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The Gaslight Anthem

Storie von: arne, am 02.08.2012 ]

Frontmann Brian Fallon & Co. melden sich mit „Handwritten“ verdammt souverän zurück. Das Cover des neuen Albums von THE GASLIGHT ANTHEM zieren Bilder der vier Musiker, die konzentriert arbeiten. Das Motiv hat Symbol-Charakter. Das Quartett setzt konsequent auf seine Stärken, setzt auf bloßes Bauchgefühl, einen organischen Live-Sound und eine intim-melodische Grundhaltung. Elf Mal gibt es vertontes Herzblut und pure Leidenschaft, und es geht dabei sogar wieder etwas härter zu.

 
„Leidenschaft und Aufrichtigkeit sind die Grundlage unserer Band“, bestätigt Gitarrist Alex Rosamilia im Gespräch. „In unseren Songs verstellen wir uns nicht, sondern folgen allein unseren Herzen. Viele Leute erzählen mir, dass sie das spüren und sich deshalb so sehr mit uns identifizieren können. Mit den Liedern verbinden wir natürlich andere Erlebnisse und Momente unserer Leben, doch die Stimmungen und Gefühle sind allgemeingültig und offen für Interpretation. So kann jeder etwas in ihnen finden und seinen eigenen Erinnerungen nachhängen, wenn er sie hört.“ Hinsichtlich der Abwechslung variieren THE GASLIGHT ANTHEM zwischen lebendigen Stücken mit gutem Drive, persönlichen MidTempo-Nummern und emotionalen Balladen. Über die volle Spielzeit hinweg spannt sich ein in sich stimmiges, variables Rock-Album feiner Güte:

„Wir haben uns der Idealvorstellung unseres Sounds über die Jahre so sehr angenähert, wie es eben geht“, ordnet der Gitarrist ein. „Sie zu erreichen ist nicht möglich, weil sich unsere Ansprüche und Vorlieben im Fluss befinden und sich dadurch auch die Ziele entwickeln und verschieben. Als Persönlichkeiten verändern wir uns im zeitverlauf und auch unsere Fähigkeiten als Musiker wachsen. Was wir sehr genau wissen, ist, was wir nicht wollen. Wir sind keine Band wie AC/DC, die für einen definierten Sound steht, den sie immer wieder reproduzieren. Für sie funktioniert das super, doch für uns wäre das nichts. Wir suchen die Weiterentwicklung und streben es geradezu an, dass sich jede unserer Platten anders anhört. Es mag nach einem Klischee klingen, aber mit jedem Album haben wir unseren Sound für das Kapitel unserer Leben geschaffen, in dem es entstanden ist. Anschließend schauen wir, wie es weiter geht und was danach kommt. Solange das Gefühl stimmt und wir uns gut verwirklicht sehen, sind wir zufrieden. Mehr versuchen wir gar nicht, zu erreichen.“

Angesichts dieser Aussage überrascht es nicht, was Alex Rosamilia als größten Erfolg der Band wertet: „Nach mehr als sechs Jahren, fast sieben, immer noch mit denselben Leuten unterwegs zu sein und das zu machen, was ich liebe, ist für mich der größte Erfolg, den wir als THE GASLIGHT ANTHEM errungen haben. Toll ist natürlich auch, dass uns immer mehr Leute eine Chance geben und sich mit unseren Songs anfreunden können. Das ist ein schöner Nebenaspekt, doch wir schauen allein auf uns selbst. Wir nehmen es, wie es kommt, und bleiben uns treu.


Die Lieder der ersten Veröffentlichungen repräsentieren uns und unseren Ansatz auch heute noch ebenso gut, wie es die brandneuen tun. Alles fühlt sich richtig an, und das ist mir wichtig. Darauf bin ich stolz.“

Das Quartett hat sich bis heute seine sympathische DIY-Mentalität und eine gewisse Punk-Ethik bewahrt, die seine Einstellung prägt. Das Umfeld hat sich für die Band indes dramatisch verändert, wie Alex bestätigt: „Zu Beginn unserer Karriere ging es uns vor allem darum, genug Geld zu verdienen, um unsere Rechnungen zu bezahlen. Daran hat sich bis heute nicht geändert, nur ist die Lage für uns deutlich komfortabler geworden. Wir nehmen aber noch immer nichts für selbstverständlich und bleiben unseren Hörern gegenüber demütig, denn sie ermöglichen uns das, was wir haben. Wir biedern uns nicht an und verstellen uns nicht. Die Leute haben für so etwas ein feines Gespür, damit kommt man nicht weit. Wir sehen die Entwicklungen rund um THE GASLIGHT ANTHEM realistisch. Weder werden wir jemals „ein ganz großes Ding“ sein noch werden wir Millionen von Platten verkaufen und uns von den Erlösen früh zur Ruhe setzen können. Das wollen wir auch gar nicht. Wir sind unglaublich dankbar für die Chance, die sich uns bietet. Es ist nicht selbstverständlich, dass man als Musiker von seiner Kunst leben kann. In der heutigen Zeit muss viel zusammen kommen, um das zu ermöglichen. Von Glück zu sprechen, reicht da noch lange nicht aus. So viel Glück können vier Typen, wie wir es sind, in unseren Leben gar nicht aufhäufen.“

THE GASLIGHT ANTHEM haben vom Start weg viel Arbeit investiert und spielen bis heute kontinuierlich Touren, die Grundlage des Interesses und der Wertschätzung sind, die ihnen entgegen gebracht werden: „Klar ist, dass man sich heutzutage nicht mehr zu Hause die Ärsche platt sitzen kann, sondern auf die Straße muss, wenn man von einer Rock-Band leben will. Wir wussten und wissen, dass es nur mit harter Arbeit funktioniert. Anfangs haben wir ja nur auf Konzerten Platten verkauft, weil uns sonst niemand kannte. Ohnehin ist die Musik-Industrie an einem Punkt, wo man mit CD-Verkäufen über die klassischen Vertriebsschienen praktisch nichts mehr verdient. Platten veröffentlicht man, um Leute zu interessieren und sie zu animieren, auf die Konzerte zu kommen. Darum geht es uns. Wir laden jeden Hörer auf unsere Shows ein, dort zusammen mit uns Spaß zu haben und zu feiern. Eigentlich sollte ich es nicht sagen, aber für mich wäre es selbst okay, wenn die Leute unsere Platte klauen, wenn sie später auf unsere Konzerte kommen.“

 
 Links:
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