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Whitechapel

Storie von: arne, am 26.06.2012 ]

Das Sextett aus Knoxville geht auf seinem vierten Album mehr denn je in die Extreme und vertieft die Anlage seiner Songs deutlich. Neben fiesen Tempo-Brechern und Frickel-Exzessen finden sich auf der neuen Platte von WHITECHAPEL viele massive Heavy-Grooves sowie mehr Melodie und Atmosphäre als auf den Vorgängern. Die Selbstbetitelung der 2012er Scheibe der Band ist da nur logisch.

 
„Dass WHITECHAPEL brutal, schnell und technisch in Erscheinung treten, überrascht heute niemanden mehr. So haben wir uns bislang ja immer präsentiert. Das ist bekannt“, äußert Gitarrist Alex Wade am Telefon. „Dieses Mal wollten wir aber unbedingt beweisen, dass wir nicht nur individuell gute Musiker, sondern auch gute Songwriter sind. Das ist uns geglückt. Wir fühlen es, und die ersten Reaktionen zeigen mir, dass die Leute es ebenfalls bemerken und honorieren. Die reifere Ausgestaltung ist einer der Gründe dafür, dass wir das Album bewusst selbstbetitelt haben. Es ist ein Ausdruck unseres Selbstbewusstseins und dessen, wofür die Songs stehen: Das sind WHITECHAPEL. Das ist unser Sound. Das muss man mit uns ab sofort verbinden. Was das Feedback anbelangt, ist auffällig, dass wir dieses Mal flächendeckender auf Zuspruch treffen und sich die Leute einheitlich positiver über die Songs äußern. Sound und Produktion werden als passender empfunden und hervor gehoben, und es wird auf das variablere und bessere Songwriting verwiesen. Das zu hören, freut uns natürlich, denn es ist haargenau die Wirkung, die wir zu erreichen suchten. Jede Platte ist das Ergebnis harter Arbeit, bei der man vorab leider nie weiß, ob die Leute verstehen und nachvollziehen werden, was man als Musiker beabsichtigt. Ich bin für jeden Hörer dankbar, der uns die Chance gibt, ihn von unseren Qualitäten zu überzeugen. Doch erst, wenn uns das gelingt, bin ich zufrieden und weiß, dass wir es richtig gemacht haben.“

Im Aufbau der Songs und im Umgang mit den einzelnen Bestandteilen ihres extremen Metal zeigen sich WHITECHAPEL tatsächlich ganzheitlicher orientiert und blicken stets auch auf die größere Wirkungsebene. Das ist Ausdruck der größeren Erfahrung, die das Sextett heute in die Waagschale legen kann: „Wir sind inzwischen seit sechs Jahren aktiv und haben mit der Band mehr erreicht, als ich jemals für möglich gehalten hätte,“ reflektiert Alex. „Wenn ich mir überlege, wie alles begonnen hat und woher wir gekommen sind, ist es ein wahrgewordener Traum. Zu Beginn waren wir noch richtig jung, gerade volljährig, und hatten die Köpfe voller Flausen. Alles war aufregend. Wir haben jede Basement-Show mitgenommen und schnell Blut geleckt. Es gab keine Garantien, doch wir vertrauten darauf, dass wir es schaffen können, wenn wir hart arbeiten und an unsere Chance glauben. Das redeten wir uns wenigstens immer wieder ein. Keiner von uns hatte Erfahrungen im Musik-Business oder kannte irgendjemanden, der uns bei den ersten Schritten helfen konnte. Anfangs mussten wir viel Lehrgeld zahlen, doch davon profitieren wir bis heute. Aus unserem Hobby hat sich schnell eine richtige Karriere entwickelt, die längst noch nicht am Ende ist. Als WHITECHAPEL den Punkt erreichte, an dem wir abschätzen konnten, dass es Sinn macht, voll und ganz auf die Band zu setzen, haben wir genau das mit ganzer Energie getan. Jeder Musiker träumt davon, von seiner Kunst leben zu können. Wenn sich die Chance dazu auftut, muss man sie ergreifen. Egal, wie lange wir so weitermachen können: Wir sind stolz auf das, was wir bereits erreicht haben, und werden, solange es geht, unseren Traum leben. Ich bereue es keine Sekunde, mich für die Musik entschieden zu haben.“

Keine Nachlässigkeiten

Die Band aus Tennessee hat mit ihrem rabiaten, technischen Sound zu Relevanz und Beachtung gefunden, muss ihre Position allerdings immer wieder bestätigen und gegenüber der großen Schar hungriger Newcomer verteidigen: „Die Wettbewerbssituation ist schon intensiv, doch das ist im extremen Metal nicht anders als im Pop oder Hip Hop“, erwidert Alex Wade. „Davon darf man sich nicht einschüchtern lassen. Man muss sich auf sich selbst konzentrieren und gute Arbeit abliefern. Es funktioniert nicht, dass man Dinge für selbstverständlich nimmt oder nur halbe Kraft geht. Da draußen sind so viele Gruppen, die unsere komfortable Position, die wir uns hart erkämpft haben, direkt ausfüllen würden, wenn wir auch nur ein Stück zurück stecken oder Schwächen zeigen. Deshalb muss man eine Karriere in der Musik wirklich wollen und entsprechend agieren. Auch deshalb kommt der selbstbetitelten Platte für uns eine besondere Bedeutung zu. Es ist uns gelungen, ein Album zu erschaffen, mit dem wir uns von vielen anderen Bands abgrenzen und zu einem Punkt gelangt sind,


an dem wir uns die Tür für unsere weitere Zukunft breit öffnen. Wir sind nicht mehr länger nur auf ein bestimmtes Genre einzugrenzen, so dass wir alle Möglichkeiten haben. Das ist eines der Ziele gewesen, die wir unbedingt umsetzen wollten. Dass wir immer noch hungrig und längst nicht zufrieden sind, zeigt auch die Tatsache, dass sich alle unsere Longplayer voneinander unterscheiden. Wir probieren permanent neue Sachen aus, um uns der Idealvorstellung unseres Sounds anzunähern, die sich selbst ebenfalls immer wieder verändert. Schon allein deshalb schließt es sich aus, dass wir uns wiederholen. Dieses Mal arbeiten wir beispielweise noch bewusster mit Melodien, Tempoverschiebungen und etwas langsameren Klängen, um die Dynamik auszubauen. Das neue Album weist mehr Atmosphäre auf und wirkt in Summe kompakter, was mir sehr gut gefällt. Es spiegelt unsere Einstellung wieder, aufgeschlossen zu bleiben und beständig neue Elemente in den Mix zu integrieren.“

Dank der drei Gitarristen in ihrem Line-Up stehen WHITECHAPEL im Songwriting viele Wege offen, die dieses Mal mutiger, breiter und offensichtlicher genutzt werden. Das Viertwerk der Metal Blade-Kombo zeichnet sich deshalb neben seiner rigorosen Attitüde durch deutlich mehr Substanz und einen größeren Nachhaltigkeitswert aus: „Zu Beginn ist es unser Anspruch gewesen, einen Sound zu spielen, der möglichst heavy ausfällt“, so Alex. „Wir haben uns nie als Deathcore verstanden, auch wenn uns viele Leute dort bis heute verorten. Unserem Verständnis nach sind WHITECHAPEL schon immer eine Heavy Metal-Gruppe gewesen, allenfalls eine Death Metal-Kapelle. Wir sind mit Unearth, As I Lay Dying und anderen MetalCore-Sachen aufgewachsen. Breakdowns in den Songs zu haben, war für uns aus diesem Grund immer völlig normal. Wir haben nicht darüber nachgedacht, dass wir Death Metal mit Breakdowns und MetalCore kombinieren oder damit besondere Ziele verfolgt. Wir haben es einfach gemacht, weil es sich stimmig anfühlte und unserer Interessenlage entsprach. Riffs von Slayer, Cannibal Corpse, Metallica und ähnlichen Kalibern haben uns ebenso stark beeinflusst und finden sich aus diesem Grund in unseren Songs wieder. Mit Riffs allein geben wir uns jedoch noch nicht zufrieden. Wie bei den alten Helden müssen sie prägnant, catchy und erinnerbar ausfallen. Das vernachlässigen viele unserer Mitbewerber. Wir haben es auf dem Schirm und finden so zu Differenzierung.“

Anteil daran hat auch Neuzugang Ben Harclerode (ex-Knights Of The Abyss), der dem Extrem-Sound als Schlagzeuger mit seinem verspielten und präzisen Spiel neue Impulse verleiht: „Ben ist für WHITECHAPEL ein Glücksfall“, bestätigt Gitarrist Alex Wade. „Unser letztes Werk „A New Era of Corruption“ hat über die volle Spielzeit noch ein langsameres Tempo gehabt und stellte auf den Groove und den Heavy-Aspekt ab. Seit Ben Teil unserer Gruppe ist, hat die Geschwindigkeit wieder merklich angezogen, wodurch sich automatisch auch eine größere Dynamik über alle Songs hinweg einstellte. Auf unserer selbstbetitelten Platte finden sich sowohl die schnellsten als auch die langsamsten Stücke, die wir bislang geschrieben haben. Das verdeutlicht das Spektrum, das wir heute bieten. Ben kann als Schlagzeuger alle Verrücktheiten mitgehen und sich dabei mit all den berüchtigten Death Metal-Drummern messen, die in der Szene verehrt werden. Als Band profitieren wir auch deshalb von ihm, weil sein musikalisches Verständnis stark ausgeprägt ist.“ Scheinbar brauchte es des frischen Impulses eines personellen Wechsels, um den Songwriting-Ansatz der Band aus Tennessee auf den Prüfstand zu stellen und ausgehend von den gewonnenen Erkenntnissen weiter zu entwickeln: „In der letzten Zeit ist mir auf vielen Veröffentlichungen aufgefallen, dass alle Songs mehr oder minder gleich klangen. Das führt schnell dazu, dass man als Hörer das Interesse verliert und eine Band als langweilig wahrnimmt. So etwas wollten wir unbedingt vermeiden, also haben wir einen bunten Mix erstellt. Die einzelnen Parts mögen bekannt sein, doch es kommt ja gerade darauf an, wie wir Songs und Passagen aneinander fügen und welche Karte wir wann spielen.“ WHITECHAPEL lassen ihre ungestümen Jugendtage endgültig hinter sich und haben mit Produzent Mark Lewis (u. a. Deicide und Devildriver) ein anspruchsvolles, erwachsenes Album umgesetzt.

 
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