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Christian Aelvestam

Storie von: arne, am 31.10.2012 ]

Den 36-jährigen CHRISTIAN ÄLVESTAM kennt man als Frontmann bzw. Gitarrist von Miseration, Solution.45 und Torchbearer sowie von seiner Vergangenheit bei Scar Symmetry. Der Schwede ist als variabler, charismatischer und markanter Sänger aufgefallen, dessen Stimme Wiedererkennungswert besitzt. Die diversen Spielwiesen des Metal sind ihm allerdings nicht genug, wie seine Solo-MCD „Self 2.0“ beweist, die für sanften, seichten Pop steht.

 
Der Musiker zeigt sich ob seines ersten Alleingangs hoch zufrieden, und für ihn verlief der Arbeitsprozess fast wie immer: „Ein Solo-Album zu veröffentlichen, ist kein Muss gewesen. Von jeher verspüre ich den Drang, mich in meinen Bands und Projekten heraus zu fordern und neue Dinge auszuprobieren. Das inspiriert mich, und Inspiration ist die Triebfeder meiner Kreativität. Ginge sie verloren, müsste ich das Handtuch werfen und mir eine neue Beschäftigung suchen. Die Mischung aus Begeisterung und Angst, die ich beim Experimentiern häufig erlebe, fühlt sich toll an. Schließlich weiß man nie, was hinter der nächsten Ecke kommt. Mögliche Erwartungen verbinden sich mit Terror, wenn man es anders formulieren will. Das treibt mich an. Am Ende des Tages schreibe ich die Musik für mich selbst. Ich bin mein größter Kritiker und strebe danach, mich zufrieden zu stellen. Das fällt mir ohnehin nicht leicht und war dieses Mal eine noch größere Aufgabe. Ich habe allerdings auf die Hälfte meines Herzens gehört, die nicht Metal ist.“

Ganz allein für das Songwriting verantwortlich zu sein, hat die Dinge für CHRISTIAN ÄLVESTAM dabei weder vereinfacht noch verkompliziert: „Es ist eine Mischung aus beidem. Sich nicht mit anderen arrangieren zu müssen, eröffnet unbegrenzte Freiräume. Man kann darauf hinarbeiten, seine Vision adäquat umzusetzen, aber es ist schon hart, niemanden dabei zu haben, mit dem man seine Ideen besprechen und weiterentwickeln kann. Andererseits wollte ich es ja genauso haben. Diese Platte habe ich für mich gemacht. Die Songs repräsentieren mich und niemanden sonst. Ich bin meinem Herzen gefolgt und weiß, dass ich damit richtig liege. Ganz egal, was die Hörer und Journalisten in den nächsten Wochen auch sagen werden. Wenn ich auf das, was andere schon alles über meine Bands gesagt haben, ernst genommen und berücksichtigt hätte, würde ich heute keine Musik mehr machen. Ich glaube an die Stärke der Songs und bin von ihrer Qualität überzeugt.“

Mit dem bisherigen Feedback auf „Self 2.0“ zeigt sich der schwedische Sänger zufrieden: „Um ehrlich zu sein, bin ich sogar überrascht, dass ich fast ausschließlich Zuspruch erfahre. Die Leute begegnen der Platte mit offenen Ohren und bilden sich eine differenzierte Meinung. Das gefällt mir und ist mehr, als ich für möglich gehalten habe. Der Bruch zu dem, was ich sonst tue, ist ja schon enorm. In der kreativen Arbeit halte ich es aber von jeher mit Linda Poindexter, die gesagt hat, dass niemals die Erwartungen anderer Leute diktieren dürfen, was man von sich selbst erwartet. Alles Weitere wird sich finden.“ Die fünf Songs der MCD stehen für biederen Pop, der sich an den 1980er Jahren orientiert.


Die seichten, gefälligen Synthie-Soundscapes mit Saxophon oder ausschweifender Gitarrenarbeit frei von metallischer Härte bergen das Potenzial, im Radio zu laufen und sogar die Charts zu entern: „Solange ich denken kann, habe ich eine Schwäche für Pop-Musik, insbesondere der im Stil der 1980er Jahre – Bands und Künstler wie Michael Cretu (Sandra, Enigma etc.), Krister Linder (Grace, Dive etc.), 30 Seconds To Mars, Freiheit, Mute Math, Nephew, Dead Letter Circus, Pendulum, Mew und The Radio Dept. Sie alle haben mich bei der Arbeit an „Self 2.0“ inspiriert. Es ist Ausdruck all der soften und wohlklingenden Sounds, die mich seit meiner Kindheit im Innersten berührt haben.“

Den Wunsch, ein Album wie „Self 2.0“ umzusetzen, trägt CHRISTIAN ÄLVESTAM schon sehr lange mit sich herum, wie er verrät: „Es endlich getan zu haben, fühlt sich großartig an. Da ich nicht wusste, wie es werden würde, bin ich mit dem Ergebnis umso glücklicher. Das ist ja das Tolle daran, wenn man sich in unbekanntes Terrain vorwagt. Man kann nichts planen und muss sich voll einbringen. Der Arbeitsprozess lief nach dem Prinzip „Trial and Error“, und das hat mich angestachelt. Da ich bislang nichts abgeliefert habe, was mit „Self 2.0“ vergleichbar ist, habe ich allein auf meine Intuition vertraut. Hatte ich ein Lächeln im Gesicht, wenn ein Song fertig war, wusste ich, dass er gelungen ist.“

Besondere Bedeutung im einheitlich klingenden Pop-Vortrag des Schweden besitzt der letzte Track: „Für mich wirken die Songs als Einheit am Stärksten. Ein einzelnes Stück hervorzuheben, ist praktisch unmöglich. Es ist wie in einem Film, bei dem die Reihenfolge der Kapitel durch den Handlungsverlauf vorgegeben ist. Man muss sie nacheinander schauen. Bricht man einen Teil heraus, verliert man den Blick auf das Ganze. Jedes Lied bedeutet mir auf seine eigene Art und Weise sehr viel. Andernfalls hätte ich sie nicht berücksichtigt. Die emotional stärkste Verbindung habe ich allerdings zum letzten Song ,En Knippa Ljung‘. Es ist die Vertonung eines Gedichtes, das meine Großmutter 1944 geschrieben hat. Glücklicherweise konnte ich es ihr an ihrem 87. Geburtstag vorspielen, bevor sie in diesem Jahr verstorben ist. Es ist meine persönliche Würdigung und Anerkennung all dessen, was sie für mich und mein Leben bedeutet hat.“

Die defensiven, jedoch eindringlichen Clean-Gesänge auf „Self 2.0“ präsentieren eine zuvor in dieser Konsequenz unbekannte Facette im Schaffen von CHRISTIAN ÄLVESTAM. Der 36-Jährige kann auch Pop und muss sich dazu nicht einmal anbiedern. Alles klingt natürlich und authentisch. Die fünf Stücke der MCD laden zum Träumen und Schwelgen ein und sind nett anzuhören. Es reicht sogar zu kleinen Ohrwürmern.

 
 Links:
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