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All Hail The Yeti

Storie von: arne, am 02.09.2012 ]

Die Kalifornier sprechen bezüglich ihres Sounds von „Whiskey Metal“, was halb ernst, halb scherzhaft gemeint sein dürfte. Darunter ist eine erdig-kraftvolle Mixtur aus Heavy Metal, Southern Rock und Sludge zu verstehen. Bisweilen ist bei ALL HAIL THE YETI auch ein Post-Grunge-Einschlag heraus zu hören, so dass einzelne Passagen an Alice In Chains erinnern. Zu Referenz-Zwecken sind aber vornehmlich Alabama Thunderpussy, 16, Sleep, Buzzoven etc. anzuführen.

 
Auf dem selbstbetitelten Debüt-Album der 2006 gegründeten Formation bekommt man es mit schleppenden Downtunes zu tun, die massive Roll-Qualitäten entwickeln und ein ansehnliches Volumen erreichen. Nach der MCD „Trees On Fire With Songs OF Blood“ präsentiert sich auf der ersten Vollzeit-Platte eine verdichtet und zwingend aufspielende Gruppe: „Wir haben von Beginn an für Gesprächsstoff gesorgt, ob nun in positiver oder negativer Hinsicht“, erzählt der aus Kanada stammende Sänger Connor Garritty: „Seitdem wir auf AFM gesignt sind, hat sich das nochmal intensiviert. Viele Leute stellen seither fest, dass wir weder Gemeinsamkeiten mit den anderen Bands im Programm unseres Labels aufweisen noch irgendetwas spielen, was im Mainstream-Metal populär wäre. Dem kann ich nicht widersprechen. Angesichts der bevorstehenden Veröffentlichung unseres Debüts sind wir natürlich aufgeregt, doch beunruhigt sind wir nicht. Wir haben so lange auf diesen Tag hingearbeitet und all unsere Kraft und Energie in diese Songs gesteckt. Da fällt es uns leicht, jetzt noch einige Tage durchzuhalten. Nach der knapp zweijährigen Suche nach einem Label ist das ein Klacks.“

ALL HAIL THE YETI sind eine Band, zu der man auch dann eine Verbindung aufbauen kann, wenn man sonst keinen Heavy Metal hört. Der Frontmann bestätigt diese Einschätzung: „Nach Konzerten kommen häufig Leute zu uns, die uns Ähnliches erzählen. Das ist natürlich toll. Je mehr Leute man anspricht und berührt, desto besser ist es. Spielen wir vor zehn Leuten und haben hinterher fünf Fans gewonnen, haben wir einen guten Job hingelegt. Als Künstler hat man den Vorteil, dass man die Richtung vorgeben kann. Man erschafft Songs und stellt sie dem Publikum vor, das sie dann entweder versteht und mag oder nicht. Jede Person, die auf Konzerten meine Texte mitsingt, lässt mich weiter hart arbeiten. Heavy Music, Rock’n’Roll und Blues sind schon immer in uns. Das ist, was wir atmen und leben. Es muss einfach raus, und die Band bietet uns die Gelegenheit dazu.“

Entgegen möglicherweise anders gelagerten Erwartungen klingen ALL HAIL THE YETI recht modern und gehen songdienlich orientiert zu Werke: „Wenn man einen Sound spielt, der aus dem Rahmen fällt und anders ist, fährt man unweigerlich ein geteiltes Echo ein. Wir sind nicht hier, um es allen recht zu machen“, sagt Connor: „Wir erschaffen die Musik, die wir selbst gerne hören möchten. So einfach ist es. Wir folgen nicht der Masse, sondern unseren eigenen Vorlieben. Wir stacheln uns gegenseitig an, besser zu werden – lauter zu singen, härter zuzugreifen und fokussierter aufzuspielen. Sind wir nach dem zweiten Song, den wir zusammen spielen, nicht schon völlig durchnässt, stimmt etwas nicht oder wir sind nicht in Form. Zusammen gehen wir häufig zu Shows und lassen uns von Gruppen unterschiedlichster Richtungen beeindrucken, die Ärsche treten.


Wir wissen, dass es da draußen viele gute Bands neben ALL HAIL THE YETI gibt. Wann immer wir eine von ihnen rocken sehen, geben wir anschließend noch mehr Gas, um sie zu übertrumpfen.“

Das ist im Sludge-verwandten Heavy-Umfeld nicht selbstverständlich und muss hervorgehoben werden. Die Riffs und Grooves der ersten Platte der Kalifornier lassen jedenfalls nichts zu wünschen übrig. Der Wechsel kehliger Reibeisen-Vocals und eingängiger Clean-Vocals kommt dabei gut. Der Band aus Los Angeles geht es primär darum, satt und kraftvoll auszuteilen und die ihr liebsten Heavy-Sounds im eigenen Spiel natürlich zu kombinieren:

„Wenn man sich Mühe gibt und nicht zu schnell zufrieden ist, kann es auch heute noch klappen, etwas Neues oder wenigstens Anderes zu erschaffen. Davon bin ich fest überzeugt. Die Chancen dafür stehen besonders gut, wenn man vorher nicht nachdenkt, sondern sich einfach vom Gefühl leiten lässt. Jede Band sollte Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben und allein auf sich hören. Losgelöst von den Wurzeln des Heavy Metal zu agieren, ist allerdings schwer. Man muss sich schon dazu zwingen. Traditionsbewusstsein ist wichtig, denn es definiert die Kultur, in der man lebt. In der Musik ist das nicht anders. Es gibt aber eine Grenze zwischen dem Respekt vor dem, was war, und unreflektiertem Kopieren. Ohne Weiterentwicklung geht es nicht. Im Zeitverlauf ist das unvermeidlich und notwendig. Jeder Heavy Metal-Band muss es schwer fallen, nicht von Black Sabbath oder Led Zeppelin beeinflusst zu sein, auch nach so vielen Jahren noch, in denen ihre Standards vielfach verunglimpft worden sind. ALL HAIL THE YETI sind bestimmt nicht frei von ihnen, doch wir folgen unseren Herzen und nicht irgendwelchen Vorbildern. Uns geht es darum, Spaß zu haben und unsere Songs vor möglichst vielen Leuten zu spielen.“

Mit seinen wiedererkennbaren Hooklines, der selbstbewussten Riff-Basierung und der natürlichen Schwere wird das Quartett seine Hörer auch in einem schwierigen Umfeld finden. Überdies haben die Kalifornier noch ein weiteres großes Ziel, wie Sänger Connor Garritty verrät:

„Die Musik-Industrie ist nur noch ein Schatten früherer Tage. Traditionell geprägter Metal scheint bei den Major-Companies kaum mehr einen Platz zu haben. Vielleicht können wir als ALL HAIL THE YETI einen Beitrag dazu leisten, das zu ändern. Unser Stil ist schlicht und ergreifend Heavy Metal. Wir gehören keinem Subgenre an. Wir sind weder einer bestimmten Szene zugehörig noch weist unser Sound Core-Elemente auf. Als sich die Haar-Metal-Szene ihrem Ende näherte, tauchten Alice In Chains auf der Bildfläche auf und eröffneten ein neues Kapitel. Als die Grunge-Welle abebbte, standen auf einmal Pantera im Rampenlicht. Dieser Tage wird der Metal von Highschool-Kids mit Make-Up und komischen Frisuren angeführt. Es ist höchste Zeit für eine Veränderung. Wir möchten der Jahrhundertsturm sein, der den Schmutz aus den Ohren der Hörer pustet, der diese schon viel zu lange verstopft.“

 
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