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A Dead Forest Index

Storie von: arne, am 30.06.2012 ]

Das australische Duo A DEAD FOREST INDEX stellt sich mit seiner fünf Songs umfassenden MCD „Antique“ vor, bevor im Herbst der erste Longplayer der Brüder Adam und Sam Sherry erscheinen wird. Das Duo führt durch minimalistische, fein arrangierte Soundscapes mit Shoegaze-Feeling sowie vielen A-Capella-Momenten und einem Faible für Vocal-Loops. Gitarre und Schlagzeug erklingen stets verhalten und reflektiert eingesetzt. Gänsehaut ist dabei praktisch durchgängig garantiert.

 
„Ich denke nicht, dass wir nur nach einem Duo klingen“, meint Sam. „Bei den Aufnahmen haben wir versucht, einen großen, ausladenden Sound zu schaffen und das selbst in den Momenten, in denen es nur spartanische oder gar keine Instrumentierung gibt. Wir wissen, mit den sich uns bietenden Möglichkeiten umzugehen und fühlen uns in keiner Weise limitiert oder eingeschränkt.“ Das ruhige, bedächtige Musizieren von A DEAD FOREST INDEX bremst aus und entreißt die Hörer der alltäglichen Hektik: „Der Ansatz unserer Musik ist um unsere beiden Stimmen zentriert“, so der Australier. „Alle anderen Aspekte sind flüchtig und schwanken. Wir sind nicht festgelegt, was die Form und Ausgestaltung der Stücke anbelangt. Manchmal kommt auch der Stille eine Bedeutung zu, denn auch sie kann dazu beitragen, einen Raum zu füllen.“

Die Melbourner arbeiten subtil, setzen auf repetitive Verstärkung und eine düster-anmutige Aura: „Unsere Interessen und Einflüsse sind breit gestreut, auch wenn man ausgehend von den Songs auf sie nur schwer rückschließen kann. Scott Walker hat mich mit Stücken wie ,Farmer In The City’ oder ,Cossacks Are’ stark geprägt. Auf die eine oder andere Weise haben sie mir als Ausgangspunkt für meine Arbeit gedient. Das gilt ebenso für Igor Stravinsky‘s ,Les Noces‘ und das komplette Werk von Arvo Pärt. Was die Kompositionen von A DEAD FOREST INDEX anbelangt, arbeiten Adam und ich unterschiedlich, doch wir teilen ein Grundverständnis für die zugrunde liegenden Intentionen. Von Künstlern wie Vaslav Nijinsky, Mikael Vrubel oder William Blake sind wir beide beeindruckt, und natürlich spielen auch persönliche Erfahrungen und Erlebnisse aus nicht-musikalischen Bereichen mit hinein – etwa die Weite und die Geräusche der Landschaft, in der wir leben oder die wir hinter uns gelassen haben. Wir überführen Szenen unserer Leben in Songs.“

Die lebendigen oder intimen, vielschichtigen und bewusst gesetzten Vocals sind dabei für die spannenden Aspekte von „Antique“ verantwortlich.


Adam und Sam Sherry überlagern oder verstärken sich gegenseitig. Textlich und klanglich unterliegen die Stücke der Band einer verbindenden Idee von Harmonie. Deshalb fordert das Duo die innere Ruhe des Rezipienten oder stellt sie her. Im Ergebnis steht etwas, das mit Ambient, Indie-Pop, Sakral-Musik und A Capella assoziiert werden kann. Ein kleiner Gothic-Touch schwingt der MCD bisweilen ebenfalls mit: „Unsere Songs lassen sich mit anderen Instrumenten problemlos anreichern und erfahren dadurch eine veränderte Tonalität, die auch für uns spannend ist“, erzählt Sam. „Hier in Melbourne treten wir häufig mit einem befreundeten Cellisten auf. Von der resultierenden Dynamik bin ich begeistert. Nicholas Jones ist ein intuitiv agierender Musiker, der wie wir die Improvisation schätzt und lebt. Unsere Songs klingen mit ihm ganz anders, beispielweise wenn wir mit Cello und Snare-Drum ihre hallige Ausrichtung betonen.“

Auftritte sind für A DEAD FOREST INDEX stets speziell und anders: „Improvisation lässt sich vorab nicht planen und auch nicht vorwegnehmen. Auf der Bühne fühlen wir so etwas wie einen Augenblick Unendlichkeit, der es uns ermöglicht, uns ganz dem Moment hinzugeben.“ Was die Australier stilistisch treiben, ist am Ende egal. Es geht allein um die Atmosphäre, die Schwingungen und deren Interaktion mit den Hörern.

„Textlich versuche ich, eine besondere Stimmung durch die Nutzung von Bildfragmenten aufzubauen, die allerdings distanziert bleiben. So zeichne ich zunächst Erinnerungen nach, die ich anschließend weiter spinne. „Antique“ ist eine Ansammlung von Songs, die nicht unbedingt unter einem einheitlichen Fokus entstanden sind. Doch bei allem, was wir tun, versuchen wir, unsere Empfindungen unverfälscht auszudrücken. Wir wissen vorher selbst nicht, wie das Ergebnis später klingen wird. Es handelt sich ja um Gefühle und tief empfundene Aufrichtigkeit.“ Die Songs der ersten MCD der Brüder sind schaurig-schön und berühren. Auf das erste Album von A DEAD FOREST INDEX darf man sich freuen.

 
 Links:
  facebook.com/adeadforestindex
 
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