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Unchallenged Hate

Interview von: Daniel mit Robert und Tobias, am: 13.08.2012 ]

Grindcore als Subgenre des Metal führt immer noch ein echtes Schattendasein, ist eher etwas für Insider, als für den Mainstream. Und das ist auch gut so! Würde man einen Brecher wie „New Hate Order“ mit anderen teilen wollen? Die Jungs von UNCHALLENGED HATE haben sich so oder so nicht lumpen lassen und beweisen, dass Grindcore mittlerweile meilenweit vom einstigen Rumpelpunk mit Death Metal entfernt ist. Technisch versiert zaubert die Truppe aus dem Ruhrgebiet ein extremes Stück Musik mit Tiefgang.

 

Musicscan: Zunächst einmal Glückwünsch zum neuen Album, das ein Kracher vor dem Herrn geworden ist und nur konsequent bei uns 9 Punkte erhalten hat! Beginnen wir mit einer (leider) obligatorischen Frage: Verratet mir ein bisschen über die Werkgeschichte von „New Hate Order“ bitte.

Unchallenged Hate: Robert: Vielen Dank. Freut mich, dass es euch gefällt. Tja, wir hatten durch einen erneuten Besetzungswechsel halt sehr viel Zeit ins Songwriting gesteckt. Die Songs sind immer noch in die Fresse, aber durchdachter und abwechslungsreicher. Zumindest war das unser Ziel, das wir uns selber gegeben haben. Dann haben wir endlich den passenden Frontmann dafür gefunden, der stimmlich, menschlich und textlich bestens zur Band passte. Also haben wir viel geprobt, sind ins Studio und da ist das Ding!

Unchallenged Hate: Tobias: Als ich im September 2010 Teil dieser Band wurde, war die Musik für acht Stücke bereits geschrieben. Mein Vorsingen bestand aus zweien dieser Lieder, die als "Blackwater Rising" und "Wooden Pride" übrigens auf dem Album gelandet sind. Und während ich die Texte für besagte acht Songs geschrieben habe, waren die letzten vier Stücke auch schon geschrieben und ausgearbeitet, so dass ich nahtlos weiter machen konnte. Die Jungs hatten also schon ´ne ziemlich klare Vorstellung davon, wie sich die LP am Ende anhören sollte.

Musicscan: Eure Musik steht in punkto Qualität den Scheiben von Bands wie Misery Index, Terrorizer und frühen Napalm Death in nichts nach. Woran liegt es eurer Meinung nach, dass europäische, oder besonders deutsche Bands nicht die gleiche Beachtung bekommen, wie die US-amerikanische „Konkurrenz“? Stört es euch, dass deutscher Grind eher ein Untergrund-Ding ist?

Unchallenged Hate: Robert: Danke erst mal für die Blumen, das ist ein riesen Kompliment. Heutzutage ist technisches Handwerk ja selbstverständlich, aber zu Zeiten von Terrorizer sah das noch ganz anders aus. Das zeigt wie sehr Terrorizer ihrer Zeit voraus waren. Aber ich schweife ab... Ich sehe da eigentlich gar keine großen Unterschiede. Der Grind, egal ob deutsch, englisch was auch immer, gehört nun mal in den Underground und sonst nirgendwo hin. Misery Index sind da natürlich eine Hausnummer und die Musiker waren schon vorher recht bekannt. Sowas hilft natürlich enorm.

Musicscan: Oft genug wird Grind mit punkigem Death Metal auf niedrigem Qualitätsniveau gleichgesetzt. Rumpelnder Deathpunk, wenn man so will. Eure Musik hat ein beachtliches technisches Niveau, nicht nur in punkto Geschwindigkeit. Wie wichtig ist euch der technische Aspekt, die Präzision, die instrumental-musikalische Klasse?

Unchallenged Hate: Tobias: Für mich war genau das einer der Ausschlag gebenden Faktoren, bei UNCHALLENGED HATE einsteigen zu wollen. Und es macht eben einfach Spaß, den Instrumentalisten beim Ballern zuzuhören – da kann ich auf Gerumpel gut verzichten. Durch das Beherrschen der Instrumente ist man bedeutend weniger limitiert und kann seine Ideen detailliert und anspruchsvoll umsetzen. Wenn jeder genau weiß, was er tut, kommt man dazu auch bedeutend schneller ans Ziel.

Unchallenged Hate: Robert: Bei diesem Album war der technische Aspekt wichtiger als je zuvor. Keine Ahnung warum, das hat sich einfach so ergeben. Das Wichtigste ist aber, dass alles homogen und songdienlich bleibt. Die Leute haben auch Schwierigkeiten uns in die reine Grind- Schublade zu stecken, da wir eben keinen „typischen" Grind machen, sondern auch viele Death Metal Elemente eingebaut haben. Letzten Endes ist aber auch egal wie sich der Kram schimpft. Musik ist gut oder eben schlecht.

Musicscan: Soziologisch betrachtet könnte man euch nachsagen, dass die Herkunft aus dem Ruhrgebiet eurer Musik eine besondere Note verleiht. Ein großes Ballungsgebiet, hohe Arbeitslosigkeit, strukturschwach wie man es neuerdings nennt. Hat das einen Einfluss auf eure Musik/ die Texte?

Unchallenged Hate: Tobias: Auf "Of Thousand Fires" hat unsere Herkunft sogar einen ganz spezifischen Einfluss verübt. Der Text handelt schließlich von der Ausbeutung billiger Arbeitskräfte durch profitgierige und gewissenlose Arbeitgeber am Beispiel der Bergmänner im Ruhrgebiet. Ansonsten hat das auf meine Texte keinen nennenswerten Einfluss: ich lebe im Grünen und nehme mittlerweile am gesellschaftlichen Leben nur so wenig wie gerade eben nötig teil.

Musicscan: Überhaupt die Texte: In Zeiten stetiger geistiger Verflachung, zunehmender Apathie und Ignoranz: Wie wichtig ist es euch, euch in den Texten politisch zu äußern? Seid ihr mit einer konkreten Message unterwegs?

Unchallenged Hate: Tobias: Mir persönlich ist es wichtig, keine Frage. Aber es ist mir scheiß egal, ob sich irgendjemand darum schert, was ich zu vermelden habe. Das Ganze dient mir zum Luft ablassen, mehr nicht. Wenn jemand was damit anzufangen weiß, umso besser. Jeder Text hat dann auch seine ganz eigene Aussage. Vielleicht kann man überordnend ein Plädoyer zu einem friedlichen, gleichberechtigten, säkularen, demokratischen und respektvollen Umgang auf allen gesellschaftlichen Ebenen daraus ableiten.

Musicscan: Gehe ich recht in der Annahme, dass euer Bandname dem Song von Napalm Death entnommen ist? Welchen Bezug habt ihr zur Band und wen würdet ihr heute wie damals als musikalische/textliche Vorbilder nennen?

Unchallenged Hate: Robert: Napalm Death haben ihren Song natürlich nach uns benannt… hehe, nee, klar haben wir uns den Song als Bandnamen „erklaut“. Der Song hat für mich persönlich auch ´ne ganz besondere Bedeutung, da es der erste richtig brachiale Song war, den ich jemals gehört hatte. Der lief sogar damals noch im Radio in einer Metal/Hardcore Sendung. Ich glaube die hieß „Scream“ oder so. Fakt ist, dass der Titel einfach perfekt zu unserer Musik passt.

Unchallenged Hate: Tobias: Textliche Vorbilder habe ich im Rahmen der Musik nicht, wenngleich es natürlich eine ganze Reihe an Bands gibt, die sich ähnlichen Themen widmen. Inspiration durch politische und philosophische Literatur ist mir persönlich wichtiger, auch wenn sich nicht immer alles eignet, um in so verhältnismäßig kurzen Texten verwurstet zu werden.

Musicscan: Wenn ihr auf eure Karriere als Band, eure Entwicklung zurückschaut: Ihr treibt euer musikalisches Unwesen nun schon seit 13 Jahren. Was würdet ihr heute anders machen, wie sieht euer persönlicher Ausblick in die nahe und ferne Zukunft aus?

Unchallenged Hate: Robert: Ich schaue sowieso immer nur nach vorn. Von daher würd ich auch heutzutage nix anders machen wollen, außer unsere Gig-Rate nach oben zu schrauben. Das haben wir in der Vergangenheit etwas schleifen lassen und da gibt’s enormen Nachholbedarf.

Musicscan: Zum Abschluss: Metal und seine Subgenres war immer ein bisschen die Musik der Outlaws, der Unangepassten, der Andersartigen. Wieweit stimmt das noch (falls es jemals stimmte) und wie sehr könnt ihr euch mit diesem Statement identifizieren?

Unchallenged Hate: Robert: Da kann ich mich sogar sehr gut mit identifizieren. In der Schule war ich aufgrund meiner musikalischen Vorlieben und meiner Kleidung auch für viele Leute ein Außenseiter. Da wirst du sofort aufs Abstellgleis geschoben, obwohl es ja nur um Musik geht. Das zeigt aber auch gleichzeitig, wie viel Macht Musik haben kann. Ob aber der Metal heutzutage noch die Outlaw-Position einnimmt, weiß ich nicht. Härtere Musik ist ja durchaus Salonfähiger geworden.

Unchallenged Hate: Tobias: Leider kann man dem Statement heute verallgemeinert nicht mehr zustimmen. Der Kommerz und diese scheiß Party-Kultur haben zu viel Einfluss auf den Metal bekommen. Ganz besonders der Hang zur sozialen Auflehnung und Rebellion hat meiner Ansicht nach deutlich nachgelassen. Diese ganze Konformität heute ist eine Schande!

 
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