner Band Andromeda, die eher progressiv orientiert ist und Metal mit Clean-Vocals spielt. Für die neue NONEXIST ist es mein Ziel gewesen, zu überraschen. Ich wollte unbedingt einige Black Metal-Passagen auf der Platte haben, aber auch Synthies, etwas Clean-Gesang und mehr Blastbeats. Das Spektrum sollte breiter werden, und so findet sich auf der Platte eine Menge Brutalität und Wut. Wir verarbeiten unsere Aggressionen und erschaffen aus dem Negativen, das uns im Alltag und beim Blick auf die Lage der Welt begegnet, etwas Kreatives und Positives.“

Selbst zwanglos progressive Einschübe finden ihren Platz auf „From My Cold Dead Hands“, dessen Entwicklung dennoch flüssig erfolgt. Von der lebendigen Attitüde des Zweitwerks der Schweden lässt man sich schnell anstecken. So darf schwedischer Death Metal gerne häufiger daher kommen. Shouter Johan Liiva hat übrigens seinen ganz persönlichen Grund für seine Rückkehr zu NONEXIST:

„Mir geht es schlicht darum, Musik zu machen. Das hilft mir, ein ausgeglichener Mensch zu bleiben. Seit der letzten Hearse-Platte sind mehr als zwei Jahre vergangen. Es war also höchste Zeit, meine Batterien wieder aufzuladen. Ich schätze beide Teile des Band-Daseins, den kreativen und den sozialen. Etwas in einer Gruppe zu erschaffen, ist ein tolles, erfüllendes Gefühl. Für mich gibt es nichts Größeres als gemeinsam Gefühle wie Liebe und Hass oder Gedanken über das Leben und den Tod in Songs zu verarbeiten.“ Die Schweden treten mit einem partiell eigenen Stil an, bei dem Spaß und kreative Freiheit zentral stehen. Das spontane Moment im Sound von NONEXIST garantiert dabei für Spannung und fesselnden Death Metal.

 
 Links:
  http://label.pivotalalliance.com/artists/nonexist/
 
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