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Periphery

Storie von: arne, am 08.07.2012 ]

THE GODS MUST BE CRAZY. So heißt eines der 14 Stücke des Zweitwerks von PERIPHERY, mit dem die Band aus Washington D.C. die eigene Legendenbildung vorantreibt. Mit anspruchsvollen, partiell verrückten Kompositionen und reflektiertem Spielwitz stellt das Quintett unter Beweis, weshalb es zu den wichtigen Protagonisten der aktuellen Djent-/Prog-Welle zählt und von den Spielart-Fans gottgleich verehrt wird.

 
„II“ knüpft nahtlos dort an, wo die US-Amerikaner auf ihrem Debüt und mit der „Icarus EP“ gestoppt haben und bietet fesselnde, Genre übergreifende Kost mit Wiedererkennungswert: „Unter der Bezeichnung Progressive werden ganz unterschiedliche Gruppen zusammen gefasst, so dass man eigentlich nie weiß, womit man es zu tun bekommt“, äußert sich Gitarrist Mark Holcomb im Gespräch. „Es gibt viele Hörer, die etwas wie SYMPHONY X erwarten, und dann uns serviert bekommen. Den Überraschungsfaktor am Prog schätze ich sehr. Für uns ist es letztlich irrelevant, was die Leute genau erwarten und ob wir ihre Anspruchshaltung treffen oder nicht. Doch wer unerwartet trifft, hat meiner Ansicht nach gute Chancen, positiv zu überraschen. PERIPHERY werden häufig dem Prog zugeordnet, womit ich mich natürlich anfreunden kann. Die Rechtfertigung dafür findet sich in der stilistischen Flexibilität, die wir und andere Gruppen aufweisen, die zur Spielart zählen. Der Bogen spannt sich so weit, dass sowohl eine Band wie THE FACELESS als auch THE DEAR HUNTER unter dieses Label fallen. Was die stilistische Breite angelangt, ist das Feld abgedeckt, auf dem wir uns bewegen. Und rein von der Definition her meint Progressive, kontinuierlich daran zu arbeiten, Grenzen zu überwinden und danach zu streben, neue Stilkombinationen zu finden. Betreibt man das auf einer konstanten Basis, wird man Erwartungen immer übererfüllen und kann mit seiner eigenen Leistung zufrieden sein. Das sind für uns tolle Aussichten.“

Als Grenzgänger mit Breitenwirkungspotenzial hat das Quintett aus Washington D. C. eine spannende Positionierung zwischen Traditionsbewusstsein und einer modernen Attitüde gefunden: „Keiner von uns wäre in der Band, wenn alle Songs zehn Minuten und länger ausfielen, alle 30 Sekunden ein Gitarren-Solo erklingen würde und die Vocals pathetisch und opernhaft wären. Diese Art von Prog ist nichts für uns. Überlänge und exzessive Arrangements sind nicht unsere Sache, wohl aber durchdachte Schwerpunktverlagerungen und Songs, die agil und zwingend angelegt sind. Mit diesem Sound fühlen wir uns richtig wohl. Bands, denen wir uns von der Mentalität und Musikalität her stark verbunden fühlen, sind TESSERACT und VEIL OF MAYA. Eine noch stärkere Verbindung und ein geteiltes Verständnis für die Art und Weise des Songwritings sehe ich zu THE CONTORTIONIST. Was mich an ihnen beeindruckt, ist ihre Fähigkeit, wiedererkennbare Songs zu schreiben und diese auch live adäquat umzusetzen.“

Spielfreude und musikalische Aufgeschlossenheit sind auf der zweiten Scheibe von PERIPHERY nach wie vor die treibenden Kräfte, die zu besonderen Momenten führen. Die Musiker agieren in ihrem Auftritt dieses Mal stringenter und in den Strukturen der Stücke nachvollziehbarer: „Wir sind sehr stolz auf „II“, denn es ist das Ergebnis eines demokratischen Arbeitsprozesses, den es bei uns in der Vergangenheit so noch nicht gegeben hat“, verrät der Gitarrist. „Jeder von uns hat seinen Teil zum Gelingen beigetragen.


Der selbstbewusste und fokussierte Charakter resultiert aus der Tatsache, dass wir uns gegenseitig perfekt ergänzen und wissen, wie wir uns untereinander bestmöglich unterstützen können. Wir hatten nicht den Anspruch, einem bestimmten Stil zu folgen oder ein definiertes Ziel zu erreichen. Das Album gewährt vielmehr einen flüchtigen Blick auf unsere derzeitige Interessenlage und unser aktuelles Leistungsvermögen. Betrachtet man ,Ragnarok‘ und ,Epoch‘, findet man zwei Stücke, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber beide repräsentativ für das stehen, was PERIPHERY auszeichnet. Den Umstand, dass man nicht den Finger darauf legen kann, was uns nun genau auszeichnet, schätze ich besonders.“

Über 14 Songs hinweg gibt es gleichsam anspruchsvolle wie eingängige Kost zwischen Mathrock, Stakkato- und Prog-Metal, Jazz-Fusion, Ambient-Elektronik und melodischem Rock mit Clean-Gesang. Variabel aufzuspielen und kreative Grenzen zu überwinden, ist ein wichtiger Teil der kreativen Arbeit des Quintetts: „Wenn man immer gleich das erreicht, was man sich vorgenommen hat, wird man schnell selbstgefällig und satt“, weiß Mark Holcomb. „Dafür kämpfen zu müssen, seine Vision in die Tat umzusetzen und Realität werden zu lassen, schützt hingegen davor, nachzulassen oder sich zu wiederholen. Ohne die Notwendigkeit, individuell und in der Gruppe besser werden zu müssen, gäbe es kreativen Stillstand, den es zu vermeiden gilt. Die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln, ist eine wichtige Antriebskraft für uns.“

Die Band aus Washington D. C. hält daran fest, ihren Namen als Qualitätsmerkmal heraus zu stellen und schickt daher auch den zweiten Longplayer selbstbetitelt ins Rennen. Dafür agieren die Musiker bedacht, kontrastreich und konsequent songdienlich. Auf den ersten Blick hin mag „II“ weniger revolutionär und berechenbarer als sein Vorgänger wirken. Doch mit der Zeit entdeckt man die Tiefe und den nachhaltigen Abwechslungswert der 14 Stücke, unter denen insbesondere ,Have A Blast‘, ,Facepalm Mute‘ und ,Erised‘ als Highlights hervorzuheben sind:

„Dass es bei uns immer weiter geht, offenbart auch ein Stück wie ,Ji‘, mit dem wir uns auf ein völlig neues Terrain vorwagen“, ergänzt der Gitarrist. „Zum ersten Mal überhaupt gibt es von PERIPHERY 8-String-Gitarren zu hören, und auch stilistisch betreten wir Neuland. Im Mittelteil wollten wir exakt diesen Fantasy-Vibe erschaffen, den man hört. Es ist eine Hommage an DREAM THEATER und erinnert an das, was John Petrucci in der Mitte von ,Fatal Tragedy‘ spielt, ohne ein Rip-Off zu sein. Auch im elektronischen Bereich finden sich auf der Platte viele neue Einflüsse, die wir künftig weiter vertiefen könnten. Ob es so kommt, wird sich finden. Einige der Anderen haben kürzlich davon gesprochen, die nächsten Songs härter und dunkler anzulegen. Wir lassen das auf uns zukommen. Doch keine Bange, wir werden nicht versuchen, es MORBID ANGEL gleich zu tun.“ Vielleicht sind ja schon im Oktober neue Songs zu hören, wenn PERIPHERY gemeinsam mit BETWEEN THE BURIED AND ME und THE SAFETY FIRE unterwegs sein werden.

 
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