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Varg

Interview von: Daniel mit VARG, am: 08.10.2012 ]

VARG waren praktisch seit Gründung eine kontroverse Band. Von Liebäugelein mit dem rechten Lager war da zu hören, und wer davon nichts wissen wollte, der hatte immerhin in den teils eher szenetypisch schlichten, markigen Texten genug Futter, um sich abzureagieren. Selbst die selbsternannte Szenepolizei Rock Hard gab der Band die Möglichkeit, sich zu erklären. VARG haben deutlich gemacht, dass sie mit rechtem Gedankengut nichts am Hut haben. Zeit also, sich wieder der Musik zuzuwenden. Dieser Tage erscheint „Guten Tag“. Eine Hommage an Wir Sind Helden? Man kann nur hoffen, dass dem nicht so ist. Lassen wir die Band selbst zu Wort kommen.

 

Musicscan: Mit „Guten Tag“ habt ihr ein starkes Stück Metal abgeliefert. Auch, wenn ich die Karriere der Band nicht wirklich verfolgt habe, war die stilistische Ausrichtung bislang doch eher bei den klassischen Themen. Jetzt eher die Hinwendung zu „Seemannsliedern“, wenn ihr versteht, was ich meine. Erzählt mir mehr zur Genese des Albums bitte.

Varg: Dankeschön, aber Seemannslieder? Sicher dass wir vom selben Album sprechen? Inhaltlich hat sich für uns eigentlich wenig geändert. Die Verhältnis von kritischen Texten und paganen Inhalten ist genau wie aufs Wolfskult. Vielleicht haben wir es diesmal nur noch besser geschafft, beide Thematiken ineinander verschmelzen zu lassen. Musikalisch haben wir dafür alle Ketten gesprengt, in die wir uns vorher selbst gelegt hatten. “Guten Tag” ist das vielschichtigste Varg Album, dass es jemals gab.

Musicscan: Gerade im Hinblick auf die Kontroversen der Vergangenheit: Warum meint ihr, haben gerade deutsche Bands mit deutschen Texten (ungeachtet der Begleiterscheinung) aus dem Bereich Pagan das Problem schnell in die rechte Ecke gedrängt zu werden?

Varg: Die Thematiken in dieser Musikrichtung sind nunmal teilweise sehr konservativ oder reaktionär. Hinzu kommt die Romantik der heldenhaften Sagen von einstigen großen Kriegern, etc. Nicht umsonst hatten die Nazis früher etwas dafür übrig und so ist es leider auch heute so, dass einige der ewig gestrigen Spinner meinen, diese Geschichten mit rassistischem Gedankengut verknüpfen zu müssen. Das ist aber ein Problem der Menschen und kein Problem der Thematik selbst. Die Geschichten sind weit entfernt davon, rassistische Gedanken zu propagieren und wir sind das auch! Für einen Außenstehenden ist es aber natürlich schwerer zu differenzieren, daher versuchen wir mittlerweile auch allgegenwärtig ganz klar Stellung zu beziehen.

Musicscan: Was haltet ihr generell von der Vermischung aus Politik und Musik?

Varg: Es gibt ja diesen weitverbreitenden Satz “no politics in metal” oder dass Politik in Musik grundsätzlich nichts zu suchen hat. Gut möglich, dass wir sogar schon selbst einmal etwas derartiges gesagt haben. Ich bin allerdings nicht unbedingt dieser Meinung. Wir versuchen mittlerweile vermehrt gesellschaftskritische Themen mit paganem Gedankengut zu vermischen und Dinge zu sagen, die sich entweder niemand traut oder die man schlicht nicht oft genug sagen kann. Politik ist ein Teil der Gesellschaft und gehört daher genauso in die Kritik wie Religion oder persönliches Verhalten. Wer allerdings durch Musik versucht, jemandem seine eigenen politischen oder sonstigen Gedanken zu indoktrinieren bekommt meine vollste Abneigung.

Musicscan: War der Titel beabsichtigt eine Referenz zu Wir Sind Helden, oder eher Zufall?

Varg: Das war Zufall. Freki hatte schon länger die Idee oder den Wunsch im Kopf, mal ein Album mit den Worten “Guten Tag” zu eröffnen. Daraus entstand der Text zum gleichnamigen Song, welcher dann auch schnell als Titelsong feststand. Der Sprung zur Wahl als Albumtitel war dann nicht mehr weit. Und mal ehrlich, der Titel kann einfach alles! Er irritiert, gefällt, stößt ab, erregt Aufmerksamkeit – viel besser als noch ein weiterer möglichst böse klingender standard Metalalbum-Titel.

Musicscan: Was sagt ihr all den Kritikern, die die Kontroversen um euch, die „Nähe“ zu rechtem Gedankengut für geschickte Promotion halten? Also ich möchte erst mal klarstellen, dass wir in keinster Weise “Nähe” zu rechtem Gedankengut besitzen.

Varg: Ich kann durchaus nachvollziehen, dass mancher auf diesen Gedanken kommt. Aber es stimmt trotzdem nicht. Promotion ist wichtig, das ist klar; aber nicht um jeden Preis. Wir haben alle eine ganz eindeutige Stellung zu diesem Thema – und die lässt keinen Raum für Rassenhass und ähnlichen Bullshit. Daher haben wir in der Vergangenheit auch regelmässig unseren Standpunkt öffentlich klargemacht und werden es, wenn nötig, auch weiterhin tun, selbst wenn es uns oder unseren Fans teilweise schon gehörig auf die Nerven geht.

Musicscan: Was bewog Euch, genau diesen Stil zu wählen? Warum die deuschen Texte?

Varg: Varg hat sich 2005 als eine noch reine Pagan Metal Band gegründet. Ich war damals noch nicht dabei, aber die Wahl der deutschen Sprache liegt ja wohl auf der Hand. Über germanische und heidnische Sagen und Bräuche auf Englisch zu singen ist wohl weniger naheliegend, als auf deutsch. Abgesehen davon schreibt es sich in der eigenen Muttersprache nunmal einfach leichter.

Musicscan: Was ist hier und jetzt Eure Motivation ungeachtet aller Irritationen mit Musik weiter zu machen? Was ist Eure künstlerische Triebfeder?

Varg: Wir haben Spaß an dem was wir tun, das ist alles. Es macht Spaß neue Musik zu schreiben, ein Album entstehen zu lassen. Momentan sind wir in der Spannungsphase. “Guten Tag” ist seit zwei Monaten fertig, in vier Tagen kommt es raus. Man bekommt zwar natürlich vorab einige Reaktionen – und die Reaktionen bisher waren absolut überwältigend - aber trotzdem weisst du nie wie es letztlich läuft. Wenn das Album dann draussen ist fahren wir zwei Monate lang auf Tour um den neuen Kram zu performen. Darauf freuen wir uns gerade wohl alle am meisten. Es ist einfach dieser Zyklus, der so unglaublich viel Spaß macht. Album schreiben, aufnehmen, veröffentlichen, Touren, Rock ‘n Roll bis man nicht mehr kann und dann alles wieder von vorn. Ich werde das definitiv so lange machen wie ich nur irgendwie kann!

Musicscan: Wie gestaltet sich Eure nähere Zukunft?

Varg: Ab dem 5. Oktober steht “Guten Tag” in den Läden, ab dem 19. Oktober fahren wir auf die Heidenfest Tour durch ganz Europa und im Anschluss für knapp 4 Wochen mit Eluveitie und Wintersun durch Nordamerika. Wir haben also einiges vor und werden uns den Arsch abspielen und sicher massenhaft richtig geile Konzerte haben. Die Pläne für das Frühjahr 2013 sind zwar bereits in der Mache, aber dazu kann ich noch nichts konkretes sagen, außer das wir definitiv noch einige richtig spezielle Konzerte in petto haben.

 
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