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Purified In Blood

Storie von: arne, am 22.06.2012 ]

PURIFIED IN BLOOD ordnen ihr drittes Album als fehlendes Bindeglied zwischen „Reaper Of Souls“ und „Under Black Skies“ ein. Das sollte aufhorchen lassen, denn es verspricht eine Mischung aus wüsten, temporeichen Angriffssalven und einem voluminösen, wuchtigen Brachial-Sound. Entlang dieser Maßgabe entwickeln sich die acht Stücke von „Flight Of A Dying Sun“. Da sind der direkte Zug und ungestüme Ungeduld, aber auch die reife, breiter gefasste Entdeckungsfreude der jüngeren Tage mit wuchtigen Post-Core-Verweisen.

 
„Unser Debüt ist 2006 und damit vor einer gefühlten Ewigkeit erschienen. Damals sind wir 19-20 Jahre alt gewesen und waren unglaublich angepisst und wütend. Deshalb ist das Album so unglaublich schnell und aggressiv ausgefallen“, erinnert sich Sänger Hallgeir S. Enoksen. „Heute können wir so etwas nicht mehr mit Überzeugung spielen. Unsere Veröffentlichungen zeigen, wenn man sie in chronologischer Reihenfolge hört, sehr deutlich auf, wie sich unsere Interessen mit der Zeit verschoben haben. Auf der 2004er MCD „Last Leaves Of A Poisoned Tree“ spielten wir noch Hardcore, der bereits von Slayer und Entombed inspiriert gewesen ist. Dann folgte mit „Reaper Of Souls“ eine astreine MetalCore-Platte. Sie ist der Grund, warum uns viele Leute bis heute mit diesem Genre verbinden. Doch auf unserem Zweitwerk „Under Black Skies“ von 2010 traten wir deutlich verändert auf und setzen verstärkt auf Elemente aus dem Sludge und Doom, die wir mit einem Mix aus Thrash und Death verbunden haben. Der Einfluss von Hardcore-Kapellen wie Integrity, Earth Crisis, Liar, Cro-Mags und Strife ist sicherlich immer noch zu spüren, allerdings längst nicht mehr so stark wie in unseren frühen Tagen. Für die Inspiration durch große Metal-Helden wie Slayer, Iron Maiden, Pantera und Kreator gilt dasselbe. Auf dem letzten und dem neuen Album kommt all das, was unsere Vergangenheit bestimmte, mit dem Schaffen von Neurosis, Mastodon, Gojira und The Melvins zusammen. Selbst klassischen Rock und Metal muss ich inzwischen anführen; Sachen wie Judas Priest, Black Sabbath und St. Vitus. Im Ergebnis steht etwas, das sich nicht mehr so leicht greifen und in eine bestimmte Schublade stecken lässt. Gerade diesen Umstand schätze ich an „Flight Of A Dying Sun“ besonders. Die Leute, die unsere Entwicklung nicht aufmerksam verfolgt haben, werden überrascht sein, weil wir längst viel mehr bieten, als sie von uns erwarten. Was uns über die Zeit begleitet hat, ist die direkte Attitüde, die alle unsere Songs aufweisen und uns auszeichnet. PURIFIED IN BLOOD klingen immer aggressiv und roh, selbst in den MidTempo-Passagen, die heute eine so wichtige Rolle spielen.“

Statusbericht 2012

Intensiv ist der Vortrag der Norweger in jeder Lage, wobei die Musiker gerade mit ihrem Wechsel zwischen bissiger Hartnäckigkeit und mit den Jahren gereifter Gelassenheit und Heaviness punkten. Um die Tiefe ihrer acht Songs zu erweitern und weitere Akzente zu setzen, haben PURIFIED IN BLOOD dieses Mal befreundete Musiker für Drone-Saxophon, Orgel und ausgewählte Double-Bass-Parts ins Studio geholt. Auf „Flight Of A Dying Sun“ schöpfen sie wirklich aus dem Vollen: „Natürlich finden es nicht alle Hörer toll, wenn sich eine Band, die sie schätzen, verändert und anderen Interessen nachgeht“, erzählt der Frontmann. „Davon haben wir uns jedoch nie abhalten lassen und unseren Sound so verändert, wie wir es für richtig halten. Der Bruch nach dem ersten Album war sicherlich hart, doch wir mussten ihn vornehmen. Ich denke aber, dass man ihn nachvollziehen konnte. Wenn wir Hörer verlieren, nehmen wir das hin und akzeptieren es. Über die Jahre sind weitaus mehr Fans hinzu gekommen als abgesprungen. Das ist der Lohn unserer Arbeit, auch wenn wir natürlich vor allem auf uns schauen. Mit unseren Songs wollen wir uns kreativ ausleben und ausdrücken. Erst an zweiter Stelle kommen die Fans und übrigen Hörer. Wir müssen nur uns selbst etwas beweisen. Dazu nutzen wir alle sich bietenden Freiheiten. Ich bin froh, dass wir nicht mehr den Sound der ersten Platte spielen, sondern gewachsen und heute breiter aufgestellt sind. „Flight Of A Dying Sun“ ist der gegenwärtige Statusbericht, aber beileibe noch nicht das Ende. Das sind wir im Jahr 2012, und für den Moment fühlen wir uns mit unserem Heavy-Mix sehr wohl.“

Seit dem Ausstieg von Glenn Reaper hat Hallgeir S. Enoksen den Gesang komplett übernommen und überzeugt damit nun auch auf Albumlänge. Über zahllose Konzerte hinweg konnte sich der Shouter in den letzten eineinhalb Jahren an die neue Situation gewöhnen, so dass sie heute für ihn selbstverständlich ist: „Sein Ausstieg kam am Ende nicht überraschend, denn er hatte sich abgezeichnet. Er will sich verstärkt auf seine Doom-Band Helldiver konzentrieren und hat seine Prioritäten im Leben neu gewichtet. Zwischen uns ist alles gut. Wir sind nach wie vor eng befreundet.


Die Veränderung für das Gefüge PURIFIED IN BLOOD war weniger gravierend, als man meinen könnte. Alles ist bei 100 Prozent. Zum ersten Mal für alle Vocals ganz allein verantwortlich zu sein, war eine Heraus-forderung, der ich mich gerne gestellt habe. Ein offensichtlicher Vorteil ist es, dass ich mich nicht länger abstimmen musste, sondern alle meine Ideen umsetzen konnte.“

Glenn Reaper und Erlend Hjelvik von Kveletak sind mit Gastauftritten auf dem Drittwerk vertreten, doch zentral steht Hallgeir mit seinem Konzept, das der Sänger leidenschaftlich und variabel umsetzt: „Meine Texte berühren unterschiedliche Themen. Mit ,Mind Is Fire’ fordere ich beispielsweise dazu auf, sich selbst keine Zwänge aufzuerlegen und sich einen freien Geist zu bewahren. Lüftet den Schleier, der euer Bewusstsein vernebelt! Wir müssen nicht als Sklaven der Moderne leben, sondern können unsere Art zu leben, frei wählen. ,Iron Hands‘ wiederum thematisiert die kompromisslose Ausbeutung unseres Planeten durch weltweit operierende Konzerne. Sie zerstören den Lebensraum von Menschen und haben keine Achtung vor der Natur. Wälder werden abgeholzt, Flüsse angestaut oder das Grundwasser verschmutzt, das Anwohner trinken. So zerstört die Industrie am Ende den Lebensraum von uns allen. Das übergeordnete Thema von „Flight Of A Dying Sun“ sind aber der Tod und die Phasen des Sterbens. Im letzten Jahr habe ich meinen Vater verloren, was für mich einen herben Verlust und tiefen Einschnitt bedeutete. Der Titelsong gibt meine Empfindungen wieder und erzählt davon, wie die Seele den Körper verlässt. Ich bin kein religiöser Mensch, glaube allerdings an die Kräfte der Natur und das alles lebendig ist. Wenn der Körper stirbt, streift die Seele weiter.“

Konsens vs. Projekt

Musikalisch werden die existentiellen Texte mit Sounds im Spannungsfeld zwischen Sludge, Post-Metal und -Core, Stoner sowie Melo-Death, Black und Heavy Metal umgesetzt. Selbst folkloristische Akzente sind heraus zu hören. Das auf dem Drittwerk umgesetzte Spektrum ist beachtlich und repräsentiert einen facettenreichen, mitreißenden Sound, an dem man sich so schnell nicht satt hört: „Bei PURIFIED IN BLOOD leben wir eine Demokratie. Nicht ein Einzelner ist für das Songwriting verantwortlich, es ist die ganze Band“, verrät Sänger Hallgeir. „Songs entstehen aus unserem gemeinsamen Jammen. Die eine oder andere Idee mag individuell zustande kommen, doch dann arbeiten wir an ihr bei den Proben weiter, so dass sich jeder von uns einbringen und wir sie zusammen weiter entwickeln können. Es mag schnellere und effizientere Arbeitsprozesse geben, doch wir schätzen den Umstand, dass wir am kreativen Prozess alle gleichberechtigt beteiligt sind. Mit dem Ergebnis sind später alle zufrieden, auch wenn jeder Kompromisse eingegangen ist. Bislang hat sich die Arbeitsweise für uns bewährt. Die Mitte, in der wir uns treffen, ist spannend, und wer sich individuell stärker ausleben will, hat Projekte gegründet. Diese reichen von Jazz, Doom und Drone bis hin zu Old School-Hardcore. Deshalb ist die Arbeit im Kontext von PURIFIED IN BLOOD fokussiert und effektiv. Das neue Album ist in fünf Monaten entstanden, von denen drei für intensives Proben und Studio zu veranschlagen sind. Aus der relativ kurzen Entstehungszeit resultiert das rohe Feeling. Auch deshalb, weil die Hälfte der Songs erst im Studio letzte Form angenommen hat. Die Riffs und grundlegenden Ideen standen, jedoch nicht das finale Ergebnis. Bei unserem Debüt „Reaper Of Souls“ haben wir es damals ähnlich gehalten. Mir gefällt zudem die diverse Ausgestaltung der Stücke. Lässt man das Intro beiseite, finden sich auf „Flight Of A Dying Sun“ sieben Songs, die sich deutlich voneinander absetzen. Um dieses zu erreichen, haben wir bewusst unterschiedliche Sounds und Stimmungen aufgebaut. Ihre Verbindung wird durch Strukturen geschaffen, die dynamisch und lebendig gehalten sind. Mir geht es nach wie vor so, dass ich „Flight Of A Dying Sun“ direkt noch einmal hören will, wenn der letzte Track verklungen ist. Die Zusammenarbeit mit Produzent Jacob Bredahl im Dead Rat Studio und später mit Tue Madsen im Antfarm für das Mixing lief super, da beide direkt verstanden haben, was unseren Sound ausmacht und worauf wir abzielen. Dass wir weniger organisch als zuletzt auf „Under Black Skies“ klingen, sollte genau so sein. Dieses Mal wollten wir es wieder roher und brachialer haben.“

 
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