Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1649

Between The Buried And Me

Storie von: arne, am 04.10.2012 ]

Die freigeistige Mischung aus Fusion, Jazz, Prog, Ambient und Post-Rock einerseits sowie Mathrock, Tech-Death und extremer Frickelei andererseits lässt konzentrationsfordernde, überraschende und vermeintlich widersprüchliche Soundscapes entstehen, die man sich erarbeiten muss. Dass BETWEEN THE BURIED AND ME bisweilen leichtflüssig und fluffig aufspielen, hilft diesbezüglich nicht weiter. Die Musiker aus North Carolina agieren stets auf mehreren Ebenen, und die subtile Wirkung des Materials darf man zu keiner Zeit unterschätzen.

 
Mit „The Parallax: Hypersleep Dialogues“ hat das Quintett im vergangenen Jahr den Auftakt eines wahnwitzigen Konzept-Werks veröffentlicht und den Plot eingeführt. „The Parallax II: Future Sequence“ führt die abstrakte Story, in deren Kern es um das destruktive Wesen der menschlichen Spezies geht, nun zu Ende. Die Band fährt neuerlich schwere Geschütze auf und lotet ihr Schaffensvermögen und die Grenzen ihrer Musikalität voll aus: „Wir wollten niemals mehr, als Spaß mit unserer Musik zu haben“, gibt sich Sänger und Keyboarder Tommy Rogers im Gespräch bescheiden. „Was die Ausgestaltung unserer Songs anbelangt, kennen wir keine Grenzen und richten uns nur nach unseren Vorlieben. Von Beginn an ist es unser Anspruch gewesen, kein Teil irgendeines Trends zu sein oder zu werden. Diese Einstellung hat uns dabei geholfen, unsere Karriere in Gang zu bekommen und nun schon über etliche Jahre fortzuführen. An unserer Band-Philosophie hat sich bis heute nichts verändert. Das Spaßlevel ist uns noch immer der wichtigste Gradmesser. Wenn wir uns selbst nicht wohl fühlen und locker sind, hört man das. Ohne Spaß geht es also nicht!“

In der Wahrnehmung von Presse und Fans wird das Wirbeln von BETWEEN THE BURIED AND ME gemeinhin als künstlerisch wertvoll und visionär eingeordnet. Der Frontmann relativiert: „Über uns sind schon die tollsten Sachen geschrieben worden. Dabei ist es meist einfacher und trivialer, als die Leute denken. Im Songwriting stellen wir keine großen Überlegungen an, sondern folgen schlicht dem, was uns in die Köpfe kommt. Alles geschieht natürlich und ungezwungen. Wir schreiben die Musik niemals mit einem bestimmten Ziel oder einer definierten Erwartung im Hinterkopf. So funktioniert das bei uns nicht. Wir drücken jeweils nur das aus, was wir im jeweiligen Moment spüren und fühlen.“ Das klingt fast schon zu leicht, doch die richtige Mischung aus Fokussierung, Lockerheit und Anspruch führt im Fall von BETWEEN THE BURIED AND ME zu tollen Ergebnissen: „Mit jedem Album profitieren wir stärker von der Lernkurve, die es uns ermöglicht, das Wesen unserer Band im Studio repräsentativ umzusetzen“, sagt Tommy Rogers. „Es ist jedes Mal unglaublich aufregend, wenn wir ein fertiges Album in den Händen halten und wir selbst, und später auch die Welt, erfahren, wie wir uns entwickelt und welche Ideen uns dabei getragen haben. Natürlich ist es uns bewusst, dass nicht jeder unsere Musik lieben oder gar verstehen kann. Das wissen wir, doch recht machen kann man es sowieso niemals allen Hörern.“

Ungebunden und frei

Das Quintett aus North Carolina verlangt Interessierten eine Menge ab, wobei man häufig Unerwartetes erlebt. Die krassen Knüppelpassagen von „The Parallax II: Future Sequence“ wirken trotz ihrer Komplexität und Frickelei mitunter schneller zugänglich als die gemäßigten mit Clean-Gesang und vordergründiger Melodieführung. Nur bei ganz wenigen Gruppen ist Derartiges festzustellen: „Nicht nur in Bezug auf unsere Band ist das Wort progressiv in den letzten Jahren viel zu häufig genutzt worden“, so der Frontmann. „In seinem ursprünglichen Sinn ist es natürlich ein großes Kompliment. Meinem Verständnis nach sind wir aber weder der Prototyp einer progressiven Band noch ständig als solche unterwegs. Im Songwriting bewegen wir uns die meiste Zeit außerhalb dieses Genres, auch wenn viele Leute das nicht hören wollen oder es ausblenden.“ Im Umfeld des regen Zuspruchs, den extrem-komplexe Stile wie Djent und Mathrock gegenwärtig (wieder) erfahren, stehen die Chancen für BETWEEN THE BURIED AND ME, eine noch größere Klientel anzusprechen, besser denn je:

„Die Leute sind beständig auf der Suche nach neuer Musik“, weiß der Sänger und Keyboarder. „Viele Bands und Künstler sind heute austauschbar und wenig spannend. Deshalb suchen die Hörer etwas, dass auch nach dem ersten Kontakt noch gut ist und mit der Zeit im Idealfall sogar noch besser wird. Heutzutage muss es doch immer weiter gehen und mehr geben, damit die Leute sich nicht langweilen. Wie dem auch sei, wir lassen uns von all dem nicht beeindrucken und blicken allein auf uns und unsere Interessenlage. Wir kümmern uns nicht darum, wer uns hört oder wo man uns gerade verortet. Es spielt keine Rolle, da wir nicht versuchen, irgendwo hinein zu passen. Wir entwickeln uns als Band weiter, nicht unseren Sound. Der Sound resultiert aus der Veränderung, die wir als Gruppe durchlaufen.“



Die Einflüsse, die sich in den Songs auswirken, stammen dabei aus der Musik allgemein; nicht von einem bestimmten Stil und schon gar nicht von einzelnen Gruppen: „Wir setzen mit jedem Song unsere jeweilige Stimmungslage um, die wir empfinden, wenn wir ihn schreiben. Dabei gibt es keine Grenzen. Wie sollte das auch funktionieren, wo die Spannbreite der Gefühle so breit ist? Aufgrund unseres generellen und nicht festgelegten Ansatzes fühlen wir uns keiner Szene verbunden und keiner Hörer-Klientel verpflichtet.“ Die Schar derer, die Gefallen an BETWEEN THE BURIED AND ME findet, und den Werdegang der Amerikaner verfolgt, wird dennoch immer größer: „Natürlich ist es toll, Fans zu haben, die sich derart stark für uns interessieren und intensiv mit unseren Veröffentlichungen beschäftigen“, äußert Tommy Rogers voller Stolz. „Wir fühlen uns geehrt und sind glücklich darüber. Nur wenigen Bands ist es vergönnt, eine solch lange Karriere vorweisen zu können, wie wir sie erleben. Über diesen langen Zeitraum hinweg kontinuierlich Platten herauszubringen, die beachtet werden, bedeutet uns viel. Je länger wir als Band beisammen sind, desto besser ist es um die interne Chemie bestellt und desto besser werden unsere Songs.“

Erst alleine, dann zusammen

Die Metal Blade-Kombo scheut wirklich vor nichts zurück, wenn sie ihr Konzept ungemein dramaturgisch umsetzt und in die Apokalypse führt. Die Musiker scheinen erst bei großen Vorhaben so richtig aufzublühen. Das ist die Lesart, die „The Parallax II: Future Sequence“ eigentlich vorzugeben scheint. Dem Frontmann zufolge erfolgt der Kreativprozess jedoch weniger spektakulär: „Wir haben gearbeitet, wie wir es immer tun. Das beginnt damit, dass jeder für sich allein an Ideen arbeitet. Dann kommen wir zusammen, tauschen uns auf und setzen darauf mit der Gruppe auf. Richtig erklären lässt sich unser Arbeitsprozess nicht. Alles verläuft flüssig und von selbst. Wir überraschen uns gegenseitig – sowohl mit den Ergebnissen des individuellen Songwritings als auch mit dem, was in der Gruppenarbeit entsteht. Da das neue Release ein Konzeptalbum ist, haben wir mit diesem Wissen im Hinterkopf gearbeitet. Das hat die Freiheitsgrade jedoch nicht eingeschränkt. Wir wollten geplant nur erreichen, dass einige Momente, die wichtig für die Geschichte sind, herausragen. Das ist uns gelungen. Die Platte fordert heraus und führt ihre Hörer an neue, aufregende Orte.“

Neben aller Fokussierung und Ernsthaftigkeit kommen Spielwitz und gelegentliches Augenzwinkern nicht zu kurz. Das Album besitzt zudem mehr Melodie und viele positive Stimmungen: „Das stimmt, das ist mir auch aufgefallen“, bestätigt Tommy Rogers. „Ich denke, das ist darin begründet, dass wir uns alle in einer komfortablen Lage befinden und von der Eigendynamik, die die Arbeit an dem Konzept genommen hat, überrollt worden sind. Der Arbeitsprozess war überaus inspirierend und produktiv. Wir sind Stück für Stück vorgegangen. Es gab keine Erwartungshaltung hinsichtlich des gesamten Albums. Jeder Song sollte bestmöglich werden. Nach dieser Maxime haben wir gearbeitet und nichts erzwungen. Alles hat sich von selbst eingestellt, und dabei hatten wir so viel Spaß wie noch nie. Es ist toll, dass sich das in den Songs wiederspiegelt. Das macht es den Hörern einfacher, unsere Ideen nachzuvollziehen. Wir sind ja in der glücklichen Lage, dass sich unsere Fans die dafür nötige Zeit nehmen.“

BETWEEN THE BURIED AND ME selbst nehmen sich ebenfalls Zeit, um das Ergebnis ihrer Arbeit für sich zu entdecken: „Während des Songwritings richten wir an das spätere Album noch keine Erwartungen“, erzählt der Sänger und Keyboarder. „Das ist der für mich spannendste Aspekt unserer Band. Jedes Album, das wir bislang veröffentlicht haben, hat meine Erwartungen über- und untererfüllt. Es kommt immer auf den Moment an, in dem man mich um meine Meinung bittet. Die Reaktionen der Hörer werden hingegen mit jedem Release überschwänglicher. Viele sind heiß darauf, zu erfahren, wie es bei uns weiter geht und was uns als nächstes einfällt. Es ist toll, dass unsere Fans die beständige Veränderung schätzen und erwarten. Der überwiegende Teil der Bands wird von seinen Hörern abgestraft, wenn er seinen Sound verändert.“ Die Souveränität, mit der BETWEEN THE BURIED AND ME ihr „The Parallax II: Future Sequence“ umsetzen, ist geradezu beängstigend. Zum Glück gibt sich die Band aus North Carolina nie zufrieden und probiert jedes Mal etwas Neues aus.

 
 Links:
  betweentheburiedandme.com
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Noiseast
  Seeds Of Mary
  The Yellow King
  LDOH & SxRxOxM
  Process Of Guilt

Interviews/Stories:

  Asking Alexandria
  All Will Know
  Minipony

Shows:

  14.12. Stahlmann - Wuppertal
  14.12. Peter And The Test Tube Babies - Hannover
  14.12. Deadsmoke - Dresden
  14.12. B.o.s.c.h. - Wuppertal
  15.12. Doro - Ravensburg