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Maladie

Interview von: arne mit Björn, am: 29.08.2012 ]

MALADIE stehen für Black Metal mit einem avantgardistischen, über den Tellerrand hinaus schauenden Anstrich. Im Aufbau der Songs stehen Dramatik, Spannung, Intensität und Atmosphäre im Mittelpunkt des Interesses. Mastermind Björn Köppler (Tombthroat) & Co. zeigen sich im Songwriting breit orientiert und verfolgen alle Ideen, die im kreativen Arbeitsprozess aufkommen. Mit „Plague Within“ verbuchen MALADIE einen mehr als gelungenen Einstand, der Lust auf mehr macht.

 

Musicscan: Handelt es sich bei MALADIE um ein Projekt oder um eine vollwertige Band? Hat sich bzgl. des Status im Prozess der Arbeit an Plague Within und im Nachgang vielleicht schon etwas verändert? Was man auf die Schnelle alles lesen kann, ist überwiegend positiv. Bestätigung sollte doch eine gute Motivation sein…

Maladie: Maladie war eigentlich nur als Projekt geplant. Einfach um all die Musik und die Lyrik los zu werden, die mir schon so ewig lange im Kopf herum geistert. Mittlerweile sieht es aber so aus als ob das ganze zu einer Band mit Projektcharakter werden wird. Wir alle haben mit unseren Hauptbands zu viel zu tun und wohnen auch zu weit auseinander, als aus Maladie eine Vollzeitband machen zu können. Wir haben uns aber nun, nach all den überschwänglichen Reaktionen auf „Plague Within“ und den vielen Angeboten von Veranstaltern, dazu entschieden doch ein paar ausgewählte Konzerte zu geben. Also ja, diese Bestätigung war eine sehr gute Motivation diese Krankheit auch auf die Bühne zu bringen. Mal sehen wo das alles noch hinführen wird...

Musicscan: Weshalb brauchte es die neue Band, um zu dem Sound zu finden, den man nun von MALADIE hören kann? Und warum sind genau die Leute beteiligt, die heute dabei sind?

Maladie: Nun, wer jemals auch nur einen Ton von Tombthroat gehört hat, wird auf Anhieb bemerken, dass alles was ich mit Maladie komponiert habe, niemals zu dieser Band gepasst hätte. Lyrisch geht es zwar tatsächlich auch in eine ähnliche Richtung, allerdings komplett anders umgesetzt. Also gab es nur zwei Wege: Entweder ich versuche alles zu ignorieren und explodiere irgendwann, oder ich gründe ein Projekt und lade ab. Nach einiger Zeit habe ich mich für letzteres entschieden. Das passierte nicht von heute auf morgen, sondern ist über viele Jahre hinweg entstanden. Tatsächlich habe ich vor ca. 12 Jahren schon mal ein ganzes Album aufgenommen, das man als Vorgänger von Maladie sehen könnte. Dieses ist aber nie erschienen und wird auch nie erscheinen. Einiges von diesem alten Material ist auf „Plague Within“ aber zu hören. Alle Beteiligten Musiker sind in erster Linie von mir rekrutiert worden, weil ich wusste dass sie großartige Musiker sind, die meine Ideen so umsetzen können, wie ich mir das vorstellte. Dass wir so dermaßen gut harmonieren war dann natürlich die Krönung. Das war kein „Spiel/sing was ich dir vorgebe“ Ding. Also nicht nur, da kamen von jedem auch viele Ideen, die alles einfach weitaus verbessert haben, und aus der Platte das gemacht haben, was sie nun ist. Jeder Beteiligte ist für sich genommen herausragend, in Kollektiv der Krankheit aber nicht mehr von der Platte wegzudenken. Ich bin auch wirklich sehr froh und glücklich, dass alle auch am zweiten Album mitarbeiten und wir auch so auf die Bühne gehen werden. Plus einen neuen Bassisten natürlich, da Corny ja auf dem Bass neben dem Schlagzeug auch den Bass gespielt hat...

Musicscan: Gibt es benennbare Unterschiede hinsichtlich der Herangehensweise an die MALADIE-Stücke im Vergleich zu Euren anderen oder früheren Gruppen, an denen Ihr beteiligt seid?

Maladie: Da kann ich leider nur von mir ausgehen. Aber momentan gibt es da kaum noch Unterschiede. Ich komponiere und schreibe zu Hause und gebe das dann an meine Mitmusiker weiter. Bei Tombthroat wird das dann natürlich im Proberaum ausgearbeitet größtenteils. Bei Maladie nicht. Wir haben bisher kein einziges Mal geprobt und werden das auch nur kurz vor dem ersten Live Auftritt machen. Ansonsten arbeitet hier jeder für sich alleine und im Studio wird dann aufgenommen. Insofern sind da natürlich schon Unterschiede, aber vom reinen Komponieren und Texten gibt es da mittlerweile kaum noch Unterschiede. Das sah natürlich alles Mal anders aus, als Lieder noch komplett im Proberaum entstanden sind. Aber dafür fehlt heutzutage leider wohl die Zeit nicht mehr. Man wird halt auch nicht jünger und muss sehen, dass man seine Miete auch zahlen kann. Die, von einigen mittlerweile gegründeten, Familien wollen einen auch ab und zu mal zu Gesicht bekommen. Da ist es einfacher zu Hause zu komponieren, das Zeug den Leuten zugänglich zu machen, und dann nur noch Nuancen zusammen zu verbessern /verändern...

Musicscan: Sicherlich informiert Ihr, was über Euch und die Platte geschrieben wird und wie Ihr ankommt. Was ist Euch hinsichtlich der Wahrnehmung besonders im Hinterkopf geblieben. Haben die Leute Plague Within so aufgenommen und verstanden, wie Ihr es gehofft habt? Gab es Kritik, die Ihr als berechtigt annehmt, welche? Welches Feedback begegnet MALADIE zusammengenommen?

Maladie: Klar tun wir das. Ich veröffentliche ja kein Album um dann nicht auch die Reaktionen darauf zu bekommen. Es ist immer eine sehr spannende Sache. Dieses Mal wurde ich aber doch wirklich sehr überfahren. Alle Mitglieder sind baff aufgrund der Resonanzen. Das hätte keiner von uns auch nur ansatzweise gedacht. Natürlich war und ist jeder stolz auf diese Platte, wir dachten allerdings wirklich, dass sie zu unkonventionell, zu „seltsam“ ja, einfach zu krank sei für die Szene. Sogar Christoph Brandes (Iguana Studio (Mix und Master für „Plague Within“) sagte das damals während der Arbeit. Aber so kann man sich täuschen. Die Rezensionen und die Reaktionen der Hörer sind überragend. Das tut natürlich sehr gut und motiviert ungemein. Es gab zwar auch seltsame Reaktionen (zum Beispiel schrieb jemand, dass Maladie recht monotonen Death Metal spielen würde) aber das sehen wir nicht als Kritik. Das sind dann tatsächlich Leute, die die Platte und Maladie an sich nicht verstanden haben. Die Kritik dass zu wenig Material auf der Platte wäre, kann ich zwar nachvollziehen, ist aber nicht zu umgehen gewesen, denn „Plague Within“ ist genauso fertig, wie es nun zu hören ist. Aber wenn die Leute nur kritisieren, dass sie sich wünschen dass die Platte länger wäre, ist das ja trotzdem noch ein sehr schönes Kompliment. Hier kann ich auch jeden beruhigen. Die nächste Platte wird sicherlich länger sein, da wir uns die Arbeit dieses Mal teilen und nicht ich den Großteil alleine komponieren werde. Allerdings bin ich trotzdem der Meinung, dass fast 40 Minuten für „Plague Within“ vollkommen ausreichend sind...

Musicscan: Beschreibt doch bitte das Grundgefühl, mit dem Ihr selbst Plague Within geschrieben und aufgenommen habt, und wie Ihr es selbst wahrnehmt. Was prägt die Platte Eurer Meinung nach, wo liegen Eure Interessenschwerpunkte?

Maladie: Ein wirkliches Grundgefühl gab es eigentlich nicht. Die Musik und die Texte sind ja über einen sehr langen Zeitraum entstanden. Dass es sich dabei selten um wirklich positive Gefühle gehandelt hat, kann man wohl sehr leicht heraus hören. Aber es war nie so, dass ich sagte „Oh, jetzt bin ich in der Stimmung was für Maladie zu schreiben. All die Musik und die Texte, alles drum 'rum, das ist einfach so passiert. Da war nie irgendwas direkt geplant oder dergleichen. Bei meinen Aufnahmen, war das natürlich dann was ganz anderes. Das ist alles sehr persönlich, und das berührte mich während der Aufnahmen natürlich sehr. Es strengte mich emotional sogar sehr an. Aber ich denke, dass das jedem so geht, der Musik mit Herzblut kreiert. Im Nachhinein kann ich behaupten, dass es uns gelungen ist, all die Emotionen auch wirklich so umzusetzen, wie ich mir das vorgestellt habe. Und eben das prägt auch „Plague Within“. Emotion, ohne sich dafür zu schämen. Alles ist ehrlich und direkt, und das macht Maladie aus...

Musicscan: In meinem eigenen Review habe ich mit Blick auf Euren Stil geschrieben: „MALADIE stehen für Black Metal mit einem avantgardistischen, über den Tellerrand hinaus schauenden Anstrich. … Black Metal-Puristen dürfte das Album zu modern und zu wenig geradlinig ausfallen. Wer indes vielschichtige, stimmungsvolle und experimentelle Songs schätzt, die Black Metal in einem weiter gefassten Rahmen repräsentieren, ist mit Plague Within bestens bedient.“ Unterschreibt Ihr das? Und welchen Stellenwert hat die progressive Schlagseite für Euch?

Maladie: So direkt kann ich das nicht unterschreiben. Denn Maladie stand nie für Black Metal an Sich. Es war nie geplant in dieser Schublade zu landen. Verstehe mich nicht falsch, es ist absolut kein Problem für mich, wenn die Leute unsere Musik als Black Metal beschreiben. Ich selbst höre und liebe den Black Metal seit sehr langer Zeit. Aber dieses Projekt wurde nicht gegründet um Black Metal zu spielen. Es wurde gegründet, um all die Musik nach außen zu tragen, die so lange in mir drin war. Auch war keinerlei Avantgardismus oder gar Experimentelles geplant. Wie schon erwähnt, ist das alles einfach so entstanden. Die progressive Schlagseite hat auch keinen besonderen Stellenwert für uns. Da auch das nicht geplant war. Jedes Lied ist genau so wie es sein muss. Dass die Lieder so lange wurden, dass sie meinetwegen auch etwas progressiv geworden sind, ist mir jedes Mal auch erst aufgefallen, nachdem sie im Rohbau fertig gestellt waren...

Musicscan: Ich würde Plague Within als ein Stück weit deutungsoffen charakterisieren. Stimmt Ihr zu? Welche Themen, Stimmungen, Erlebnisse, Einflüsse wirken sich da aus, welche Erwägungen liegen dem Songwriting zugrunde?

Maladie: Ja, ich stimme dir vollkommen zu. Ich schreibe meine Texte grundsätzlich so (mit viel Metaphorik), damit sie deutungsoffen bleiben. Erstens, um nicht zu viel von mir selbst preis zu geben, und zweitens, weil ich selbst zu direkte Texte nicht mag. Nicht nur die Musik, auch die Lyrik soll einen zum Nachdenken anregen (können). Ich setze mich zwar nicht hin und nehme mir vor nun einen extrem metaphorischen Text zu verfassen, aber wenn mir etwas zu direkt ist, schreibe ich es halt um, oder lasse es ganz weg. Auch deshalb werde ich nun jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber grundsätzlich kann ich sagen, dass es bei Maladie um das Leben an sich und all die Erlebnisse geht, die einem in dieser Krankheit so widerfahren. Und das ist, wenn man mit offenen Augen durch das Leben geht, nicht gerade wenig. Also genug Stoff um Maladie mehrdeutig interpretieren zu können. Ich bin mir mehr als sicher, dass jeder etwas finden wird, das auf ihn selbst oder von ihm Erlebtes passt...

Musicscan: War es Euch wichtiger, mit Plague Within ein möglichst rundes Ergebnis abzuliefern oder Euch selbst und die Hörer immer wieder zu überraschen, und beständig Neues/Anderes auszuprobieren?

Maladie: Nichts von alledem. Weder wollten wir etwas Bestimmtes von uns (außer natürlich gute Arbeit abzuliefern) noch wollten wir uns oder jemanden überraschen. Zwanghaft etwas Neues oder Anderes wollten wir auch nicht unbedingt probieren. Wir kreieren ehrliche und sehr emotionale, ja, persönliche Musik. Dass das Ergebnis am Ende „rund“ geworden ist, liegt wohl einfach daran, dass hier ausschließlich sehr erfahrene Musiker beteiligt sind. Dass man da weiß wie, wo und wann eine Harmonie, eine Dissonanz, ein Break oder was auch immer passen könnte, kommt einfach automatisch mit der Zeit. Also auch hier muss ich wieder schreiben: Nichts war wirklich geplant, das ist das, was wir sind...

Musicscan: Neben der barschen und brachialen Grundhaltung Eures Sounds setzt Ihr auch bewusst auf schöne Melodien und Harmonien. Wie wichtig sind Euch diese, gerade mit Blick auf die Wirkung der Songs?

Maladie: Es tut mir leid, aber auch hier: Das war nie geplant. Also kann ich auch nicht behaupten, dass die Melodien, ob schön oder nicht, uns besonders wichtig seien. Einiges war komponiert, einiges wurde im Studio sogar einfach improvisiert. Die Wirkung ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Manche Emotionen brauchen eben eine eher schönere Melodie und Harmonie, manch andere braucht eine Dissonanz um sie akustisch passend rüber zu bringen. Aber auch all das, ist einfach so passiert...

Musicscan: Gibt es irgendwelche grundlegenden Überlegungen, die man kennen sollte, um ein besseres Verständnis für Plague Within entwickeln zu können?

Maladie: Hm, ich würde sagen, dass man sehr offen sein muss für Maladie im Allgemeinen. Ein gewisses Verständnis kann und will ich Niemandem diktieren. Aber man muss wohl schon über den und anderen Schatten springen, um „Plague Within“ wirklich zu verstehen. Man muss zulassen wollen und können, dass einen diese Krankheit auch befällt. Und man muss vor allem auch Denken. Denken ist essentiell. Wer das Denken aufgegeben hat, wir mit Maladie nichts anfangen können. Und das ist auch gut so... Wir freuen uns aber immer aufrichtig über jeden, der all das zu lässt, und dem unsere Musik und die dazugehörigen texte zusagen. Wir haben schon einige Mails bekommen, in denen uns Hörer schreiben dass diese Platte sie zum Nachdenken angeregt hat oder es immer noch tut. Das ist so ziemlich das schönste Kompliment, das man einem Musiker machen kann...

Musicscan: Wie geht es jetzt kurzfristig (Rest 2012) und im nächsten Jahr bei Euch weiter? Welche Pläne gibt es?

Maladie: Wir haben bereits vor ein paar Wochen angefangen, das zweite Album zu produzieren. Die Gitarrenspuren für 3 Lieder sind bereits im Kasten. Außerdem soll es noch dieses Jahr eine Vinyl-Version von „Plague Within“ geben. Ab 2013 werden wir dann auch live zu sehen sein. Die erste Bestätigung gibt es bereits. Maladie wird auf dem Ragnarök Festival im April spielen. Das wird noch einiges an Zeit und Arbeit für die Vorbereitungen in Anspruch nehmen. Abseits davon werden wir uns aber erst mal auf unsere anderen Verpflichtungen konzentrieren. Tombthroat hat gerade eine neue Scheibe am Start, Spheron und Blindflug sind gerade mit den Aufnahmen zu ihren neuen Alben fertig, Déhà wird das erste Mal mit Yhrdal live spielen und Corny ist ja nicht nur Berufsmusiker, sonder auch Schlagzeug- und Cello Lehrer. Also genug zu tun... Aber Ende 2013/Anfang2014 soll die zweite Maladie Platte erscheinen. Das ist der Plan...

Musicscan: Letzte Worte?

Maladie: Der obligatorische Dank! Ich danke dir für dieses Interview und die damit verbundene Unterstützung. Unser Dank geht auch an Apostasy Records, die uns all das erst ermöglicht haben. Und nicht zuletzt geht der Dank an alle, die sich diese unsere Krankheit aufgehalst haben... Heilung ist keine in Sicht! Freut euch auf Maladie live und das nächste Album...

 
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